2013 – Similaun (3606 m.)  +  Marzellkamm (3147 m.)

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   F+  oder  L+   (T4  oder  W4)

Charakter:  Technisch unschwierige, landschaftlich wunderschöne Gletschertour (maximal 25-30° Steigung) mit geringer Spaltengefahr und Zustieg über einen felsigen Gratkamm (teilweise I) auf den – neben der Wildspitze – begehrtesten 3000er der Ötztaler Alpen. Von der Martin-Busch-Hütte zunächst ein kurzes Stück taleinwärts, dann nach links über den Niederjochbach (Brücke) und über begrünte Hänge ein Stück bergauf. Den Markierungen folgend in einem Bogen um das nördliche Ende des Marzellkamms herum, dann in Kehren über grasbewachsene, von Blockwerk durchsetzte Flanken aufwärts auf den breiten Kamm. Anfangs in leichtem Auf und Ab über den Grat (stets freie Ausblicke zum Marzellferner und in Richtung Similaun!) – später links unterhalb in der blockreichen Flanke weiter. Nach einiger Zeit geht es wieder auf den felsig-gerölligen Grat und weiter zu einem markanten Felszacken. Hier links ab und über Blockwerk (teilweise I) in der Flanke, zuletzt über schuttige Hänge empor zum „Gipfel“ – Punkt 3147 m. – des Marzellkamms. Über den geröllig-plattigen Grat sowie ein kleines Firnfeld zum Ende des Kamms und ein kurzes Stück bergab zum Niederjochferner. Nun über den – in der Regel harmlosen und praktisch spaltenfreien – Gletscher (meistens Spur vorhanden!) in südliche Richtung. In geringer Steigung zunächst auf das Firndreieck des Gipfelaufbaus zuhalten, kurz vorher jedoch nach rechts zum Westgrat. Über Blockwerk, zuletzt (landschaftlich reizvoll!) über einen Firnhang rasch empor zum Gipfel des Similaun (3606 m.) – Überwältigendes Panorama! Hindernislose Rundumsicht nach allen Seiten! – Über den Firngrat und Blockwerk wieder zurück zum Gletscher. Anschließend der meist breiten Spur folgend – knapp links der Felsen – über den sanften Westrücken abwärts, nach einiger Zeit nach rechts und über eine Flanke bergab, auf den Punkt 3260 m. zuhaltend. Vorher nach links und über den unteren Teil des Niederjochferners rasch zum Ende des Gletschers. Über Schutt und Blockwerk zur nahen Similaunhütte (3019 m.) im Niederjoch – alternativ bereits vorher nach rechts (Norden) – und anschließend auf markiertem Geröllweg (teilweise Firnfelder) in nördliche Richtung. Auf schließlich breitem Schuttweg durch das gesamte Tal (links des Marzellkamms) zurück zur Martin-Busch-Hütte. Klassische, ungemein lohnende – dabei technisch unschwierige – Hochtour mit wunderschönem, hochalpinem Ambiente auf einen fantastischen Aussichtsgipfel. Bei guter Fernsicht eine absolute Genusstour! Der Similaun gehört einfach in das Tourenbuch eines jeden Ostalpenbergsteigers! – #Traumtour!

Gefahren:  Der Niederjochferner weist nur eine geringe Spaltengefahr auf – bei entsprechenden Bedingungen gleicht der Gletscher (auf beiden Routen) einem gutmütigen Firnrücken – auf die komplette Hochtourenausrüstung sollte jedoch trotzdem nicht verzichtet werden! Der Similaun wird zwar öfters von Solisten bestiegen, trotz der so gut wie kaum vorhandenen Spalten kann dieses Vorgehen jedoch nicht empfohlen werden! Bei Nebel und verwehter Spur kann die Orientierung auf dem Gletscher (speziell im oberen Teil) rasch problematisch werden! Das (bei schönem Wetter) friedliche Terrain sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich im alpinen, vergletscherten Hochgebirge um die 3500mH bewegt! Vorsicht bei Vereisung am Gipfelgrat! Der Zustieg über den Marzellkamm führt durch ein akut von Bergrutschen und Felsstürzen gefährdetes Gebiet (siehe Beschreibung Martin-Busch-Hütte – Tag 1.) und wird aktuell von keiner (offiziellen) Seite empfohlen. Trittsicherheit und alpine Erfahrung sind bei dieser Tour unbedingt notwendig. Bei schönem Wetter aber so friedlich, wie eine alpine Hochtour nur sein kann.


22. September  -  26. September 2013

Fünf-Tages-Tour in die Ötztaler Alpen zur Martin-Busch-Hütte (2501 m.) – Am ersten Tag Aufstieg von Vent zum Hörnle (2406 m.) mit anschließendem Besteigungsversuch der Talleitspitze (Abbruch unterhalb des Gipfels) sowie Zustieg zur Martin-Busch-Hütte (2501 m.) – Am zweiten Tag (Tourenbericht) Besteigung der Kreuzspitze (3455 m.) über den Normalweg. Am dritten Tag (Tourenbericht) Besteigung der Fineilspitze (3514 m.) über den Nordostgrat (Normalweg) mit anschließender Gratüberschreitung vom Hauslabjoch zum Hauslabkogel (3402) über den Südwestgrat – Abstieg zur Martin-Busch-Hütte via Hauslabkogel Ostflanke. Am vierten Tag Überschreitung des Marzellkamms (3147 m.) mit anschließender Besteigung des Similaun – Abstieg zur Martin-Busch-Hütte via Similaunhütte. Am fünften Tag Abstieg nach Vent.

Gesamtübersicht

Privat organisierte Tour (4)

[Bild: Similaun (3606 m.) im ersten Morgenlicht - von Norden (Marzellkamm) aus gesehen]

4. Tag        Martin-Busch-Hütte  -  Marzellkamm  -  Punkt 2800 m.  -  Punkt 3147 m.  -  Punkt 3144 m.  -  Niederjochferner  -  Similaun  -  Niederjochferner  -  Similaunhütte (Niederjoch)  -  Beim Bild  -  Martin-Busch-Hütte

Der Similaun (3606 m.) – auf der österreichisch-italienischen Landesgrenze (Tirol-Südtirol) im Schnalskamm der Ötztaler Alpen gelegen – gehört zu den 10 höchsten Bergen Österreichs und stellt im Umkreis der Martin-Busch-Hütte den am häufigsten bestiegenen Gletschergipfel dar. In der unmittelbaren Umgebung wird der Berg nur von der Hinteren Schwärze (3624 m.) an Höhe übertroffen. Der Similaun ist fast allseits von Gletschern umgeben (Niederjochferner im Westen, Marzellferner im Norden und Grafferner im Südosten) – nur nach Südwesten hin fällt der Gipfel in ein weltenfernes Schotterfeld („Similaungrube“) ab. Die mit Abstand am meisten begangene Route am Similaun ist der Aufstieg von der gleichnamigen Hütte über den Westrücken (Niederjochferner) – der in 1,5-2h auf den eisgepanzerten Gipfel führt. Die Marzellkamm-Route (4-5h) wird ebenfalls regelmäßig begangen und ermöglicht (in der entsprechenden Kombination) eine landschaftliche großartige Rundtour! Aufgrund der Ausaperung werden die Routen durch die einstmals eisige Nordwand (aufgrund der Steinschlaggefahr) so gut wie nicht mehr angegangen. Die Überschreitung Similaun-Marzellspitzen-Hintere Schwärze gehört zu den eindrucksvollsten, kombinierten Touren der Ötztaler Alpen. Die Aussicht vom Similaun-Gipfel (Ötztaler Alpen, Texelgruppe, Dolomiten, Ortler, Bernina, Stubaier Alpen u.a.) ist weit und grandios!

[Bild: Blick vom Niederjoch (3019 m. - Similaunhütte) über den Niederjochferner zum Similaun 3606 m.]

Früh am Morgen machen wir uns von der Martin-Busch-Hütte auf den Weg in Richtung Similaun – es steht das große Highlight unserer Ötztaler-Hochtourentage auf dem Programm! Wir haben – trotz der Warnung vor möglichen Bergrutschen – den Aufstieg über den Marzellkamm zum Niederjochferner geplant.

[Bild: Auf geht's zum Marzellkamm. Links im Hintergrund das Ziel - der Similaun (3606 m.) - mit Marzellferner]

[Bild: Tiefblick beim Aufstieg zum Marzellkamm zur Martin-Busch-Hütte 2501 m. - Links die Kreuzspitze 3455 m.]

[Bild: Am Beginn des felsigen Marzellkamms. Rechts der Hauslabkogel (3402 m.) mit Sayferner]

[Bild: Der Similaun (3606 m.) erhebt sich aus dem spaltenreichen Marzellferner während die Nordwand im ersten Licht des Tages erglüht]

[Bild: Den Markierungen folgend, geht es über den blockreichen Marzellkamm dahin - der Marzellferner (links) begleitet uns stets dabei]

[Bild: Fineilspitze (3514 m.) und Hauslabkogel (3402 m. - mit Sayferner) im warmen Morgenlicht]

[Bild: Unterwegs auf dem Marzellkamm. Links der Similaun (3606 m.) mit Marzellferner]

[Bild: Nach einiger Zeit weicht man nach links in die blockreiche Ostflanke aus]

[Bild: Genussvolles Kraxeln (I) am Marzellkamm]

[Bild: Kurz vor dem Punkt 3147 m. - dem höchsten Gipfel des Marzellkamms]

[Bild: Blick vom höchsten Marzellkamm-Gipfel (Punkt 3147 m.) zum Similaun (3606 m.) - der Niederjochferner wartet...]

[Bild: Vom Punkt 3147 m. geht es zunächst ein Stück bergab und anschließend - den Punkt 3144 m. (links) überschreitend - zum Niederjochferner]

[Bild: Am Beginn des Niederjochferners. Die Route über den (nahezu spaltenlosen) Gletscher ist vorgegeben]

[Bild: Unterwegs auf dem Niederjochferner]

[Bild: Fantastisch-hochalpines Ambiente! Blick nach Osten zum Hintere Schwärzen-Joch (3390 m.) - Links davon die Mutmalspitze (3522 m.) sowie rechts davon die Hintere Schwärze (3624 m.) mit den Marzellspitzen]

[Bild: Wir folgen der breiten Spur über den Niederjochferner zum felsigen Nordwestgrat]

[Bild: Blick zurück zum Marzellkamm. Dahinter die Wildspitze (3768 m.) und rechts in der Ferne die Stubaier Alpen]

[Bild: Die Überquerung des Niederjochferners ist geschafft - nun wartet der felsige Schlussanstieg zum Similaun-Gipfel. Rechts im Hintergrund die Weißkugel 3739 m.]

[Bild: Über Firn und Blockwerk geht es unschwierig bergauf in Richtung Gipfel]

[Bild: Ein traumhaft-schöner Firngrat leitet schließlich empor zur felsigen Spitze in Blau]

[Bild: Auf dem Gipfel des Similaun (3606 m.) - Links in der Ferne die Ortlergruppe]

[Bild: Blick über die Texelgruppe nach Süden (in der Ferne die Dolomiten!) - Das für mich persönlich schönste Bild dieser Tage!]

[Bild: Blick vom Similaun nach Osten über den Grafferner und die Marzellspitzen zur Hinteren Schwärze 3624 m.]

[Bild: Blick über den Niederjochferner zum Niederjoch (3019 m. - links der Bildmitte) mit der Similaunhütte. Links im Hintergrund die Weißkugel 3739 m.]

[Bild: Weißkugel 3739 m.]

[Bild: Auf dem Gipfel des Similaun in den Ötztaler Alpen]

[Bild: Tiefblick zum Marzellferner. Rechts die Hintere Schwärze (3624 m.) und links am Horizont die Stubaier Alpen]

[Bild: Vom Gipfel steigen wir schließlich über den Firngrat (weiter unten über Blockwerk) abwärts zum Gletscher. Links die Weißkugel 3739 m.]

[Bild: Wieder auf dem Niederjochferner - Am linken (südlichen) Rand des Gletschers geht es unschwierig bergab]

[Bild: Nach einiger Zeit geht es in einem Bogen nach rechts und ein Stück auf den Punkt 3260 m. (eine Felsinsel inmitten des Gletschers) zu]

[Bild: Unterer Teil des zahmen Niederjochferners. Im Hintergrund: Fineilspitze 3514 m. - Hauslabjoch 3279 m. und Hauslabkogel 3402 m. (von links nach rechts) - Links der Bildmitte das Niederjoch 3019 m. und die Similaunhütte]

[Bild: Vom Ende des Niederjochferners geht es über Blockwerk und Schutt zum nahen Niederjoch 3019 m. - Links die Fineilspitze 3514 m. und rechts der Hauslabkogel 3402 m.]

[Bild: Similaunhütte (3019 m.) im Niederjoch im Jahr 2013]

[Bild: Blick zurück zum Similaun (3606 m.) - Auch wenn der Niederjochferner harmlos wirkt...Vorsicht ist immer geboten!]

[Bild: Von der Similaunhütte geht es auf gerölligem Steig (teilweise über Firn) neben der Zunge des Niederjochferners in nördliche Richtung. Im Hintergrund die Kreuzspitze 3455 m.]

[Bild: Im Gänsemarsch geht's zurück zur Martin-Busch-Hütte. Im Hintergrund die Kreuzspitze 3455 m.]

[Bild: Auf gerölligem Steig geht es durch das von Gletschern geformte Tal in Richtung Nordosten zur Martin-Busch-Hütte]

[Bild: Kurz vor der Martin-Busch-Hütte. Im Hintergrund der Vordere Diemkogel 3372 m. sowie der anschließende Verbindungsgrat zum Schalfkogel]

[Bild: Wieder bei der Martin-Busch-Hütte 2501 m. - Im Hintergrund die Mutmalspitze 3522 m.]

[Bild: Mutmalspitze (3522 m.) mit Mutmalferner im Abendlicht]

5. Tag        Martin-Busch-Hütte  -  Niedertal  -  Hohler Stein  -  Vent

Am nächsten Morgen zeigen sich die Ötztaler Alpen von einer ganz anderen Seite – düstere Wolken, eisiger Wind und Nieselregen bestimmten die Szenerie. Wie es wohl jetzt auf dem Hauslabkogel Südwestgrat aussieht…? In jedem Fall macht eine weitere Bergtour (z.B. Saykogel) nur wenig Sinn (und Lust) – wir beschließen daher, nach 3-4 wunderschönen und erfolgreichen Tagen den Marsch nach Vent anzutreten.

[Bild: Am Morgen bei der Martin-Busch-Hütte. Links die Mutmalspitze 3522 m.]

[Bild: Von der Hütte geht es auf breiter Fahrstraße durch das Niedertal in nördliche Richtung]

[Bild: Blick zurück zum Similaun 3606 m. (rechts) und zur Mitmalspitze 3522 m.]

[Bild: Auf dem Weg zurück nach Vent]

[Bild: Hohler Stein (2050 m.) - „Dieser 4 Meter hohe Felsblock auf einer kleinen Hangterrasse bildete ideale Voraussetzungen für die Sommerlager mittelsteinzeitlicher Jäger (8-6. Jahrt. v. Chr.). Im Schutze der überhängenden Wände errichtete man einfachste Behausungen, legte Feuerstellen an und stellte Steingeräte her. Von hier aus führte der Weg der Jäger durch das Niedertal bis hinauf zum Alpenhauptkamm.“ - Informationstafel beim Stein]

[Bild: Vent 1895 m.]

Wenig' hohe Gletscherberge der Ostalpen werden vergleichbar oft bestiegen wie der Similaun (3606 m.) - Einsamkeit und Ruhe wird man an diesem formschönen Eisgipfel (Sommers wie Winters) in der Regel vergeblich suchen...So liest man es in den meisten Führern und Tourenberichten - wir haben aber (abgesehen vom Gipfel und dem Bereich um die Similaunhütte) während der gesamten Tour keine anderen Bergsteiger getroffen! Und all' das bei traumhaften Wetter und einer nahezu perfekten (!) Fernsicht...woran hat es gelegen? An der Tatsache, dass wir knapp außerhalb der Hauptsaison (Ende September) unterwegs waren? Bis heute versteh' ich es nicht...Die hier beschriebene, technisch leichte und (fast!) spaltenfreie Rundtour (via Marzellkamm) über den Niederjochferner ist in jedem Fall einfach nur toll! Eine absolute Bilderbuch-Hochtour auf einen der höchsten Berge der Zentralalpen! Was nehme ich mit von dieser Tour? Nun...Die Bilder sprechen für sich.

[Bild: Blick vom Similaun nach Osten über den Grafferner zur Hinteren Schwärze (3624 m.) - Rechts am Horizont die Dolomiten]

 

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