2015 – Guagua Pichincha (4794 m.)  +  Padre Encantado (4580 m.) - Pichincha-Traverse („Ruta Integral“)

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   PD  oder  WS   (T5+  oder  W5+)

Charakter:  Anspruchsvolle Anden-Bergtour mit Kletterei am Gipfelaufbau des Guagua Pichincha (jeweils eine kurze, wenig ausgesetzte Kletterstelle II+ und II, sonst I und felsiges Gehgelände), einigen schroffen, steilen Sandflanken sowie (teilweise undeutlichen) Höhenwegen über páramobewachsene Bergkämme in eindrucksvoller, andiner Hochgebirgslandschaft. Vom Refugio Pichincha (4560 m.) nördlich von Lloa auf breitem Trampelpfad zunächst schräg nach Westen aufwärts, bis man den Kraterrand des Pichincha-Vulkans erreicht (eindrucksvoller Tiefblick!) – Anschließend auf dem breiten Kraterrand über sandigen Schotter zum Gipfelaufbau. In einem Gemisch aus Sand und Felsen rasch aufwärts zum Vorgipfel und in Form eines kurzen Zwischenabstiegs (eine kurze Stelle II) in leichter Kletterei auf den Verbindungsgrat zum Hauptgipfel. Über den Grat unschwierig nach Norden zum felsigen Hauptgipfel und in Kletterei (ein kaminartiger Spalt II+, sonst I) zum höchsten Punkt (4794 m.) des gesamten Pichincha-Massivs. Wieder auf dem Verbindungsgrat zwischen Vor- und Hauptgipfel über steile Sandhänge schräg nach Osten hinab und auf teilweise undeutlichem Pfad links um die Felsen des Vorgipfels herum. In ca. 4340mH erreicht man einen Sattel („Ninaurcu“ – hierher auch direkt vom Refugio Pichincha) und wendet sich nach links (Nordosten). In landschaftlich wunderschöner Anden-Höhenwanderung über einen gras- und páramobewachsenen Bergkamm in nordöstliche Richtung auf den markanten Padre Encantado (4580 m. – auch als „Cerro de Plazuela“ bezeichnet) zuhalten. Noch vor Erreichen des Berges den teilweise undeutlichen Pfadspuren nach links folgen (bei Nebel schwierige Orientierung!) und quer durch die NNW-Flanke des Padre hindurch in einen weiteren Sattel (Anmerkung: Man kann in dem Bereich, wo sich der Weg nach links in die NNW-Flanke wendet, weglos ohne große Schwierigkeiten geradeaus über steile, erdig-rutschige Grasflanken den Vorgipfel des Padre erreichen und anschließend über einen Blockgrat sowie sanft geneigte Grashänge zum höchsten Punkt 4580 m. gelangen). Vom dem zweiten Sattel geht es (leicht abfallend) quer durch die Südostflanke des nördlich gelegenen Cerro Ladrillos (4561 m.) hindurch. Auf etwa 4400mH wird der Weg schließlich wieder deutlicher und führt konsequent in östliche Richtung über einen felsigen Bergkamm auf die Westflanke des Rucu Pichincha zu. Über einen steilen, von Felsen durchsetzten Sandhang geht es schließlich schräg nach rechts bergauf gen Rucu. Man erreicht in felsigem Gelände schließlich eine kleine Scharte im NNW-Grat des Berges (Abstecher zum Gipfel I-II). Von der Scharte auf der anderen Seite über sandige Hänge abwärts und im Folgenden im Auf und Ab – zahlreiche felsig-sandige Rinnen querend – nach Südosten um den Berg herum. Nachdem man den felsigen Gipfelaufbau des Rucu verlassen hat, leitet der Weg über einen breiten, mit Páramo bewachsenen Bergkamm konsequent in südöstliche Richtung abwärts zum Cruz Loma (3944 m.) bei der Bergstation TelefériQo. Lohnende, landschaftlich eindrucksvolle Anden-Höhenroute, bei der man in unmittelbarer Nähe zur ecuadorianischen Groß- und Hauptstadt Quito die beiden 4000er Rucu und Guagua Pichincha elegant miteinander verbinden kann. Trotz der vergleichsweise moderaten technischen Anforderungen ein echtes, andines Hochgebirgsabenteuer!

Gefahren:  Die Unberechenbarkeit des ecuadorianischen Andenwetters stellt einen der größten Risikofaktoren bei dieser Tour dar! Regen und Schneefall, Hagel und Nebel, Stürme und Gewitter (und das alles manchmal an einem einzigen Tag!) – man sollte (in Bezug auf Bergerfahrung, Ausrüstung und Kleidung) auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und sich ggf. einen Bergführer (bzw. einen erfahrenen Begleiter) in Quito suchen! Die reinen technischen Anforderungen sind zwar grundsätzlich moderat, die große Höhe sowie die bereits erwähnten wettertechnischen Herausforderungen können die beschriebenen Schwierigkeiten jedoch deutlich (!) erhöhen, wenn man nicht gerade Glück hat und einen sonnig-wolkigen (oder gar wolkenlosen) Tag erwischt. Im Vergleich zu den Alpen sind insgesamt erhöhte Anforderungen an den Bergsteiger gestellt – eine gute Fitness und körperliche Verfassung, ausreichende Akklimatisation sowie eine solide Hochgebirgserfahrung sind notwendig. Man sollte sich zudem bewusst sein, dass man sich in unmittelbarer geographischer Nähe zur Millionenmetropole Quito mit all ihren sozialen Problemen befindet – Überfalle im Bereich des Rucu Pichincha sind daher prinzipiell möglich (wenn auch relativ selten), man sollte also keine Wertgegenstände sowie nur geringe Summen Bargeld (nicht mehr als 30-40 USD) mit sich führen und bei einem entsprechenden Überfall unter gar keinen Umständen Widerstand leisten! Es muss in jedem Fall dringend davon abgeraten werden, die Tour alleine zu unternehmen! Ein Abstieg in den Krater des Pichincha ist aufgrund der relativen Aktivität des Vulkans verboten (am besten vor Ort aktuelle Informationen zur Aktivität einholen!) – Im Falle eines Unfalls kann es (je nach Wetter) sehr lange dauern, bis (einfachste) Hilfe eintrifft – die ecuadorianische Bergrettung ist nicht ansatzweise mit den Rettungskräften im Alpenraum zu vergleichen. Insgesamt sollte man sich bei dieser Tour (wie fast generell in den ecuadorianischen Anden) darüber im Klaren sein, dass das Ganze ein Stück weit auch ein Abenteuer ist und man sich in jedem Fall akribisch vorbereiten und selbstkritisch sowie reflektiert beurteilen sollte!


19. April 2015

Ein-Tages-Tour von Quito in die Cordillera Occidental der ecuadorianischen Anden mit Besteigung des Guagua Pichincha (4794 m.) über den Normalweg vom Refugio Pichincha her. Im Anschluss Übergang bzw. Traverse zum Rucu Pichincha („Ruta Integral“) mit Besteigung des Padre Encantado (4685 m.) sowie Abstieg zum Cruz Loma (TelefériQo).

Teil des Ecuador Blog 2015

Privat organisierte Tour (5)

[Bild: Unterwegs auf dem Übergang vom Guagua Pichincha zum Rucu Pichincha (rechts) in der Cordillera Occidental in Ecuador]

Refugio Pichincha (Defensa Civil)  -  Guagua Pichincha  -  Ninaurcu-Sattel (Punkt 4340 m.)  -  Padre Encantado  -  Cerro Ladrillos Südostflanke  -  Rucu Pichincha Westflanke  -  Rucu Pichincha (Lücke im NNW-Grat)  -  Cruz Loma (TelefériQo)

Der Guagua Pichincha (4794 m. – anderen Angaben zufolge 4776 m.) bildet zusammen mit dem Rucu Pichincha (4698 m.) ein eindrucksvolles Gipfelpaar westlich oberhalb der ecuadorianischen Millionenmetropole und Hauptstadt Quito. Der Guagua (gut 4km westlich des Rucu gelegen) zeigt sich dabei jedoch deutlich weniger markant – fast schon unscheinbar. Es handelt sich bei diesem Berg um den höchsten Punkt eines gewaltigen aktiven Vulkans – der Krater ist mit etwa 2km Durchmesser und 600-700m Tiefe gewaltig! In den vergangenen Jahrhunderten hat es zahlreiche, zum Teil verheerende Ausbrüche gegeben – seit 1998/1999 ist der Vulkan wieder unregelmäßig aktiv und ein Abstieg in den Krater häufig verboten. Die Quiteños (Bewohner Quitos) haben jedoch mit der Präsenz des Guagua Pichincha zu leben gelernt – und so wird der Berg heutzutage regelmäßig von einheimischen Andinisten und europäisch-amerikanischen Touristen bestiegen. Neben dem langen und einsamen Aufstieg von der Cima de la Libertad (6-7h) sowie dem Höhenweg zum bzw. vom Rucu Pichincha („Ruta Integral“ – Pichincha-Traverse) wird der Gipfel vor allem vom Refugio Pichincha (4560 m.) her über den Normalweg (1h, kurze Stellen II+ und II, sonst Gehgelände) erreicht, da die Hütte mit Allradantrieb erreicht werden kann. Der Guagua Pichincha weist (wie fast alle Berge der ecuadorianischen Anden) ein relativ unberechenbares Wetter auf. Der bereits 1582 erstbestiegene Berg wird zudem oftmals dazu benutzt, um sich für die Berge Cotopaxi, Cayambe, Antisana und Chimborazo zu akklimatisieren.

[Bild: Hauptgipfel des Guagua Pichincha 4794 m. vom Vorgipfel aus gesehen]

Nach einer langen, holprigen und logistisch etwas kniffligeren Anfahrt von Quito über Tarqui und Lloa (3060 m.) erreichen wir am frühen Vormittag schließlich das Refugio Pichincha (4560 m.) – eine andine Schutzhütte der Defensa Civil, welche südlich unterhalb des Guagua Pichincha steht und mit Wasser und Gas sowie einfachen Schlafgelegenheiten (Schlafsäcke und -matten müssen selbst mitgebracht werden) ausgestattet ist. Wie schon 2013 gilt es nun zunächst einmal (als Warm-Up), den Kraterrand des Vulkans zu erreichen.

[Bild: Blick vom Refugio Pichincha 4560 m. zum Vorgipfel des Guagua Pichincha]

[Bild: Von der Hütte führt ein breiter Weg quer nach Westen bergauf zum Rand des Vulkankraters]

[Bild: Blick zurück zum Refugio Pichincha]

[Bild: Blick vom Kraterrand des Vulkans zum Vorgipfel des Guagua Pichincha]

[Bild: Auf dem Kraterrand des Guagua Pichincha mit Blick in den Vulkankrater]

[Bild: Auf dem Weg zum Vorgipfel des Guagua Pichincha]

[Bild: Aufstieg zum Vorgipfel]

[Bild: Auf dem Vorgipfel des Guagua Pichincha. Im Hintergrund der Hauptgipfel 4974 m.]

[Bild: Beim Abstieg vom Vorgipfel auf den Verbindungsgrat zum Hauptgipfel muss eine kurze Kletterstelle (II) bewältigt werden]

[Bild: Der Weiterweg zum Hauptgipfel des Guagua führt über sandig-felsige Hänge schräg aufwärts zum Verbindungsgrat]

[Bild: Vor dem Gipfelaufbau des Guagua Pichincha - die Route führt über den kaminartigen Spalt in der Bildmitte (kurze, nicht ausgesetzte Passage II+) in wenigen Minuten bergauf zum höchsten Punkt]

[Bild: Zum zweiten Mal nach 2013 auf dem Gipfel des Guagua Pichincha 4794 m.]

[Bild: Der Abstieg vom Verbindungsgrat zwischen Vor- und Hauptgipfel des Guagua Pichincha führt schräg nach rechts über steile Sandflanken in südöstliche Richtung]

[Bild: Abstieg vom Guagua Pichincha - diese Route ist im Aufstieg nicht zu empfehlen!]

[Bild: Auf dem Weg zum Ninaurcu-Sattel 4340 m. - Nur nicht den Pfad verlieren!]

[Bild: Unterwegs vom Guagua Pichincha zum Padre Encantado - Der Weg führt über einen páramobewachsenen Bergkamm (Höhe ca. 4400m) im Auf und Ab in östliche Richtung]

[Bild: Auf dem Übergang vom Guagua Pichincha zum Rucu Pichincha]

[Bild: Die Kombination aus dichtem Nebel, undeutlichem Pfad und Unkonzentriertheit führt wenig später dazu, dass wir uns zeitweise versteigen und ausversehen den Padre Encantado besteigen...]

[Bild: Padre Encantado 4580 m. - Cerro Ladrillos 4561 m. und Rucu Pichincha 4698 m. (Gipfel in Wolken)  -  von links nach rechts vom Gipfelgrat des Padre]

[Bild: Unterwegs auf dem Gipfelgrat des Padre Encantado zum höchsten Punkt]

[Bild: Zwischen Padre Encantado und Cerro Ladrillos mit Blick zum wolkenverhangenen Rucu Pichincha 4698 m. - Deutlich ist links der weitere Weg zu erkennen]

[Bild: Auf dem Weg zur Westflanke des Rucu Pichincha]

[Bild: Blick zurück zum Padre Encantado 4580 m.]

[Bild: Rückblick beim Aufstieg über die Rucu Pichincha Westflanke zum Padre Encantado 4580 m. (links) und zum Cerro Ladrillos 4561 m.]

[Bild: Rucu Pichincha Westflanke]

[Bild: Padre Encantado 4580 m. - Guagua Pichincha (Vorgipfel) und Cerro Ladrillos 4561 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Aufstieg über die Westflanke zur markanten Lücke im NNW-Grat des Rucu Pichincha]

[Bild: Abstieg von der Lücke im NNW-Grat auf der anderen Seite über den Normalweg des Rucu Pichincha nach Südosten]

[Bild: Zahlreiche sandige Rinnen und Grasflanken querend, geht es leicht abfallend in südöstliche Richtung dahin]

[Bild: Blick zurück zum Rucu Pichincha - Das Schwierigste liegt hinter uns!]

[Bild: Auf dem Weg zum Cruz Loma bei der Bergstation TelefériQo]

[Bild: Beim TelefériQo - Wir haben es geschafft! Im Hintergrund die ecuadorianische Hauptstadt Quito]

Die einzige echte, andine Bergtour während meines Praktischen Auslandssemester von März bis September 2015 in Ecuador (die Erfahrungen dieser Zeit sind in meinem Ecuador Blog nachzulesen) war ein echtes, nicht ganz pannenfreies, aber letztlich glücklich verlaufenes Abenteuer! Die Tour wird mir (auf verschiedenste Art und Weise) für immer in Erinnerung bleiben. Bei wenigen Touren habe ich mich so lebendig gefühlt, wie hier (an dieser Stelle sei explizit auf den entsprechenden Blog-Eintrag vom 19. April 2015 hingewiesen!) - Das hat zwar in erster Linie an dem...nun ja...sagen wir „abwechslungsreichen“ Wetter gelegen...Aber manchmal braucht man einfach diese Tage, nach deren Ende man nur noch dreckig, ausgelaugt und durchnässt (aber glücklich) ist...

[Bild: Blick beim Aufstieg über die steile Rucu Pichincha Westflanke zum Vulkan Guagua Pichincha 4794 m. mit den Gipfeln (El) Padre Encantado 4580 m. (links) und Cerro Ladrillos 4561 m. davor]

 

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