Bergblog 2026
[BB_26]

stefanmitterer.de





Dieser Blog präsentiert meine bergsteigerischen Highlights
des Jahres 2026 in chronologischer Reihenfolge.
Auf die folgenden Punkte möchte ich dabei aufmerksam machen:


Die Darstellung der einzelnen Bergtouren erfolgt (im Gegensatz zu früheren Tourenberichten) in deutlich kompakterer Form. Es werden ausschließlich wenige (ausgewählte) Bilder pro Tour präsentiert, um den Dokumentations- und Arbeitsaufwand für mich auf Dauer beherrschbar zu halten. Der Schwerpunkt bei der Bildauswahl liegt auf ungewöhnlichen Perspektiven, besonderen Stimmungen und Motiven, die mir persönlich etwas bedeuten. Der Bergblog soll in erster Linie eine kurzweilige Inspiration für Besucherinnen und Besucher meiner Website sein - und ein virtuelles Tagebuch bzw. Tourenbuch für mich. Anfragen zur Bereitstellung ausführlicherer Informationen zu den einzelnen Touren werden natürlich weiterhin sehr gerne beantwortet. Bergtouren in den Berchtesgadener Alpen werden (ab 2019) in dem separaten Berchtesgadener Alpen Blog (BGA_Blog) dargestellt. Die entsprechende Verlinkung erfolgt zusätzlich unten über die Tourenliste der Bergtouren des Jahres 2026.




Liste der Bergtouren 2026 (Auswahl)




Schildspitze (3461 m.)


13. August 2026


[Bild: Beim Aufstieg durch das idyllische, herrlich ruhige Val Peder (Pedertal) oberhalb von Hintermartell - Nach vielen, vielen Jahren bin ich endlich (!) einmal wieder in der schönen Ortlergruppe unterwegs. Viele Jahre war mir die Fahrt über den Reschenpass (auch für 2 Tage) zu weit, ist man doch von München aus mindestens 4-5 Stunden reine Fahrzeit unterwegs, wobei Sulden noch am „schnellsten“ erreichbar ist. Speziell dann jedoch, wenn man die Süd- oder Westseite dieser südalpinen Gebirgsgruppe besuchen will, wird die Fahrzeit für ein WE rasch unverhältnismäßig lang. Zudem gelten die südlich der Ortler-Alpen gelegenen Gebirgsgruppen von Brenta, Adamello-Presanella und Orobie (Bergamasker Alpen) aufgrund ihrer Nähe zur hitzeflirrenden Poebene als besonders anfällig für Nebel- und Quellwolkenbildung sowie Sommergewitter. Und wenn ich schon den weiten Weg über den Zentralalpenhauptkamm auf mich nehme, soll es sich doch schließlich aussichtstechnisch lohnen... In dem von Hitzewellen geprägten (Berg-)Sommer 2026 ist es Mitte August dann glücklicherweise soweit: Eine mehrtägige und v. a. stabile Hochdruckphase bahnt sich über den Ostalpen an und so ist die Entscheidung letztlich schnell getroffen. 3 Tage in der zentralen Ortlergruppe sollen es sein, wobei die Besteigung der Südlichen Zufallspitze (3757 m.) das Hauptziel ist. Hierfür will ich mich 2 Nächte in der Marteller Hütte (2585 m.) einquartieren und so richtig in diesen mir bis dato unbekannten Schluss des Martelltals eintauchen. Nach einer langen Fahrt durch die Nacht steht am ersten Tag theoretisch nur der Hüttenzustieg von etwas mehr als 500 Hm an. Praktisch will ich jedoch auch diesen ersten Tag meiner mehrtägigen Reise in die Ortlergruppe voll ausnutzen, weshalb ich vor dem Hüttenzustieg noch eine eigenständige, separate Gipfeltour unternehmen will: die Besteigung der Schildspitze (3461 m.), welche nach der Mittleren Pederspitze (3462 m.) die zweithöchste Erhebung des Bergkamms zwischen Martelltal und Laaser Tal darstellt sowie gemeinsam mit Vertainspitze und Großem Angelus die hochalpine Umrahmung des Laaser Ferner (Vedretta di Lasa) darstellt. Von Hintermartell aus ist das eine technisch einfache, aber durchaus anstrengende Bergtour (ca. 1400 Hm), die im Gegensatz zur westlich benachbarten Plattenspitze (3422 m.) deutlich seltener durchgeführt wird. Die Schildspitze gilt dabei als nicht gerade überlaufener Gipfel: Perfekt also, um dem „Ferragosto-Trubel“ in Südtirol möglichst effektiv zu entfliehen. Let's go!]


[Bild: Das wunderschöne, im oberen Teil von alpinen Matten geprägte Pedertal eignet sich nicht nur zum hochalpinen Bergsteigen (v. a. Plattenspitze und Schildspitze). Von Hintermartell aus hat man diese herrliche Hochebene relativ schnell erreicht (ca. 2 Stunden Gehzeit), wobei die Wanderwege technisch einfach und gut ausgebaut sind. An einem Tag wie heute einfach hier heraufwandern, sich in einen der grasbewachsenen Hänge legen und vielleicht von Zeit zu Zeit die Füße in den Pedertalbach halten: Was kann es bitte Schöneres geben...?]


[Bild: Nachdem der Wanderweg von Hintermartell zur Schildspitze zunächst gemeinsam mit dem Weg zur Plattenspitze entlang des Pedertalbachs geführt hat, trennen sich die beiden Routen nach einiger Zeit. Der entsprechend (nomen est omen) ausgeschilderte Weg zur Schildspitze führt zunächst über den Bach und ein kurzes Stück quer nach Osten. Schon nach kurzer Zeit biegt die Route jedoch scharf nach links (Norden) ab und führt, eingerahmt von den Ausläufern von Drischlwand und Kalfanwand, über begrünte Hänge bergauf, wobei man zügig an Höhe gewinnt]


[Bild: Mit zunehmender Höhe zeigen sich beim Aufstieg zur Schildspitze im Süden die beiden Zufallspitzen, wobei der noch etwas höhere Monte Cevedale aus dieser Perspektive hinter der Südlichen Zufallspitze (3757 m.) zurücksteht. Links von der Zufallspitze zeigt sich der Monte Vioz (3645 m.), welcher als Knotenpunkt langer Gratkämme bei der Fornikessel-Überschreitung („Traversata delle 13 Cime“) eine wichtige Rolle spielt, aber auch als einer der höchsten Wandergipfel der Ostalpen geschätzt wird. Ganz links präsentieren sich die Veneziaspitzen über dem Martelltal, wobei die einzelnen Gipfel nur unwesentlich aus dem Marteller Hauptkamm herausragen]


[Bild: Markierungen leiten unterhalb der Kalfanwand über zunehmend blockreiche Schrofenhänge hinauf, wobei das Gelände zu keiner Zeit anspruchsvoll oder gar heikel ist. Generell besteht beim Aufstieg zur Schildspitze die größte Gefahr wohl darin, sich den Fuß zu vertreten. Mit Absturzgelände wird man zwar nicht konfrontiert, doch ist die Route so ruhig, dass es schon einmal eine Zeit lang dauern kann, bis (im Notfall) zufällig Hilfe vorbeikommt, sofern man denn keinen Mobilfunkempfang hat. In meinem Fall sollten mir erst am Gipfelaufbau zwei andere Bergsteiger entgegenkommen. Ansonsten hatte ich den gesamten Aufstieg komplett für mich alleine]


[Bild: Hat man die südlichen Ausläufer der Mittleren Pederspitze erreicht, betritt man eine Welt aus Blockwerk und Schutt. Das Liebliche, von grasigen Matten charakterisierte Antlitz des Val Peder tritt nun endgültig zurück und macht Platz für die Trümmerhalden des Hochkares zwischen Schildspitze, Mittlerer Pederspitze und Drischlwand. In dieser Gegend gilt der „gute“, alte Adenauer-Wahlspruch („Keine Experimente“) umso mehr: Einfach am besten brav dem markierten Weg durch das Geröll folgen und sich Step by Step dem Gipfelaufbau annähern]


[Bild: Hat man die südlichen Ausläufer der Mittleren Pederspitze passiert, hat man das Gipfelduo Plattenspitze (links) und Schildspitze (rechts) erstmals so richtig vor Augen. Entgegen der Eintragungen in vielen (Online-)Karten ist es übrigens nicht das Ziel, den nach rechts verlaufenden Ostgrat der Schildspitze anzuvisieren! Der markierte Normalweg peilt die oberhalb der markanten, rostbraunen Felsen ansetzende Südflanke an und führt von dort in direkter Linie bergauf zum oberen SW-Grat und von dort in wenigen Minuten zum höchsten Punkt. Wie in den meisten Fällen ist auch hier meine Empfehlung: Angesichts des mühsamen, gerölligen Geländes und der stellenweise latenten Steinschlaggefahr (v. a. im Bereich der Mittleren Pederspitze) am besten dem vorgegebenen Normalweg folgen]


[Bild: Aufstieg über die Südflanke der Pederspitze: Sieht fürchterlich aus, geht jedoch erstaunlich angenehm, da die Markierungen sehr geschickt gesetzt wurden und die „Schwächen“ des Geländes optimal ausgenutzt werden. Wirklich plagen muss man sich auf diesen obersten gut 250 Hm nicht und so folge ich den Wegspuren in Ruhe aufwärts zum SW-Grat. Ich kann das Gipfelkreuz bereits sehen und bin schon ganz gespannt, welche Ausblicke mich auf meinem ersten Ortler-Alpen-Gipfel seit 14 (!) Jahren erwarten werden]


[Bild: Blick zurück beim Aufstieg über die Gipfelflanke der Schildspitze in Richtung Veneziaspitzen, Zufallspitzen und Cevedale - Mittig in der Ferne kann man mittlerweile die felsigen Nordabstürze der Cima Presanella (3556 m.) erkennen, wobei auch die (noch weiten) Cevedale-Gletscher (rechts) immer besser zur Geltung kommen. Dagegen sind die unmittelbaren Hochkare südlich der Schildspitze eine geröllige, braun-graue Ödnis und der ehemals zwischen Pederspitze und Schildspitze eingebettete Mittlere Pederferner nur mehr eine entfernte Erinnerung]


[Bild: Ankunft am obersten SW-Grat der Schildspitze, von dem sich unvermittelt ein fantastischer Ausblick zum berühmten „Suldener Dreigestirn“ bietet: Königspitze (3851 m.), Monte Zebrù (3735 m.) und Ortler (3905 m.) bilden gemeinsam das Rückgrat und die höchsten Erhebungen der Ortlergruppe, welche jedoch ironischerweise eine deutlich geringere Vergletscherung aufweisen als das Zentrum rund um den Cevedale oder der Bereich des Fornokessels. Über den im Vordergrund ersichtlichen Rosimferner (Vedretta di Rosim) führte einst die Normalroute auf die Vertainspitze. Längst ist diese Route jedoch gletscherfrei, so dass nur die allerwenigsten Bergsteiger noch in Kontakt mit diesem einst stolzen Eisfeld kommen]


[Bild: Stets aufs Neue der schönste Moment einer jeden Bergtour: Die letzten 50-100 Hm unterhalb des Gipfels - Beim Aufstieg über den oberen Südwestgrat der Schildspitze kommen mir zwei Bergsteiger entgegen, welche den Gipfel offenkundig bereits vor mir erreicht haben. Da ich jedoch ansonsten keine weitere Person am höchsten Punkt erkennen kann, steht mir wohl ein exklusives Gipfelerlebnis bevor. Und das rund um Ferragosto in Südtirol! Wie schon der bisherige Aufstieg bereitet auch das plattig-geröllige Gelände unterhalb des Gipfels keine technischen Probleme, so dass ich den Gipfel etwa 4 Stunden (inkl. Pausen) nach Aufbruch erreiche. Die große Gipfelschau kann beginnen...]


[Bild: Ausblick von der Schildspitze (3461 m.) über die benachbarte Plattenspitze (3422 m.) zum Hauptkamm der Ortler-Alpen (von links nach rechts): Zufallspitzen, Monte Cevedale (3769 m.), Punta San Matteo (3678 m.), Punta Pedranzini (3599 m.), Suldenspitze (3376 m.), Königspitze (3851 m.), Monte Zebrù (3735 m.) und Ortler (3905 m.) bilden gemeinsam die (nach der Berninagruppe) höchste Gipfelansammlung der Ostalpen. So gewaltig wie diese Dolomit- und Kalksteinriesen ragt in Südtirol keine Gebirgsgruppe in den Himmel]


[Bild: Plattig und schuttig, so könnte man wohl die obersten 400 Hm der Schildspitze in Kurzform charakterisieren. Der Aufstieg über die links ersichtlichen Weiten der Südflanke weist keine großen technischen Schwierigkeiten auf, so dass man (entsprechende Trittsicherheit vorausgesetzt) bei gutem Wetter und soliden Bedingungen (= trockener Fels) im Normalfall keine Probleme bekommen sollte. So hochalpin, formschön und v. a. vergletschert wie der Cevedale (3769 m.) ist die Schildspitze zwar nicht, dafür ist die Aussicht absolut großartig! Während ich es mir auf dem Gipfel gemütlich mache und den Blick gen Presanella schweifen lasse, entstehen unweigerlich die nächsten Tourenideen im Kopf...Hach ja]


[Bild: Ausblick von der Schildspitze (3461 m.) über ihre Südflanke ins Val Peder und weiter in Richtung Martelltal - Auch wenn der Aufstieg im Detail nicht immer allzu ästhetisch war und (mir persönlich) ein paar einfache Kraxelstellen (gewissermaßen ein „bergsteigerisches Pièce de résistance“) gefehlt haben, stimmt in jedem Fall der „Output“: Wo sonst kann man sich einen Gipfel nahe der 3500-Meter-Marke so vergleichsweise einfach und entspannt erwandern? Egal in welche Richtung man den Kopf wendet, überall kann man neue, spannende Bergspitzen erkennen, wie hier (ganz links) die Zufrittspitze (3439 m.) und die Hintere Eggenspitze (3443 m.), welche sogar die Veneziaspitzen an Höhe klar übertreffen]


[Bild: Mit der nur minimal höheren Mittleren Pederspitze (3462 m.) ist die Schildspitze durch einen gerölligen Grat verbunden, der relativ einfach (wenngleich etwas mühsam) zu begehen ist. Dennoch wird die höchste der Pederspitzen sogar noch seltener bestiegen als die Schildspitze, was wohl auch an den fehlenden Markierungen liegen dürfte. Müsste ich heute nicht noch bis zur Marteller Hütte, würde ich die Mittlere Pederspitze vielleicht noch „mitnehmen“. So allerdings muss ich nicht nur meine Kräfte einteilen, sondern v. a. auch Zeitmanagement betreiben und dadurch letztlich gipfeltechnische Kompromisse eingehen]


[Bild: Nicht Schildspitze und Mittlere Pederspitze sind die höchsten Erhebungen der Laaser Berge (einer Untergruppe der Ortler-Alpen), sondern Vertainspitze (3545 m.) und Großer Angelus (3521 m.) - Letzteren Gipfel habe ich 2012 bei meinem letzten Aufenthalt in der Ortlergruppe über die Reinstadlerroute bestiegen, wobei mir schon damals das imposante Gletscherbecken des Laaser Ferner aufgefallen ist. Seit damals hat dieser nach wie vor große Gletscher natürlich viel Volumen verloren, wobei insbesondere auch der auftauende Permafrost Bergsteigern zu schaffen macht: Während meines Aufenthalts auf der Schildspitze höre ich es aus den Flanken der Vertainspitze (links) mehrmals donnern, wobei ich sogar auch ein paar Mal größere (!) Felsblöcke mit Wucht auf den Gletscher fliegen sehe. Der Übergang von der Vertainspitze zur Angelusscharte scheint (zumindest am heutigen Tag) objektiv relativ gefährlich zu sein!]


[Bild: Tiefblick von der Schildspitze (3461 m.) zum komplett aperen Laaser Ferner - Für ostalpine Verhältnisse noch vergleichsweise flächig und eindrucksvoll, dürfte der Gletscher dieses Jahr rekordverdächtig viel Volumen verlieren. Für die allgemeine Stabilität der umliegenden Felsspitzen wird sich das sicherlich nicht positiv auswirken. Wer im Sommer auf diesem Gletscher unterwegs ist, sollte so viel Abstand von den Felsflanken wie möglich halten, zu groß ist das Risiko eines Felssturzes (insbesondere aus dem Bereich der Vertainspitze). Immerhin: Bei solchen Bedingungen ist das Risiko eines Spaltensturzes deutlich reduziert, sodass insbesondere Durchquerungen des zentralen Bereiches aktuell schnell vonstatten gehen dürften. Wobei: Wer unternimmt heutzutage noch eine Hochtour von Sulden aus in Richtung Laaser Tal (und umgekehrt)...? Das dürften im Hochsommer wohl mittlerweile nur mehr hochtourentechnische Exoten und „Liebhaber“ sein]


[Bild: Königspitze (3851 m.), Monte Zebrù (3735 m.) und Ortler (3905 m.) im Zoom von der Schildspitze (3461 m.) aus gesehen - Angesichts dieser Giganten wirkt mein heutiger Gipfel vergleichsweise bescheiden, insbesondere im Hinblick auf die schiere Bergmasse wird klar, wo hier im äußersten Westen Südtirols die Musik spielt. Gleichzeitig bietet die Schildspitze eine Reihe faszinierender Perspektiven, sei es in die (fürchterlich ausgeaperte!) N-Wand der Königspitze oder zum grandiosen Ortler Hintergrat]


[Bild: Früher ostalpiner Inbegriff eines Gletscherberges, sind viele Flanken von Cevedale und Zufallspitzen heutzutage zunehmend von Fels und Schutt geprägt. Zwar sind insbesondere Zufallferner, Fürkeleferner und Vedretta del Pasquale noch relativ groß und eindrucksvoll, doch nagt der Klimawandel mit Macht auch an ihnen. Bei Hochtouren auf den Cevedale müssen die jeweiligen objektiven Gefahren (z. B. Steinschlag, Spaltensturzgefahr, ggf. Blankeis) möglichst genau ermittelt werden, um daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Bereits heutzutage einer der begehrtesten und beliebtesten Skitourenberge der Ostalpen, wird sich wohl generell ein Großteil der zukünftigen Cevedale-Besteigungen in den Winter verlagern. Im Sommer wird hingegen (so meine These) die objektiv relativ sichere Route von der Marteller Hütte über die Südliche Zufallspitze weiter an Bedeutung gewinnen, wie möglicherweise auch die Anstiege via Monte bzw. Colle del Pasquale. Reine Gletscheranstiege könnten dagegen zunehmend giftig und ungenießbar werden, wie z. B. der früher beliebte Direktanstieg über den Vedretta de la Mare, welcher bei starker Ausaperung sehr steinschlaggefährdet ist]


[Bild: Königspitze (3851 m.) im Zoom von der Schildspitze (3461 m.) aus gesehen - Früher (neben dem Ortler) der Inbegriff einer wilden, von Steileis geprägten Nordwand, hat der Klimawandel auch am Gran Zebrù ganze Arbeit geleistet. Die legendäre Schaumrolle ist bereits seit Jahrzehnten verschwunden und auch sonst wagt man sich wohl (wenn überhaupt) nur mehr im Winter bei absoluten TOP-Bedingungen in diese Wand. An der Königspitze, wohl der schönste Berg der Ortlergruppe und vielleicht sogar einer der imposantesten Gipfel der gesamten Ostalpen, ist alles steil, vergleichsweise riskant und ernst! Bereits die Normalroute über die SO-Flanke (links außen teilweise ersichtlich) ist steil (bis zu 45 Grad), mittlerweile in der Regel ab Mitte/Ende Juni zu gefährlich (Steinschlag, Blankeis!) und in Summe hochgradig tückisch. Bei guten Bedingungen (welche tendenziell am ehesten zwischen Mitte April und Mitte Juni herrschen) eine hochalpine Himmelsleiter, sollte man die Route im Hochsommer meiden. Und bei Konditionen wie diesen hat man an der Königspitze sowieso nichts mehr zu suchen! Aus der Ferne bewundern und ggf. Pläne für die kommenden Jahre schmieden, ist hier die Devise]


[Bild: Von der Schildspitze aus gesehen, wirken Monte Zebrù und Ortler fast wie eine geschlossene, nur vom Hochjoch unterbrochene Felsmauer. Doch dieser Eindruck täuscht! Insbesondere der Ortler gehört wohl zu den vielfältigsten und komplexesten Bergmassiven der Ostalpen. Man denke nur an die enorme Anzahl betörend schöner Gratanstiege (z. B. Hintergrat, Hochjochgrat, Pleisshorngrat), die imposanten Wände und Steilflanken (v. a. Nordwand und Westwand) und den vom Oberen Ortlerferner geprägten, im Detail jedoch durchaus tückischen Normalweg von Nordwesten her: Egal von welcher Seite, der Ortler offenbart stets aufs Neue faszinierende Anblicke und macht zugleich unmissverständlich klar, wer östlich der Bernina der König der Ostalpen ist]


[Bild: Wie bei so vielen Gipfel in diesem Teil der Alpen ist sich die bergsteigerische Gemeinschaft auch beim Großen Angelus (3521 m.) nicht einig, wie er denn nun heißt. Die Italiener nennen ihn einfach Angelo Grande, in der entsprechenden deutschen Übersetzung wäre also Großer Angelus naheliegend. Doch stößt man in der alpinen Literatur insbesondere auch auf die Bezeichnungen Hoher Angelus oder gar Hohe Angelusspitze! So oder so: der Große Angelus gehört zu den lohnendsten hohen 3000ern der Ortlergruppe, bietet er doch eine wunderbare Aussicht sowohl in die ihn umgebende Ortlergruppe als auch in Richtung Ötztaler Alpen (rechts hinten grüßt übrigens die Weißkugel herüber). Ich habe den Anstieg damals vor vielen Jahren von der Düsseldorfer Hütte sehr genossen und kann den Berg jedem ambitionierten, hochalpin erfahrenen Wanderer wärmstens empfehlen]


[Bild: In großen Teilen aus Dolomit bzw. Kalkgestein bestehend, gibt es in den Ortler-Alpen auch die eine oder andere geologische „Anomalie“: Von der benachbarten Laaser Spitze (3305 m.) zwar an Höhe deutlich übertroffen, zieht die aus hellem Laaser Marmor (!) aufgebaute Jennwand dennoch alle Blicke auf sich: Was für spannende Farbkontraste sich doch inbesondere im Verhältnis zum Laaser Ferner und zu den umliegenden Kalkspitzen ergeben! Besteigen kann man die Jennwand natürlich auch (Normalweg ist max. I), doch ist sie insbesondere für den Abbau von Marmor bekannt. Ach ja, Klettern kann man an dem Unikat von Berg ebenfalls (sogar sehr gut!) und dass die Ausblicke in den Vinschgau vom Feinsten sind, versteht sich von selbst. Na, neugierig geworden...?]


[Bild: Ausblick von der Schildspitze in Richtung Königspitze, Monte Zebrù und Ortler -  Zu den Ortler-Alpen werde ich immer ein ganz besonderes Verhältnis haben, habe ich im Jahr 2012 hier doch gemeinsam mit meiner Oma ihre (rückblickend) letzte Bergtour unternommen. 3 Tage Aufenthalt bei der nahen Düsseldorfer Hütte inkl. Besteigung des Großen Angelus bei bestem Wetter waren uns damals vergönnt... Lange ist es her. Viel ist seither passiert. Auch meine Oma lebt mittlerweile nicht mehr. Doch bei Touren wie diesen kann man die Erinnerungen an schöne Momente mit geliebten Menschen wieder lebendig machen, sich zurückversetzen in vergangene Zeiten, in Erinnerungen schwelgen. Wie meine Oma wohl darüber denken würde, dass ich dem Bergsteigen bis heute treugeblieben bin? Mit Sicherheit würde es sie sehr freuen. Man geht durchs Leben, hinterlässt seine Spuren (sowohl an unzähligen Orten als auch in den Erinnerungen anderer Menschen) und am Ende fügt sich alles zu einem Gesamtbild, zu einer persönlichen Geschichte zusammen. Bis irgendwann alles nur mehr Dust in the Wind ist... Eine schöne und zugleich auch ein bisschen traurige Vorstellung]


[Bild: Vertainspitze (3545 m.) im Zoom von der Schildspitze - Aufgrund des Abschmelzens des Rosimferner (Vedretta di Rosim) heutzutage im Grunde „nur“ mehr ein hochalpiner Wanderberg, muss man sich die Vertainspitze doch ehrlich erarbeiten. 1200-1700 Hm (je nachdem, ob man die Zustiegshilfe per Lift zur Kanzel in Anspruch nimmt oder nicht) sind zu bewältigen, will man den höchsten Berg der Laaser Berge in sein persönliches Gipfelbuch schreiben. Und auch wenn der technisch moderate Normalweg (von Blockwerk und Geröll geprägte Steigarbeit, keine Kletterei) von jedem trittsicheren Bergwanderer bewältigt werden kann (sofern die allgemeinen Bedingungen stimmen), mahnen einige schwere Unglücke in den letzten Jahren zur Vorsicht. Alle anderen Routen an der Vertainspitze (u. a. Nordwestgrat und Nordwand), wie auch der alternative Zustieg zur Gipfelflanke via Angelusscharte, sind ausnahmslos deutlich schwieriger, ernsthafter und hochalpin. Ein solch friedlicher Tag wie heute mag trügerisch sein, aber auch ein gewaltiger „Schutthaufen“ wie die Vertain wird bei schlechtem Wetter auf der Normalroute rasch extrem gefährlich und menschenfeindlich]


[Bild: Nach einer ausgiebigen Gipfelpause auf der Schildspitze geht es schließlich über die von gerölligem Blockwerk und Platten geprägten Weiten der Südflanke abwärts, das „ewige“ Eis des Cevedale dabei immer im Blickfeld. So stabile Hochdrucktage wie diese (= also praktisch frei von größeren Quellungen) sind in den Südalpen im Hochsommer definitiv nicht die Norm! Nur allzu gerne nebeln in dieser Jahreszeit zwischen Brenta, Vinschgau, Bernina, Bergell, Bergamasker Alpen und Gardasee die Gebirgsgruppen ein, wobei ich ab sofort über ein bisschen Abschattung aber im Grunde sogar ganz dankbar wäre, steht mir doch (bei mittlerweile sehr hohen Temperaturen) nun der lange Marsch zur Marteller Hütte (inkl. „lässtigem“ de facto 500-Hm-Gegenanstieg ab Hintermartell) bevor]


[Bild: Dass es auch südseitig zwischen Platten-, Schild- und Mittlerer Pederspitze (sehr) regelmäßig zu Steinschlag und Felsstürzen kommt, verdeutlicht die gewaltige Trümmerhalde, welche man beim Schildspitze-Normalweg durchquert. Zwar ist am heutigen Tag alles ruhig, doch sollte man hier insbesondere bei Regen vorsichtig sein und möglichst zügig passieren. Wie die Landschaft hier wohl Mitte des 20. Jahrhunderts zu Zeiten des Mittleren Pederferner ausgesehen hat...]


[Bild: Beim Abstieg von der Schildspitze zurück ins Val Peder (Pedertal) - Angelegte Bergsteige wie dieser sind im Grunde ein Segen, wenn man in den bergsteigerischen Autopilotmodus schalten und einfach „runterrollen“ will. In angenehmer Steigung und frei von heiklen Passagen leitet der Weg entspannt abwärts zu den grünen Matten unterhalb der Kalfanwand, wobei man stets die schönen Veneziaspitzen vor Augen hat. Auch wenn ich noch nicht wieder zurück in Hintermartell bin, fällt mein (vorläufiges) Urteil über das Pedertal doch in jedem Fall äußerst positiv aus. Hier kann man es aushalten! Es muss auch nicht unbedingt immer ein gerölliger, dezent-mühsamer Gipfel wie die Schildspitze sein. Sich einfach in einem der umliegenden Hochkare eine einsame Ecke suchen, ins sonnenbeschienene Gras legen und entspannen: Was für eine herrliche, fast schon kitschige Vorstellung]


[Bild: Oberes Val Peder (Pedertal), welches von Pederspitzen, Plattenspitze, Schildspitze und einer Reihe weiterer unscheinbarer Felsgipfel eingerahmt wird. Als eines der zahlreichen Seitentäler des Martelltals (welches wiederum vom Vinschgau abzweigt) handelt es sich hierbei um ein idyllisches Kleinod, das man (ab Hintermartell) schnell und unkompliziert erreichen kann. Und gleichzeitig wandert die Mehrheit der Touristen tendenziell eher in Richtung Zufallhütte bzw. Plimaschlucht, sind diese beiden Orte doch mit deutlich weniger Höhenmetern „zu haben“. Um das hintere Val Peder zu erreichen, muss man schon mindestens 500-600 Hm und einige Kilometer an Strecke bewältigen (je nachdem, wo man hinwill). Und dann gibt es auch noch so viele weitere Täler unmittelbar rund um Hintermartell wie z. B. das Madritschtal, das Butzental oder das Lyfital. Es gibt also genug Gründe, warum sich das Gros der Wanderer und Touristen hier vor Ort relativ gut verläuft. Letztlich waren am heutigen Tag übrigens (inkl. mir) nur 4 Leute auf der Schildspitze: Ein Traum!]


[Bild: Beim Abstieg durch das Val Peder (Pedertal) zurück zum Parkplatz Hintermartell, die vergletscherten Veneziaspitzen immer vor Augen - Nachdem mir während der eigentlichen Bergtour auf die Schildspitze in Summe lediglich 3 andere Wanderer begegnet sind, stoße ich schließlich erst wieder entlang des Pedertalbaches auf (ein paar wenige) andere Menschen. Das (speziell im Juli und August) „völlig überlaufene Südtirol“, das immer wieder von verschiedenen Seiten beklagt wird, es ist zumindest hier nicht anzutreffen. Vielleicht werden Schild- und Mittlere Pederspitze an den Wochenenden ein bisschen mehr besucht, doch generell erscheint mir dieser isolierte Teilbereich der Ortlergruppe als Inbegriff von Ruhe und Stille]


[Bild: Müsste ich nicht heute noch bis zur Marteller Hütte (inkl. dem etwas leidigen 500-Hm-Anstieg ab dem Parkplatz), ich hätte aus Gründen der allgemeinen Abwechslung wohl einen anderen Abstiegsweg zurück nach Hintermartell gewählt (z. B. via Bosco di Peder bzw. Pederköpfl), um die Gegend rund um das Val Peder noch aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Doch angesichts der faktisch durchkalkulierten, recht straffen Zeitplanung (ich will spätestens um 17 Uhr an der Hütte sein) folge ich dem mir bekannten und v. a. direkten Wanderweg entlang des Pedertalbaches in Richtung Südosten. Ein bisschen schade ist es ja schon, dass ich mich nicht noch für 1-2 Stunden ins Gras legen kann. Doch so ist das nun einmal, wenn man die vergleichsweise knappe Zeit vor Ort in den Ortler-Alpen bergsteigerisch möglichst effektiv ausnutzen will]


[Bild: Kurz bevor der Wanderweg durch das Val Peder im Bereich der Peder-Stieralm in den Bergwald führt und die Veneziaspitzen aus dem Blickfeld verschwinden, muss ich im Bereich eines besonders pittoresken und malerischen Bachabschnitts innehalten und (trotz des dezenten „Zeitdrucks“) zumindest einen kurzen Moment reflektieren... Was war das wieder für ein schöner, unerwartet einsamer Bergtag! Natürlich war mir aufgrund der Recherche klar, dass die Schildspitze nicht gerade überlaufen ist. Doch dass an einem Tag wie heute nicht einmal eine Handvoll Bergsteiger diesen lohnenden Aussichtsgipfel aufsucht, das hätte ich sicher nicht gedacht. Die Schildspitze (3461 m.) wird mutmaßlich niemals einen Schönheitspreis gewinnen, speziell im direkten Kontrast zu den umliegenden, (noch) eisgepanzerten hohen Spitzen der Ortlergruppe (v. a. Cevedale, Königspitze, Monte Zebrù und Ortler) kann sie optisch nicht mithalten. Doch das ist auch überhaupt nicht ihr Anspruch! Die Schildspitze ist schon seit einigen Jahren ein reiner Wandergipfel: Fast 3500 Meter hoch, ohne Kletterei über einen zwar schroffen und plattig-gerölligen, jedoch markierten Pfad erreichbar sowie nordseitig noch von einem eindrucksvoll-großen Gletscher (Laaser Ferner) umgeben. Zudem bietet sie natürlich eine vorzügliche 360-Grad-Rundumsicht, die in der unmittelbaren Umgebung lediglich durch Vertainspitze, Angelus und Mittlere Pederspitze etwas „eingeschränkt“ wird. Besonders toll sind aber das Panorama zum „Suldener Dreigestirn“ (wobei v. a. die Königspitze ihre imposante Nordwand gekonnt zur Schau stellt) und die Tiefblicke über den Laaser Ferner, der (noch) zu den größten Eisflächen der Ortler-Alpen zählt. Zwar stellt die Schildspitze in Summe nur geringe technische Anforderungen an eine Besteigung, doch muss man sich diesen Berg ehrlich erarbeiten: Die knapp 1400 Hm (ab dem Parkplatz Hintermartell) werden einem nicht geschenkt und das Felsgelände ist spätestens ab dem Kar zwischen Mittlerer Pederspitze und Drischlwand auch durchaus schroff, hochalpin und stellenweise etwas ruppig. Doch wer über ein Mindestmaß an Trittsicherheit sowie alpine Erfahrung verfügt, sollte mit dieser stillen Route keine Probleme haben. Natürlich gilt der moderate Anspruch nur bei guten Bedingungen. Wer im Gipfelbereich der Schildspitze von schlechtem Wetter „überrascht“ wird und / oder nassen bzw. schneebedeckten Fels in der Südflanke bewältigen muss, wird schnell merken, dass eine Bergtour nahe der 3500-Meter-Marke immer eine ernste Angelegenheit bleiben wird, selbst dann, wenn der eigentliche Gipfel ein eher „sonniges Gemüt“ hat. Fazit: Wer im Vinschgau bzw. der nördlichen Ortlergruppe auf der Suche nach einer technisch moderaten Bergtour auf einen bereits ziemlich hohen Gipfel ist, wird hier in Hintermartell fündig. Die Schildspitze (3461 m.) punktet mit einem entspannten, hervorragend markierten und ruhigen Normalweg, einer klasse Aussicht auf weite Teile der Ortler-Alpen und einem in Summe exzellenten Verhältnis von „Aufwand und Ertrag“. Extra und ausschließlich für die Schildspitze würde ich sicherlich nicht von Bayern bis hierher fahren, doch als Auftakt vor oder Ergänzung zu einer weiteren (ggf. mehrtägigen) Tour in der Ortlergruppe bietet sie sich geradezu an. Mal schauen, wie sie sich morgen aus gänzlich anderer Perspektive von der Zufallspitze aus präsentieren wird...]



Petit Mont Blanc (3431 m.)


24. Juli 2026


[Bild: Aiguille des Glaciers (3816 m.) im Zoom aus dem Val Veny gesehen - Wer sich bei einem Aufenthalt im Aostatal für einen der umliegenden 4000er akklimatisieren will, kann aus unzähligen 3000ern wählen: Mont-Blanc-Gruppe, Walliser Alpen und Grajische Alpen (Emilius-, Paradiso- und Rutorgruppe) bieten eine Vielzahl an lohnenden Gipfelzielen, wobei von einfachem Wanderberg bis hin zu hochalpiner, irre-wilder Kletterei alles geboten sein kann. Insbesondere die himmelhohen Süd- und Ostabstürze des Mont-Blanc-Massivs stellen für den fähigen Alpinisten ein unvergleichliches Betätigungsfeld dar, wenn man denn den vielfach extrem hohen Anforderungen gewachsen ist. Nordwestlich von Val Veny und Val Ferret ragen die Berge so hoch, so abrupt und gewaltig auf, wie in den Alpen wohl sonst nur in der Haute Écrins sowie Teilen der Walliser Alpen. Um sich diesem wilden und äußergewöhnlichen Gebiet gebührend anzunähern und um gleichzeitig sicherzugehen, dass wir uns nicht am Anfang unserer jährlichen Westalpen-Hochtourenwoche bergsteigerisch überfordern, wollen wir von Courmayeur aus einen eher unbekannten und vom allgemeinen Anspruch her moderaten 3000er besteigen, von dem die meisten Bergsteiger noch nie etwas gehört haben dürften: den Petit Mont Blanc (3431 m.), von den Italienern Piccolo Monte Bianco genannt. Zwar handelt es sich bei diesem Gipfel streng genommen nur um einen wenig selbstständigen Nebengipfel der westlich dominierenden Aiguille de Tré-la-Tête (3930 m.), doch verspricht seine vorgeschobene Position hoch über Ghiacciaio del Miage und Val Veny einen unvergleichlichen Ausblick auf die Südwestabstürze des Mont Blanc, den Brouillardgrat und die mystische Aiguille Noire de Peuterey. Auch wenn er technisch zwar wenig schwierig sein soll (Kraxelei I, Firnhänge bis ca. 35 Grad), so wird er einem doch nicht geschenkt: Stramme 1850 Hm Differenz (zzgl. einiger Gegensteigungen) liegen zwischen dem Gipfel und dem Parkplatz im Bosco del Miage. Wir werden uns also nicht nur akklimatisieren, sondern gleich auch noch unserer Kondition etwas Gutes tun. Auf geht's! Die erste Bergtour meines Lebens im Mont-Blanc-Gebiet steht bevor: Was für eine wunderbare Aussicht]


[Bild: Beim Zustieg zum Petit Mont Blanc passiert man die wunderbare Hochebene des Lago Combal, welcher von zahlreichen idyllischen Wasserläufen und Moorflächen charakterisiert wird und je nach Wasserstand unterschiedlich aussieht. So lieblich die Szenerie auch ist, mit den Spitzen von Aiguille des Glaciers (rechts hinten) und Aiguille de Tré-la-Tête ragen die Berge hier äußerst unvermittelt und gewaltig fast 2000 Meter über der Hochfläche auf. Wer hier einen echten Gipfel des Mont-Blanc-Massivs besteigen will, muss zwangsläufig also einiges leisten]


[Bild: Beim Rifugio Combal (auch Cabane du Combal genannt) trennen uns noch stolze 1500 Hm vom Gipfel des Petit Mont Blanc, der von hier nicht erkennbar ist. Deutlich ist dagegen oberhalb der Bildmitte die steile Rinne zwischen den Aiguilles de Combai (links) und dem Mont Tseuc (rechts) auszumachen. Diese Rinne wird den sehr direkten und steilen Aufstieg zum Bivacco Gino Rainetto vermitteln, von wo aus es dann noch ca. 400 Hm bis zum höchsten Punkt sind. Doch zunächst gilt es, oberhalb des Lago Combal auf den Bergkörper zuzuwandern und dann in Form einer langen Aufwärtsquerung über grasige Schrofenhänge die Rinne zu erreichen]


[Bild: Wie gut, dass Bevölkerung und Politik von Courmayeur bzw. Aosta vor langer Zeit beschlossen haben, die Hochebene des Lago Combal nicht zu erschließen und sie stattdessen weitestgehend sich selbst zu überlassen. Zwar gibt es eine Fahrstraße durch das Val Veny zum Rifugio Elisabetta Soldini Montanaro, doch ist diese für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Und so handelt es sich bei dieser landschaftlich herrlichen Gegend nach wie vor um eine Fahrrad- bzw. Fußgängerzone. Egal, ob man auf der Tour du Mont-Blanc (TMB) unterwegs ist, einen der umliegenden Gipfel ansteuert oder einfach ein bisschen flaniert: Wer an einem Tag wie heute hier unterwegs sein darf, ist ein Glückspilz]


[Bild: Am Fuße des Petit Mont Blanc, welcher sich hinter einer Vielzahl schroffer Vorgipfel versteckt (und gleichzeitig selbst nur ein unscheinbarer Nebengipfel der gewaltigen Aiguille de Tré-la-Tête ist). Deutlich ist im Vordergrund der Weg zu erkennen, der quer nach links in die Südflanke führt und den einzigen technisch leichten Zugang darstellt. Schon sehr bald wird es konsequent steil in die Höhe gehen]


[Bild: Ausblick über den von zahlreichen Wasserläufen durchzogenen Lago Combal zum Mont Fortin (2758 m.), welcher ebenfalls als grandioser und dabei leicht erreichbarer Aussichtsgipfel gilt. Vom Rifugio Combal aus ist es eine entspannte Wanderung von ca. 2,5-3 Stunden, bis man die einmaligen Ausblicke zum Mont Blanc und insbesondere zu den Spitzen von Brouillardgrat und Peutereygrat genießen kann. Weniger zugänglich ist dagegen das spitze Horn des Mont Berrio Blanc (3252 m.), welches man mittig im Hintergrund erkennen kann. Über diesen Berg gibt es so gut wie keinerlei belastbare Informationen in Literatur und Internet. Tja, wenn „der Monarch“ direkt gegenübersteht, kann einem deutlich niedrigeren Berg schon einmal ein gewisses Schattendasein drohen]


[Bild: Unbarmherzig steil führt die Rinne zwischen den Aiguilles de Combai (links) und dem Mont Tseuc (rechts) in gerader Linie bergauf. Kraxelei (oder gar Kletterei) ist hier zunächst nicht erforderlich, doch ist dies auf jeden Fall ein erster Test für die eigene Konstitution. Nach einiger Zeit tritt das Gras zurück und die Route führt in einen von Felswänden begrenzten Kessel hinein. Über Schutt und geröllige Schrofen (teilweise I, Trittsicherheit wichtig) geht es schließlich linkerhand bergauf auf den Verbindungskamm zwischen dem Bivacco Gino Rainetto und der Punta Nord der Aiguilles de Combai]


[Bild: Zwischen dem Bivacco Gino Rainetto und der Punta Nord der Aiguilles de Combai befindet man sich in einem Meer aus plattigem Stein, Blockwerk und Geröll. Zwar gibt es von hier aus theoretisch mehrere Varianten, um sich dem Biwak weiter zu nähern, doch ist es sehr empfehlenswert, sich einfach an die gelben Markierungen zu halten, da diese dem Weg des geringsten Widerstandes folgen. An diesem Punkt hat man einen Großteil der Höhenmeter bereits geschafft: Bis zum Gipfel sind von hier nur noch etwas mehr als 500 Höhenmeter]


[Bild: Unterhalb des Bivacco Gino Rainetto ist stellenweise leichte Kraxelei (max. I) erforderlich. Währenddessen wird der landschaftliche Rahmen nun mit jedem gewonnenen Höhenmeter immer besser: Hinter dem düsteren Felshorn des Mont Berrio Blanc (3252 m.) ist mittlerweile die (noch) intensiv vergletscherte Testa del Rutor (3486 m.) auszumachen, ebenso wie die Aiguille de la Grand Sassière (3751 m.) rechts hinten in der Ferne. Es fällt schwer, sich nicht alle paar Minuten umzudrehen...]


[Bild: Schönes Kraxelgelände (I), das zum plattigen Aufschwung emporleitet, auf dem das Bivacco Gino Rainetto thront. Obwohl die Route mit gelben Markierungen und Steinmännern wirklich hervorragend markiert ist und das Terrain zwar über weite Strecken steil und fordernd (jedoch nie wirklich technisch anspruchsvoll) ist, sind wir heute die einzigen Bergsteiger, die den Petit Mont Blanc in Angriff nehmen. Generell steht die ganze westliche Mont-Blanc-Gruppe (also der Bereich zwischen Mont Blanc, Aiguille de Bionnassay, Dômes de Miage, Aiguille de Tré-la-Tête, Aiguille des Glaciers und Val Veny) im Schatten des zentralen Mont-Blanc-Massivs. Uns soll's recht sein: So können wir diese höchste und (neben der Haute Écrins) wildeste Gebirgsgruppe der Alpen in Ruhe auf uns wirken lassen]


[Bild: Nun haben wir das (links oben erkennbare) Bivacco Gino Rainetto (3047 m.) fast erreicht: Nur noch ein paar plattige Aufschwünge und leichte Felsstufen (max. I) trennen uns von diesem wichtigen Etappenpunkt. Für diejenigen, die am Folgetag die Aiguille de Tré-la-Tête besteigen wollen, ist das Biwak der obligatorische Übernachtungsort. Wir werden uns dort nur kurz aufhalten, da es uns weiter zum Petit Mont Blanc zieht und wir v. a. auch am heutigen Tag wieder ganz bis ins Tal zurück müssen]


[Bild: Da ist er, der (neben dem Matterhorn) wohl mit weitem Abstand berühmteste und v. a. höchste Berg der Alpen: der Mont Blanc (4807 m.) - Natürlich haben wir ihn bereits tagszuvor aus dem Val Ferret gesehen, doch ist dieser plötzliche Anblick aus 2/3-Höhe und noch dazu auf seine wilden Südabstürze hoch über dem Ghiacciaio del Miage etwas, das sich einem unweigerlich ins Gedächtnis brennt. Natürlich werde ich das „Dach der Alpen“ irgendwann besteigen... Es stellt sich lediglich die Frage nach der Route. Irgendwie hätte ich ja gewisse Sympathien für die Traversée Royale (via Dômes de Miage und Aiguille de Bionnassay) oder die Variante über das Rifugio Gonella und den Piton des Italiens (mit anschließendem Abstieg über den Normalweg), doch habe ich natürlich noch zu wenig vom höchsten Berg der Alpen gesehen, um hier eine Entscheidung zu treffen. Mal schauen, was die Zukunft bringt...]


[Bild: Zahlreiche gewaltige Felsgrate streben aus dem Val Veny empor zum Gipfel des Mont Blanc, wobei der Brouillardgrat und der (dahinter in Form von Aiguille Noire de Peuterey und Aiguille Blanche erkennbare) Peutereygrat sogar zu den längsten und ernsthaftesten Gratanstiegen der gesamten Alpen gehören. Wer an einem Pointe Güßfeldt, einer Punta Baretti oder einem Picco Luigi Amedeo souverän herumsteigt, hat meinen allerhöchsten Respekt. Für mich sind solche Touren leider technisch-mental außer Reichweite. Wer weiß, vielleicht erarbeitet ich mir irgendwann einmal auch solche Touren, doch dazu muss noch (sehr) viel zusammenkommen]


[Bild: Ausblick vom Bivacco Gino Rainetto (3047 m.) zum Petit Mont Blanc (3431 m.), wobei es sich um die rechte Spitze handelt. Bei dem links hinten ersichtlichen Gipfel handelt es sich um die Aiguille de Tré-la-Tête (3930 m.), welche von hier nur aufgrund der versetzten Lage ebenbürtig wirkt. Um zum Petit Mont Blanc zu gelagen, gilt es von hier zunächst auf geradem Weg über Felsplatten und Blockwerk das unterste der Firnfelder des Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc zu erreichen. Anschließend wird es über den harmlosen, spaltenfreien Gletscher weiter empor zum Gipfelaufbau gehen]


[Bild: Petit Mont Blanc (3431 m.) im Zoom vom Bivacco Gino Rainetto (3047 m.) aus gesehen - Während das untere Firnfeld des Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc in unserem Fall einen relativ guten Eindruck macht, scheint das obere Firnfeld unterhalb des Gipfelaufbaus bereits ziemlich „angefressen“ zu sein. Wir werden uns vor Ort ein Bild davon machen, was der Hitzesommer 2026 angerichtet hat und je nachdem reagieren (z. B. nicht direkt aufsteigen und den eventuell blanken Bereich meiden). In jedem Fall dürften sehr bald unsere Steigeisen erstmals zum Einsatz kommen, was den Gipfel an sich irgendwie noch einmal etwas „aufwertet“]


[Bild: Entschlossenen Schrittes geht es über den Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc in Richtung Gipfelaufbau - Spitzen wie der Petit Mont Blanc sind in diesem Teil der Alpen im Grunde genommen eine Seltenheit. Sich lediglich mit Steigarbeit, etwas leichter Kraxelei und ohne vollständige Gletscherausrüstung dem höchsten Punkt annähern zu können, wird einem im Mont-Blanc-Gebiet nur bei sehr (!) wenigen 3000ern vergönnt sein. So ist das Ganze für uns die perfekte Tour, um uns in einem entspannten Setting zu akklimatisieren und um gleichzeitig ein erstes Gespür für diesen so wilden Teil der Alpen zu bekommen]


[Bild: Die westlich über dem zerklüfteten Ghiacciaio della Lex Blanche aufragende Aiguille des Glaciers (3816 m.) gehört zu den unbekanntesten hohen 3000ern im Mont-Blanc-Gebiet! Wird zumindest die nahe Aiguille de Tré-la-Tête noch regelmäßig von individualistischen Seilschaften bestiegen, „verirren“ sich nur selten Bergsteiger in die Flanken und Grate dieser einsamen Spitze. Von der anderen Seite (vom Refuge Robert Blanc von SW) aus kann die Aiguille des Glaciers vergleichsweise unkompliziert bestiegen werden (Kletterei II-III, Firn bzw. Eis bis 40-45 Grad), wobei man sich u. a. im Hinblick auf die allgemeine Ausaperung und das Auftauen von Permafrost auf „Überraschungen“ gefasst machen sollte. Bei der Aiguille des Glaciers handelt es sich zwar (formell) um ein regionales Sekundärziel, doch gerade das macht sie besonders ernst und irgendwie interessant]


[Bild: In früheren Jahren noch eine geschlossene Eis- und Firndecke, ist der Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc heutzutage im Hochsommer mittlerweile in zwei Bereiche geteilt, wobei der obere Abschnitt deutlich steiler ist. Sicherlich gibt es ab hier mehrere Varianten, wie man den (mittig erkennbaren) Gipfelaufbau anvisieren kann. Wir entscheiden uns dafür, die Eisflanke direkt in Angriff zu nehmen, was sich als gut machbar entpuppt. Zwar ist das Eis teilweise blank, aber aufgrund der hohen Temperaturen und des Schmelzwassers dann doch so „aufgeweicht“, dass man im Zick-Zack die Flanke gut nach oben kommt. Der Gipfel kommt nun mit jedem Schritt merklich näher]


[Bild: Nur noch ein paar Höhenmeter, dann haben wir den felsigen Gipfelaufbau des Petit Mont Blanc erreicht. Von dort geht es dann rechterhand über geröllig-schuttigen Fels eine gestufte Rinne schräg nach oben zum Grat und anschließend in leichter Kraxelei (I) zum höchsten Punkt. Es gibt auch hier zwar mehrere Varianten, doch ist es empfehlenswert, der Route des geringsten Widerstandes zu folgen, zumal der Gipfelaufbau abseits der optimalen Route teilweise ziemlich brüchig und steinschlaggefährdet ist. Wer an dieser Stelle indes weiter gen Aiguille de Tré-la-Tête will, muss sich links halten und eine kleine Einschartung südwestlich des Petit Mont Blanc ansteuern. Von dort geht es in steilem Fels (II-III, abklettern oder 1x abseilen) hinab auf den Ghiacciaio del Petit Mont Blanc und dann an der Aiguille de l' Aigle vorbei nach NW zur NO-Flanke der Tré-la-Tête. So viele Möglichkeiten...]


[Bild: Weit und unermesslich ist die Aussicht mittlerweile von den obersten Hängen des Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc - Ob nun Grivola, Testa del Rutor, Gran Paradiso, Aiguille de la Grande Sassière, Mont Pourri, La Grand Casse oder Sommet de Bellecôte: Hierbei handelt es sich nur um einen kleinen Ausschnitt der gewaltigen Grajischen Alpen, die mir (abgesehen von einem Gran Paradiso-Abenteuer vor 2 Jahren) noch so völlig fremd sind... Wer weiß, wie und in welcher Form es mich eines Tages durch diese (aus Kalkalpenbergsteiger-Perspektive) so „exotischen“ Lande ziehen wird. Doch zu erst einmal wartet der Gipfel des Petit Mont Blanc... Nach allem, was wir bis dato heute erlebt haben, wird uns da oben eine Aussicht zum „Monarchen“ erwarten, die uns sprachlos zurücklassen wird]


[Bild: Ausblick vom Petit Mont Blanc (3431 m.) zum „großen Bruder“, dem gewaltigen, alles dominierenden Mont Blanc (4807 m.) - Nur wenige Bergsteiger werden jemals eine solch ungewöhnliche Perspektive auf den höchsten Berg der Alpen genießen. Neben dem rechts im Profil erkennbaren Brouillardgrat und der Route über das Rifugio Gonella, den Ghiacciaio del Dôme und den Piton des Italiens (links) springt aus dieser Perspektive natürlich auch der vogelwilde Tournettesporn ins Auge, welcher eine der wohl ungewöhnlichsten Anstiegsmöglichkeiten auf das sogenannte Dach der Alpen bietet. Es ist absolut faszinierend, diese ungemein wilde und abweisende Südwestseite des Mont Blanc in Augenschein zu nehmen und nach vermeintlich „gangbaren“ Routen zu suchen. Natürlich ist an diesem Berg schon praktisch jeder Grat und jede Wand, jeder Flanke und jeder Sporn erklettert worden. Da sich jedoch die überwältigende Mehrheit der Bergsteiger an die Hauptrouten (via Dôme du Goûter oder Col du Mont Maudit) hält, kann man in dieser mächtigen Bergflanke zwangsläufig Entdecker bzw. Erstbegeher spielen: Wenn man denn den hohen technischen Anforderungen und der Vielzahl objektiver Gefahren (Steinschlag, Eisschlag, Spalten, zerklüftete Gletscher, durchgehend steiles und ernstes Gelände etc.) körperlich und mental gewachsen ist]


[Bild: Vom Petit Mont Blanc aus wird unmissverständlich klar, wer westlich des Mont Blanc das Sagen hat: die Aiguille de Tré-la-Tête (3930 m.) bildet gemeinsam mit der Aiguille des Glaciers (3816 m.) ein wunderschönes, allseits von spaltigen Gletschern eingerahmtes Gipfelduo. Der unten erkennbare Ghiacciaio del Petit Mont Blanc stellt (aus dem Val Veny kommend) die schnellste und (theoretisch) einfachste Möglichkeit dar, um sich dem steilen Gipfelaufbau der Tré-la-Tête zu nähern. Theoretisch deswegen, weil die Route ziemlich spaltig ist und man nur selten eine Spur vorfinden wird bzw. die Spaltenbrücken in der Regel nicht getestet sind]


[Bild: Noch deutlicher (!) seltener als der Petit Mont Blanc (3431 m.) dürfte sein Nachbargipfel bestiegen werden: die rechts ersichtliche Aiguille de l'Aigle (3553 m.) steht im Grunde immer nur Spalier, wenn sich Seilschaften über den Gletscher in Richtung Tré-la-Tête-Gipfelaufbau aufmachen. Hat man den mittig im Hintergrund erkennbaren Firnsattel erreicht (wobei der Bergschrund mitunter große Probleme bereiten kann!), geht es linkerhand über die NO-Flanke und zuletzt den oberen SO-Grat (bis 45 Grad steil) zum höchsten Punkt. Von dort bieten sich dann (wenn man nicht auf der Aufstiegsroute zurückkehren will) großartige Überschreitungen an, ob nun nach Frankreich gen Dômes de Miage oder auf den Ghiacciaio della Lex Blanche unterhalb der Aiguille des Glaciers: Durch die Bank nur Touren für gestandene, erfahrene Seilschaften!]


[Bild: Wohl nur wenige Berge in den Alpen verfügen über eine so enorme Bergmasse wie der Mont Blanc (4807 m.), nicht nur aufgrund der Höhe. Überall sonst im Alpenraum wären zudem Berge wie die (links erkennbare) Aiguille de Bionnassay (4052 m.), der Dôme du Goûter (4304 m.) oder auch die (rechts außen erkennbare) Aiguille Blanche de Peuterey (4112 m.) regionale Könige. Im Angesicht des Monarchen sind sie jedoch nur Trabanten, zu Stein gewordene Untergebene, die ehrfurchtsvoll zum höchsten Punkt Mitteleuropas emporblicken müssen]


[Bild: Tiefblick vom Petit Mont Blanc (3431 m.) über den oberen Teil der Aufstiegsroute (Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc) zum Bivacco Gino Rainetto - Links unten, fast 1400 Meter tiefer schiebt sich der schuttbedeckte Ghiacciaio del Miage träge ins Val Veny. Wer den Mont Blanc via Rifugio Gonella und Piton des Italiens besteigen will, muss diesen mächtigen Gletscher in seiner ganzen Länge begehen. Links hinten am Horizont kann man das intensiv vergletscherte Walliser Gipfel-Konglomerat aus Monte Rosa, Liskamm, Castor, Pollux und Breithorn erkennen, während rechts die Spitzen der Paradiso-Gruppe (Testa del Rutor, Grivola, Monte Emilius, Gran Paradiso) herübergrüßen]


[Bild: Mont Blanc SW-Seite vom Petit Mont Blanc aus gesehen: Eine eimalige Perspektive! Waren wilde, hochgradig einsame Routen wie der Tournettesporn seit jeher absolute Geheimtipps, dürften sich seit dem durch eine Gerölllawine zerstörten Zustieg zum Rifugio Quintino Sella (ai Rochers), bei welchem es sich wohl um einen der anspruchsvollsten und kompliziertesten Hüttenzustiege der Alpen handelt (Zitat Hartmut Eberlein & Ralf Gantzhorn: „[...] in einigen Passagen schlichtweg gefährlich aufgrund Stein- bzw. Eisschlag.“), wohl noch weniger Seilschaften hierher „verirren“. Der Klimawandel und das Abschmelzen von Firn und Eis bzw. das Auftauen von Permafrost machen viele Routen am Mont Blanc (v. a. im Hochsommer) hochgradig riskant, zum Teil lebensgefährlich und nicht mehr vertretbar. Wer in dieser Flanke unterwegs ist, sollte wissen, was er / sie tut]


[Bild: Weit, schier endlos ist die Aussicht vom Petit Mont Blanc (3431 m.), insbesondere nach Süden und Südosten hin in Richtung der Grajischen Alpen. Sogar die Dauphiné (Haute Écrins) rund um die Meije, die Barre des Écrins, den Mont Pelvoux und die Ailefroide ist (mittig am Horizont) im Dunst auszumachen. Doch auch die Nahblicke (von der Einschartung unten erfolgt der Abstieg auf den Ghiacciaio del Petit Mont Blanc, wenn man die Aiguille de Tré-la-Tête ansteuert) sind absolut faszinierend. Auf einem Gipfel wie dem Petit Mont Blanc könnte man es leicht stundenlang aushalten..., wäre da nicht der weite, weite Abstieg zurück ins Val Veny]


[Bild: Aiguille Noire de Peuterey (3772 m.) und Dames Anglaises (3601 m.) von Südwesten vom Petit Mont Blanc (3431 m.) - Bei diesen kühnen, absurd steilen Spitzen handelt es sich wohl neben dem Arête du Diable um das wildeste Gratgelände („Peuterey Intégral“), das die Mont-Blanc-Gruppe (vielleicht sogar die Alpen!) zu bieten hat. Was für Berge! Was für ungeheuerliche Felsnadeln! Wer den Peuterey Intégral in seiner ganzen Länge angeht, also inkl. des Südgrats der Aiguille Noire (50 Seillängen brettharte Kletterei bis VI), hat sich den längsten Grat der Alpen (mind. 3 Tage / 2 Nächte, 3400 Hm, Fels bis VI und Eis bis 55-60 Grad, stundenlange Abseilfahrten und fast durchgehend extrem ausgesetztes, psychisch sehr forderndes Gelände) ausgesucht. Alleine die (hier nicht einsehbare) Normalroute auf die Aiguille Noire (spröder Fels bis III+ und komplizierte Routenführung) ist bereits ein Unterfangen, dem wohl die wenigsten, normal belastbaren Kletterer gewachsen sein dürften: Alleine der Anblick lässt einen erschaudern]


[Bild: Wer den Mont Blanc über die legendäre Traversée Royale (via Dômes de Miage, Piton des Italiens und Col du Mont Maudit) überschreiten will, wird zwangsläufig auch diesen schönen 4000er besteigen: die Aiguille de Bionnassay (4052 m.) - Zwar wird es aus dieser Perspektive nicht wirklich deutlich, doch handelt es sich bei dem vom Gipfel nach rechts (Osten) in Richtung Piton ziehenden Firngrat um eine der vielleicht ausgesetztesten Schneiden der Alpen: Dagegen kann der Biancograt (was Luftigkeit angeht) einpacken! Aber auch der felsige Anstieg von links (von Süden) vom Refuge Durier (Stelle III+ / IV-) ist knackig und nicht geschenkt. Generell macht die Traversée ihrem Namen aufgrund der Vielzahl alpiner Anforderungen alle Ehre: Ein wahrhaft königlicher Anstieg auf den Monarchen der Alpen]


[Bild: Die „einfachste“ Möglichkeit, den Mont Blanc von der italienischen Seite aus zu besteigen, ist die Route vom Rifugio Gonella (ganz unten links der Bildmitte links vom Gletscher erkennbar!) über den Ghiacciaio del Dôme zum Piton des Italiens (4002 m.) und von dort weiter zum Dôme du Goûter, wo man auf die Normalroute vom Refuge du Goûter trifft. Dass es sich hierbei aber ebenfalls um eine ziemlich anspruchsvolle, ernste Hochtour handelt, verdeutlicht der spaltige, teilweise sogar arg zerschrundene Gletscher allemal. Auch sind es brachiale 1750 Hm reine Höhendifferenz (zzgl. einiger Gegenanstiege!) zwischen dem Rifugio Gonella und dem Mont Blanc-Gipfel: Wer das ohne die entsprechende Fitness und Akklimatisation angeht, hat mindestens einen qualvollen Tag vor sich. Und das sollte in so einer wilden, v. a. aber landschaftlich wunderschönen Umgebung doch nun wirklich nicht sein!]


[Bild: Wieder auf dem Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc mit Blick in Richtung Grajische Alpen - Während wir in aller Ruhe über den harmlosen, spaltenfreien Gletscher absteigen und dabei den Blick gen Gran Paradiso, Testa del Rutor, Aiguille de la Grande Sassière und Mont Pourri schweifen lassen, entfalten sich in unseren Köpfen bereits die nächsten Tourenideen: Wer bei so schönem Wetter in einer so attraktiven und ästhetischen Gebirgsregion unterwegs ist, wird wohl unweigerlich zu neuen alpinen „Schandtaten“ inspiriert]


[Bild: Beim Abstieg vom Bivacco Gino Rainetto in Richtung der zwischen Mont Tseuc (links) und Aiguilles de Combai (rechts) eingezwängten Rinne, die uns steil und maximal direkt abwärts in Richtung Lago Combal leiten wird. Zwar ist das Felsgelände nie wirklich schwierig (max. I) oder objektiv gefährlich, aber dann doch so steil und schroff, dass man phasenweise etwas aufpassen und sich v. a. durchgehend konzentrieren muss. Wirklich abschalten bzw. in den Autopilotmodus schalten, ist erst ab der Querung in Richtung der Moräne des Ghiacciaio del Miage erlaubt. Dem abweisenden Mont Berrio Blanc (rechts) ist all das egal: Er wacht stoisch über das Val Veny, den alles dominierenden „großen Bruder“ gegenüber und fragt sich vielleicht von Zeit zu Zeit, warum ihm niemand je einen Besuch abstattet...]


[Bild: Traumhaft schöner Ausblick beim Abstieg vom Petit Mont Blanc über den Lago Combal zum einsamen Mont Berrio Blanc (3252 m.) - Es will mir partout nicht in den Schädel reingehen, dass wir am heutigen Tag die einzigen Menschen am Petit Mont Blanc waren! Angesichts der relativ leichten Erreichbarkeit bzw. guten Zugänglichkeit, der Touristenmassen rund um Courmayeur und der generellen Beliebtheit des Mont-Blanc-Massivs bei Bergsteigern aus aller Welt, erscheint es mir geradezu absurd, dass ein solch aussichtsreicher, (bei guten Verhältnissen) relativ einfach besteigbarer 3000er wie der Petit Mont Blanc so offenkundig selten auf der Wunschliste von Bergsteigern auftaucht, ob nun als Einzelziel für sich oder in Kombination mit einer Hochtour auf die Aiguille de Tré-la-Tête. Na ja, uns ist es ganz recht: So konnten wir diese für uns alle erstmalige Bergtour in der Mont-Blanc-Gruppe ungestört auf uns wirken lassen... Und was für Eindrücke wir da mit nach Hause nehmen!]


[Bild: Den meisten Spitzen südlich des Val Veny, wie in diesem Fall (von links nach rechts) Mont Percé (2844 m.), Mont Lechaud (2805 m.) und Pointe Léchaud (3127 m.), ist das gleiche Schicksal gemein: Sie werden nur sehr unregelmäßig bis gar nicht bestiegen. Zu sehr ziehen die umliegenden Prestige-Gipfelziele der Mont-Blanc-Gruppe oder der Paradiso-Gruppe das Gros der Bergsteiger an. Wandertechnisch hat das Gebiet zwischen Col de la Seigne, Courmayeur und La Thuile auf jeden Fall einiges zu bieten. Doch wer nun einmal nur eine begrenzte Zeit vor Ort hat, wendet sein Interesse dann doch tendenziell den „hohen Zielen“ rund um den Monarchen zu]


[Bild: In Form einer langen Abwärtsquerung geht es schließlich vom unteren Ende der Rinne zwischen Mont Tseuc und Aiguilles de Combai über grasige Schrofenhänge hinweg und auf die Moräne des Ghiacciaio del Miage zu. Währenddessen grüßen in der Ferne zwei fundamental verschiedene Berggestalten herüber: Der links hinten erkennbare Grand Combin (4309 m.) und die Grande Rochère (3328 m.) rechts daneben zählen bereits zu den Walliser Alpen, haben jedoch außer der Tatsache, dass sie beide gerne und regelmäßig bestiegen werden, nicht viel gemeinsam. Während es sich bei der Grande Rochère um einen eisfreien Wander-3000er handelt, ist der nordseitig eisgepanzerte, an einen Himalaya-Riesen erinnernde Grand Combin wohl einer der wuchtigsten 4000er der Alpen überhaupt]


[Bild: Lago Combal mit (von links nach rechts) Pointe de Charmont (2967 m.), Mont Berrio Blanc (3252 m.) und Mont Fortin (2758 m.) im Hintergrund: Ein Anblick, den man sich so wohl auch in den endlosen Weiten Kanadas, Skandinaviens oder Zentralasiens vorstellen könnte. Es ist angesichts der touristischen Erschließung und Infrastruktur rund um Courmayeur (Skigebiete, Lift- und Seilbahnanlagen, Fahrstraßen etc.) umso erstaunlicher und löblicher, dass das Val Veny so vergleichsweise naturbelassen geblieben ist. So können auch heutzutage naturbegeisterte Menschen in diesem schönen Tal wandeln und die umliegende Bergwelt genießen, egal ob es sie nun in die Höhe zieht oder nicht]


[Bild: Während wir nach einem erfrischenden Kaltgetränk beim Rifugio Combal (auch Cabane du Combal genannt) schließlich auf der Fahrstraße zurück zum Parkplatz im Bosco del Miage spazieren, baut sich über uns erneut das wohl abweisendste, einschüchterndste Felsgebilde des Val Veny auf: der Peutereygrat. Während bereits der das Tal überragende Mont Rouge de Peuterey (2941 m.) so steil, so düster erscheint, wie man es sich im Alpenraum kaum vorstellen kann, wird all das natürlich noch einmal deutlich (!) von der gewaltigen Felsarena rund um den Ghiacciaio del Freney (links hinten) übetroffen. Aiguille Noire de Peuterey, Aiguille Blanche de Peuterey, Aiguille Croux und der ansetzende Innominatagrat: Namen wie ein Donnerschlag! Hier spielt ohne Zweifel die alpinistische „Königsklasse der Alpen“]


[Bild: Mit Blick auf die grandiosen Grandes Jorasses (4208 m.) und den (links erkennbaren) Dôme de Rochefort (4015 m.) erreichen wir schließlich wieder unseren Parkplatz im Bosco del Miage, erfüllt vom Glück des heutigen Tourentages. Ob und ggf. wann wir jemals in der Lage sein werden, solche Touren wie die Grandes Jorasses „zu gehen“, steht in den Sternen (von wilden Gratklettereien wie denjenigen im Bereich der Mont Blanc Südseite will ich gar nicht erst anfangen zu reden). Fest steht für mich nach dem heutigen Tag dagegen umso mehr, dass es nicht immer die höchsten, alpinsten oder gar schwierigsten Gipfelziele sind, die die besten Ausblicke liefern. Mit der Exklusivität einer Aiguille Noire de Peuterey kann der Petit Mont Blanc natürlich nicht mithalten, doch zahlt man für die Exklusivität solcher Tourenziele natürlich auch einen gewissen „Preis“ (z. B. hohe technische Anforderungen, psychisch-physischer Anspruch und objektive Gefahren / Risiken). Gipfelziele wie der Petit Mont Blanc (3431 m.) sind dagegen nicht nur wesentlich einfacher „zu haben“, sie liefern auch absolut faszinierende Einblicke, in diesem Fall in die wilde Mont Blanc SW-Seite. Zudem verfügt der Petit Mont Blanc fast ziemlich genau über 2/3 der Höhe des Monarchen, was bekanntermaßen die perspektivische Idealhöhe für solche Aussichtsgipfel ist, um höhere Ziele zu bewundern. Konditionell wird einem der Petit Mont Blanc in keinster Weise geschenkt: Stramme 1850 Hm (zzgl. einiger kleiner Gegenanstiege) in teilweise anhaltend steilem Kraxelgelände werden in keinster Weise vorgekaut! Insofern ist der Petit Mont Blanc aus bergsteigerischer Sicht vielleicht sogar „wertvoller“ und ehrlicher, als so manches 4000er-Ziel. In jedem Fall ist er auch in Bezug auf den Faktor Akklimatisation ideal und logistisch geschickt, da er zu den wenigen Gipfelzielen in der Umgebung oberhalb der 3400-Meter-Marke zählt, die relativ unkompliziert an einem einzigen Tag angegangen werden können. Zudem ist man an diesem Berg nicht ganz so abhängig von den allgemeinen Bedingungen, da der Ghiacciaio Orientale del Petit Mont Blanc meist ziemlich harmlos und in Summe problemlos zu begehen ist. Fazit: Wer sich rund um Val Veny oder Val Ferret akklimatisieren, dabei einen relativ hohen 3000er besteigen und v. a. einen einmalig schönen Einblick in die Mont Blanc Südseite gewinnen will, wird am Petit Mont Blanc fündig werden. Und wer dann noch ein bisschen Glück hat, muss sich den Berg höchstens mit ein paar Steinböcken oder Gämsen teilen. Und das will im unmittelbaren Angesicht des Mont Blanc schon etwas heißen...]



Parzinnspitze (2613 m.) + Steinkarspitze (2650 m.) + Kogelseespitze (2647 m.)


04. Juli 2026


[Bild: Es gibt diese Gebirgsgruppen, in die es einen immer wieder zurückzieht. Selbst dann, wenn man erst ein paar Mal vor Ort war, ist da doch dieses Gefühl, diese Sehnsucht, diese innere Gewissheit, dass man so bald wie möglich wieder hin muss: Ein wildes Seitental hinein, einen steilen Schrofenhang hinauf und ab in die schuttigen, vielleicht etwas abweisenden Weiten einer entlegenen Gipfelregion... Erst zweimal hat es bisher in meinem Leben mit einer Bergtour in den grandiosen Lechtaler Alpen geklappt: Eine Schande! Diese sicherlich zu den landschaftlich schönsten und geologisch abwechslungsreichsten Gebirgsgruppen der Ostalpen gehörende Region beherbergt die höchsten und mitunter schwierigsten Gipfel der Nördlichen Kalkalpen. Die Lechtaler sind aus Kalkalpen-Bergsteigerperspektive ein Gebirge für Fortgeschrittene. Hier ist alles höher, wilder, schroffer als z. B. in den benachbarten Allgäuer Alpen (vielleicht mit Ausnahme der Hornbachkette und der Rosszahngruppe). Für ambitionierte Bergsteiger ist dies das Eldorado: Wer einen ausgesetzten IIer (auch im Abstieg) wirklich sicher beherrscht (bzw. idealerweise auch noch Reserven „nach oben“ hat), sich für gelegentliches „Geröllwühlen“ nicht zu schade ist und einsame, selten bestiegene Gipfel zu schätzen weiß, wird hier fündig. Und so zieht es mich an diesem wolkig-sonnigen Morgen von Gramais zunächst nach Süden, immer am Otterbach entlang, bis es schließlich am Talschluss über steile Schrofenflanken (teilweise Drahtseile) bergauf nach Osten geht, wobei die umliegenden Steilflanken von Leiterspitze, Landschaftsspitze und Landschaftseck mich tief beeindrucken: Was für ein Setting! Mein erstes Etappenziel ist zunächst der malerische Gufelsee, von wo aus dann das eigentliche „Gipfelsammeln“ beginnen soll]


[Bild: Im Westen der Nördlichen Kalkalpen (v. a. Allgäuer und Lechtaler Alpen sowie Lechquellengebirge) besteht der landschaftliche Reiz insbesondere aus dem Kontrast zwischen Lieblichem (z. B. Blumenwiesen, Grashänge) und Schroffem. Auch hier, an der Schnittstelle von Medriol und Parzinn, erheben sich kühne Felsruinen aus steilen Grasflanken, um von versierten, umsichtigen Bergsteigern „erobert“ zu werden. Ob wohl gerade jemand an dem im Hintergrund erkennbaren, extrem einsamen Landschaftseck (2610 m.) herumkraxel...? Ein alpiner „Playground“, wie er im Buche steht]


[Bild: Beim Aufstieg von der westlich unterhalb des Gufelsees gelegenen, grasigen Hochebene („Hinter Gufel“) zeigt sich im Rückblick der Vordere Gufelkopf (2426 m.) mit seinen faszinierend gefalteten Hauptdolomitschichten. Dieser formschöne, formell jedoch ziemlich unbedeutende Gipfel kann weglos von dieser Seite über Geröll, eine Rinne und zuletzt den Südgrat bestiegen werden. Allzu häufig scheint das aber nicht zu passieren. Der Alpenvereinsführer spricht im Hinblick auf die technischen Schwierigkeiten nur von „vermutlich II“. Herrlich! Vereinzelte Tourenberichte im Internet (z. B. auf hikr.org) scheinen diese Schwierigkeit aber zu bestätigen. Insofern: Ein ungewöhnliches Sekundärziel für erfahrene Bergsteiger, die in den Lechtalern schon viel gesehen haben]


[Bild: Warum die Kogelseespitze zu den zugänglichsten hohen Gipfeln der Lechtaler Alpen gehört, kann man sich beim Anblick von Süden denken: Vergleichsweise sanft geneigte, grasbewachsene Hänge ziehen bis zur Gipfelregion empor. Es ist kein Wunder, dass ausgerechnet die Kogelseespitze zum Hausberg der nahen Hanauer Hütte wurde. Umliegende Berge wie die Dremelspitze, die Parzinnspitze oder die Große Schlenkerspitze sind um ein Vielfaches schwieriger und für die Mehrheit der Wanderer viel zu riskant. Dagegen kann sich jeder einigermaßen trittsichere Wanderer den aussichtsreichen Gipfel der Kogelseespitze guten Gewissens vornehmen und wird ihn im Normalfall auch erreichen]


[Bild: Eines der landschaftlichen Schaustücke beim Übergang von der Hanauer Hütte zum Württemberger Haus oder zur Memminger Hütte (und natürlich umgekehrt) ist der pittoreske Gufelsee (2281 m.) - Dieser wirklich traumhaft schöne Gebirgssee wird von Kogelseespitze und (hier rechts ersichtlich) Parzinnspitze (2613 m.) eingerahmt und lädt zu einer entspannten Pause ein. Ich halte mich indes nur kurz am Wasser auf, habe ich doch heute noch ein (je nach Wetterentwicklung) unter Umständen sehr strammes Programm vor mir]


[Bild: Unnahbar, äußerst abweisend und irgendwie auch etwas unheimlich ragt das spitze Horn der Parzinnspitze (2613 m.) über dem Gufelsee auf, während aktuell noch Wolken seinen Gipfel umwirbeln. Ich werde zunächst die technisch unkomplizierte Kogelseespitze angehen und dann (je nach Wetterentwicklung) entscheiden, ob ich mich auch an diesem Prachtziel versuche. Wenn, möchte ich nämlich nur bei AKW auf diesem tollen Gipfel stehen! Insofern sind beide Daumen gedrückt, dass sich die Wolken in den kommenden 1-2 Stunden noch weiter zurückbilden. Aber die Tendenz scheint in jedem Fall zu stimmen]


[Bild: Der Inbegriff der Lechtaler Alpen, die „alpine Dreifaltigkeit“: Türkisblauer Gebirgssee + idyllische Wiese + schroffer Felsgipfel = glücklicher Stefan. Da die Lechtaler Alpen kaum Dachsteinkalk aufweisen, findet man hier im Gegensatz zu den großen Karstplateaus im Osten der Nördlichen Kalkalpen (z. B. Berchtesgadener Alpen, Tennengebirge, Loferer & Leoganger Steinberge, Totes Gebirge) zahlreiche Gebirgsseen wie den Gufelsee vor, da das Wasser hier nicht so einfach versickert. Ich schätze beide Landschaftstypen sehr, doch hier und jetzt bin ich froh, dass der Gufelsee die ansonsten doch sehr schroffe und abweisende Umgebung etwas „auflockert“ bzw. lieblicher gestaltet]


[Bild: Ausblick vom Gufelseejöchl (2371 m.) über den gleichnamigen See und den Vorderen Gufelkopf (2426 m.) zur Leiterspitze (2750 m.) - Zugegeben: Die Verlockung, sich einfach für 1-2 Stunden ins Gras zu legen und von vornherein auf 1 bis maximal 2 Gipfel zu beschränken, ist durchaus gegeben. Doch schon nach kurzer Überlegung gewinnt der Gipfelhunger die Oberhand! Wenn ich schon einmal hier bin und das Wetter so schön ist, will ich bergsteigerisch auch das Maximum aus dem heutigen Tag rausholen. Also, auf geht's zur Kogelseespitze! Knapp 300 Hm stehen mir in Form eines alpinen, aber einfachen Steiges nun bevor]


[Bild: Tiefblick vom Kogelseespitze Normalweg zum Oberen Parzinnsee, welcher von keinem bezeichneten Steig erreicht wird. Die Wege zwischen Kogelseescharte, Hanauer Hütte und Gufelseejöchl führen jeweils unterhalb entlang, weswegen nur wenige Individualisten diesen kleinen Gebirgssee aufsuchen. Im Hintergrund präsentieren sich die Plattigspitzen, welche ebenfalls nur unregelmäßig aufgesucht werden. Die höhere Westliche Plattigspitze (2558 m.) soll laut AVF von dieser Seite „über die sehr steile, jedoch grüne, aus Gosauschichten aufgebaute S-Flanke gut zu besteigen [sein].“ Von Kletterei ist keine Rede, nur Trittsicherheit sei wichtig. Na denn...]


[Bild: War ich schon an den Ufern des Gufelsees sehr angetan von dieser unglaublich eindrucksvollen Ecke des Parzinn, wird beim Aufstieg zur Kogelseespitze das Panorama nun mit jedem gewonnenen Höhenmeter schlagartig immer besser. Insbesondere die der Region ihren Namen gebende Parzinnspitze (2613 m.) ragt wuchtig, fast schon brutal und dolomitenhaft aus ihrem Sockel hervor. Beim Anblick dieses formschönen Berges und angesichts der sich immer weiter auflösenden Wolken bin ich mir mittlerweile fast sicher, dass ich den Berg nachher angehen werde, ja angehen „muss“!]


[Bild: Nach einem kurzweiligen und schnell vonstattengehenden Aufstieg (= reine Steigarbeit in manchmal etwas schuttigem Terrain ohne nennenswerte technische Schwierigkeiten) erreiche ich nach kurzer Zeit den überragenden Gipfel der Kogelseespitze (2647 m.) - Zwar übertreffen sie in der näheren Umgebung einige Berge an Höhe (u. a. Große Schlenkerspitze, Dremelspitze, Steinkarspitze und Leiterspitze), doch muss sich die Kogelseespitze aufgrund ihrer dem Lechtaler Hauptkamm vorgelagerten Position aussichtstechnisch vor niemandem verstecken. Ich freue mich sehr und bin euphorisiert! Als ich vor ein paar Stunden in Gramais losmarschiert bin, war das Wetter entgegen der allgemeinen Prognose noch arg wolkig und diffus. Doch scheint sich der Tourentag nun erst so richtig zu entwickeln! Mal schauen, was da in den kommenden Stunden landschaftlich noch so auf mich wartet...]


[Bild: Tiefblick vom Gipfel der Kogelseespitze (2647 m.) zum gleichnamigen Kogelsee, welchen ich in einigen Stunden beim Abstieg nach Gramais zwangsläufig passieren werde, da ich eine Rundtour via Gufelseejöchl und Kogelseescharte geplant habe (wer genau hinschaut, erkennt mittig verlaufend die entsprechende Wegspur im Geröll). Rechts ragen die einsamen Bockkarspitzen auf, welche nur sehr selten bestiegen werden. Zwar kann man die höchste (= südlichste) der Bockkarspitzen (2602 m.) relativ „einfach“ (Stelle II, sonst I und steile, brüchige Schrofen) u. a. vom Kogelsee aus besteigen. Die Überschreitung aller Bockkarspitzen (brüchige, extrem ausgesetzte Gratkletterei III-IV) ist dagegen eine Aktion, an die sich nur ein ganz bestimmter Typus Bergsteiger wagen sollte]


[Bild: Vom Gipfel der Kogelseespitze zieht der NO-Grat (stellenweise Kraxelei I-II) etwa 150 Hm in Richtung Kogelseescharte. Am schönsten ist sicherlich die Überschreitung, wobei sich in meinem Fall naturgemäß der Abstieg über den Grat angeboten hätte. Das hätte aber nur dann Sinn ergeben, wenn die Kogelseespitze der letzte Gipfel des Tages gewesen wäre. Da ich jedoch erst einmal abwarten wollte wie sich das Wetter entwickelt (sprich: sich die tendenziell anspruchsvolleren Gipfelziele aufheben), kommt diese Variante natürlich nicht in Frage. Und so wird mir in ein paar Stunden leider ein etwas nerviger Zwischenabstieg vom Gufelseejöchl bevorstehen... Na ja, so ist nun einmal das Bergsteigerleben]


[Bild: Lechtaler Bergprominenz vom Gipfel der Kogelseespitze (2647 m.) aus gesehen - Es wäre müßig, all die zahlreichen großen Berge aufzuzählen, die man von hier aus erkennen kann. Doch ragen insbesondere die alles dominierende Parseierspitze (links) und die Holzgauer Wetterspitze (rechts hinten) aus dem Meer an Gipfeln hervor. Beide Spitzen habe ich 2018 im Rahmen meiner ersten Bergtour in den Lechtaler Alpen bestiegen. Und schon damals war mir sofort klar, dass es sich bei den Lechtalern um eines der großartigsten Gebirge der gesamten Ostalpen handeln muss. Dass es seither (abgesehen von der heutigen Tour) nur mit der Dremelspitze 2024 geklappt hat, ist schade. Aber was die letzten Jahre nur bedingt war, kann ja in Zukunft noch werden]


[Bild: Lang, zerborsten und bergsteigerisch absolutes Niemandsland ist der Grat, der von der Steinkarspitze (2650 m.) über den Hinteren zum Vorderen Gufelkopf zieht. Und ebenso vielsagend sind die steilen Geröllhalden, die aus dem Gebiet westlich des Gufelsees („Hinter Gufel“) zu dem Grat emporziehen. Links hinten kann man eine geröllige, plateauartige Anhöhe erkennen, über welche sowohl der Zustieg zur Parzinnspitze als auch zur Steinkarspitze erfolgt. Über die extrem steilen Geröllflanken in der Bildmitte werde ich mich später also Gott sei Dank nicht empor quälen müssen. Sie werden nur die landschaftliche Kulisse darstellen]


[Bild: Spektakulärer Tiefblick von der Kogelseespitze (2647 m.) in den ca. 1200 Hm tiefer gelegenen Schluss des Gramaistales („Branntweinboden“), welcher zu fast allen Seiten von imposanten Steilflanken überragt wird. Lokaler Herrscher und höchster Punkt über dem Gramaistal ist die mittig erkennbare Leiterspitze (2750 m.), welche zu den 20 höchsten Gipfeln der Lechtaler Alpen gehört (und selbst bereits Watzmann, Birkkarspitze und den Großen Krottenkopf deutlich überragt!) - In den Lechtaler Alpen ist (in Kalkalpen-Hinsicht) einfach alles eine Nummer größer]


[Bild: Das Gebiet der Hanauer Hütte kann man wohl mit Fug und Recht als eines der besten Tourenreviere der Lechtaler Alpen bezeichnen! Große Schlenkerspitze (2827 m.), Dremelspitze (2733 m.) sowie die hier auf dem Bild nicht erkennbaren Gipfel Parzinnspitze (2613 m.) und Kogelseespitze (2647 m.) bieten genug „Material“ für etliche Tage. Dazu kommen unzählige Möglichkeiten zum Klettern und die Option, innerhalb von gerade einmal 2-3 Stunden zur Steinseehütte zu wechseln, wo sich dann wiederum ganz neue Tourenmöglichkeiten auftun (darunter der rechts im Hintergrund erkennbare Bergwerkskopf!) - Wer das Glück hat, in diesen schönen Landen mehrere Tage bei gutem Wetter verbringen zu dürfen, ist wirklich ein Glückspilz! Ich habe das Parzinn leider bisher erst im Rahmen von Tagestouren erleben dürfen, doch auch das wird sich mittelfristig ändern: Ich habe es mir nämlich fest vorgenommen]


[Bild: Gipfelglück auf der aussichtsreichen Kogelseespitze (2647 m.) - Im Hintergrund grüßen Hornbachkette und Hochvogel herüber, welche ich vor vielen Jahren im Zuge meiner Bachelor-Studienzeit bereits teilweise kennenlernen durfte. Auch im Hinblick auf die Hornbachkette wird es im Grunde seit Jahren Zeit für ein Wiedersehen: Noppenspitze und insbesondere die Marchspitze sind „offene Wunden“, die ich eigentlich längst angehen wollte. Exakt 10 Jahre ist es her, dass ich mich zuletzt in diesem (abgesehen von der Höfats) wohl schönsten Teil der Allgäuer Alpen herumgetrieben habe. Ja ja, tempus fugit...]


[Bild: Beim Abstieg von der Kogelseespitze zurück zum Gufelseejöchl (mittig erkennbar) - Da sich das Wetter ideal entwickelt hat und ich mir keine Sorgen mehr wegen der Quellwolkenbildung mache, steht es für mich mittlerweile außer Frage, dass ich als nächstes die Parzinnspitze (2613 m.) angehen werde. Es ist noch nicht Zeit, an den Abstieg zu denken! Bereits vor 2 Jahren habe ich die namensgebende Spitze des Parzinn von der links erkennbaren Dremelspitze aus bewundert und mir fest vorgenommen, sie als eine meiner nächsten Lechtal-Touren zu versuchen. Mal schauen, wie sich der Normalweg darstellen wird. Ich stelle mich mental schon einmal auf gut 100 Höhenmeter sehr luftige, ausgesetzte Kletterei (II) ein. Wenn es sich um Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrad im Stile der Dremelspitze handelt, wird das eine ernste Angelegenheit. Aber so eine kühne Hauptdolomitruine wie die Parzinnspitze wird einem nun einmal in der Regel nicht geschenkt]


[Bild: Traumhaft schönes Wandern oberhalb des türkisfarbenen Gufelsees - In hartem, düsterem Kontrast dazu steht die von unzähligen Gratarmen, Felsrippen und Wandfluchten geprägte Parzinnspitze (2613 m.), die wohl schon unzählige Hüttenwanderer von unten bewundert haben. Entgegen der Dremelspitze ist an der Parzinn nicht nur nichts ausgeschildert, sondern vor allem auch nichts markiert. Zwar wird der Berg zwischen Juni und Oktober häufig bestiegen, so dass man in der Regel nicht alleine sein wird. Doch braucht man neben der obligatorischen Fähigkeit, einen sehr ausgesetzten, ungesicherten IIer (im Auf- und Abstieg) klettern zu können, v. a. auch ein gewisses Routengespür und ein „Auge fürs Gelände“. Sonst hat man an diesem Gipfel absolut nichts verloren und wendet sich besser der Steinkarspitze (2650 m.) zu]


[Bild: Rückblick von der gerölligen Querung vom Gufelseejöchl zur Parzinnspitze W-Flanke in Richtung Kogelseespitze (2647 m.) - Aus dieser Perspektive wird deutlich, warum der Berg als einer von nur wenigen in der Umgebung über einen angelegten Steig verfügt und (insbesondere ab der Hanauer Hütte) sehr häufig bestiegen wird: Eine gutmütige Mischung aus mäßig steilen Schrofenflanken und einem breiten Bergkamm ermöglicht eine rasche, entspannte Annäherung an die Gipfelregion. Gipfel wie die Kogelseespitze sind an Tagen wie heute ein sehr dankbares Ziel, zumal man den höchsten Punkt ab dem Gufelseejöchl in der Regel bereits in ca. 40-45 Minuten erreicht]


[Bild: Unterhalb der Westabstürze der Parzinnspitze geht es vom Gufelseejöchl über Schrofenhänge und schließlich Geröllflanken hinweg. Technisch sind hier keinerlei Schwierigkeiten zu bewältigen und die Spur im Geröll ist auch stets deutlich zu erkennen, dennoch ist hier bereits ein Grundmaß an Trittsicherheit zu empfehlen. Etwas mehr als 100 Hm müssen auf diese Weise im Anstieg bewältigt werden, um den Einstieg in die Normalroute der Parzinnspitze zu erreichen]


[Bild: Gipfelaufbau der Parzinnspitze (2613 m.) von Süden - Die Einstiegsrinne ist aus dieser Perspektive nur schwierig bis gar nicht zu erkennen, so dass man sich als Nicht-Kletterer erst einmal fragt, wie zum Geier man da lediglich mit Kletterei bis max. II hochkommen soll. Wie schon die Dremelspitze türmt sich auch die zerklüftete Parzinnspitze wuchtig vor einem auf. Die Botschaft ist klar: Wer dort hinauf will, muss wissen was er / sie tut! Nachdem ich den obligatorischen Helm aufgesetzt habe, folge ich der Spur im Geröll zum Einstieg. Der wilde Ritt beginn...]


[Bild: Einstiegsrinne der Parzinnspitze Normalroute - In relativ festem Fels geht es in direkter Linie bergauf (II), wobei verschiedene Varianten möglich sind. Wenn hier mehrere Bergsteiger (oder gar Gruppen) unterwegs sind, herrscht hier akute Steinschlaggefahr, da das Gelände immer noch genug loses Felsmaterial bzw. Geröll aufweist, um Nachsteigende zu gefährden. Man steigt die Rinne solange hinauf, bis man das obere Ende erreicht und es linkerhand im leichten Felsterrain (Gehgelände) über eine Stufe (I-II) an den aufsteilenden Gipfelgrat herangeht]


[Bild: Tiefblick über die Einstiegsrinne der Parzinnspitze Normalroute: Bei guten Bedingungen (= stabiles Wetter, trockener Fels) technisch absolut machbares, aber doch ernstes Gelände, in dem man sich stets sehr umsichtig verhalten sollte. Der gesamte Gipfelaufbau der Parzinnspitze ist durchgehend steil, es herrscht permanentes Absturzgelände vor. In solchen Situationen hilft es mir persönlich, immer wieder kurz innezuhalten, kleine Pausen einzulegen und meine Umgebung bewusst auf mich wirken zu lassen. Ich „zwinge“ mich sozusagen, in meiner Umgebung aufzugehen, sie „auszuhalten“. Für mich ist das mental wichtig, um stets souverän, beherrscht und konzentriert zu bleiben. Und ganz nebenbei kann man (wie in diesem Fall in Richtung Steinkarspitze) den Blick in die Ferne schweifen lassen, um ein besseres Verständnis für die lokale Topographie zu bekommen]


[Bild: Auf dem „Weg“ zu einer der Schlüsselstellen des Gipfelaufbaus, einem Kamin. Dieser ist technisch eine der schwierigsten Kletterstellen (II), jedoch in meinem Fall mit einer Reepschnur versichert, was hier wohl immer wieder vorkommt. Nach dem Kamin befindet man sich dann auf dem zerborstenen Gipfelgrat, dem man theoretisch zum Gipfelaufbau folgen kann (II+). Sinnvoller und v. a. auch leichter ist es jedoch, sich links unterhalb vom Grat (immer den Steinmännern folgend) in leichtem Auf und Ab dem höchsten Punkt zu nähern, wobei durchgehend Absturzgelände vorhanden ist. Es gibt mehrere Varianten, wobei das Gelände niemals schwieriger als II werden sollte, da man sonst definitiv falsch ist. Um das Gipfelkreuz der Parzinnspitze zu erreichen, hat man letztlich zwei Möglichkeiten: Entweder direkt und sehr steil nach oben (II+) oder rechts um die Kante (II, ausgesetzt!) in wenigen Sekunden zum höchsten Punkt]


[Bild: Tiefblick von der Parzinnspitze (2613 m.) in das geröllige Kar nördlich von Schneekarlespitze und Dremelspitze - Ganz rechts kann man den kühnen Felszacken des Spiehlerturms (Normalroute III+ / IV-) erkennen, welcher besonders von der Steinseehütte aus einen imposanten Eindruck macht. Etwas einfacher zu besteigen ist die mittig erkennbare Schneekarlespitze (2641 m.), wobei der Anstieg via Nordflanke und Westgrat (II, äußerst brüchige Steilschrofen!) sicherlich nur äußerst selten angegangen wird]


[Bild: Blick von der Parzinnspitze (2613 m.) zur mittig befindlichen Hanauer Hütte (1922 m.) - Ob wohl gerade Bergsteiger an der rechts erkennbaren Großen Schlenkerspitze (2827 m.) unterwegs sind? Diese gewaltige Felsruine ist der unumschränkte König des Parzinn sowie der ganzen östlichen Lechtaler Alpen und spielt in einer Liga mit Freispitze, Parseierspitze und Holzgauer Wetterspitze! Neben der Freispitze ist dies der Lechtaler Berg, der mich als nächste Tour am meisten reizen würde]


[Bild: Ob nun Parseierspitze (3036 m.), Leiterspitze (2750 m.) oder Holzgauer Wetterspitze (2895 m.): Die Fernblicke vom Gipfel der Parzinnspitze sind weit und grandios! Doch wie es an so einem steilen Zacken nun einmal üblich ist, begeistern die einschüchternden Nahblicke in die umliegenden Felswände und Steilflanken fast noch mehr. Egal wo man hinblickt, überall geht es annähernd senkrecht in die Tiefe. Wie gut, dass man in so einer Situation weiß, von wo man heraufgekommen ist. Ohne entsprechendes Routenwissen wäre man hier sonst hoffnungslos verloren]


[Bild: Große Schlenkerspitze (2827 m.), Dremelspitze (2733 m.) und Schneekarlespitze (2641 m.) vom Gipfel der Parzinnspitze (2613 m.) aus gesehen - Bei dieser spektakulären, mit Leichtigkeit an die Dolomiten erinnernden Aussicht wird klar, wo für viele Menschen die Faszination des Parzinn bzw. der Lechtaler Alpen herkommt. Einerseits erschließen zahlreiche Schutzhütten, ein hervorragend ausgebautes Wegenetz, idyllische Seitentäler sowie die angrenzenden Hauptverkehrsstraßen durch das Lechtal und zum Arlberg das Gebiet auf vorbildliche Weise. Gleichzeitig gibt es angesichts der gewaltigen Dimensionen der Gebirgsgruppe nur vergleichsweise wenige, einfach erreichbare und / oder mit einem Steig erschlossene hohe Berge. Die meisten „Lechtaler Giganten“ muss man sich hart und ehrlich erarbeiten, sei es durch die Fähigkeit, ungesichert im Schwierigkeitsgrad II-III zu klettern oder wegloses Felsgelände intelligent zu „lesen“. Berge wie die Parzinnspitze, die Dremelspitze oder die Große Schlenkerspitze sind aus der Sicht eines echten Kalkalpen-Bergsteigers Trophäen (die sich in jedem Tourenbuch großartig machen) und Abenteuerspielplatz gleichermaßen]


[Bild: Bei traumhaftem Sommerwetter auf dem entrückten Gipfel der Parzinnspitze (2613 m.) - Auch wenn ich Anstiege wie diesen schon oft gemeistert habe, ist es (speziell wenn man alleine unterwegs ist) doch immer wieder aufs Neue ein bisschen nervenaufreibend, einen solch anspruchsvollen Berg zu besteigen. Man ist alleine mit sich selbst, es hilft einem in der Regel niemand dabei die richtige Route zu finden. Jede Fehlentscheidung hat unmittelbare Konsequenzen, die sich ohne Tourenpartner-Korrektiv meist viel stärker auswirken. Zugleich ist es eine gute Sache, ein gesundes Maß an Nervosität und Angespanntheit zu spüren. Es hilft, ggf. umzudrehen, sich selbst einzugestehen, dass man vielleicht diesmal nicht weitergeht, sondern einen anderen Weg einschlägt. Und gleichzeitig erlebt man (wenn man es dann letztlich doch geschafft hat) die Welt um einen herum als besonders intensiv und echt. Ich bin dankbar, solch tolle Touren gehen zu können. Es ist ein Privileg und ein Geschenk. Das denke ich mir immer wieder aufs Neue, wenn ich einen Gipfel wie die Parzinnspitze erklommen habe. Das Leben ist schön]


[Bild: Tiefblick von der Parzinnspitze (2613 m.) zum Gufelsee und zum (links erkennbaren) Vorderen Gufelkopf (2426 m.) - Rechts präsentiert sich die Kogelseespitze (2647 m.), auf der ich erst vor etwas mehr als 1,5 Stunden gestanden habe: Ging dann doch erstaunlich schnell vonstatten, der „Gipfelwechsel“. Wie viele Wanderer wohl gerade vom Nachbargipfel herüberschauen und sich fragen, wie man wohl auf diesen zerklüfteten Zacken südlich gegenüber heraufkommt...?]


[Bild: Ausblick von der Parzinnspitze (2613 m.) über den obersten Gipfelgrat zur Steinkarspitze (2650 m.) - Die beiden Bergsteiger machen es genau richtig: Die technisch einfachste Route führt nicht direkt über den Grat, sondern etwas unterhalb im abschüssigen Felsgelände (I-II) quer über die Flanke hinweg bis zum hinteren Ende des Grates. Dabei muss man ein paar Mal auf und absteigen, wobei zahlreiche und meist sehr sinnvoll positionierte Steinmänner die Orientierung relativ einfach gestalten. Aufpassen muss man aber angesichts des durchgehend anspruchsvollen Geländes zu jeder Zeit. In den Autopilotmodus schalten, ist erst dann wieder erlaubt, wenn man das untere Ende der Einstiegsrinne erreicht hat]


[Bild: Ein letzter Blick von der Parzinnspitze (2613 m.) über das oberste Ende des NW-Grates, welcher den Ausstieg aus dem plaisirartig abgesicherten Plattenpfeiler (Kletterei bis IV-) darstellt, zur Kogelseespitze (2547 m.) - Wie vorhergesagt und erhofft, ist es letztlich ein wettertechnischer Traumtag geworden! Jetzt gilt es, den Abstieg zur Nördlichen Parzinnscharte sauber hinter mich zu bringen, dann kann der entspannte Genussteil der Tour (Steinkarspitze und Abstieg) beginnen. Let's go!]


[Bild: Abstieg über die Parzinnspitze Normalroute - Anhaltende Kletterei I-II und mehrere luftige Passagen II sorgen (in Kombination mit dem stellenweise extrem schuttig-zerborstenen Gelände) dafür, dass eine durchgehende Ernsthaftigkeit gegeben ist. Glücklicherweise ist der eigentliche Fels (Hauptdolomit...) auf der optimalen Linie im Grunde relativ fest (zumindest für Lechtaler Verhältnisse), wobei man natürlich trotzdem jeden Tritt und v. a. Griff doppelt prüfen sollte. Vorsichtig arbeite ich mich peu à peu über den Gipfelaufbau hinunter, wobei ich durchaus dankbar für die im Kamin installierte Reepschnur bin]


[Bild: Lechtaler Alpen in Reinform: Ausblick beim Abstieg von der Parzinnspitze zum Gufelsee und zur nördlich davon aufragenden Kogelseespitze (2647 m.) - Angesichts solch herrlicher Landschaftskontraste ist man geneigt, immer wieder anzuhalten, innezuhalten und zu genießen... Gleichzeitig steht mir noch ein strammes Restprogramm zzgl. Heimfahrt bevor, so dass ich nur kurz verweile. Momente wie diese, sie sind in den Bergen der Inbegriff von Flüchtigkeit]


[Bild: Blick aus dem Bereich der Nördlichen Parzinnscharte (2504 m.) zu den Parzinntürmen, zur Südwestlichen Parzinnspitze und zum Steinkarturm. Der Weg bzw. Zustieg zur ganz rechts ersichtlichen Steinkarspitze (2650 m.) führt dankenswerter Weise ohne nennenswerten Höhenverlust zunächst in Richtung der Parzinntürme und dann in Form einer langen Querung in Geröll und schuttigem Fels unterhalb der zahlreichen Spitzen entlang zum Gipfelaufbau. Zwar bin ich naturgemäß nicht mehr so frisch wie noch vor 3-4 Stunden. Angesichts des mittlerweile absolut perfekten Wetters „muss“ ich diesen Gipfel aber noch mitnehmen (zumal es nur ca. 150 Hm sind). Es wäre schade, diese Gelegenheit nicht wahrzunehmen, wenn man schon einmal vor Ort ist: Mein Lechtaler Gipfelhunger ist noch nicht gestillt]


[Bild: Blick zurück zur stolzen Parzinnspitze (2613 m.), welche sich im Abstieg dann doch letztlich erstaunlich „zahm“ gegeben hat. Sicherlich liegt das v. a. daran, dass mir die Route da bereits bekannt war und ich genau wusste, was mich erwartet. Gleichzeitig gehen 100 Hm im Abstieg nun einmal auch sehr schnell vonstatten, v. a. wenn man komplett fokussiert und konzentriert ist. Wie ich diesen kühnen Lechtaler Zacken letztlich schwierigkeitsmäßig einordne (u. a. im Vergleich zur benachbarten Dremelspitze), kann ich an diesem Punkt noch nicht sagen. Dazu muss der Tag erst noch ein bisschen mehr ins Land ziehen]


[Bild: Tiefblick von der Nördlichen Parzinnscharte nach Osten in das weite Geröllkar, das von Parzinnspitze, Schneekarlespitze und Dremelspitze eingerahmt wird. Wer von hier auf möglichst schnellem, direktem Weg zur Hanauer Hütte absteigen will, kann dies hier tun, ohne den Umweg über das Gufelseejöchl gehen zu müssen (rechts unten ist die Wegspur im Geröll zu erkennen). Im Aufstieg bietet sich diese Variante nur bedingt an, ist das Terrain doch deutlich steiler, schuttiger und v. a. mühsamer als rund um das Gufelseejöchl]


[Bild: Je nach Perspektive ändert die Parzinnspitze (2613 m.) ihr Antlitz. Während sie von Norden wie ein zerklüftetes, aus mehreren Felstürmen bestehendes Horn ausschaut, wirkt sie von hier (von Süden) wie ein abweisender Buckel. Wer indes genau hinschaut, kann im Bereich der beiden massigen, mittigen Felspfeiler die Rinne erahnen, die steil bergauf zum Gipfelgrat führt. Wohin es wohl den Bergsteiger (links) zieht, der sich eben von rechts unten die Geröllhänge heraufgequält hat...?]


[Bild: Auf geht's zur Steinkarspitze! Die Route ist mehr als offensichtlich, das Terrain gutmütig und das Wetter stabil-sonnig: Optimale Voraussetzungen also, um Gipfel Nr. 3 des heutigen Tages anzugehen. Da ich weiß, dass ich mit der Parzinnspitze das (mit weitem Abstand) technisch anspruchsvollste Tourensegment erfolgreich bewältigt habe und nun die faktische Kür folgt, schreite ich beschwingt und voller Glück dahin. Ich bin mit mir im Reinen, habe die wunderbare Bergwelt der Lechtaler Alpen ganz für mich alleine. Fast. Ein paar Kletterer haben es sich soeben (links oben erkennbar) auf der Südwestlichen Parzinnspitze (2584 m.) gemütlich gemacht. Es sei ihnen aus vollstem Herzen gegönnt]


[Bild: Tiefblick beim Zustieg zur Steinkarspitze (2650 m.) zur gleichnamigen Steinseehütte (2061 m.) - Wie die Hanauer Hütte verfügt auch sie über ein reichhaltiges, sehr attraktives Tourenportfolio, wobei insbesondere Kletterer und Hüttenwanderer auf ihre Kosten kommen. Versierte Bergsteiger finden in der Dremelspitze, der (von dieser Seite) klettersteigartig versicherten Steinkarspitze und dem wildromantischen Bergwerkskopf (links) ebenfallls ein reichhaltiges Betätigungsfeld vor]


[Bild: Kogelseespitze (2647 m.) und Parzinnspitze (2613 m.) vom Anstieg zur Steinkarspitze aus gesehen: Hier sind sie, die Lechtaler Alpen wie sie im Buche stehen, wie man sie sich als kalkaffiner Ostalpenbergsteiger nicht schöner malen könnte. Auch wenn die von gewaltigen Karstplateaus und tiefen Tälern geprägten Berchtesgadener Alpen immer mein Lieblingsgebirge bleiben werden, habe ich für diesen Teil der Nördlichen Kalkalpen, der landschaftlich wohl die größte Vielfalt aufweist, doch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen reserviert. Auch wenn ich gerade erst anfange, ein Gespür für die Lechtaler zu entwickeln, bin ich ihnen doch im Grunde bereits verfallen]


[Bild: Tiefblick in das von Gufelköpfen, Steinkarspitze, Parzinnspitze und Kogelseespitze eingerahmte Hochkar, das in seinem unteren, begrünten Bereich vom Verbindungsweg von der Hanauer Hütte zum Württemberger Haus durchquert wird. In seinem oberen, gerölligen Areal herrscht dagegen totale Einsamkeit vor. Wie so oft liegen auch hier in den zentralen Lechtaler Alpen absolute Stille und geschäftiges Hüttenweitwandern oftmals nur wenige hundert Meter auseinander]


[Bild: Ausblick vom nördlich vorgelagerten Nebengipfel (2622 m.) der Steinkarspitze, welcher den Endpunkt des beliebten Steinsee Klettersteiges (B/C) darstellt, in Richtung Schneekarlespitze (2641  m.) - Von dieser Seite macht der Berg definitiv einen deutlich wilderen Eindruck als von der Parzinnspitze: Was für eine zerborstene Felsruine! Einen kurzen Moment muss ich innehalten, um diesen archaischen Anblick zu genießen... Dann jedoch gilt es, die letzten Höhenmeter zum höchsten Punkt der Steinkarspitze rasch zu bewältigen. Ich bin einfach zu neugierig und will möglichst bald wissen, welche spannenden neuen Perspektiven sich vom höchsten Punkt des heutigen Tages auftun werden]


[Bild: Tiefblick vom Gipfelaufbau der Steinkarspitze in das von mächtigen Felsflanken und einsamen Graten eingerahmte Hochkar, das den malerischen Steinsee und die gleichnamige Hütte aufweist. Neben der Steinkarspitze und der (hier nicht ersichtlichen) Dremelspitze beherrscht insbesondere der Bergwerkskopf (2728 m.) die Szenerie. Dieser äußerst selten bestiegene, ziemlich ruppige Lechtaler Geselle weist selbst auf der einfachsten Route (2 Stellen III, sonst vielfach I-II) hohe technische Schwierigkeiten auf, die in Verbindung mit dem weglosen Gelände zwangsläufig zu einem exklusiven Bergsteiger-Publikum führen]


[Bild: Gipfelaufbau der Steinkarspitze (2650 m.) - Es sieht komplizierter und schwieriger aus als es ist. Man folgt einfach immer dem Gratverlauf bis zum höchsten Punkt, wobei die technischen Schwierigkeiten (Kraxelei bis max. I) sich in Grenzen halten (sollten). Wer hier wirklich klettern muss, hat sich in jedem Fall verstiegen. Nur knapp 10 Minuten sind es vom Vorgipfel bis zum höchsten Punkt in der näheren Umgebung]


[Bild: Am höchsten Punkt der Steinkarspitze (2650 m.) angekommen, fällt der Blick sogleich in die südwestlich des Gipfels gelegenen Hochkare unterhalb des Hinteren Gufelkopfes, welche via Gufelgrasjoch und Roßkarscharte einen Übergang von der Steinseehütte zum Württemberger Haus ermöglichen (links unten ist der Weg zu erkennen). Mittig im Hintergrund kann man die Parseierspitze (3036 m.) erkennen, welche als einziger 3000er der gesamten Nördlichen Kalkalpen alle Berge im weiten Umkreis überragt. So viele Möglichkeiten, so viele Abenteuer, die auf einen warten...]


[Bild: So vergleichsweise unkompliziert (Kraxelei bis max. I, geröllige Steigarbeit), wie man den höchsten Punkt der Steinkarspitze erreicht, so unerwartet entrückt ist dann doch das Ambiente am Gipfel. Zu allen Seiten hin von abweisenden Wandfluchten, zerscharteten Graten und steinschlaggefährdeten Felsrippen umgeben, fühlt man sich auf der Steinkarspitze in Momenten wie diesen wie der einzige Mensch auf der Erde. Umgeben von unzähligen Lechtaler Berggiganten aus Hauptdolomit, schmieden sich die Ideen für künftige Kalk-Abenteuer fast von alleine]


[Bild: Während auf der mittig am unteren Ende des grasbewachsenen Hochkares erkennbaren Steinseehütte so langsam aber sicher die ersten Übernachtungsgäste eintrudeln dürften und der Bergwerkskopf (2728 m.) stoisch über die Szenerie des Parzinn gebietet, künden am Horzont die schwarzen Zacken des Kaunergrates von zünftigen Ötztaler Granitgneis-Abenteuern. Ob nun Watzespitze, Verpeilspitze oder Rofelewand: Hierbei handelt es sich um ganz besonders knackige Zentralalpen-Gipfel, die den allgemeinen technischen Anspruch von Gletscherbergen wie der ebenefalls in der Ferne erkennbaren Wildspitze meist deutlich übertreffen]


[Bild: Große Schlenkerspitze (2827 m.), Dremelspitze (2733 m.) und davor Schneekarlespitze (2641 m.) sowie Bergwerkskopf (2728 m.) von links nach rechts von der Steinkarspitze (2650 m.) aus gesehen - Eine Welt aus zerklüftetem Stein, umgeben von lieblichen Hochgebirgsseen und alpinen Matten: Im Grunde fast schon kitschig. Wie nur wenige andere Gebirgsgruppen der Nördlichen Kalkalpen stehen die Lechtaler sinnbildlich für diesen wunderbaren landschaftlichen Farbkontrast, der schon so viele Menschen zuvor in seinen Bann gezogen hat]


[Bild: Im Gegensatz zum Gipfelerlebnis auf der (mittig im Hintergrund erkennbaren) Dremelspitze vor 2 Jahren ist das Wetter am heutigen Tag spätestens seit der Parzinnspitze absolut perfekt, so dass ich diesen Teil der Lechtaler Alpen erstmals perfekt „ausgeleuchtet“ erleben darf. Ein solches Ambiente ist durchaus hilfreich, um ein optimales Gespür und topographisches Verständnis für ein Berggebiet zu entwickeln. Mal schauen, wohin mich meine nächste Lechtaler Tour führen wird: Vielleicht auf die (links hinten erkennbare) Große Schlenkerspitze, für den Moment wohl eher nicht auf den Bergwerkskopf und letztlich am liebsten wohl auf die Freispitze... Aber das ist Zukunftsmusik. Hier und jetzt genieße ich das Panorama des Parzinn vom höchsten Punkt der Steinkarspitze (2650 m.), die ihrem Namen alle Ehre macht]


[Bild: Kogelseespitze (2647 m.) und Parzinnspitze (2613 m.) von der Steinkarspitze (2650 m.) aus gesehen: Eine ordentliche Runde ist das heute bisher gewesen! Jeder Gipfel war für sich genommen absolut lohnenswert und gleichzeitig besonders. Am eindrucksvollsten war sicherlich der von luftiger IIer-Kletterei geprägte Aufstieg auf die Parzinn, doch kann ich (auch wenn die heutige Tour noch nicht vorbei ist) sicherlich jeden der drei Berge guten Gewissens empfehlen. Noch steht der Rückmarsch nach Gramais nicht an, noch will ich mich vom schönen Panorama nicht lösen. Doch gehe ich mit den Augen schon einmal grob die Route zur Kogelseescharte (rechts von der Kogelseespitze) ab. Zwar ist das alles konditionell und v. a. technisch völlig problemlos machbar, doch ärgert mich jetzt schon (zumindest ein bisschen) die Aussicht auf den leider notwendigen Zwischenabstieg (ca. 170 Hm Höhenverlust) vom Gufelseejöchl]


[Bild: Ein letztes Mal den Ausblick von der Steinkarspitze (2650 m.) zur Kogelseespitze (2647 m.) genießen... Dann heißt es, sich so langsam an den Abstieg nach Gramais zu machen. Auch wenn ich den kurzzeitigen Abstieg vom Gufelseejöchl zum Unteren Parzinnsee theoretisch vermeiden könnte, indem ich einfach direkt auf der morgendlichen Aufstiegsroute via Gufelsee, Branntweinboden und Gramaistal in die Zivilisation zurückkehre, so will ich doch unbedingt die Rundtour über die Kogelseescharte und den eigentlichen Kogelsee vollenden! Ich liebe solche Rundtouren nämlich sehr, zumal man dann die meisten Streckenabschnitte nur einmal geht und so möglichst viel von einem bestimmten Gebiet kennenlernt. Insofern: Auf zum Gufelseejöchl. Der Kogelsee wartet]


[Bild: Nachdem ich zunächst über den Gipfelgrat der Steinkarspitze in wenigen Minuten zum Vorgipfel zurückgekraxelt (max. I) bin, geht es über die schuttig-geröllige Gipfelflanke zügig abwärts zum Verbindungssteig zur Nördlichen Parzinnscharte und auf diesem in einer langen Querung wieder nach Nordosten. Während ich langsam aber sicher Höhenmeter verliere, baut sich vor mir erneut das spitze Horn der Parzinnspitze (2613 m.) auf. Kaum zu glauben, dass man dort ohne Kletterausrüstung bzw. Seilsicherung raufkommt]


[Bild: Um nicht den vermeintlichen Umweg über die südlich unterhalb der Parzinnspitze gelegene Nördliche Parzinnscharte gehen zu müssen, beschließe ich unterhalb der Parzinntürme auf direktem Weg über die Geröllflanke abzukürzen. Mit drei tollen Lechtaler Gipfeln im Gepäck wirbelt es sich so einen offenen Schutthang natürlich ganz besonders elegant hinunter! An der Parzinnspitze scheinen mittlerweile auch keine Kletterer mehr unterwegs zu sein, die man ggf. hätte beobachten können. Und so geht es ohne Umschweife in Richtung Gufelseejöchl, den langen Talmarsch im Kopf]


[Bild: Beim Rückweg zum Gufelseejöchl präsentiert sich die Kogelseespitze (2647 m.) von ihrer landschaftlich abwechslungsreichsten, buntesten Seite. Weder Grasberg noch reiner Felsgipfel, steht sie in hartem Kontrast zu den umliegenden Spitzen des Parzinn. Aufgrund ihrer nur mäßig steilen Flanken und des angenehm zu begehenden Südostrückens, welcher sie mit dem Gufelseejöchl (2371 m.) verbindet, gehört sie zu den einfachsten hohen Gipfelzielen der Umgebung. Das türkisfarbene Auge des Gufelsees immer zur Linken quere ich die Geröllflanken unterhalb der Westabstürze der Parzinnspitze, bis ich schließlich wieder die Scharte erreiche]


[Bild: Parzinnspitze (2613 m.) vom Gufelseejöchl (2371 m.) aus gesehen - Von dieser Seite ist der namensgebende Gipfel des Parzinn nur in „echter“ Kletterei zu erreichen, wobei der äußerst populäre Plattenpfeiler (IV-) die mit Abstand meisten Begehungen sieht. Generell kann man sich von Norden als normaler Bergsteiger kaum vorstellen, dass man sich dieses kühne Horn (über die Normalroute auf der anderen Seite) auch ohne vollständiges Kletterequipment zutrauen kann]


[Bild: Abstieg vom Gufelseejöchl über grasbewachsene Schrofenhänge zum Unteren Parzinnsee - Der sehr angenehm zu begehende Bergsteig führt über ca. 170 Hm abwärts, bis man im Angesicht von Schlenkerspitze und Dremelspitze eine Wegekreuzung erreicht. Dort folge ich logischerweise (bzw. im Grunde eher leider) nicht dem Weg rechts abwärts zur Hanauer Hütte, sondern wende mich nach links (NW), um den 300-Hm-Anstieg zur Kogelseescharte in Angriff zu nehmen: Das letzte Mal am heutigen Tage, dass es bergauf geht. Auf geht's!]


[Bild: Auch über dem Unteren Parzinnsee macht die gleichnamige Parzinnspitze (2613 m.) einen pyramidal-eleganten Eindruck! Zahlreiche plattige Wände, Pfeiler und Felsrippen streben empor zum luftigen Gipfel und locken seit der Erstbesteigung vor exakt 130 Jahren Bergsteiger und Kletterer gleichermaßen an. Dies ist kein Berg für Wanderer, wie es auch ich am heutigen Tag gemerkt habe: Sowohl im Auf- als auch im Abstieg habe ich bei der Besteigung Menschen getroffen, die im Begriff waren umzukehren (oder bereits entsprechend unterwegs waren). An der Parzinnspitze merkt man (wie z. B. auch an der Dremelspitze!) sehr deutlich, dass nicht alle IIer gleich sind. Es kommt stets auf die Länge der Kletterpassagen, die Ausgesetztheit, den Orientierunsanspruch, die Felsqualität, etwaige Steinschlaggefahr und natürlich die allgemeinen Bedingungen (Wetter, Nässe etc.) an. Die Normalroute auf die Parzinnspitze ist sicherlich (wie in es in den Lechtalern tendenziell üblich ist) ein IIer der „härteren Sorte“. Doch dazu später mehr beim Fazit]


[Bild: Auch die Dremelspitze (2733 m.) und die Schneekarlespitze (2641 m.) präsentieren sich aus dem Gebiet des Unteren Parzinnsees als Musterbeispiele lechtalerischer Gipfelwürde. Wild, rau und vermeintlich unnahbar ragen sie aus den weiten Geröllkaren des Parzinn in die Höhe, nur um dann doch immer wieder aufs Neue von versierten Bergsteigern (zumindest kurzzeitig) erobert zu werden. Egal, ob nun im Rahmen einer Berg-, Kletter- oder Weitwandertour von Hütte zu Hütte: Wer bei so einem Wetter in solch schönen Landen wandeln darf, ist (so pathetisch das klingen mag) gesegnet und ein Glückspilz ohnegleichen]


[Bild: Dremelspitze (2733 m.) in all ihrer dolomitenhaften Schönheit von Nordwesten - Nachdem ich nun den direkten Vergleich zur Parzinnspitze habe, bin ich persönlich der Meinung, dass die Normalroute auf die Dremelspitze trotz der Farbmarkierungen noch einmal ein Stück anspruchsvoller ist. Das liegt in meinen Augen nicht primär an der etwas höheren klettertechnischen Schwierigkeit (II+), sondern auch an der Länge des Aufstiegs (300 Hm bzw. 75-90 Minuten sind es ab der Vorderen Dremelscharte bis zum Gipfel im Gegensatz zu 100 Hm bzw. 30 Minuten bei der Parzinnspitze) und der in Summe höheren Anzahl an ausgesetzten Schlüsselstellen (einige Stellen II+, vielfach II). Zwar ist der Anstieg zur Parzinnspitze unmarkiert, doch erleichtern unzählige Steinmänner die Orientierung ganz enorm. Der Anstieg auf die Dremel vor 2 Jahren hat sich letztlich ernster angefühlt als die heutige Tour auf die Parzinn. Meine Empfehlung: Wer erstmals im Parzinn unterwegs ist und sich nicht sicher ist, welchen der beiden Hauptdolomitgipfel er / sie als erstes angehen soll, dem empfehle ich zuerst die Parzinnspitze. Wer die Tour ohne Probleme schafft, kann sich dann als nächstes an diesem (neben der Freispitze) vielleicht formschönsten Berg der Lechtaler Alpen versuchen und sich (hoffentlich) von den Markierungen zum höchsten Punkt leiten lassen]


[Bild: Der südostseitige Anstieg zur Kogelseescharte (2497 m.) weist zwar keinerlei technische Schwierigkeiten auf, verlangt mir aber nach all den Höhen- und Kilometern, die mir bereits in den Knochen stecken, dann doch irgendwie einiges ab. Knapp 300 zähe Hm sind es ab dem Unteren Parzinnsee bis zur Scharte, wobei der obere Abschnitt von klassischem Zick-Zack im Geröll geprägt ist. In der Scharte angekommen, mache ich mich sogleich an den Abstieg zum Kogelsee. Da es mittlerweile später Nachmittag ist, haben sich die meisten anderen Wanderer bereits wieder ins Tal oder zur nahen Hanauer Hütte zurückgezogen, so dass ich das herrliche Kogelkar jenseits der Scharte ganz für mich alleine habe]


[Bild: Geröllig-schuttiger Abstieg von der Kogelseescharte zum Kogelsee, welcher ostseitig von der abweisenden Bockkarspitze (2602 m.) bewacht wird. Wer diesen nur hin und wieder angegangenen Lechtaler Gipfel auf dem „Weg“ des geringsten Widerstandes besteigen will, kann das von dieser Seite von der rechts der Bildmitte erkennbaren Südlichen Bockkarscharte aus tun (Stelle II, sonst I und steile, brüchige Schrofen). Für mich kommt das heute natürlich nicht mehr in Frage: Der Tag ist bereits zu weit fortgeschritten und die Kombination aus Kogelseespitze, Parzinnspitze und Steinkarspitze reicht mir als Pensum auch definitiv. Am Ende werden es nämlich (immerhin) ca. 2100 Hm und 20 km Wegstrecke gewesen sein. Und so geht es auf gutem, manchmal etwas ruppigem Bergsteig durch das geröllige Bockkar und weiter unten das von mächtigen Steilflanken eingerahmte Kogelkartal abwärts, bis mich der Platzbach schließlich das letzte Wegstück zurück nach Gramais geleitet. Als ich kurze Zeit später müde und glücklich das Tal hinausrolle, wird mir bewusst, was für einen Glücksgriff ich mal wieder mit dieser (erst am Abend vorher kurzfristig ausgetüftelten) Kalkalpen-Tour gemacht habe! Alle drei Gipfel haben sich als bergsteigerisch extrem lohnend und aussichtsreich entpuppt, wobei mein Herz in Summe natürlich besonders für die Parzinnspitze schlägt. Dieser dem Parzinn seinen Namen gebende Berg ist für mich ein Paradebeispiel für einen wildschroffen Hauptdolomitberg, den man sich mit Klettergewandtheit, absoluter Schwindelfreiheit und einer ordentlichen Prise Routengespür ehrlich erarbeiten muss. Wie bei der Dremelspitze ist auch an der Parzinnspitze die Normalroute zwar korrekt, aber streng bewertet. Die Schlüsselstellen der Parzinn sind bretthart, wirklich ausgesetzt (insbesondere am obersten Gipfelaufbau) und definitiv der falsche Ort, um erstmals einen seilfreien IIer im Abstieg zu üben. Steinkarspitze und speziell Kogelseespitze sind dagegen Gipfel, die man jedem trittsicheren, fitten und mit einem Mindestmaß an Bergerfahrung ausgestatteten Wanderer guten Gewissens empfehlen kann. Alle Gipfel bieten unterschiedliche, faszinierende Ausblicke in die Bergwelt von Parzinn und Medriol, wobei mir das Panorama von der Steinkarspitze (aufgrund ihrer Lage inmitten des Lechtaler Hauptkamms) fast am besten gefallen hat. Und während ich schließlich in den sommerlichen Tiroler Samstagabend hineinfahre, das Lechtal und der Plansee sowie Graswangtal und Loisachtal vorbeirauschen und schließlich die Lichter Münchens am Horizont auftauchen, wird mir wieder einmal bewusst, wie wunderbar es doch ist, sich zu solchen alpinen Microadventures aufzumachen. Sehr bald will ich mich wieder in die Lechtaler Alpen aufmachen, so langsam beginne ich ein Gespür für dieses landschaftlich wohl schönste Kalkalpengebirge zwischen Fernpass und Rheintal zu entwickeln (die Freispitze wartet...) - Liebes Parzinn, es war mir eine Freude!]



Benediktenwand (1800 m.) - Überschreitung


02. Mai 2026


[Bild: Let's go! Nachdem ich früh am Morgen zunächst vom Bahnhof Lenggries zum Brauneck (1555 m.) aufgestiegen und anschließend dem ausgeschilderten Weg nach Westen um den unscheinbaren Schrödelstein herum gefolgt bin, breitet sich nun auf dem Stangeneck (1646 m.) vor mir der herrliche Bergkamm zum Vorderen Kirchstein (rechts) und zum Latschenkopf aus. Ich befinde mich hier am Beginn der langen Kammüberschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand, wobei mein Ziel am heutigen Tag sogar der ferne Walchensee ist - Von Lenggries über die Benediktenwand bis zum Walchensee, Anreise (Lenggries) und Abreise (Kochel am See) mit der Bahn, immer hoch über der berühmten, viel besungenen Jachenau bei absolut perfektem Wetter: Eine Konstellation, die beflügelt]


[Bild: Ausblick vom Vorderen Kirchstein (1670 m.) zur Benediktenwand (1800 m.) - Noch hat der Winter die nordseitigen Wälder, Wände und Mulden teilweise in seiner weißen Umklammerung. Oftmals sind die Bayerischen Voralpen Anfang Mai schon komplett schneefrei, insofern ist das hier nicht die Norm! Dass ich es heute trockenen Fußes bis zum Walchensee schaffen werde, glaube ich mittlerweile nicht mehr. Vor allem die Achselköpfe (links) scheinen noch über sehr ausgedehnte Altschneefelder zu verfügen]


[Bild: Tiefblick vom Vorderen Kirchstein (1670 m.) nach Norden zur idyllischen Lichtung der Längentalalm. Wenn sich Wanderer nördlich der Benediktenwand aufhalten, dann in der Regel etwas weiter westlich rund um die Tutzinger Hütte. Westlich von Rain bzw. Obergries führt der berühmte Traumpfad München-Venedig durch diese schöne, dicht bewaldete Landschaft. Nördlich des Klausenkopfes verzweigen sich dann die Wege: Während der Traumpfad weiter via Melcherstefflalm (Hintere Fellalm) und Tiefental-Alm nach Südwesten zur Tutzinger Hütte führt, bleibt das Gebiet der Längentalalm häufig abseits der allgemeinen Aufmerksamkeit von Wanderern...]


[Bild: Ausblick vom Latschenkopf (1712 m.) in Richtung Karwendel: Es wäre mühseligste Sisyphusarbeit, all die imposanten Felsspitzen von Hinterautal-Vomper-Kette und Nördlicher Karwendelkette aufzuzählen, die sich hier wie an einer Perlenschnur aufgereiht präsentieren! Bis man ohne Ski bzw. Schneeschuhe auf die höchsten Gipfel dieses grandiosen Kalkalpengebirges steigen kann, werden in diesem Jahr wohl noch 1,5-2 Monate vergehen. Zu massiv dürften die Altschneefelder sein, als dass einem bereits am Anfang der Hüttensaison alle Touren offen stehen. Auch in diesem Herbst soll es im besten Fall wieder in dieses urweltliche Gebirge gehen... Wohin, ist noch offen. Doch höre ich sowohl das weltenferne Rossloch als auch das Gebiet rund um die Pfeishütte verheißungsvoll rufen]


[Bild: Im Süden von Brauneck und Benediktenwand breitet sich eine weite, von dicht bewaldeten Bergkämmen durchzogene Landschaft aus, die in ihrer Mitte von einem (hier nur ansatzweise erkennbaren) von Ost nach West verlaufenden, weiten Tal durchzogen wird: der Jachenau. Hier, an der Schnittstelle von Vorkarwendel, Bayerischen Voralpen, Walchensee und Isar, lässt es sich leben! Bisher bin ich leider immer nur vorbeigefahren, zu sehr lockten Karwendel und Wetterstein bzw. Tirol im Allgemeinen. Dass es nun endlich mit einer Tour hoch über der Jachenau geklappt hat, macht mich wahnsinnig glücklich]


[Bild: Auf dem Latschenkopf (1712 m.) östlich der Benediktenwand - Dieser von einem stattlichen Kreuz gekrönte Gipfel wird bei der Überschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand automatisch erreicht, weswegen man hier selten allein sein wird. Generell kommen Sammler bei dieser Tour sehr auf ihre Kosten, sind doch ohne weiteres 6-7 Gipfelbesteigungen möglich. Zwischen Benediktenwand und Walchensee gibt es dann noch unzählige weitere Spitzen, wie z. B. den Rabenkopf oder natürlich den Jochberg. Doch glaube ich, dass mein „Gipfelhunger“ ab der Benediktenwand ziemlich gesättigt sein wird und ich froh sein werde, wenn der Walchensee so langsam endlich in Reichweite gerät: Wie sehr ich damit noch recht behalten sollte...]


[Bild: Anfang Mai 2026 in den Bayerischen Voralpen: Gäbe es nicht eine (relativ) breit ausgetretene Spur und wäre der Schnee etwas härter, die Überschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand wäre heute wohl für den Großteil der Wanderer zu riskant! Doch im Gegensatz zum Angerljoch eine Woche zuvor ist das Gelände zwischen Achselköpfen und Latschenkopf kaum absturzgefährdet bzw. die Schneefelder deutlich weniger steil. Eine gewisse Trittsicherheit schadet hier aber in jedem Fall natürlich trotzdem nicht, ebenso wenig wie Teleskopstöcke und / oder Grödel]


[Bild: Nur noch die Achselköpfe (1710 m.) trennen mich vom Hauptgipfel der heutigen Tour, der Benediktenwand (1800 m.) - Bisher hat alles wunderbar geklappt und auch die Anzahl der Wanderer hält sich (so früh in der Saison) noch in Grenzen. Immer wieder habe ich längere Abschnitte der Überschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand sogar exklusiv für mich, was bei einer Tour wie dieser nicht selbstverständlich ist, handelt es sich doch um eine der bekanntesten und beliebtesten „klassischen Münchner Hausberge-Touren“. Spätestens am Gipfel der Benediktenwand wird die Frequenz an Menschen natürlich wieder signifikant zunehmen, doch das ist an einem vergleichsweise leicht zugänglichen Modeberg wie diesem im Grunde auch ganz natürlich]


[Bild: Im Bereich des Probstalmsattels (1628 m.) gibt es (vom Brauneck her kommend) zwei Optionen, um den Bergkörper der Benediktenwand (1800 m.) zu erreichen: Entweder die Achselköpfe nördlich unterhalb umgehen oder sie überschreiten, wobei man den höchsten Punkt streng genommen nicht erreicht. Da ich keine Lust auf einen Höhenverlust habe und mich die etwas erhöhte Schwierigkeit (Kraxelei I, Drahtseile) nicht schreckt, entscheide ich mich für die Überschreitung der Achselköpfe. Dass dabei das eine oder andere Schneefeld gequert werden muss: Geschenkt. Abwechslungsreich und aussichtsreich geht es in leichtem Auf und Ab über das mehrgipfelige Massiv hinweg, das Karwendel dabei immer zur Linken]


[Bild: Rückblick aus der von dichten Latschen überwucherten Gipfelregion der Achselköpfe zum Latschenkopf (1712 m.) und zum (von hier) markanten Felszacken des Hinteren Kirchsteins (1667 m.) - Auch letztgenannten Gipfel kann man bei der Überschreitung zur Benediktenwand „mitnehmen“, wobei man ihn schon wesentlich gezielter ansteuern und etwas mehr Zeit investieren muss, als bei seinem östlich gelegenen Namensvetter, dem Vorderen Kirchstein]


[Bild: Nicht nur nordseitig bricht die Benediktenwand (1800 m.) in steilen Felswänden ab. Auch südseitig weist sie imposante Wandfluchten auf, die unmissverständlich klar machen, wer in diesem Teil der Bayerischen Voralpen der lokale Herrscher ist! Kaum weniger schroff und abweisend sind die Achselköpfe, auf denen ich hier gerade unterwegs bin. Wer die wenigen (relativ harmlosen) Kraxelstellen nicht scheut, sollte diese Variante der Überschreitung unbedingt wählen, da einem sonst zahlreiche tolle Ausblicke zur Benediktenwand vorenthalten bleiben]


[Bild: Steil und raumgreifend baut sich die Benediktenwand (1800 m.) westlich der Achselköpfe vor mir auf, wobei der Eindruck täuscht: Bis zum höchsten Punkt sind es kaum mehr als 100 Hm ab dem rechts oben ersichtlichen Rotöhrsattel, von wo aus man auch nordseitig zur Tutzinger Hütte absteigen könnte. Nur noch ein letzter von Latschenkiefern und Schneefeldern geprägter Schlussanstieg trennt mich vom weiten Gipfelplateau der Benediktenwand und einer sicherlich grandiosen Rundumsicht: Auf geht's!]


[Bild: Beim Übergang von den Achselköpfen zur Benediktenwand gilt es in diesem Mai 2026 zahlreiche Altschneefelder zu meistern, wobei ich 2-3x schon etwas aufpassen muss. Es sieht (für Bayerische Voralpen-Verhältnisse) relativ wild aus, lässt sich jedoch letztlich gut begehen, wobei die Trittspuren die Sache massiv erleichtern. Wie erwartet sind die Füße in meinen ausgeleierten Wanderschuhen längst nicht mehr trocken, weswegen ich mich etwas vor dem „langen Marsch“ zum Jochberg fürchte... Egal, es nützt nichts: Augen zu und durch]


[Bild: Nach einem kurzen, völlig unproblematischen Aufstieg vom Rotöhrsattel durch die Latschen erreiche ich schließlich das weitläufige Gipfelplateau der Benediktenwand, von wo aus ich unvermittelt einen atemberaubenden, hindernislosen Ausblick über die Jachenau in Richtung Karwendel genießen kann. Gut 5 Stunden bin ich mittlerweile (ab Lenggries Bahnhof) unterwegs und immer noch dekoriert kein einziges Quellwölkchen den strahlend blauen Himmel. Wie viele Menschen wohl gerade auf umliegenden Bergen unterwegs sind und etwas Schönes erleben...?]


[Bild: Gipfelaufbau der Benediktenwand (1800 m.) - Wie so viele andere Berge aus Kalkgestein (in diesem Fall Wettersteinkalk) weist auch die Benediktenwand in dieser Höhe einen intensiven Latschenkieferbewuchs auf, zumal die Topographie (ein nach Süden relativ sanft geneigtes Gipfelplateau) dies noch zusätzlich begünstigt. Da es aber natürlich einen einfachen Wanderweg durch das Gewirr aus Latschen gibt, kann ich den Blick entspannt in Richtung Walchensee und Wettersteingebirge schweifen lassen... Links hinten in der Ferne präsentiert sich mittlerweile die Zugspitze (2962 m.) - Unverkennbar ragt der höchste Berg Deutschlands oberhalb von Garmisch-Partenkirchen in den Himmel und kündet von großen Bergabenteuern in der Zukunft. Doch zunächst einmal heißt es, die letzten Meter bis zum riesigen Gipfelkreuz der Benediktenwand hinter mich zu bringen. Diese Gipfelrast habe ich mir mehr als ehrlich verdient]


[Bild: Ausblick von der Benediktenwand (1800 m.) nach Nordosten - Wie so viele andere Berge zwischen Bodensee und Salzburg bildet auch die Benediktenwand einen sehr markanten Abschluss der Nördlichen Kalkalpen Richtung Deutschland. Nach Norden hin wird man erst in Norwegen in fast 1500 km Entfernung wieder auf höhere Gipfel stoßen. Eine Schartenhöhe von satten 943 Metern und eine geographische Dominanz von (immerhin) stolzen 13,9 km verdeutlicht, dass es sich hierbei zweifelsfrei um eine der prägnantesten Spitzen der Bayerischen Voralpen handelt]


[Bild: Nicht ganz 500 Hm liegen zwischen dem Gipfel der Benediktenwand und der Tutzinger Hütte (1327 m.) - Nur etwa 1,5 Stunden Gehzeit sind es von der Hütte bis zum Gipfel des omnipräsenten Hausberges, wobei die meisten Wanderer den Berg natürlich überschreiten. Wesentlich länger wird man in der Regel für eine der zahlreichen Kletterrouten durch die Nordwand der Benediktenwand benötigen, wobei leichte Routen teilweise schon bei II-III (UIAA) anfangen. Nicht zuletzt wird die Tutzinger Hütte mit ihren ca. 110 Schlafplätzen auch von vielen Weitwanderern (Stichwort: Traumpfad München-Venedig) aufgesucht]


[Bild: Traumtag auf der Benediktenwand (1800 m.) inmitten der wunderbaren Bayerischen Voralpen! Egal, in welche Himmelsrichtung man sich auch wendet: Ständig entdeckt das Auge weitere faszinierende Details, die sich einem von diesem fantastischen Aussichtsgipfel aus bieten. Im Gegensatz zum östlichen Nebengipfel wird der Hauptgipfel der Benediktenwand von einer sanften Grasflanke geprägt, weswegen man sich nach Lust und Laune „sein“ persönliches Plätzchen suchen kann, um mit dem Blick in die Ferne zu schweifen]


[Bild: Beim Blick von der Benediktenwand nach Westen fallen besonders zwei Voralpen-Nachbarn auf: Mittig ragt der relativ unbekannte Rabenkopf (1555 m.), welcher meist von Einheimischen / Kennern bestiegen wird, in den heute fast unverschämt blauen Himmel. Wesentlich (!) stärker frequentiert und landauf, landab bekannt, ist der links hinten erkennbare Jochberg (1565 m.) - Vom Walchensee in nur 2 Stunden leicht erreichbar, zählt er neben Herzogstand bzw. Heimgarten und Benediktenwand zu den bekanntesten und meistbestiegenen Bergen der Bayerischen Voralpen. Links von seinem Gipfel befindet sich (hier gut zu erkennen) die Wiesenfläche der Jocheralm, welche ich heute noch passieren muss: Der Weg ist also noch sehr, sehr weit...]


[Bild: Grandioser Ausblick von der Benediktenwand (1800 m.) in Richtung Karwendel und Wetterstein! Während zwischen Achensee und Ehrwald verbreitet noch tiefster Winter herrscht, kann sich an der sonnenbeschienenen Südseite der Benediktenwand praktisch kein Schnee mehr halten. Nur noch ein paar letzte renitente Firnreste dürften sich zwischen den Latschenkiefern verstecken, ansonsten ist hier und heute (zumindest am Gipfel) der Sommer 2026 gefühlt bereits voll da]


[Bild: Am Gipfel der Benediktenwand (1800 m.) könnte man es an einem Tag wie heute leicht stundenlang aushalten... Einfach dasitzen, schauen und genießen. Vielleicht von Zeit zu Zeit etwas snacken und die fernen Karwendelgipfel bestimmen: Was für eine Vorstellung! Doch kann ich mich nicht allzu lange an diesem schönen Ort aufhalten, stehen mir doch noch respektable 14 km (und gut 5 Stunden Gehzeit) bis zum Walchensee bevor. Und da es hintenraus spätestens bei den (in diesem Fall) unvermeidlichen Schotter- und Forststraßen-Hatschern vermutlich etwas zäh werden dürfte, löse ich mich nach vergleichsweise kurzer Zeit vom wunderbaren Panorama, um den westseitigen Abstieg zur Glaswandscharte anzugehen. Technisch ist das Ganze kein Hexenwerk: Die Wanderwege rund um die Benediktenwand sind gut in Schuss, unschwierig und vielbegangen. Die Pflicht ist geschafft, nun folgt die Kür]


[Bild: Beim Übergang von der Benediktenwand zum Jochberg und weiter zum Walchensee durchquert man die nordwestliche Jachenau, welche unzählige idyllische Almen aufweist. Generell fällt einem beim Blick auf die Karte auf, mit wie vielen Wegen, Pfaden und Steigen das Gebiet durchzogen ist. Die meisten Wanderer werden in dieser Gegend v. a. die bekannten Gipfel ansteuern, vielleicht ihre Reise nach Süden in Richtung Vorkarwendel fortsetzen. Wie gerne ich dagegen einmal intensiver in das Gebiet eintauchen würde... Irgendwann einmal muss ich mich für ein verlängertes WE in der Jachenau einquartieren und mich auf die Suche machen: Nach den „versteckten“ Wiesenflächen, den nur von Einheimischen bestiegenen Sekundärgipfeln, den Kleinoden abseits aller Hauptrouten. So, wie ich es schon in den Berchtesgadener Alpen einst gemacht habe]


[Bild: Rückblick von den Rabenkopf Osthängen zur bereits seltsam entfernt wirkenden Benediktenwand (1800 m.), welche aus dieser Perspektive bereits teilweise von der unscheinbaren, dicht bewaldeten Glaswand (1496 m.) verdeckt wird. Links kann man die Pessenbacher Alm erkennen, welche beim Übergang zum Jochberg bzw. Walchensee umrundet (aber nicht berührt) wird: Bald wird auf den Almflächen der Jachenau der Almsommer (Sömmerung) beginnen]


[Bild: Postkartenidylle im Bereich der Staffelalm oberhalb der bewaldeten Weiten der Jachenau - Wohl nur wenigen Gegenden der Bayerischen Alpen haftet eine solch besondere Aura an, wie diesen schönen Landen. In nur wenigen Gegenden der Bayerischen Alpen habe ich mich umgehend so wohl gefühlt, wie hier. Ich kann verstehen, warum so viele Menschen immer wieder hierher zurückkommen, um den Blick über die bewaldeten Kuppen in Richtung Karwendel schweifen zu lassen. Der Jachenau wohnt einfach ein ganz besonderer Zauber inne]


[Bild: Von Westen macht die Benediktenwand (1800 m.) wohl den unscheinbarsten Eindruck, erscheint sie doch von hier als klobiger, von Latschen und Bergkiefern „überwucherter“ Buckel! Doch der Eindruck täuscht, wie man nach einer Tour wie der heutigen zweifelsfrei weiß. Man kann sich kaum vorstellen, wie hinter dem Gipfel noch über 6 km Grat und Kamm bis zum Brauneck bzw. Koteck folgen]


[Bild: Nach knapp 32 km und ca. 1800 Hm im Aufstieg (bei 1650 Hm Abstieg) endet meine heutige Tour nach gut 10,5 Stunden an den Ufern des Walchensees. Nun steht nur mehr eine kurze Mitfahrgelegenheit nach Kochel am See (der Bus hat in Urfeld leider einfach nicht gehalten!) und dann die obligatorische Zugfahrt nach München bevor. Lange schon wollte ich die berühmte Benediktenwand-Überschreitung angehen und nun hat es endlich einmal geklappt. Es ist halt wie so häufig mit solchen Münchner-Klassikern, „die man unbedingt einmal gemacht haben muss“: Es gibt einerseits so viele von ihnen und andererseits kommt der „richtige“ Bergsommer dann doch meist schneller als gedacht. Und dann will man (also zumindest ich) ja meist doch die großen Berge jenseits der 2500-Meter-Marke ansteuern, ist das Fenster für ihre Besteigung leider meist nur wenige Monate geöffnet. Gleichzeitig hat mir das Prinzip, eine ausgedehnte Durchquerung mit unterschiedlichem Start- und Endpunkt zu unternehmen, extrem getaugt. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge werde ich zwar künftig wohl aufgrund meiner speziellen Tourenwünsche und der oftmals sehr frühen Startzeiten weiterhin nur recht dosiert vornehmen. Aber wo es sich tourentechnisch anbietet, will ich in Zukunft häufiger mit Bus und Bahn anreisen. Eine weitere Tour in den Bayerischen Voralpen, die ich sicherlich ebenfalls ohne Auto unternehmen möchte und die mich mittelfristig sehr reizt, ist die Durchquerung des Estergebirges... Doch das ist Zukunftsmusik. Hier und jetzt bin ich v. a. unglaublich glücklich, einen perfekten Tag hoch über der Jachenau genossen zu haben. Das Gute, es ist (wie so häufig) oftmals ganz nah]



Angerljoch (1854 m.) via Ostgrat + Schönfeldjoch (1716 m.)


25. April 2026


[Bild: Etwas unterhalb der Schönfeldalm beim Aufstieg zum gleichnamigen Schönfeldjoch - Dieser relativ unscheinbare Gipfel bildet den östlichen Abschluss des langgestreckten, von Ost nach West verlaufenden Gebirgskamms des Hinteren Sonnwendjochs. Unser Ziel ist, diesen höchsten Berg des gesamten Mangfallgebirges über seinen ganzen (und für Bayerische Voralpen-Verhältnisse ziemlich langen) Ostgrat zu besteigen und dabei den einen oder anderen Gipfel „mitzunehmen“. Die große Unbekannte ist dabei der Schnee, vermuten wir doch ab ca. 1800 mH und v. a. nordseitig potenziell einige fiese Überraschungen... Na ja, wir werden sehen. In jedem Fall ist der technisch unkomplizierte Aufstieg zum Schönfeldjoch (1716 m.) ab Wacht via Stallenalm herrlich ruhig und spätestens ab Verlassen der Baumgrenze aussichtstechnisch ein wahres Fest für die Sinne: Wilder Kaiser und Hohe Tauern stehen ost- und südseitig Spalier und künden von einem hoffentlich großen Bergsommer 2026]


[Bild: Schönfeldjoch (1716 m.) - Im Gegensatz zu Wendelstein (1838 m.) und Großem Thraithen (1852 m.) gehört dieser Gipfel nicht zu den Klassikern („Münchner Hausberge“) der Bayerischen Voralpen. Während sich speziell auf dem mittig im Hintergrund erkennbaren Wendelstein an einem Tag wie heute die Touristen mutmaßlich gegenseitig auf die Füße steigen dürften, haben wir das Schönfeldjoch ganz für uns alleine. Kurze Pause, dann geht es weiter in Richtung Wildenkarsattel: Eine ungemein aussichtsreiche Panoramawanderung steht uns nun bevor - Alles bisher war nur Zustieg]


[Bild: Atemberaubend schöne Aussicht vom Schönfeldjoch (1716 m.) - Egal ob Kaisergebirge und Berchtesgadener Alpen (links) oder Hohe Tauern (rechts): Dieses Jahr dürfte es bis weit in den Juni (ggf. sogar Juli) hinein dauern, bis richtig hohe Touren unkompliziert „möglich sind“. Bis dato heißt es, sich unterhalb von 2000 mH konditionstechnisch in Stellung zu bringen für die großen Abenteuer in eisigen Höhen, die da kommen werden. Wobei, angesichts eines solch schönen Voralpen-Setting vermisse ich die Gefilde jenseits der 3000-Meter-Marke im Grunde (fast) nicht. Einfach sein, vor sich hin schreiten, den Blick in die Ferne schweifen lassen und den nächsten grasbewachsenen Buckel in Angriff nehmen: Was für eine tolle Vorstellung]


[Bild: Unterwegs zwischen Schönfeldjoch und Wildenkarsattel - Rechts hinten kann man bereits das Hintere Sonnwendjoch (1986 m.) erkennen, wobei einige mächtige Schneefelder den Gipfelaufbau und die umliegenden Flanken bzw. Kare (wie den Schnittlauchgraben) prägen: Das Ganze dürfte also spätestens ab dem Angerljoch eine knifflige Angelegenheit werden, wenn wir es denn überhaupt bis dahin schaffen...]


[Bild: Nordseitig zeigt das viele Kilometer lange Sonnwendjoch-Bergmassiv teils düstere, sehr brüchige Felswände! Sicherlich ist hier im Laufe der Jahrzehnte der eine oder andere tollkühne Bergsteiger heraufgekommen. Doch da die Gegend nun einmal (vorsichtig ausgedrückt) nicht mit dem allerbesten Kletterfels gesegnet ist, steuern Seilschaften in den Bayerischen Voralpen stattdessen lieber z. B. die Kampenwand, die Benediktenwand, die Ruchenköpfe oder auch den Plankenstein an. Das Sonnwendjoch war seit jeher ein Berg der Genusswanderer, welche abweisende Felswände wie diese lieber aus sicherer Distanz in Augenschein nehmen]


[Bild: Sehr angenehm zu begehen und in nur geringem Auf und Ab führt der Weg zwischen Schönfeldjoch und Wildenkarsattel dahin, wobei man stets einen freien Rundumblick hat. Im Hintergrund dominiert das Hintere Sonnwendjoch (1986 m.) die Szenerie, wobei man den Routenverlauf relativ gut nachvollziehen kann: Er führt nämlich mehr oder weniger genau über die beiden östlichen Vorgipfel namens Angerljoch (1854 m.) und Krenspitze (1972 m.), wobei immer wieder nach links und rechts in die jeweiligen Flanken ausgewichen wird. Dürfte das Angerljoch schneetechnisch offenbar noch einigermaßen gut machbar sein, kommen uns beim Blick auf die Krenspitze ernsthafte Zweifel. Probieren geht zwar über Studieren, doch bereiten wir uns mental schon einmal auf die Option eines improvisierten Abstiegs zur Wildenkaralm hin vor]


[Bild: Von mir aus könnte es bis zum Hinteren Sonnwendjoch weiter so fotogen und v. a. entspannt dahin gehen, doch dürfte das Terrain sehr bald ab dem Wildenkarsattel deutlich an Ernsthaftigkeit gewinnen. Doch noch schreiten wir ausgelassen über den Grasgrat westlich des Schönfeldjochs hinweg, während wir weit und breit die einzigen Menschen sind. Man muss einfach nur ein bisschen kreativ werden und antizyklisch unterwegs sein, dann findet man selbst in den vermeintlich sonst so überlaufenen Bayerischen Voralpen rasch solche „Einsamkeitsjuwelen“]


[Bild: Kurz vor Erreichen des (rechts erkennbaren) Wildenkarsattels (1627 m.) ist das Hintere Sonnwendjoch (1986 m.) noch weit weg, wobei aus dieser Perspektive Angerljoch und v. a. Krenspitze dominieren. Der Aufstieg über den elegant geschwungenen Ostgrat (Kraxelei bis max. I und teils sehr steile, ausgesetzte Schrofen) sieht nach einer fantastischen und (für Bayerischer Voralpen-Verhältnisse) ungewohnt „wilden“, alpinen Nummer aus. Wir werden uns das Ganze einmal von Nahem anschauen und ggf. abbrechen (= umkehren oder improvisieren). Landschaftlich hat uns die Tour in jedem Fall bis zu diesem Zeitpunkt wahnsinnig viel Spaß gemacht]


[Bild: Rückblick beim Aufstieg zum Angerljoch zum langen Kamm zwischen Wildenkarsattel und Schönfeldjoch, den wir vor kurzem überschritten haben. Rechts dahinter grüßt das noch tief verschneite Kaisergebirge herüber, wobei man mittig zwischen Zahmem und Wildem Kaiser sogar die fernen Berchtesgadener Alpen erkennen kann. Es ist ein Tag für die Götter, kein Wölkchen trübt den intensiv-blauen Himmel über den Ostalpen]


[Bild: Ausblick vom Angerljoch (1854 m.) zur Krenspitze (1972 m.) - Hier ist heute für uns kein Weiterkommen möglich! Nachdem wir den Aufstieg vom Wildenkarsattel über den teils luftigen Ostgrat bis dato gut bewältigt hatten, leitet der Pfad ab hier nach rechts in die schattigen Nordabstürze, wobei wir an einem tückischen, sehr steilen und betonharten Altschneefeld nicht weiterkommen. Selbst mit Steigeisen (welche wir nicht dabei haben) wäre das Ganze eine kritische Passage, besteht doch unmittelbare Absturzgefahr. Ohne Steigeisen müssen wir jedoch nicht lange überlegen: Geordneter Rückzug und südseitig über die steilen Schrofen weglos zur Wildenkaralm absteigen. Alles andere wäre an dieser Stelle vollkommen leichtsinnig und lebensgefährlich!]


[Bild: Beim Abstieg vom Angerljoch über steile, abschüssige Schrofen nach Süden zur Wildenkaralm - Allzu empfehlenswert und im Detail ästhetisch ist diese weglose und etwas steinschlaggefährdete Variante nicht, doch dient sie ihrem Zweck: Auf direktem Weg absteigen und nicht wieder über den ausgesetzten Ostgrat zum Wildenkarsattel zurückmüssen. Immerhin stimmt die Aussicht nach wie vor, grüßen in der Ferne am Horizont doch die versammelten Hohen Tauern und Zillertaler Alpen herüber]


[Bild: Nach geglücktem Abstieg vom Angerljoch machen wir vor dem Abstieg ins Tal im Bereich der Wildenkaralm eine Pause. Jegliche (allenfalls kurz vorhandene) Enttäuschung über den verwehrten Gratanstieg zum Hinteren Sonnwendjoch ist zu diesem Zeitpunkt längst verflogen. Touren im Frühling bzw. Frühsommer und Spätherbst haben schneetechnisch einfach immer ihre Feinheiten und Unabwägbarkeiten! Manchmal ist das Mögliche einfach Unmöglich und der „taktische Rückzug“ das einzig Richtige. Gleichzeitig haben wir heute eine herrliche, vollkommen einsame Grattour bzw. Kammwanderung inkl. hindernisloser Rundumsicht erleben dürfen und zwei vollwertige Gipfel (Angerljoch und Schönfeldjoch) bestiegen, wobei Ersterer bergsteigerisch im Grunde sogar „wertvoller“ ist als das Sonnwendjoch. Insofern kann diese erste Bergtour des Jahres als Erfolg bezeichnet werden (auch, weil wir wie meistens immer sehr vernünftig, besonnen und ausgleichend agiert haben). Nach einer ausgedehnten Pause bei der Wildenkaralm geht es schließlich auf Schotterstraßen und einfachen Waldsteigen talwärts nach Wacht: Eine kalte Cola in Bayrischzell wartet auf uns... Das Bergjahr 2026 ist hiermit offiziell eröffnet]


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