2014 – Großes Teufelshorn (2361 m.)  +  Kleines Teufelshorn (2283 m.) - Gratüberschreitung

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   PD  oder  WS   (T5+/6-  oder  W5+/6-)

Charakter:  Weglose, luftige Kletterei bis II+ (Stelle) sowie vielfach I-II am Nordgrat des Kleinen Teufelshorns – Abgesehen von der Überschreitung durchgehend (undeutlich) markierte, schroffe Bergpfade auf den Normalwegen (zum Teil nur Trittspuren, teilweise Kletterei bis I) in einer einsamen, urtümlichen Gebirgslandschaft auf zwei formschöne, wild-schroffe Felsgipfel im Südlichen Hagengebirge. Ausgangspunkt ist die Wasseralm (in der Röth) – Von der Alm zunächst in östliche Richtung über den Bach („Reitweg“), dann rechts dem ausgeschilderten Weg zum Großen Teufelshorn in den Wald folgen. In diesem auf welligem, erdigem Pfad in südöstliche Richtung, wobei man nacheinander die freien Wiesenflächen der verfallenen Schabaualm sowie des Hennenlochs passiert. Aus einer freien Lichtung leitet der Steig schließlich bergauf ins Gebiet der ehemaligen Göring-Jagdhütte (Wegeteilung der Teufelshörner-Normalrouten – Schild auf einem Baumstamm). Im Folgenden durch ein Gewirr aus bewachsenen Mulden, gerölligen Rinnen, Schrofen und Grashängen in östliche Richtung, bis das Gelände freier wird. Unterhalb (links) der felsigen Ausläufer des Kleinen Teufelshorns durch eine grasige Mulde weiter, anschließend über Schrofen und Karst auf das Kar zwischen den beiden Teufelshörnern zu. Vorher eben nach links queren zu einer felsigen Rampe. Rasch empor und über grasige Schrofen nach rechts zum breiten Nordwestrücken des Großen Teufelshorns. Auf diesem – den Markierungen folgend – über Schrofen, geröllige Rinnen und Karst (teilweise stark felsiges Gelände bis I) zur Gipfelabdachung und zuletzt über grasige Schrofen empor zum höchsten Punkt des Großen Teufelshorns (2361 m. – Tolle Aussicht ins Blühnbachtal und in die abgelegenen Weiten des Hagengebirges!) – Vom Gipfel zunächst ein Stück über den gerölligen Gipfelrücken nach Süden bergab, dann den plötzlich steil abfallenden Grat in Form einer Querung nach rechts vermeiden und in einem großen Bogen über abschüssige Steilschrofen (Vorsicht bei Nässe!) in die Scharte („Teufelsnieder“) zwischen den beiden Teufelshörnern queren. Von der Scharte über Gras und Geröll an den Nordgrat des Kleinen Teufelshorns. Zunächst knapp rechts unterhalb vom Grat über felsige Steilschrofen (I-II) bergauf, dann ziemlich direkt über eine heikel-abschüssige Geröllrinne (I) und plattigen Fels (I) zur Schlüsselstelle – einer abdrängenden, kaminartigen Rinne (II+ / trittarm!) – die entlang eines Risses (2-3m) überwunden wird und nur wenig ausgesetzt ist. Anschließend direkt über den Grat (Steinbock-Gebiet!) in leichter Kletterei (I) aufwärts bis an den obersten Gipfelaufbau. In stark felsigem Gelände (I-II) rasch empor zum Gipfel des Kleinen Teufelshorns (2283 m. – Grandiose Aussicht zum Hochkönig, ins Blühnbachtal, zurück zum Großen Teufelshorn und in Richtung Obersee!) – Vom Gipfel über den Grat („Schlossanger“) – zu Beginn schmal und luftig – bergab, dann (leicht linkshaltend) über begrünte Schrofen und Karst zu einem freien, grasbewachsenen Geländevorsprung (aus Sicht des Autors einer der schönsten Orte der Umgebung!) – Pfadspuren folgend, über grasige, von Felsen durchsetzte Hänge abwärts auf das Blühnbachtörl zu, kurz vorher auf gerölligem Steig nach rechts bergab in ein Hochkar. Der Pfad leitet über grasige Schrofen unschwierig hinab in eine Mulde und schließlich in einen Wald (hier teils nur Trittspuren!) – Im Bergwald (eine freie Wiesenfläche durchquerend) abwärts zur Wegeteilung bei der verfallenen Göring-Jagdhütte und auf dem bekannten Zustiegsweg zurück zur Wasseralm. Diese wiederrum wird auf der folgenden Route erreicht: Vom Parkplatz Hinterbrand auf breitem Wanderweg (teilweise in lichtem Wald) zur Mittelstation der Jennerbahn und in freies Gelände. Anschließend in Form einer herrlichen Höhenwanderung (weite Ausblicke ins Berchtesgadener Land und zum Watzmann!) an der Wasserfallalm und der Strubalm vorbei ins Gebiet der Königsbachalm. Oberhalb der Alm – leicht abfallend – die Jenner Südflanke queren, bis man auf den Weg von der Königsbachalm zum Carl-von-Stahl-Haus stößt. Dem Weg noch ein Stück bergauf folgen, nach kurzer Zeit jedoch die ausgeschilderte Abzweigung nach rechts zur Priesbergalm wählen. Man passiert die bekannte Enzianbrennhütte (Grassl) und erreicht kurz darauf die idyllische Wiesenfläche des Priesberger Moos – leicht ansteigend auf breitem Wanderweg zur nahen Priesbergalm (1460 m. – Herrliche Aussicht zum Watzmann!) – Anschließend dem Steig über freies Almgelände folgen. Oberhalb eines Waldes quer über Grashänge in den Abwärtsgraben und zu einem Bach. Diesen überqueren, dann jedoch den Weg (zum Seeleinsee) nach rechts verlassen und in den Unteren Hirschenlauf. Dieser schroffe, bei Nässe unangenehm-rutschige Steig (Drahtseile A/K1, zahlreiche Eisenbügel und Holzleitern/-Tritte) quert zunächst den steilen, bewaldeten Kessel südöstlich oberhalb der Gotzentalalm und führt anschließend über einen steilen, baumbestandenen Felshang bergauf, bis man in ebenes Gelände kommt und schließlich den breiten Fahrweg von der Gotzentalalm erreicht. Auf diesem in einigen großen Bögen zur Gotzenalm (1685 m. – Eindrucksvolle Rundumsicht in die Bergwelt um den Königssee!) aufsteigen. Zunächst zwischen den Almgebäuden hindurch über freie Wiesenflächen, dann auf teilweise erdig-matschigem Pfad leicht abfallend durch das licht-bewaldete Gebiet der Bären-/Rosengrube in südöstliche Richtung bis zu einer Wegeteilung (Kaunersteig nach Salet) in der Nähe der Regenalm. Den linken Weg wählend, auf gutem Bergsteig durch die bewaldeten Ausläufer des Unterlaafelds (zuletzt durch einen grasbewachsenen Graben) bis zu einer Geländekante (Punkt 1688 m.) – Nun oberhalb steiler Abbrüche (landschaftlich eindrucksvoll!) quer durch die Laafeldwand ins Landtal, bis man auf den Weg vom Hochgschirr (Seeleinsee) stößt. Den Weg nach rechts (Süden) nehmen und – leicht abfallend – durch das urwüchsige Landtal, an den im Bereich einer freien Wiesenfläche gelegenen Resten der Landtalalm vorbei und in einen Wald unterhalb der imposanten Hochsäulwand. Man erreicht schließlich eine Wegteilung (Landtalsteig nach Salet), hier links halten und auf schmalem Steig unterhalb der Hanauerlaubwand entlang (tolle Aussicht zum Obersee!) weiter nach Süden. Die Querung einiger steiler Rinnen und schroffer Grashänge (teilweise Drahtseile und Holztritte) verlangt – speziell bei Nässe – eine gewisse Umsicht. Man passiert das Wildtörl (1290 m.) und folgt dem Steig anschließend durch einen lichten, welligen Bergwald – einige Bachbetten durchquerend – in das Gebiet der Röth, bis man schließlich die (im Bereich einer großen Lichtung gelegene) Wasseralm (1423 m.) erreicht. Geht man die Teufelshörner-Überschreitung in der hier vorgestellten Art und Weise an (Hinterbrand-Wasseralm-Teufelshörner) ergeben sich die folgenden Werte: 2300Hm Aufstieg und 2000hm Abstieg, 28km Wegstrecke, 11-12h reine Gehzeit – Ab Wasseralm (1100Hm, 7,5km und 5-6h Gehzeit) sind die Zahlen dagegen moderat. Die Teufelshörner-Überschreitung ist eine der landschaftlich eindrucksvollsten Touren der östlichen Berchtesgadener Alpen! Die Einsamkeit und Wildheit des Südlichen Hagengebirges, die Ursprünglichkeit der Röth sowie der atemberaubend-schöne Kontrast zwischen Blühnbachtal, Hochkönig, Funtenseetauern, Obersee und Gotzenbergen – all das ergibt eine klassisch-alpine Bergtour, der es an nichts mangelt. Und wer dann noch am Grat zwischen den Teufelshörnern auf Steinböcke trifft, ist wahrlich zu beneiden! Prädikat: Besonders lohnend.

Gefahren:  Der Übergang vom Großen zum Kleinen Teufelshorn ist alpin, schroff und vollkommen weglos – mit allen einhergehenden subjektiven Risiken! Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, alpine Erfahrung und eine gewisse Klettergewandtheit sind unbedingt notwendig! Der Fels (am Nordgrat des Kleinen Teufelshorns) ist fest und gut zu klettern – Bei Nässe oder gar Schneelage (Vereisung!) dürfte er aber rasch äußerst heikel und unangenehm zu begehen sein! Nach einem Wettersturz daher besser auf die Überschreitung verzichten! Beide Normalwege auf die Teufelshörner weisen durchgehende Markierungen auf, allerdings sind diese (speziell beim Kleinen Teufelshorn) teilweise nur sehr spärlich, manchmal sind zudem nur Pfadspuren vorhanden – Orientierungsvermögen schadet also nicht! Bei Nebel kann der Abstieg vom Kleinen Teufelshorn spannend werden – eine gute Sicht ist im Bereich des Blühnbachtörls durchaus von Vorteil. Bei der Teufelshörner-Überschreitung besteht die Möglichkeit, auf Steinböcke zu treffen – Abstand halten und die Tiere nicht stören bzw. provozieren! Immerhin herrscht während der Tour praktisch keine Steinschlaggefahr. Der Zustieg vom Parkplatz Hinterbrand zur Wasseralm weist bis zum Unteren Hirschenlauf keinerlei objektive Gefahren auf. Während des Hirschenlaufs jedoch teilweise schroffes, durchaus steiles Gelände (bei Nässe unangenehm rutschig und schmierig!) – Auch beim Übergang von der Gotzenalm zur Wasseralm einige Steilpassagen (besonders im Bereich des Landtals), die bei Nässe fies werden können. Kurz nach der markanten Hanauerlaubwand (vor dem Wildtörl) herrscht im Bereich einiger Rinnen eine gewisse Steinschlaggefahr! Nicht zu vergessen sind auch die konditionellen Anforderungen und zu bewältigenden Distanzen! Insgesamt gilt letztlich: Wer die beschriebenen technischen Anforderungen sicher beherrscht, Routen- und Wetterverhältnisse angemessen berücksichtigt sowie entsprechend ausgerüstet ist (Schuhwerk, winddichte Kleidung, ausreichend Wasser etc.) – sollte nicht in Schwierigkeiten geraten und diese wahrlich schöne (aber anspruchsvolle) Tour vollauf genießen können!


15. September  -  19. September 2014

Fünf-Tages-Tour in die Berchtesgadener Alpen – Am ersten Tag Zustieg vom Parkplatz Hinterbrand über Priesbergalm und Gotzenalm zur Wasseralm. Am zweiten Tag Besteigung des Großen Teufelshorns (2361 m.) über den Normalweg mit anschließender Gratüberschreitung zum Kleinen Teufelshorn (2283 m.) – Abstieg zur Wasseralm über den Normalweg. Am dritten Tag (Tourenbericht) Aufstieg von der Wasseralm zum Funtenseetauern (2578 m.) mit anschließendem Abstieg über den Stuhljochgrat zum Kärlingerhaus. Am vierten Tag (Tourenbericht) Überschreitung der Schönfeldspitze (2653 m.) von West nach Ost (Normalwege) in die Buchauer Scharte – Anschließend via Hochbrunnsulzen, Brunnsulzengrat, Niederbrunnsulzen und Lange Gasse zurück zur Wasseralm. Am fünften Tag Abstieg über den Röthsteig zum Obersee mit anschließender Fahrt über den Königssee.

Gesamtübersicht

Privat organisierte Tour  -  alleine begangen

[Bild: Kleines Teufelshorn 2283 m. beim Abstieg vom Großen Teufelshorn]

1. Tag        Parkplatz Hinterbrand  -  Mittelstation (Jennerbahn)  -  Königsbachalm  -  Priesbergalm  -  Unterer Hirschenlauf  -  Gotzenalm  -  Landtal  -  Wildtörl  -  Wasseralm

Das Gebiet rund um die Wasseralm (1423 m.) ist eine der ursprünglichsten und schönsten Gegenden der Berchtesgadener Alpen – vor allem jedoch ein absolutes Touren-Paradies für Wanderer und Bergsteiger! Nach einem äußerst bescheidenen Bergsommer 2014 bahnen sich im September schließlich einige Tage schönes Wetter (am Stück!!) an…Wo aber soll es hingehen? – Hohe Tauern? Dolomiten? Westalpen? Nein…Diesmal nicht…Stattdessen: Back to the roots! Ab in die Heimat – Ich brauche eine kräftige Dosis BGA! Außerdem: Berge wie die Teufelshörner oder der Funtenseetauern lassen sich nun einmal nicht gut an einem einzelnen Tag besteigen…

[Bild: Parkplatz Hinterbrand: Es liegt Aufbruchstimmung in der Luft. Im Hintergrund Kehlstein 1881 m. (links) und Dürreckberg 1785 m.]

[Bild: Blick aus dem Jennergebiet zum Hohen Brett 2340 m.]

[Bild: Blick ins Berchtesgadener Land. Rechts der in Wolken gehüllte Untersberg]

[Bild: Auf breiten Wanderwegen geht es um den Jenner herum ins Gebiet der Königsbachalm]

[Bild: Blick über die Königsbachalm 1191 m. zum Watzmann]

[Bild: Blick von der Grassl-Branntweinbrennhütte zum Jenner 1874 m.]

[Bild: Auf dem Weg zur Priesbergalm]

[Bild: Priesberger Moos - Darüber ragt die imposante Farrenleitenwand auf]

[Bild: Priesbergalm 1460 m. - Im Hintergrund der Jenner 1874 m.]

[Bild: Von der Priesbergalm geht es auf gutem Bergsteig über grasbewachsene Hänge in Richtung Abwärtsgraben und zum Unteren Hirschenlauf]

[Bild: Am Beginn des Unteren Hirschenlaufs]

[Bild: Der Untere Hirschenlauf ist an einigen Stellen mit Drahtseilen und Eisenbügeln versichert]

[Bild: Luftige Passage im mittleren Teil des Unteren Hirschenlaufs]

[Bild: Auf zuletzt breitem Bergweg leitet der Untere Hirschenlauf schließlich auf den Fahrweg von der Königsbachalm zur Gotzenalm]

[Bild: Blick vom Aufstieg zur Gotzenalm zurück nach Norden zum Jenner 1874 m.]

[Bild: Gotzenalm 1685 m. - Im Hintergrund der Watzmann 2713 m.]

[Bild: Auf dem Weg von der Gotzenalm ins Landtal]

[Bild: Im Bereich der Wegeteilung Gotzenalm-Landtal-Kaunersteig - Rechts der wuchtige Funtenseetauern]

[Bild: Blick aus dem Bereich der Laafeldwand zur Hochsäul 2073 m. (rechts) - Der Zugang erfolgt über die Wand in Bildmitte (Einstieg im linken Teil) über den sogenannten Eisenpfad - eine anspruchsvolle und sehr einsame Unternehmung!]

[Bild: Auf schmalem Steig geht es unterhalb der Laafeldwand ins Landtal. Im Hintergrund die Südausläufer des Kahlersberg]

[Bild: Tolle Perspektive! - Blick über das Landtal in Richtung Röth. Deutlich ist der Röthbachfall zu erkennen. Links die Hochsäul 2073 m.]

[Bild: Im nördlichen Bereich des Landtals]

[Bild: Durch diesen Bereich der Wand müsste laut AV-Karte & AV-Führer theoretisch der Eisenpfad führen - Eine Überprüfung durch den Autor steht noch aus...]

[Bild: Ein Relikt aus lang' vergangener Zeit: Die verfallene Landtalalm]

[Bild: Im Landtal]

[Bild: Der Landtalsteig ist an einigen Stellen recht schmal - Eine gewisse Trittsicherheit schadet nicht!]

[Bild: Tiefblick zum Obersee]

[Bild: Der Obersee wird im Norden von der imposanten Talwand überragt]

[Bild: In der Röth - kurz vor der Wasseralm]

Die Wasseralm (1423 m. – anderen Angaben zufolge 1416 m. – weitere Infos) ist eine Schutzhütte (Kategorie I.) des DAV und im Besitz der Sektion Berchtesgaden. Sie befindet sich in der Röth, einem bewaldeten Kessel oberhalb des Obersees zwischen Hagengebirge und Steinernem Meer. Die Wasseralm wird in der Sommersaison – von Ende Mai bis Anfang Oktober – (einfach) bewirtschaftet, eine voll ausgestattete AV-Hütte stellt sie jedoch nicht dar. Sie verfügt über knapp 50 Matratzenlager und einen stets offenen Winterraum (20 Schlafplätze) – Tipps für Reservierungen (speziell bei großen Gruppen!!) sind auf den verlinkten Seiten nachzulesen! Die Hütte wird seit 2005 bewirtschaftet – der wachsenden Bedeutung des Hüttenwanderns (z.B. Große Reibn) sei Dank – und heutzutage per Helikopter versorgt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die damaligen Almhütten abgerissen, ein (neuer) Kaser wurde 1950 aus den Resten der ehemaligen Jagdhütte von Hermann Göring erbaut. Ab 1951 konnte man in der Wasseralm übernachten, 1956 wurde sie schließlich das letzte Mal bestoßen. 1969 pachtete die DAV-Sektion Berchtesgaden die Wasseralm – mittlerweile ist sie der Eigentümer. Über die Zeit wurde die Hütte modernisiert und erweitert – Dennoch: Wenn auf eine Berghütte die Adjektive „urig“, „ursprünglich“ und „einfach“ zutreffen, dann auf die Wasseralm – und das ist komplett positiv gemeint! Der klassische Zustieg zur Wasseralm führt (nach einer Schiffsfahrt über den ganzen Königssee) von Salet am Obersee vorbei und dann über den Röthsteig (3h) oder den – etwas leichteren – Landtalsteig (3,5h) zur Hütte. Erreicht werden kann die Wasseralm aber auch im Zuge zahlreicher Hüttenübergänge: Gotzenalm (4h) – Carl-von-Stahl-Haus (6-7h) und Kärlingerhaus (4h via Grünsee - 6-7h via Niederbrunnsulzen) sind hierbei exemplarisch zu nennen. Zu den wichtigsten Gipfelzielen im Umkreis zählen das Große Teufelshorn (2361 m. – 3h, I und markiert) – das Kleine Teufelshorn (2283 m. – 3h, I und spärlich markiert) – der Kahlersberg (2350 m. – 4h, I und markiert) und der Funtenseetauern (2578 m. – 4-5h, I und weglos). „Besondere“ Tourenziele wie z.B. Hochsäul (2073 m.) – Laubseelein, Eisenpfad oder Alpriedelhorn (2351 m.) sind im AV-Führer nachzulesen! Die Wasseralm hat sich als wichtiges Etappenziel auf der Großen Reibn, den Hüttenweitwanderungen zwischen Gotzenalm bzw. Carl-von-Stahl-Haus und Kärlingerhaus etabliert und trotz der stetig wachsenden Beliebtheit bei Wanderern seine einmalig-urige, ursprüngliche und (vor allem) herrlich-einfache, natürliche Atmosphäre bewahrt! Das Röhren der Hirsche während der Brunftzeit im September (in unmittelbarer Nähe zur Hütte – fast jeden Abend sind die Tiere zu sehen!) ist legendär!

[Bild: Wasseralm in der Röth]

2. Tag        Wasseralm  -  Schabaualm (verfallen)  -  Hennenloch  -  Hermann-Göring-Jagdhütte (verfallen)  -  Großes Teufelshorn Nordwestrücken  -  Großes Teufelshorn  -  Teufelsnieder  -  Kleines Teufelshorn Nordgrat  -  Kleines Teufelshorn  -  Schlossanger  -  Blühnbachtörl  -  Hermann-Göring-Jagdhütte (verfallen)  -  Hennenloch  -  Schabaualm (verfallen)  -  Wasseralm

Steinernen Zwillingen gleich dominieren die Teufelshörner das Gebiet zwischen Röth und Blühnbachtal. Sie stellen das Bindeglied zwischen Steinernem Meer und Hagengebirge dar – Von letzterem wiederrum ist das Große Teufelshorn (2361 m.) der höchste Gipfel und damit einer der geographisch bedeutendsten Berge der Berchtesgadener Alpen! Auf beide Teufelshörner führen anspruchsvolle, voneinander unabhängige Normalwege, die (mehr oder weniger deutlich) markiert sind und jedem trittsicheren sowie erfahrenen Bergsteiger empfohlen werden können. Neben einigen (teil sehr schwierigen!) Kletterrouten bieten sich die Route von der Eisgrabenscharte (II, weglos) – der Ostnordostgrat (II+, weglos und brüchig!) und die Route aus dem Blühnbachtal (I, weglos) auf das Große Teufelshorn sowie die Route aus dem Blühnbachtal (II, meist weglos) via Eckberthütte auf das Kleine Teufelshorn an. Die Königstour – bei der man dem Teufel buchstäblich auf den Hörnern herumtanzt – ist jedoch die Gratüberschreitung vom Großen zum Kleinen Teufelshorn (II+, weglos) – Der klassische Ausgangspunkt für die Teufelshörner ist die Wasseralm, umgekehrt stellen sie die „Hüttengipfel“ dar, werden allerdings trotz der hohen Frequentierung der Wanderwege (z.B. Carl-von-Stahl-Haus – Kärlingerhaus) verhältnismäßig wenig bestiegen! Das gilt im Speziellen für das Kleine Teufelshorn, während das Große Teufelshorn immerhin noch regelmäßig Besuch erhält. Das Besondere an einer Teufelshorn-Besteigung ist die Tatsache, dass das Ganze als Tagestour nur unter allergrößten Anstrengungen möglich ist – um die abgelegenen Gipfel zu erreichen, braucht es in der Regel 1,5-2 Tage (den Fahrzeiten der Schiffe sei Dank!) – Das kommt der Ursprünglichkeit und Romantik der Gegend durchaus zugute! – Und wer einen ersten Eindruck von der Wildheit des Südlichen Hagengebirges bekommen möchte, kann sich hier entsprechend „vortasten“. Die Gratüberschreitung der beiden Teufelshörner – die Besteigung beider Gipfel in einem Zug – wird in jedem Fall nicht allzu oft gemacht. Die Bergeinsamkeit dürfte den Steinböcken daher in der Regel sicher sein. Bergsteigern, die sich dann aber doch einmal auf diesen Grat „verirren“, bietet sich bei gutem Wetter ein grandioser Kontrast: Hagengebirge, Blühnbachtal und Hochkönig auf der einen Seite – Funtenseetauern, Obersee und Gotzenberge auf der anderen Seite. Eine Tour für Kenner und Könner gleichermaßen!

[Bild: Auf dem Gipfel des Kleinen Teufelshorns 2283 m. im Hagengebirge in den Berchtesgadener Alpen]

Nach dem gestrigen Zustieg von Hinterbrand zur Wasseralm (welcher sich als länger herausstellte als gedacht) steht heute eine Tour auf dem Programm, die mich schon länger extrem reizt: Die Besteigung bzw. Überschreitung der Teufelshörner. Da ich nicht genau weiß, wie lange ich letztlich für die Tour brauchen werde (und ich Morgenstimmungen in den Bergen – wie auch Zeitreserven – liebe!) mache ich mich noch vor 6 Uhr in absoluter Dunkelheit auf den Weg.

[Bild: Da geht's hin!]

[Bild: Schild Nr. 2 bei der Wegeteilung Großes Teufelshorn-Kleines Teufelshorn]

[Bild: Überreste der ehemaligen Jagdhütte von Hermann Göring - vor etwa 80 Jahren war das hier NS-Sperrgebiet!]

[Bild: Den Markierungen folgend, geht es durch ein Gewirr aus grasigen Flanken, Mulden und Schrofenhängen bergauf]

[Bild: Der Funtenseetauern 2578 m. (rechts) leuchtet im ersten Licht des Tages. Links der Wildalmrotenkopf 2516 m.]

[Bild: Links unterhalb der Ausläufer des Kleinen Teufelshorns geht es auf einen einsamen Baum zu. Im Hintergrund das Große Teufelshorn 2361 m.]

[Bild: Rechts an dem Baum geht es vorbei und anschließend (brav den Markierungen folgend) über karstige Schrofen auf den Bergkörper des Großen Teufelshorns zu]

[Bild: Watzmann 2713 m.]

[Bild: Tiefblick zurück in Richtung Röth]

[Bild: Aufstieg über eine felsige Rampe zum Nordwestrücken des Großen Teufelshorns]

[Bild: Morgennebel liegt über Königssee und Obersee. Im Hintergrund der Watzmann 2713 m. und links hinten die Hocheisspitze 2523 m.]

[Bild: Am Beginn des Nordwestrückens des Großen Teufelshorns]

[Bild: Die Orientierung fällt beim Aufstieg zum Großen Teufelshorn sehr leicht]

[Bild: Felsige Rinnen und grasige Schrofen leiten konsequent aufwärts]

[Bild: Blick zum Kleinen Teufelshorn 2283 m.]

[Bild: Im oberen Teil des Nordwestrückens des Großen Teufelshorns]

[Bild: Über einen grasigen Schrofenhang geht es schließlich empor zum höchsten Punkt]

[Bild: Blick vom Gipfel des Großen Teufelshorns nach Norden über den südwestlichen Teil des Hagengebirges zum Kahlersberg 2350 m. - Im linken Bildteil die Gotzenberge und in der Ferne das Lattengebirge]

[Bild: Hochkönig 2941 m. - der höchste Berg der Berchtesgadener Alpen ]

[Bild: Schönfeldspitze 2653 m. - Wildalmrotenkopf 2516 m. - Grieskogel 2543 m. - Graskopf 2519 und Funtenseetauern 2578 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Blick zum wolkenverhangenen Watzmann. Davor die Hachelköpfe und links die Hocheisspitze 2523 m.]

[Bild: Auf dem Gipfel des Großen Teufelshorns 2361 m. - Links im Hintergrund der Funtenseetauern 2578 m.]

[Bild: Blick in die wilden und einsamen Weiten des Hagengebirges. Links der Kahlersberg 2350 m.]

[Bild: Für die Überschreitung zum Kleinen Teufelshorn geht es vom Gipfel zunächst auf einer deutlichen Geröllspur in südwestliche Richtung ein Stück bergab]

[Bild: Nach kurzer Zeit geht es über grasige Schrofen nach rechts abwärts]

[Bild: Einmalige Perspektive! - Blick beim Abstieg vom Großen Teufelshorn über das westliche Blühnbachtal zum Hochkönig 2941 m.]

[Bild: Über teils abschüssige Geröll- und Schrofenflanken geht es in einem Bogen nach links in die Scharte (Teufelsnieder) zwischen Großem und Kleinem Teufelshorn]

[Bild: Kleines Teufelshorn 2283 m. - die Kletterei wartet]

[Bild: Am Beginn des Nordgrats des Kleinen Teufelshorns. In leichter Kletterei (I-II) geht es in griffigem Fels bergauf]

[Bild: Kleines Teufelshorn Nordgrat]

[Bild: Schlüsselstelle: Eine abweisende, kaminartige Rinne (II+) - Die Ausgesetztheit ist gering, aber Tritte sind kaum vorhanden. Entlang des Risses (ca. 2-3m) wird sie überwunden]

[Bild: Tiefblick über die Schlüsselstelle am Nordgrat - sinnvollerweise sollte man die Tour vom Großen zum Kleinen Teufelshorn gehen!]

[Bild: Anschließend geht es direkt auf dem Grat (I) weiter aufwärts]

[Bild: Ein Steinbock genießt die Sonne. Rechts der gut 1600Hm tiefergelegene Obersee]

[Bild: Blick zum Gipfelaufbau des Kleinen Teufelshorns - wer findet die Steinböcke?]

[Bild: Die Teufelshörner sind (wie generell das gesamte Hagengebirge) Steinbockgebiet!]

[Bild: Hochkönig 2941 m. - was für ein Gigant von Berg!]

[Bild: Der Alpensteinbock - was für ein majestätisches Tier!]

[Bild: In stark felsigem Gelände (I-II) geht es schließlich aufwärts zum Gipfel]

[Bild: Auf dem Gipfel des Kleinen Teufelshorns 2283 m. - In der Tiefe der Obersee]

[Bild: Obersee - rechts die Talwand]

[Bild: Blick vom Kleinen Teufelshorn zum Großen Teufelshorn 2361 m. - sieht von hier wilder aus, als es ist!]

[Bild: Wolkenmeer über dem Blühnbachtal]

[Bild: Blick in Richtung Gotzenberge. Rechts der Kahlersberg 2350 m. und links unten der Obersee]

[Bild: Diffuse Stimmung: Blick zum Hochkönig 2941 m. mit dem Blühnbachtal unter einer geschlossenen Wolkendecke davor]

[Bild: Blick vom Kleinen Teufelshorn zum Hochkönig 2941 m.]

[Bild: Blick zum gewaltigen und weitläufigen Bergmassiv des Funtenseetauern]

[Bild: Blick vom Kleinen Teufelshorn über die Röth und den Obersee zum Watzmann]

[Bild: Gipfel des Kleinen Teufelshorns 2281 m. - Im Hintergrund das Große Teufelshorn 2361 m.]

[Bild: Abstieg vom Gipfel über den Südgrat (Schlossanger) - In der Tiefe der Obersee]

[Bild: Abstieg vom Kleinen Teufelshorn in Richtung Blühnbachtörl. In der Ferne (mittig) der lange Nordgrat des Selbhorns. Ganz rechts der Funtenseetauern 2578 m.]

[Bild: Sehnsucht Berchtesgadener Alpen...]

[Bild: Knapp oberhalb des Blühnbachtörls, welches von der wuchtigen Laubwand (Lawand) 2312 m. überragt wird]

[Bild: Blick zurück zum Kleinen Teufelshorn]

[Bild: Wildtorkopf (Schloßkopf) 2139 m. beim Blühnbachtörl mit der Laubwand dahinter]

[Bild: Der Abstieg vom Blühnbachtörl in die Röth (Wasseralm) erfolgt auf einem schmalen Pfad und wird relativ selten begangen]

[Bild: Ein gewisser Orientierungssinn ist beim Abstieg vom Kleinen Teufelshorn unbedingt notwendig!]

[Bild: Blick zurück zum Kleinen Teufelshorn]

[Bild: Auf dem Weg zurück zur Wasseralm]

[Bild: Bei der Wasseralm in der Röth]

[Bild: Wasseralm 1423 m.]

Die Überschreitung der Teufelshörner im Hagengebirge wird wohl niemals eine Modetour werden - und das ist auch gut so! Hier sind die einsamkeitssuchenden Bergsteiger noch unter sich. Speziell bei der eigentlichen Überschreitung wird man wohl nur in den seltensten Fällen auf andere Menschen treffen, eher noch auf eine Gruppe Steinböcke. Aber auch die beiden Normalwege der Teufelshörner sind nicht gerade überlaufen - vor allem das Kleine Teufelshorn wird von der überwiegenden Anzahl der Wanderer links liegen gelassen. Touren im Hagengebirge sind - mit Ausnahme der Gotzenalm, des Schneibsteins und des Kahlersbergs - in der Regel komplizierte Unterfangen. Wer sich jedoch dem 'Mythos Hagengebirge' vorsichtig nähern will, kann hier den Anfang machen. Das Große Teufelshorn (2361 m.) - höchster Gipfel des Hagengebirges - und das Kleine Teufelshorn (2283 m.) ergeben zusammen ein höchst eindrucksvolles Gipfelpaar. Und wer über die Fähigkeit (und das Wissen!) verfügt, die Überschreitung beider Hörner in einem Zug zu machen, der wird eine äußerst elegante, spannende und alpine (!) Tour vorfinden. Und wenn man dann noch auf Steinböcke trifft, ist das Bergsteiger-Glück perfekt!

Morgen steht eine Tour auf dem Programm, von der ich schon des Öfteren gehört habe, dass sie zum Eindrucksvollsten gehören soll, was die Berchtesgadener Alpen zu bieten haben - die Funtenseetauern-Überschreitung! Hier geht es weiter zum nächsten Tourenbericht (3. Tag)

[Bild: Blick bei der Teufelshörner-Überschreitung zum Hochkönig 2941 m.]

 

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