Bergblog 2026 |
Dieser Blog präsentiert meine bergsteigerischen Highlights Die Darstellung der einzelnen Bergtouren erfolgt (im Gegensatz zu früheren Tourenberichten) in deutlich kompakterer Form. Es werden ausschließlich wenige (ausgewählte) Bilder pro Tour präsentiert, um den Dokumentations- und Arbeitsaufwand für mich auf Dauer beherrschbar zu halten. Der Schwerpunkt bei der Bildauswahl liegt auf ungewöhnlichen Perspektiven, besonderen Stimmungen und Motiven, die mir persönlich etwas bedeuten. Der Bergblog soll in erster Linie eine kurzweilige Inspiration für Besucherinnen und Besucher meiner Website sein - und ein virtuelles Tagebuch bzw. Tourenbuch für mich. Anfragen zur Bereitstellung ausführlicherer Informationen zu den einzelnen Touren werden natürlich weiterhin sehr gerne beantwortet. Bergtouren in den Berchtesgadener Alpen werden (ab 2019) in dem separaten Berchtesgadener Alpen Blog (BGA_Blog) dargestellt. Die entsprechende Verlinkung erfolgt zusätzlich unten über die Tourenliste der Bergtouren des Jahres 2026. |
Liste der Bergtouren 2026 (Auswahl) |
Benediktenwand (1800 m.) - Überschreitung
02. Mai 2026
[Bild: Let's go! Nachdem ich früh am Morgen zunächst vom Bahnhof Lenggries zum Brauneck (1555 m.) aufgestiegen und anschließend dem ausgeschilderten Weg nach Westen um den unscheinbaren Schrödelstein herum gefolgt bin, breitet sich nun auf dem Stangeneck (1646 m.) vor mir der herrliche Bergkamm zum Vorderen Kirchstein (rechts) und zum Latschenkopf aus. Ich befinde mich hier am Beginn der langen Kammüberschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand, wobei mein Ziel am heutigen Tag sogar der ferne Walchensee ist - Von Lenggries über die Benediktenwand bis zum Walchensee, Anreise (Lenggries) und Abreise (Kochel am See) mit der Bahn, immer hoch über der berühmten, viel besungenen Jachenau bei absolut perfektem Wetter: Eine Konstellation, die beflügelt]

[Bild: Ausblick vom Vorderen Kirchstein (1670 m.) zur Benediktenwand (1800 m.) - Noch hat der Winter die nordseitigen Wälder, Wände und Mulden teilweise in seiner weißen Umklammerung. Oftmals sind die Bayerischen Voralpen Anfang Mai schon komplett schneefrei, insofern ist das hier nicht die Norm! Dass ich es heute trockenen Fußes bis zum Walchensee schaffen werde, glaube ich mittlerweile nicht mehr. Vor allem die Achselköpfe (links) scheinen noch über sehr ausgedehnte Altschneefelder zu verfügen]

[Bild: Tiefblick vom Vorderen Kirchstein (1670 m.) nach Norden zur idyllischen Lichtung der Längentalalm. Wenn sich Wanderer nördlich der Benediktenwand aufhalten, dann in der Regel etwas weiter westlich rund um die Tutzinger Hütte. Westlich von Rain bzw. Obergries führt der berühmte Traumpfad München-Venedig durch diese schöne, dicht bewaldete Landschaft. Nördlich des Klausenkopfes verzweigen sich dann die Wege: Während der Traumpfad weiter via Melcherstefflalm (Hintere Fellalm) und Tiefental-Alm nach Südwesten zur Tutzinger Hütte führt, bleibt das Gebiet der Längentalalm häufig abseits der allgemeinen Aufmerksamkeit von Wanderern...]

[Bild: Ausblick vom Latschenkopf (1712 m.) in Richtung Karwendel: Es wäre mühseligste Sisyphusarbeit, all die imposanten Felsspitzen von Hinterautal-Vomper-Kette und Nördlicher Karwendelkette aufzuzählen, die sich hier wie an einer Perlenschnur aufgereiht präsentieren! Bis man ohne Ski bzw. Schneeschuhe auf die höchsten Gipfel dieses grandiosen Kalkalpengebirges steigen kann, werden in diesem Jahr wohl noch 1,5-2 Monate vergehen. Zu massiv dürften die Altschneefelder sein, als dass einem bereits am Anfang der Hüttensaison alle Touren offen stehen. Auch in diesem Herbst soll es im besten Fall wieder in dieses urweltliche Gebirge gehen... Wohin, ist noch offen. Doch höre ich sowohl das weltenferne Rossloch als auch das Gebiet rund um die Pfeishütte verheißungsvoll rufen]

[Bild: Im Süden von Brauneck und Benediktenwand breitet sich eine weite, von dicht bewaldeten Bergkämmen durchzogene Landschaft aus, die in ihrer Mitte von einem (hier nur ansatzweise erkennbaren) von Ost nach West verlaufenden, weiten Tal durchzogen wird: der Jachenau. Hier, an der Schnittstelle von Vorkarwendel, Bayerischen Voralpen, Walchensee und Isar, lässt es sich leben! Bisher bin ich leider immer nur vorbeigefahren, zu sehr lockten Karwendel und Wetterstein bzw. Tirol im Allgemeinen. Dass es nun endlich mit einer Tour hoch über der Jachenau geklappt hat, macht mich wahnsinnig glücklich]

[Bild: Auf dem Latschenkopf (1712 m.) östlich der Benediktenwand - Dieser von einem stattlichen Kreuz gekrönte Gipfel wird bei der Überschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand automatisch erreicht, weswegen man hier selten allein sein wird. Generell kommen Sammler bei dieser Tour sehr auf ihre Kosten, sind doch ohne weiteres 6-7 Gipfelbesteigungen möglich. Zwischen Benediktenwand und Walchensee gibt es dann noch unzählige weitere Spitzen, wie z. B. den Rabenkopf oder natürlich den Jochberg. Doch glaube ich, dass mein „Gipfelhunger“ ab der Benediktenwand ziemlich gesättigt sein wird und ich froh sein werde, wenn der Walchensee so langsam endlich in Reichweite gerät: Wie sehr ich damit noch recht behalten sollte...]

[Bild: Anfang Mai 2026 in den Bayerischen Voralpen: Gäbe es nicht eine (relativ) breit ausgetretene Spur und wäre der Schnee etwas härter, die Überschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand wäre heute wohl für den Großteil der Wanderer zu riskant! Doch im Gegensatz zum Angerljoch eine Woche zuvor ist das Gelände zwischen Achselköpfen und Latschenkopf kaum absturzgefährdet bzw. die Schneefelder deutlich weniger steil. Eine gewisse Trittsicherheit schadet hier aber in jedem Fall natürlich trotzdem nicht, ebenso wenig wie Teleskopstöcke und / oder Grödel]

[Bild: Nur noch die Achselköpfe (1710 m.) trennen mich vom Hauptgipfel der heutigen Tour, der Benediktenwand (1800 m.) - Bisher hat alles wunderbar geklappt und auch die Anzahl der Wanderer hält sich (so früh in der Saison) noch in Grenzen. Immer wieder habe ich längere Abschnitte der Überschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand sogar exklusiv für mich, was bei einer Tour wie dieser nicht selbstverständlich ist, handelt es sich doch um eine der bekanntesten und beliebtesten „klassischen Münchner Hausberge-Touren“. Spätestens am Gipfel der Benediktenwand wird die Frequenz an Menschen natürlich wieder signifikant zunehmen, doch das ist an einem vergleichsweise leicht zugänglichen Modeberg wie diesem im Grunde auch ganz natürlich]

[Bild: Im Bereich des Probstalmsattels (1628 m.) gibt es (vom Brauneck her kommend) zwei Optionen, um den Bergkörper der Benediktenwand (1800 m.) zu erreichen: Entweder die Achselköpfe nördlich unterhalb umgehen oder sie überschreiten, wobei man den höchsten Punkt streng genommen nicht erreicht. Da ich keine Lust auf einen Höhenverlust habe und mich die etwas erhöhte Schwierigkeit (Kraxelei I, Drahtseile) nicht schreckt, entscheide ich mich für die Überschreitung der Achselköpfe. Dass dabei das eine oder andere Schneefeld gequert werden muss: Geschenkt. Abwechslungsreich und aussichtsreich geht es in leichtem Auf und Ab über das mehrgipfelige Massiv hinweg, das Karwendel dabei immer zur Linken]

[Bild: Rückblick aus der von dichten Latschen überwucherten Gipfelregion der Achselköpfe zum Latschenkopf (1712 m.) und zum (von hier) markanten Felszacken des Hinteren Kirchsteins (1667 m.) - Auch letztgenannten Gipfel kann man bei der Überschreitung zur Benediktenwand „mitnehmen“, wobei man ihn schon wesentlich gezielter ansteuern und etwas mehr Zeit investieren muss, als bei seinem östlich gelegenen Namensvetter, dem Vorderen Kirchstein]

[Bild: Nicht nur nordseitig bricht die Benediktenwand (1800 m.) in steilen Felswänden ab. Auch südseitig weist sie imposante Wandfluchten auf, die unmissverständlich klar machen, wer in diesem Teil der Bayerischen Voralpen der lokale Herrscher ist! Kaum weniger schroff und abweisend sind die Achselköpfe, auf denen ich hier gerade unterwegs bin. Wer die wenigen (relativ harmlosen) Kraxelstellen nicht scheut, sollte diese Variante der Überschreitung unbedingt wählen, da einem sonst zahlreiche tolle Ausblicke zur Benediktenwand vorenthalten bleiben]

[Bild: Steil und raumgreifend baut sich die Benediktenwand (1800 m.) westlich der Achselköpfe vor mir auf, wobei der Eindruck täuscht: Bis zum höchsten Punkt sind es kaum mehr als 100 Hm ab dem rechts oben ersichtlichen Rotöhrsattel, von wo aus man auch nordseitig zur Tutzinger Hütte absteigen könnte. Nur noch ein letzter von Latschenkiefern und Schneefeldern geprägter Schlussanstieg trennt mich vom weiten Gipfelplateau der Benediktenwand und einer sicherlich grandiosen Rundumsicht: Auf geht's!]

[Bild: Beim Übergang von den Achselköpfen zur Benediktenwand gilt es in diesem Mai 2026 zahlreiche Altschneefelder zu meistern, wobei ich 2-3x schon etwas aufpassen muss. Es sieht (für Bayerische Voralpen-Verhältnisse) relativ wild aus, lässt sich jedoch letztlich gut begehen, wobei die Trittspuren die Sache massiv erleichtern. Wie erwartet sind die Füße in meinen ausgeleierten Wanderschuhen längst nicht mehr trocken, weswegen ich mich etwas vor dem „langen Marsch“ zum Jochberg fürchte... Egal, es nützt nichts: Augen zu und durch]

[Bild: Nach einem kurzen, völlig unproblematischen Aufstieg vom Rotöhrsattel durch die Latschen erreiche ich schließlich das weitläufige Gipfelplateau der Benediktenwand, von wo aus ich unvermittelt einen atemberaubenden, hindernislosen Ausblick über die Jachenau in Richtung Karwendel genießen kann. Gut 5 Stunden bin ich mittlerweile (ab Lenggries Bahnhof) unterwegs und immer noch dekoriert kein einziges Quellwölkchen den strahlend blauen Himmel. Wie viele Menschen wohl gerade auf umliegenden Bergen unterwegs sind und etwas Schönes erleben...?]

[Bild: Gipfelaufbau der Benediktenwand (1800 m.) - Wie so viele andere Berge aus Kalkgestein (in diesem Fall Wettersteinkalk) weist auch die Benediktenwand in dieser Höhe einen intensiven Latschenkieferbewuchs auf, zumal die Topographie (ein nach Süden relativ sanft geneigtes Gipfelplateau) dies noch zusätzlich begünstigt. Da es aber natürlich einen einfachen Wanderweg durch das Gewirr aus Latschen gibt, kann ich den Blick entspannt in Richtung Walchensee und Wettersteingebirge schweifen lassen... Links hinten in der Ferne präsentiert sich mittlerweile die Zugspitze (2962 m.) - Unverkennbar ragt der höchste Berg Deutschlands oberhalb von Garmisch-Partenkirchen in den Himmel und kündet von großen Bergabenteuern in der Zukunft. Doch zunächst einmal heißt es, die letzten Meter bis zum riesigen Gipfelkreuz der Benediktenwand hinter mich zu bringen. Diese Gipfelrast habe ich mir mehr als ehrlich verdient]

[Bild: Ausblick von der Benediktenwand (1800 m.) nach Nordosten - Wie so viele andere Berge zwischen Bodensee und Salzburg bildet auch die Benediktenwand einen sehr markanten Abschluss der Nördlichen Kalkalpen Richtung Deutschland. Nach Norden hin wird man erst in Norwegen in fast 1500 km Entfernung wieder auf höhere Gipfel stoßen. Eine Schartenhöhe von satten 943 Metern und eine geographische Dominanz von (immerhin) stolzen 13,9 km verdeutlicht, dass es sich hierbei zweifelsfrei um eine der prägnantesten Spitzen der Bayerischen Voralpen handelt]

[Bild: Nicht ganz 500 Hm liegen zwischen dem Gipfel der Benediktenwand und der Tutzinger Hütte (1327 m.) - Nur etwa 1,5 Stunden Gehzeit sind es von der Hütte bis zum Gipfel des omnipräsenten Hausberges, wobei die meisten Wanderer den Berg natürlich überschreiten. Wesentlich länger wird man in der Regel für eine der zahlreichen Kletterrouten durch die Nordwand der Benediktenwand benötigen, wobei leichte Routen teilweise schon bei II-III (UIAA) anfangen. Nicht zuletzt wird die Tutzinger Hütte mit ihren ca. 110 Schlafplätzen auch von vielen Weitwanderern (Stichwort: Traumpfad München-Venedig) aufgesucht]

[Bild: Traumtag auf der Benediktenwand (1800 m.) inmitten der wunderbaren Bayerischen Voralpen! Egal, in welche Himmelsrichtung man sich auch wendet: Ständig entdeckt das Auge weitere faszinierende Details, die sich einem von diesem fantastischen Aussichtsgipfel aus bieten. Im Gegensatz zum östlichen Nebengipfel wird der Hauptgipfel der Benediktenwand von einer sanften Grasflanke geprägt, weswegen man sich nach Lust und Laune „sein“ persönliches Plätzchen suchen kann, um mit dem Blick in die Ferne zu schweifen]

[Bild: Beim Blick von der Benediktenwand nach Westen fallen besonders zwei Voralpen-Nachbarn auf: Mittig ragt der relativ unbekannte Rabenkopf (1555 m.), welcher meist von Einheimischen / Kennern bestiegen wird, in den heute fast unverschämt blauen Himmel. Wesentlich (!) stärker frequentiert und landauf, landab bekannt, ist der links hinten erkennbare Jochberg (1565 m.) - Vom Walchensee in nur 2 Stunden leicht erreichbar, zählt er neben Herzogstand bzw. Heimgarten und Benediktenwand zu den bekanntesten und meistbestiegenen Bergen der Bayerischen Voralpen. Links von seinem Gipfel befindet sich (hier gut zu erkennen) die Wiesenfläche der Jocheralm, welche ich heute noch passieren muss: Der Weg ist also noch sehr, sehr weit...]

[Bild: Grandioser Ausblick von der Benediktenwand (1800 m.) in Richtung Karwendel und Wetterstein! Während zwischen Achensee und Ehrwald verbreitet noch tiefster Winter herrscht, kann sich an der sonnenbeschienenen Südseite der Benediktenwand praktisch kein Schnee mehr halten. Nur noch ein paar letzte renitente Firnreste dürften sich zwischen den Latschenkiefern verstecken, ansonsten ist hier und heute (zumindest am Gipfel) der Sommer 2026 gefühlt bereits voll da]

[Bild: Am Gipfel der Benediktenwand (1800 m.) könnte man es an einem Tag wie heute leicht stundenlang aushalten... Einfach dasitzen, schauen und genießen. Vielleicht von Zeit zu Zeit etwas snacken und die fernen Karwendelgipfel bestimmen: Was für eine Vorstellung! Doch kann ich mich nicht allzu lange an diesem schönen Ort aufhalten, stehen mir doch noch respektable 14 km (und gut 5 Stunden Gehzeit) bis zum Walchensee bevor. Und da es hintenraus spätestens bei den (in diesem Fall) unvermeidlichen Schotter- und Forststraßen-Hatschern vermutlich etwas zäh werden dürfte, löse ich mich nach vergleichsweise kurzer Zeit vom wunderbaren Panorama, um den westseitigen Abstieg zur Glaswandscharte anzugehen. Technisch ist das Ganze kein Hexenwerk: Die Wanderwege rund um die Benediktenwand sind gut in Schuss, unschwierig und vielbegangen. Die Pflicht ist geschafft, nun folgt die Kür]

[Bild: Beim Übergang von der Benediktenwand zum Jochberg und weiter zum Walchensee durchquert man die nordwestliche Jachenau, welche unzählige idyllische Almen aufweist. Generell fällt einem beim Blick auf die Karte auf, mit wie vielen Wegen, Pfaden und Steigen das Gebiet durchzogen ist. Die meisten Wanderer werden in dieser Gegend v. a. die bekannten Gipfel ansteuern, vielleicht ihre Reise nach Süden in Richtung Vorkarwendel fortsetzen. Wie gerne ich dagegen einmal intensiver in das Gebiet eintauchen würde... Irgendwann einmal muss ich mich für ein verlängertes WE in der Jachenau einquartieren und mich auf die Suche machen: Nach den „versteckten“ Wiesenflächen, den nur von Einheimischen bestiegenen Sekundärgipfeln, den Kleinoden abseits aller Hauptrouten. So, wie ich es schon in den Berchtesgadener Alpen einst gemacht habe]

[Bild: Rückblick von den Rabenkopf Osthängen zur bereits seltsam entfernt wirkenden Benediktenwand (1800 m.), welche aus dieser Perspektive bereits teilweise von der unscheinbaren, dicht bewaldeten Glaswand (1496 m.) verdeckt wird. Links kann man die Pessenbacher Alm erkennen, welche beim Übergang zum Jochberg bzw. Walchensee umrundet (aber nicht berührt) wird: Bald wird auf den Almflächen der Jachenau der Almsommer (Sömmerung) beginnen]

[Bild: Postkartenidylle im Bereich der Staffelalm oberhalb der bewaldeten Weiten der Jachenau - Wohl nur wenigen Gegenden der Bayerischen Alpen haftet eine solch besondere Aura an, wie diesen schönen Landen. In nur wenigen Gegenden der Bayerischen Alpen habe ich mich umgehend so wohl gefühlt, wie hier. Ich kann verstehen, warum so viele Menschen immer wieder hierher zurückkommen, um den Blick über die bewaldeten Kuppen in Richtung Karwendel schweifen zu lassen. Der Jachenau wohnt einfach ein ganz besonderer Zauber inne]

[Bild: Von Westen macht die Benediktenwand (1800 m.) wohl den unscheinbarsten Eindruck, erscheint sie doch von hier als klobiger, von Latschen und Bergkiefern „überwucherter“ Buckel! Doch der Eindruck täuscht, wie man nach einer Tour wie der heutigen zweifelsfrei weiß. Man kann sich kaum vorstellen, wie hinter dem Gipfel noch über 6 km Grat und Kamm bis zum Brauneck bzw. Koteck folgen]

[Bild: Nach knapp 32 km und ca. 1800 Hm im Aufstieg (bei 1650 Hm Abstieg) endet meine heutige Tour nach gut 10,5 Stunden an den Ufern des Walchensees. Nun steht nur mehr eine kurze Mitfahrgelegenheit nach Kochel am See (der Bus hat in Urfeld leider einfach nicht gehalten!) und dann die obligatorische Zugfahrt nach München bevor. Lange schon wollte ich die berühmte Benediktenwand-Überschreitung angehen und nun hat es endlich einmal geklappt. Es ist halt wie so häufig mit solchen Münchner-Klassikern, „die man unbedingt einmal gemacht haben muss“: Es gibt einerseits so viele von ihnen und andererseits kommt der „richtige“ Bergsommer dann doch meist schneller als gedacht. Und dann will man (also zumindest ich) ja meist doch die großen Berge jenseits der 2500-Meter-Marke ansteuern, ist das Fenster für ihre Besteigung leider meist nur wenige Monate geöffnet. Gleichzeitig hat mir das Prinzip, eine ausgedehnte Durchquerung mit unterschiedlichem Start- und Endpunkt zu unternehmen, extrem getaugt. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge werde ich zwar künftig wohl aufgrund meiner speziellen Tourenwünsche und der oftmals sehr frühen Startzeiten weiterhin nur recht dosiert vornehmen. Aber wo es sich tourentechnisch anbietet, will ich in Zukunft häufiger mit Bus und Bahn anreisen. Eine weitere Tour in den Bayerischen Voralpen, die ich sicherlich ebenfalls ohne Auto unternehmen möchte und die mich mittelfristig sehr reizt, ist die Durchquerung des Estergebirges... Doch das ist Zukunftsmusik. Hier und jetzt bin ich v. a. unglaublich glücklich, einen perfekten Tag hoch über der Jachenau genossen zu haben. Das Gute, es ist (wie so häufig) oftmals ganz nah]

Angerljoch (1854 m.) via Ostgrat + Schönfeldjoch (1716 m.)
25. April 2026
[Bild: Etwas unterhalb der Schönfeldalm beim Aufstieg zum gleichnamigen Schönfeldjoch - Dieser relativ unscheinbare Gipfel bildet den östlichen Abschluss des langgestreckten, von Ost nach West verlaufenden Gebirgskamms des Hinteren Sonnwendjochs. Unser Ziel ist, diesen höchsten Berg des gesamten Mangfallgebirges über seinen ganzen (und für Bayerische Voralpen-Verhältnisse ziemlich langen) Ostgrat zu besteigen und dabei den einen oder anderen Gipfel „mitzunehmen“. Die große Unbekannte ist dabei der Schnee, vermuten wir doch ab ca. 1800 mH und v. a. nordseitig potenziell einige fiese Überraschungen... Na ja, wir werden sehen. In jedem Fall ist der technisch unkomplizierte Aufstieg zum Schönfeldjoch (1716 m.) ab Wacht via Stallenalm herrlich ruhig und spätestens ab Verlassen der Baumgrenze aussichtstechnisch ein wahres Fest für die Sinne: Wilder Kaiser und Hohe Tauern stehen ost- und südseitig Spalier und künden von einem hoffentlich großen Bergsommer 2026]

[Bild: Schönfeldjoch (1716 m.) - Im Gegensatz zu Wendelstein (1838 m.) und Großem Thraithen (1852 m.) gehört dieser Gipfel nicht zu den Klassikern („Münchner Hausberge“) der Bayerischen Voralpen. Während sich speziell auf dem mittig im Hintergrund erkennbaren Wendelstein an einem Tag wie heute die Touristen mutmaßlich gegenseitig auf die Füße steigen dürften, haben wir das Schönfeldjoch ganz für uns alleine. Kurze Pause, dann geht es weiter in Richtung Wildenkarsattel: Eine ungemein aussichtsreiche Panoramawanderung steht uns nun bevor - Alles bisher war nur Zustieg]

[Bild: Atemberaubend schöne Aussicht vom Schönfeldjoch (1716 m.) - Egal ob Kaisergebirge und Berchtesgadener Alpen (links) oder Hohe Tauern (rechts): Dieses Jahr dürfte es bis weit in den Juni (ggf. sogar Juli) hinein dauern, bis richtig hohe Touren unkompliziert „möglich sind“. Bis dato heißt es, sich unterhalb von 2000 mH konditionstechnisch in Stellung zu bringen für die großen Abenteuer in eisigen Höhen, die da kommen werden. Wobei, angesichts eines solch schönen Voralpen-Setting vermisse ich die Gefilde jenseits der 3000-Meter-Marke im Grunde (fast) nicht. Einfach sein, vor sich hin schreiten, den Blick in die Ferne schweifen lassen und den nächsten grasbewachsenen Buckel in Angriff nehmen: Was für eine tolle Vorstellung]

[Bild: Unterwegs zwischen Schönfeldjoch und Wildenkarsattel - Rechts hinten kann man bereits das Hintere Sonnwendjoch (1986 m.) erkennen, wobei einige mächtige Schneefelder den Gipfelaufbau und die umliegenden Flanken bzw. Kare (wie den Schnittlauchgraben) prägen: Das Ganze dürfte also spätestens ab dem Angerljoch eine knifflige Angelegenheit werden, wenn wir es denn überhaupt bis dahin schaffen...]

[Bild: Nordseitig zeigt das viele Kilometer lange Sonnwendjoch-Bergmassiv teils düstere, sehr brüchige Felswände! Sicherlich ist hier im Laufe der Jahrzehnte der eine oder andere tollkühne Bergsteiger heraufgekommen. Doch da die Gegend nun einmal (vorsichtig ausgedrückt) nicht mit dem allerbesten Kletterfels gesegnet ist, steuern Seilschaften in den Bayerischen Voralpen stattdessen lieber z. B. die Kampenwand, die Benediktenwand, die Ruchenköpfe oder auch den Plankenstein an. Das Sonnwendjoch war seit jeher ein Berg der Genusswanderer, welche abweisende Felswände wie diese lieber aus sicherer Distanz in Augenschein nehmen]

[Bild: Sehr angenehm zu begehen und in nur geringem Auf und Ab führt der Weg zwischen Schönfeldjoch und Wildenkarsattel dahin, wobei man stets einen freien Rundumblick hat. Im Hintergrund dominiert das Hintere Sonnwendjoch (1986 m.) die Szenerie, wobei man den Routenverlauf relativ gut nachvollziehen kann: Er führt nämlich mehr oder weniger genau über die beiden östlichen Vorgipfel namens Angerljoch (1854 m.) und Krenspitze (1972 m.), wobei immer wieder nach links und rechts in die jeweiligen Flanken ausgewichen wird. Dürfte das Angerljoch schneetechnisch offenbar noch einigermaßen gut machbar sein, kommen uns beim Blick auf die Krenspitze ernsthafte Zweifel. Probieren geht zwar über Studieren, doch bereiten wir uns mental schon einmal auf die Option eines improvisierten Abstiegs zur Wildenkaralm hin vor]

[Bild: Von mir aus könnte es bis zum Hinteren Sonnwendjoch weiter so fotogen und v. a. entspannt dahin gehen, doch dürfte das Terrain sehr bald ab dem Wildenkarsattel deutlich an Ernsthaftigkeit gewinnen. Doch noch schreiten wir ausgelassen über den Grasgrat westlich des Schönfeldjochs hinweg, während wir weit und breit die einzigen Menschen sind. Man muss einfach nur ein bisschen kreativ werden und antizyklisch unterwegs sein, dann findet man selbst in den vermeintlich sonst so überlaufenen Bayerischen Voralpen rasch solche „Einsamkeitsjuwelen“]

[Bild: Kurz vor Erreichen des (rechts erkennbaren) Wildenkarsattels (1627 m.) ist das Hintere Sonnwendjoch (1986 m.) noch weit weg, wobei aus dieser Perspektive Angerljoch und v. a. Krenspitze dominieren. Der Aufstieg über den elegant geschwungenen Ostgrat (Kraxelei bis max. I und teils sehr steile, ausgesetzte Schrofen) sieht nach einer fantastischen und (für Bayerischer Voralpen-Verhältnisse) ungewohnt „wilden“, alpinen Nummer aus. Wir werden uns das Ganze einmal von Nahem anschauen und ggf. abbrechen (= umkehren oder improvisieren). Landschaftlich hat uns die Tour in jedem Fall bis zu diesem Zeitpunkt wahnsinnig viel Spaß gemacht]

[Bild: Rückblick beim Aufstieg zum Angerljoch zum langen Kamm zwischen Wildenkarsattel und Schönfeldjoch, den wir vor kurzem überschritten haben. Rechts dahinter grüßt das noch tief verschneite Kaisergebirge herüber, wobei man mittig zwischen Zahmem und Wildem Kaiser sogar die fernen Berchtesgadener Alpen erkennen kann. Es ist ein Tag für die Götter, kein Wölkchen trübt den intensiv-blauen Himmel über den Ostalpen]

[Bild: Ausblick vom Angerljoch (1854 m.) zur Krenspitze (1972 m.) - Hier ist heute für uns kein Weiterkommen möglich! Nachdem wir den Aufstieg vom Wildenkarsattel über den teils luftigen Ostgrat bis dato gut bewältigt hatten, leitet der Pfad ab hier nach rechts in die schattigen Nordabstürze, wobei wir an einem tückischen, sehr steilen und betonharten Altschneefeld nicht weiterkommen. Selbst mit Steigeisen (welche wir nicht dabei haben) wäre das Ganze eine kritische Passage, besteht doch unmittelbare Absturzgefahr. Ohne Steigeisen müssen wir jedoch nicht lange überlegen: Geordneter Rückzug und südseitig über die steilen Schrofen weglos zur Wildenkaralm absteigen. Alles andere wäre an dieser Stelle vollkommen leichtsinnig und lebensgefährlich!]

[Bild: Beim Abstieg vom Angerljoch über steile, abschüssige Schrofen nach Süden zur Wildenkaralm - Allzu empfehlenswert und im Detail ästhetisch ist diese weglose und etwas steinschlaggefährdete Variante nicht, doch dient sie ihrem Zweck: Auf direktem Weg absteigen und nicht wieder über den ausgesetzten Ostgrat zum Wildenkarsattel zurückmüssen. Immerhin stimmt die Aussicht nach wie vor, grüßen in der Ferne am Horizont doch die versammelten Hohen Tauern und Zillertaler Alpen herüber]

[Bild: Nach geglücktem Abstieg vom Angerljoch machen wir vor dem Abstieg ins Tal im Bereich der Wildenkaralm eine Pause. Jegliche (allenfalls kurz vorhandene) Enttäuschung über den verwehrten Gratanstieg zum Hinteren Sonnwendjoch ist zu diesem Zeitpunkt längst verflogen. Touren im Frühling bzw. Frühsommer und Spätherbst haben schneetechnisch einfach immer ihre Feinheiten und Unabwägbarkeiten! Manchmal ist das Mögliche einfach Unmöglich und der „taktische Rückzug“ das einzig Richtige. Gleichzeitig haben wir heute eine herrliche, vollkommen einsame Grattour bzw. Kammwanderung inkl. hindernisloser Rundumsicht erleben dürfen und zwei vollwertige Gipfel (Angerljoch und Schönfeldjoch) bestiegen, wobei Ersterer bergsteigerisch im Grunde sogar „wertvoller“ ist als das Sonnwendjoch. Insofern kann diese erste Bergtour des Jahres als Erfolg bezeichnet werden (auch, weil wir wie meistens immer sehr vernünftig, besonnen und ausgleichend agiert haben). Nach einer ausgedehnten Pause bei der Wildenkaralm geht es schließlich auf Schotterstraßen und einfachen Waldsteigen talwärts nach Wacht: Eine kalte Cola in Bayrischzell wartet auf uns... Das Bergjahr 2026 ist hiermit offiziell eröffnet]
