2014 – Piccolo Lagazuoi (2778 m.) - Via Ferrata Galleria Lagazuoi

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   F  oder  L   (T3-  oder  W3-)   -   Via Ferrata Galleria Lagazuoi:  A  oder  K1

Charakter:  Leichter, ungewöhnlicher Klettersteig (A/K1) – der durch alte, restaurierte Kriegsstollen (1. Weltkrieg) auf einen aussichtsreichen Dolomiten-Gipfel führt. Vom Passo di Falzàrego (2105 m.) zunächst auf einfachem Bergsteig (Weg 402) über begrünte, teils latschenkieferbewachsene Hänge aufwärts, bis man eine schottrige Fahrstraße erreicht – Dieser noch ein kurzes Stück folgen, dann links (Wegweiser) ab und über eine Geröllflanke zum Beginn des Klettersteigs. Zunächst auf der „Cengia Martini“ – einem schroffen Felsband (A/K1) – in imposanter Felsszenerie leicht ansteigend durch die Südabstürze des Piccolo Lagazuoi zum Beginn der Kriegsstollen. Im Folgenden Aufstieg durch das steile Tunnel- und Stollensystem der Galleria Lagazuoi (durchgehendes Drahtseil – A/K1), wobei die Route mit Lehr-/Informationstafeln ausgestattet wurde und sich durch zahlreiche Felsenfenster die Gelegenheit für eindrucksvolle Blicke nach draußen ergibt. Das Ganze ist mehr drahtseilversicherter, lehrreicher Bergsteig als KS – nichtsdestotrotz sind die Stollen dunkel (Stirnlampe unbedingt notwendig!) – kalt und feucht. Nach 30-45 Minuten erreicht man schließlich den Ausstieg. Vom markanten Vorgipfel unterhalb schroffer Felsabstürze auf einem gerölligen Band rasch aufwärts zum Rifugio Lagazuoi (2752 m. – Bergstation der Seilbahn) und in wenigen Minuten weiter zum nahen Gipfelkreuz des Piccolo Lagazuoi (2778 m. – grandiose Aussicht zu den Tofane sowie auf zahlreiche weitere große Dolomitengipfel!) – Vom Gipfel schließlich auf unschwierigem Geröllsteig abwärts in die Forcella di Lagazuoi (2573 m. – teils planierte „Geröllpisten“) - weiter in die Forcella Travenanzes und über begrünte Geröll- und Schrofenhänge zurück in Richtung Passo di Falzàrego. Eine kurze, unschwierige (aber lohnende!) Klettersteigtour, die sich bei mittelmäßigem Wetter (z.B. als Ausweichoption) anbietet und auch für Kinder interessant ist! Der Piccolo Lagazuoi (2778 m.) selbst ist ein überlaufener, geschundener Seilbahnberg – die Aussicht vom Gipfel in jedem Fall aber fantastisch! Und die Via Ferrata Galleria Lagazuoi ist vor allem eines – ein erschütterndes, zugleich faszinierendes Relikt des grausamen Gebirgskrieges zwischen Österreich-Ungarn und Italien während des 1. Weltkrieges zwischen 1915-18! Eine historische Route mit Lerneffekt!

Gefahren:  Trotz der geringen technischen Schwierigkeit der Tour ist ein grundlegendes Maß an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Für die Begehung der Via Ferrata Galleria Lagazuoi ist ein KS-Set nicht notwendig – ein Helm sollte in den Stollen aber unbedingt zur Ausrüstung gehören, um sich mögliche Kopfschmerzen zu ersparen! Ebenso ist warme, winddichte Kleidung sehr wichtig, da es in den Stollen zugig und feucht ist. Der mit Abstand wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist jedoch die Taschen-/Stirnlampe! – Ohne Licht wird die Tour durch die steilen, dunklen Stollen und Tunnel zum Spießrutenlauf! Auch wenn sich ein Großteil der Route im Inneren des Berges abspielt – aufgrund der vorhandenen Drahtseile kann die Tour bei Gewittergefahr nicht empfohlen werden. Der Abstieg vom Piccolo Lagazuoi zum Passo di Falzàrego weist keinerlei objektive Risiken auf.


24. September 2014

Drei-Tages-Tour in die Dolomiten – Am ersten Tag Besteigung des Piccolo Lagazuoi (2778 m.) über die Via Ferrata Galleria Lagazuoi vom Passo di Falzàrego her. Am zweiten Tag Besteigung des Monte Nuvolau (2574 m.) über die Via Ferrata Ra Gusela sowie Besteigung des Monte Averau (2649 m.) über die Via Ferrata Averau vom Passo di Giau her (Tourenbericht). Am dritten Tag Besteigung des Monte Civetta (3220 m.) über die Via Ferrata Attilio Tissi mit Abstieg über den Normalweg von der Casera de la Grava her (Tourenbericht).

Privat organisierte Tour  -  alleine begangen

[Bild: Piccolo Lagazuoi (2778 m.) vom Passo di Falzàrego]

Passo di Falzàrego  -  Via Ferrata Galleria Lagazuoi  -  Rifugio Lagazuoi  -  Piccolo Lagazuoi  -  Forcella di Lagazuoi  -  Forcella Travenanzes  -  Passo di Falzàrego

Der Piccolo Lagazuoi (2778 m.) ist der alpinistisch bedeutendste Gipfel des Lagazuoi-Massivs (Hauptgipfel ist der Gran Lagazuoi Sud 2835 m.) westlich der Tofane in den Dolomiten. Der im Westen vom Passo di Valparola und im Süden vom Passo di Falzàrego begrenzte Berg zeigt nach Süden hin eindrucksvolle Steilwände, nach Norden hin (Richtung Fanesgruppe) eine sanft geneigte, weite Hochfläche. Der Gipfel ist vom Passo di Falzàrego aus mit einer Seilbahn sowie mit einem Skigebiet erschlossen und Etappenpunkt auf dem Dolomiten Höhenweg Nr. 1 – Bergeinsamkeit wird man am Piccolo Lagazuoi also vergeblich suchen. Dafür weist der Berg 3 Topeigenschaften auf: Eine fantastische Gipfelaussicht (mitten im Herzen der Dolomiten) - ein spannender, auf historischen Kriegsrouten verlaufender Klettersteig und eine (nach der letzten Gondel) gemütlich-ruhige Gipfelhütte sorgen für eine aus Bergsteigersicht hohe Attraktivität.

[Bild: Unterwegs in den Tunnel- und Stollensystemen der Via Ferrata Galleria Lagazuoi]

3 Jahre ist es her, dass ich zuletzt in den Dolomiten unterwegs war – eine viel zu lange Zeit! Nach einem äußerst bescheidenen Bergsommer (in dem sich insgesamt deutlich weniger ergeben hat als gehofft) will ich vor Beginn des neuen Studiensemesters noch einen „richtigen“, großen Berg besteigen. Letztlich fällt meine Wahl auf die „Eule“ – den Monte Civetta (3220 m.) – einen der ganz großen Dolomiten-Riesen. Um mich für die Via Ferrata Attilio Tissi (D/K4) entsprechend „aufzuwärmen“, will ich vor der eigentlichen Haupttour noch 2-3 kleinere Klettersteige gehen. Am ersten Tag steht der Piccolo Lagazuoi auf dem Programm, am zweiten Tag die Klettersteigkombination Nuvolau-Averau. Die Anreise in die Dolomiten erfolgt aus terminlichen Gründen am Nachmittag vor dem (eigentlichen) ersten Tourentag (24. September) – Im Sellajoch (Passo di Sella) angekommen, wo ich auf der Fahrt zum Passo di Falzàrego die Nacht verbringe, bietet sich mir bei Sonnenuntergang ein sagenhaftes Naturschauspiel! Die Dolomiten erglühen im roten Licht der untergehenden Sonne.

[Bild: Marmolada (3343 m.) und Gran Vernel (3210 m.) im letzten Licht des Tages]

[Bild: Sass Pordoi (2950 m.) im Abendlicht. Links hinten der Piz Boè (3152 m.) - der höchste Gipfel der Sellagruppe]

[Bild: Am Morgen präsentiert sich die Langkofelgruppe in all ihrer Pracht: Grohmannspitze (3126 m.) - Fünffingerspitze (2996 m.) und Langkofel (3181 m.)  -  von links nach rechts]

Am (nächsten) Vormittag geht es vom Sellajoch weiter zum Passo di Falzàrego – dem Ausgangspunkt für die Via Ferrata Galleria Lagazuoi auf den Piccolo Lagazuoi. Bei wolkigem, aber gutem Bergwetter mache ich mich schließlich vom Pass auf den Weg zum Einstieg.

[Bild: Passo di Falzàrego 2105 m.]

[Bild: Vom Passo di Falzàrego geht es über begrünte, latschenkieferbewachsene Hänge zunächst ein Stück in nordöstliche Richtung auf die Forcella Travenanzes zu]

[Bild: Eine Gondel der Seilbahn vom Passo di Falzàrego schwebt gen Piccolo Lagazuoi]

[Bild: Nach kurzer Zeit zweigt linkerhand der Steig zur Via Ferrata Galleria Lagazuoi ab und führt über Geröllflanken bergauf an den Bergkörper. Rechts der Passo di Falzàrego 2105 m.]

[Bild: Über in den Fels gehauene Stufen geht es unschwierig zu einem Felsband (Cengia Martini) und zum Beginn der Stollen]

[Bild: Unterhalb imposanter Felswände führt die Cengia Martini zum Beginn der Galleria Lagazuoi]

[Bild: Auf geht's in die Dunkelheit! Am Beginn der Galleria Lagazuoi]

[Bild: In den Tunneln und Stollen der (Via Ferrata) Galleria Lagazuoi]

[Bild: In solchen Behausungen haben die italienischen Soldaten während des Gebirgskrieges (1915-18) inmitten der Südwand des Piccolo Lagazuoi über Monate (und Jahre) hinweg „gelebt“ - was für eine schreckliche Vorstellung!]

[Bild: Eindrucksvoller Tiefblick über die Südabstürze des Piccolo Lagazuoi zum Passo di Falzàrego 2105 m.]

[Bild: Tofana di Dentro (3238 m.) - Tofana di Mezzo (3244 m. - dritthöchster Berg der Dolomiten) und Tofana di Rozes (3225 m.) mit Forcella Travenanzes (2507 m.) im Vordergrund - von links nach rechts]

[Bild: Gran Lagazuoi Sud (2835 m.) - Südliche Fanisspitze (2980 m.) und Mittlere Fanisspitze (2989 m.) mit Forcella di Lagazuoi (2573 m.) rechts unten - von rechts nach links]

[Bild: Blick vom Ausstieg der Via Ferrata Galleria Lagazuoi zur Gipfelstation der Seilbahn vom Passo di Falzàrego]

[Bild: Eine Gruppe italienischer Soldaten auf dem Weg zur Galleria Lagazuoi. Links im Hintergrund die Cinque Torri]

[Bild: Unterhalb steiler Felswände geht es auf einem gerölligen Pfad quer in Richtung Bergstation und zum nahen Rifugio Lagazuoi]

[Bild: Rifugio Lagazuoi 2752 m.]

Das Rifugio Lagazuoi (2752 m.) ist eine private Berghütte im Gipfelbereich des Piccolo Lagazuoi (2778 m.) – Die Hütte wurde im Jahr 1965 erbaut, ist in der Regel von Mitte Dezember bis Ostern bzw. von Mitte Juni bis Anfang/Mitte Oktober geöffnet und verfügt über 18 Betten- sowie 56 Lagerschlafplätze. Erreicht werden kann die Hütte vom Rifugio Giussani (2,5h) – vom Rifugio Pomedes (2,5h) – vom Rifugio Fanes (5-6h) – vom Rifugio Scotoni (2h) – vom Passo di Valparola (2,5h) – vom Rifugio Nuvolau (3,5-4h) oder vom Passo di Falzàrego her (entweder in 1,5h zu Fuß oder per Seilbahn). Mögliche Tourenoptionen im Umkreis sind die Via Ferrata Tomaselli auf die Südliche Fanisspitze, die Via Ferrata Giovanni Lipella auf die Tofana di Rozes, die zahlreichen Hüttenübergänge (Dolomiten Höhenweg Nr. 1) sowie die Kletterrouten im Bereich des Hexensteins. Das Rifugio Lagazuoi – im Herzen der Dolomiten gelegen – bietet bei gutem Wetter eine grandiose Aussicht auf zahlreiche große Berge – wie die Marmolada, den Monte Pelmo, die Civetta oder die Tofane. Das neueste Highlight der Hütte ist jedoch eine finnische Sauna mit Blick in die Dolomiten! – Preis (Bademantel und Dusche inbegriffen): 15 Euro pro Person.

[Bild: Von der Hütte geht es auf breitem Wanderweg - zuletzt über einen kurzen Geröllhang - in wenigen Minuten zum Gipfel des Piccolo Lagazuoi 2778 m.]

[Bild: Gran Lagazuoi Sud (2835 m.) vom Piccolo Lagazuoi (2778 m.) - Im Hintergrund die Tofane]

[Bild: Mittlere Fanisspitze (2989 m.) und Südliche Fanisspitze (2980 m. - Endpunkt der Via Ferrata Tomaselli) - von links]

[Bild: Piz Cunturines (3064 m.) von Süden]

[Bild: Auf dem Gipfel des Piccolo Lagazuoi 2778 m.]

[Bild: Vom Gipfel des Piccolo Lagazuoi geht es zunächst zurück zum Rifugio und anschließend auf gerölligem Steig über weite Schuttflanken in Richtung Forcella di Lagazuoi]

[Bild: Durch die gewaltige Westwand der Tofana di Rozes (3225 m.) führt die Via Ferrata Giovanni Lipella - einer der großen Klettersteige der Dolomiten. Im Hintergrund Tofana di Dentro (3238 m.) und Tofana di Mezzo (3244 m.) - von links nach rechts]

[Bild: Von der Forcella Travenanzes (östlich der Forcella di Lagazuoi) geht es schließlich auf breitem Bergsteig über begrünte Geröll- und Schrofenhänge abwärts in Richtung Passo di Falzàrego]

[Bild: Blick vom Passo di Falzàrego (2105 m.) zurück zum Piccolo Lagazuoi (2778 m.) - Es kündigt sich ein heftiges Dolomiten-Gewitter an!]

Insgesamt eine nette, kurzweilige (3-3,5h) Bergtour, bei der der geschichtliche Aspekt klar im Vordergrund steht und man sich das Grauen des Gebirgskrieges (1. Weltkrieg) in den Dolomiten (wenn auch nur im Ansatz!) ausmalen kann. Der Piccolo Lagazuoi (2778 m.) bietet indes eine tolle Aussicht auf weite Teile der Dolomiten (Tofane!) und stellt - trotz der zahlreichen Seilbahntouristen - ein durchaus lohnendes Gipfelziel dar. Ein schöner Auftakt für größere Touren!

[Bild: Gipfel des Piccolo Lagazuoi (2778 m.) - In der Mitte der Gran Lagazuoi Sud (2835 m.) - links die Südliche Fanisspitze (2980 m.) - im Hintergrund die Tofane]

 

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