Walliser Alpen 2012 – Breithorn (4164 m.)  +  Castor (4223 m.)  +  Liskamm Westgipfel (4479 m.)  +  Schneedomspitze (4272 m.)  +  Vincent-Pyramide (4215 m.)  +  Balmenhorn (4167 m.)  +  Ludwigshöhe (4341 m.)

stefanmitterer.de

„Vom Breithorn zum Monte Rosa“ – Walliser 4000er (by fair means)

11. August  -  15. August 2012

[Bild: Breithorn 4164 m.  -  gesehen von der Gandegghütte 3030 m.  -  links im Hintergrund Monte Rosa und Liskamm]

Fünf-Tages-Tour in die Walliser Alpen. Aufstieg von Zermatt zur Gandegghütte. Am nächsten Tag Besteigung des Breithorn Westgipfels (by fair means) mit anschließendem Abstieg zum Rifugio Guide della Val D`Ayas. Am darauffolgenden Tag Besteigung und Überschreitung des Castors sowie Besteigung des Liskamm Westgipfels mit anschließendem Abstieg zum Rifugio Quintino Sella. Am nächsten Tag Besteigung und Überschreitung der Schneedomspitze, Querung des Ghiacciaio del Lis orientale und Besteigung der Vincent-Pyramide mit anschließendem Abstieg zur Capanna Gnifetti. Am darauffolgenden Tag Besteigung des Balmenhorns und der Ludwigshöhe mit anschließendem Abstieg über den Grenzgletscher zur Monte-Rosa-Hütte. Von dort über Grenz – und Gornergletscher zur Station Rotenboden des Gornergrates mit anschließender Fahrt nach Zermatt.

Walliser Alpen 2012 - Gesamtübersicht

organisiert von Oliver Fuhrmann und durchgeführt im Rahmen einer „DAV-Sektion Trostberg – Hochtourengruppe-Tour“  (8 Teilnehmer)

[Bild: Breithorn 4164 m.  -  gesehen von Südwesten]

1. Tag        Zermatt  -  Seilbahnstation Furi  -  Hermetje  -  Furggbach  -  Furgg Garten  -  Uf der Mur  -  Gandegghütte

Schon lange hatte ich davon geträumt, eine Hochtour in den Westalpen zu unternehmen. Der Gedanke, einen (oder sogar mehrere) 4000er zu besteigen, ließ mich im Vorfeld des Sommers 2012 nicht mehr los – ich wollte endlich vorstoßen in das Reich der dünnen  Luft und des ewigen Eises. Zunehmend wuchs in mir die Faszination für diese höchsten Berge der Alpen. Speziell das weltberühmte Bergdorf Zermatt – mit seinem fast schon legendären Ruf – und die es umgebenden Walliser Alpen hatten es mir besonders angetan. Viel gelesen hatte ich jedenfalls schon – über alpine Schutzhütten, die da liegen, wo in den Ostalpen die Berge aufhören – über Gipfel, 1000 Meter höher als alles was ich vorher gekannt hatte – und über Dimensionen, wie man sie sich nicht vorstellen kann - man muss es erlebt haben. Die nötigen Fähigkeiten glaubte ich mir in den vergangenen Hochtouren erworben zu haben und so intensivierte ich meine Bemühungen – ich war entschlossen, an einer Westalpen-4000er-Hochtour teilzunehmen. Da ich jedoch niemanden persönlich kannte, der eine solche Tour in diesem Sommer zu unternehmen bereit war bzw. weil auch meine eigene AV-Sektion (in diesem Jahr) nichts dergleichen anzubieten hatte, beschloss ich mich bei anderen Sektionen umzuschauen. Leider handelte ich mir viele Absagen und nebulös-misstrauische Hinhalte-Antworten ein. Ich hatte den Traum von den Westalpen schon fast aufgegeben, als ich von der Hochtourengruppe der Alpenvereinssektion Trostberg schließlich doch noch eine Zusage erhielt. Sie wollten mich mitnehmen auf ihre Tour in die Walliser Alpen – bei einem gemeinschaftlichen Treffen lernten wir uns kennen und besprachen die Details für die kommende Hochtour, bei der so Optionen wie das Breithorn, Castor und Pollux sowie sämtliche Gipfel des Monte-Rosa-Massivs diskutiert wurden. Einige Zeit später erfolgte schließlich die Anreise nach Zermatt. Über die Inntal Autobahn, Lichtenstein, den Oberalppass, den Furkapass (grandioser Ausblick Richtung Dom, Nadelgrat und Weisshorn!) und das Rhonetal fahren wir ins Mattertal und weiter nach Täsch. Wir parken den Sektionsbus und werden anschließenden per Taxi nach Zermatt gefahren, da es für private PKW gesperrt ist. Vor dem Bahnhof in Zermatt angekommen, machen wir uns schließlich auf den Weg Richtung Gandegghütte.

[Bild: Im weltberühmten Bergdorf Zermatt]

Während unserem Spaziergang durch Zermatt (während dem wir u.a. auch Geld wechseln) wird mir schnell klar, warum es– neben Chamonix – wohl das berühmteste Bergdorf der Alpen ist. Die Gassen platzen nur so vor Touristen aus aller Herren Länder. Alle sind sie gekommen wegen einem Berg – dem Matterhorn (4478 m.)  -  Gornergrat, Riffelsee und Klein Matterhorn heißen die Top-Ziele im Umkreis. Unser heutiges Ziel – die Gandegghütte – wäre grundsätzlich auch per Seilbahn schnell und problemlos erreichbar, immerhin liegt die Station „Trockener Steg“ nur wenige Minuten entfernt. Wir bevorzugen jedoch den langen Anstieg von Zermatt aus (hauptsächlich aufgrund der Akklimatisation)  -  Wir folgen der Hauptstraße etwa 15 Minuten durch Zermatt taleinwärts bis zum Ortsteil Winkelmatten.

[Bild: Etwas oberhalb von Zermatt beginnen wir den Aufstieg zur Gandegghütte  -  im Hintergrund das Matterhorn 4478 m.]

Auf einem breiten Weg geht es rechts der Seilbahn (zur Station Furi) sanft bergauf zur Einmündung des Zmuttbaches. Ihm folgen wir etwa einen halben Kilometer, bis es über eine Brücke zum Ortsteil Am See (1766 m.) geht.

[Bild: Traditionelle Holzhäuser oberhalb von Zermatt  -  im Hintergrund Dom 4545 m. und Täschhorn 4491 m.]

Bei einer Wegeteilung steigen wir durch einen kleinen Bergwald bergauf zur Station Furi (1867 m.)  -  von wo aus die Seilbahnen zum Schwarzsee, aber auch zur Station Trockener Steg und weiter aufs Klein Matterhorn fahren. Durch die obersten Zermatter Ortsteile Bielti (1972 m.) und Hermetje (2053) – westlich der Station Furi – geht es weiter in Richtung Süden.

[Bild: Blick zum Liskamm Westgipfel 4479 m.]

Auf einer breiten Geröllstraße steigen wir mühsam bergauf, wobei teilweise Zäune, seltsame Stahlkonstruktionen und Schneekanonen den Weg säumen – offensichtlich wird dieser Wegabschnitt im Winter fürs Skifahren genutzt.

[Bild: Aufstieg über eine schottrige Geröllstraße - im Winter wohl eine Skipiste]

Relativ mühsam und unästhetisch geht es so ein gutes Stück aufwärts, wobei mit jedem gewonnenen Höhenmeter die Aussicht Richtung Dom (4545 m.) – Täschhorn (4491 m.) und Rimpfischhorn (4199 m.) immer besser wird.

[Bild: Blick zurück nach Zermatt  -  im Hintergrund Dom 4545 m. - Täschhorn 4491 m. und Alphubel 4206 m.  -  rechts das Rimpfischhorn 4199 m.]

Nach einiger Zeit verlassen wir die Schotterpiste und folgen einem Pfad über grasbewachsene Hänge bergauf.

[Bild: Aufstieg über grasbewachsene Hänge in Richtung Gandegghütte  -  mittlerweile in totaler Einsamkeit]

[Bild: Blick in Richtung Riffelhorn 2928 m. - Monte Rosa und Liskamm]

Schließlich queren wir eine grasbewachsene Flanke und erreichen das Tal des Furggbaches. Das grandiose Matterhorn (4478 m.) direkt vor Augen, folgen wir dem Weg an grasbewachsenen Flanken – oberhalb des Furggbaches – ein Stück in Richtung der Seilbahnstation Furgg, welche jedoch rechts (westlich) bleibt.

[Bild: Das Matterhorn 4478 m.  -  der berühmteste und begehrteste Berg der Alpen]

[Bild: Blick zum eleganten Zinalrothorn 4221 m.  -  die leichteste Route verlangt anspruchsvolle Kletterei (Schwierigkeit III bis III+) und reichlich alpine Erfahrung]

[Bild: Allalinhorn 4027 m. - Rimpfischhorn 4199 m. und Strahlhorn 4190 m.]

[Bild: Nadelgrat, Dom 4545 m. und Täschhorn 4491 m.]

Nach kurzer Zeit wendet sich der Weg wieder nach Süden.

[Bild: Der Monte Rosa, das mächtigste und zweithöchste Gebirgsmassiv der Alpen, mit Monte Rosa-Gletscher (Mitte), Grenzgletscher (rechts) und Gornergletscher (unten)  -  Nordend 4609 m. - Dufourspitze 4634 m. - Zumsteinspitze 4563 m. - Signalkuppe 4559 m. - Parrotspitze 4432 m. und Ludwigshöhe 4341 m.  -  von links nach rechts]

Wir folgen ihm über die grasbewachsenen Flächen des Furgg Gartens und haben dabei stets unser morgiges Ziel – das Breithorn (4164 m.) im Blickfeld.

[Bild: Über die weiten Grasflächen des Furgg Gartens leitet der Weg direkt auf das Breithorn zu  -  links der Liskamm]

Immer wieder können wir auch eine der rot-weißen Gondeln der Seilbahn erkennen – auf ihrem Weg zur Station Trockener Steg.

[Bild: Das Breithorn-Massiv in all seiner Wucht  -  unten einer der Gondeln auf dem Weg zur Station Trockener Steg]

Mit zunehmender Zeit wird das Gelände immer schroffer und felsiger.

[Bild: Das Breithorn immer im Blickfeld, folgen wir dem stets einfach begehbaren Weg in Richtung Gandegghütte]

Das Gras tritt immer mehr zurück und schließlich erreichen wir die Gegend „Uf der Mur“.

[Bild: Großartiges Wallis!  -  Blick in Richtung Nadelgrat, Dom, Täschhorn, Alphubel. Allalinhorn, Rimpfischhorn und Strahlhorn]

Dieses aus geneigten Felsplatten, Blockwerk, Schutt und Geröll bestehende Gebiet nördlich der Station Trockener Steg lässt sich problemlos durchwandern – ein gut markierter und einfach begehbarer Steig leitet bergauf, umgeht jedoch die Seilbahnstation.

[Bild: Auf einem blockreichen und plattigen Weg geht es an der Station Trockener Steg vorbei]

In einem großen Bogen geht es – westlich der „Lichenbretter“ – auf einem blockreichen und gerölligen Steig um den Trockenen Steg herum. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Hütte. Wir folgen dem Weg über weite Schutt – und Blockwerkflächen in Richtung einer markanten Felswand.

[Bild: Matterhorn 4478 m. und die Station Trockener Steg  -  im Hintergrund Dent Blanche 4357 m. und Ober Gabelhorn 4063 m.]

Unterhalb dieser leitet der Weg nach links. Durch ein mit Platten und Blockwerk gefülltes Tälchen steigen wir sanft bergauf bis zu einem ziemlich harten Altschneefeld.

[Bild: Über Blockwerk, Platten und Geröll steigen wir weiter bergauf Richtung Gandegghütte]

Oberhalb erreichen wir schließlich nach etwas mehr als 4 Stunden unser Tagesziel.

[Bild: Auf den letzten Metern zur Gandegghütte 3030 m.  -  im Hintergrund das Klein Matterhorn 3883 m.]

Die Gandegghütte (3030 m.) ist eine private Berghütte – gelegen auf einem Felsgrat zwischen Oberem Theodulgletscher (Westen) und Unterem Theodulgletscher (Osten). Sie wurde 1885 erbaut, wobei sie am Anfang lediglich als Nahrungslager und primitive Notfallstation fungierte. 1964 wurde die erste Hütte durch einen Neubau ersetzt. Heutzutage verfügt die Gandegghütte über 45 Schlafplätze. Bewirtschaftet wird sie während der Sommerzeit, jedoch ist sie auch (auf Voranmeldung) ab März bis Ende April geöffnet. Der übliche Zustieg zur Hütte erfolgt von der Station Trockener Steg in weniger als einer halben Stunde. Erreicht werden kann die Gandegghütte auch auf Wanderwegen von den Stationen Furi und Rotenboden in etwa 3 Stunden. Die Übergänge zur Monte-Rosa-Hütte (5 Stunden) und zum Rifugio del Teodulo (1-1,5 Stunden) erfolgen über Gletscher und stellen dementsprechend höhere Anforderungen. Der Übergang zur Hörnlihütte (4 Stunden) ist dagegen auch für Bergwanderer geeignet. Die Gandegghütte ist Ausgangspunkt für eine Reihe teils anspruchsvoller Hochtouren. Die beliebteste Tour ist sicher die Besteigung des Breithorns. In der Regel wird in der Gandegghütte – zwecks Akklimatisation – übernachtet und am nächsten Morgen mit der Seilbahn (von der Station Trockener Steg) das Klein Matterhorn anvisiert, von wo aus das Breithorn mittlerweile fast ausschließlich angegangen wird. Die klassische Route über den Oberen Theodulgletscher und das Plateau Rosa ist – aufgrund der Tatsache, dass sie teilweise durch Gletscherskigebiet führt – in Vergessenheit geraten. Weitere anspruchsvolle Hochtouren im Umkreis sind der Triftjigrat am Breithorn (AD, Fels bis III und II, kombiniert, Eis bis 55° Grad, 1150 Höhenmeter, 8 Stunden, großer-klassischer Grat) und der Younggrat am Westlichen Breihornzwilling (D, Fels bis IV, 1250 Höhenmeter, 9-10 Stunden, deutlich schwieriger als der Triftjigrat)  -  Die Aussicht von der Gandegghütte Richtung Breithorn, Liskamm, Monte Rosa, Strahlhorn, Rimpfischhorn, Alphubel, Täschhorn, Dom, Nadelgrat, Weisshorn, Zinalrothorn, Obergabelhorn, Dent Blanche und Matterhorn ist atemberaubend – ebenso wie der Blick über die Weiten des zerrissenen Unteren Theodulgletschers.

[Bild: Nadelgrat, Dom 4545 m. - Täschhorn 4491 m. - Alphubel 4206 m. - Allalinhorn 4027 m. - Rimpfischhorn 4199 m. - Strahlhorn 4190 m. und Gornergletscher  -  von links nach rechts]

[Bild: Blick in Richtung Dent Blanche 4357 m. - Ober Gabelhorn 4063 m. - Zinalrothorn 4221 m. und Weisshorn 4505 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Breithorn 4164 m. über dem Unteren Theodulgletscher  -  links im Hintergrund Monte Rosa und Liskamm]

[Bild: Blick zum Matterhorn 4478 m.  -  die Seilbahn von der Station Trockener Steg zum Klein Matterhorn ist nicht zu übersehen]

[Bild: Über dem zerrissenen Unteren Theodulgletscher ragen das Breithorn 4164 m. und das Klein Matterhorn 3883 m. in den Himmel]

Da wir am Nachmittag von Zermatt aus losgegangen sind und die Hütte dementsprechend erst am frühen Abend erreicht haben, gibt es unmittelbar nach unserer Ankunft Abendessen. Als ich sehr bald erfahre, dass ich für die Halbpension und ein kleines Getränk über 80 Schweizer Franken bezahlen muss, haut es mich fast aus den schweren Bergschuhen. Aber gut, es ist die Schweiz – dazu eine private Berghütte und dann auch noch oberhalb von Zermatt, kann ich mich da beschweren?  – „Well, that´s Switzerland“

Für den hohen Preis entschädigt dann auch die absolut grandiose Aussicht auf die umliegenden 4000er, von denen besonders das nahe Breithorn (4164 m.) über dem spaltenreichen Unteren Theodulgletscher und das wuchtige Monte-Rosa-Massiv (4634 m.) beeindrucken. Nach dem Abendessen gehen wir dann auch relativ früh schlafen, denn nach der langen Anreise und dem knapp 4,5 stündigen Aufstieg sind wir alle ziemlich geschafft. Ich bin gespannt, wie der morgige Tag werden wird und ob wir – wie angekündigt – schönes Wetter haben werden. Ausgerechnet das Breithorn (4164 m.) soll mein erster 4000er werden – nun denn, ich kann es kaum erwarten.

[Bild: Am Abend bei der Gandegghütte  -  Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn - von links nach rechts]

2. Tag        Gandegghütte  -  Oberer Theodulgletscher  -  Plateau Rosa  -  Breithornplateau  -  Breithornpass  -  Breithorn Westgipfel  -  Grande Ghiacciaio di Verra  -  Rifugio Guide della Val D`Ayas

Schwierigkeit:   Breithorn:  F+  oder  L+

Charakter:  Lange, aber technisch unschwierige Gletschertour mit Firnhängen bis zu 35° Grad (im extremsten Fall 40° Grad) Steilheit und äußerst geringer Spaltengefahr. Das Breithorn gehört – neben dem Allalinhorn – zu den am häufigsten bestiegenen – vor allem jedoch am einfachsten zu besteigenden 4000ern der Alpen. Aufstieg von der Gandegghütte über den meisten aperen und – auf der „richtigen“ Route – praktisch spaltenfreien Oberen Theodulgletscher technisch unschwierig, jedoch (im unteren Teil) landschaftlich absolut großartig – mit fantastischen Ausblicken Richtung Matterhorn und Monte Rosa. Im oberen Teil des Gletschers – in jedem Fall aber im Bereich des Plateau Rosa – führt der Weg an Skipisten – und Liften vorbei, was den Naturgenuss schon relativ stark beeinträchtigt. Ab dem Breithornplateau wieder alpines und unverstelltes Gelände – das weite, meist ebene Plateau ist in der Regel gespurt und praktisch spaltenfrei. Beim Aufstieg über die Südwestflanke und den obersten Teil des Westrückens wird dann aber sicheres Steigeisengehen im bis zu 40° Grad steilen Gelände vorausgesetzt – bei Blankeis heikel und eine Nummer schwieriger! Am Gipfelaufbau gelegentlich kleinere Querspalten, am Westrücken unter Umständen Wechten. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung notwendig – Steigeisen, Pickel und entsprechender Wind – bzw. Wetterschutz unbedingt zu empfehlen. Der Aufstieg zum Breithorn – ob nun von der Gandegghütte oder vom Klein Matterhorn – kann (bei vorhandener Spur und guten Verhältnissen auf den Gletschern bzw. Firnhängen) seilfrei durchgeführt werden. Auch wenn man am Breithorn – vor allem bei schönem Wetter – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht alleine unterwegs sein wird (auch gewissermaßen ein Sicherheitsaspekt)  -  so ist die Aussicht doch absolut grandios –Monte Rosa, Liskamm, Castor, Poebene, Gran Paradiso, Mont Blanc, Dent d’Hérens, Matterhorn, Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn, Weisshorn, Mischabelgruppe, Gornergletscher und – in der Tiefe – Zermatt sind dabei die Highlights!

Gefahren:  Das Breithorn gilt allgemein als einer der am einfachsten zu besteigenden 4000er der Alpen. Ungefährlich ist eine Besteigung aber keinesfalls – bei Nebel bzw. Whiteout kann die Orientierung auf den weiten, ebenen Flächen des Breithornplateaus durchaus schwierig bis unmöglich werden – vor allem bei verwehter Spur! Der Obere Theodulgletscher ist im Sommer meist aper – die wenigen (und meist vollkommen harmlosen) Spalten sind dann in der Regel ungefährlich, so dass ein seilfreier Aufstieg gut möglich ist. Der Weiterweg über das Breithornplateau bis an den Gipfelaufbau ist meistens gespurt und praktisch spaltenfrei. Beim Aufstieg über die Südwestflanke gelegentlich kleinere Querspalten, die aber grundsätzlich kaum Probleme bereiten. Bei Blankeis können die teilweise bis zu 40° Grad steilen Firnhänge des Gipfelaufbaus rasch heikel werden. Am obersten Westrücken nördlich Steilabbrüche und gelegentlich Wechten. Bei guten Firn – und Wetterverhältnissen kaum Risiken bzw. objektive Gefahren. Die Tour kann durchaus – von der Gandegghütte bis zum Gipfel – seilfrei durchgeführt werden. Nichtsdestotrotz sollte man auch einen vermeintlich einfachen Mode-4000er wie das Breithorn nicht unterschätzen! So etwas kann sich nämlich schnell bitter rächen.

Am nächsten Morgen machen wir uns – westalpentypisch – früh auf den Weg Richtung Oberer Theodulgletscher.

[Bild: Langsam weicht die Nacht dem Morgen - links unten die Lichter von Zermatt]

[Bild: Gandegghütte 3030 m. am Morgen]

Auf einem deutlichen Pfad geht es zunächst über Blockwerk und Geröll den Felskamm (auf dem die Gandegghütte liegt) in Richtung Südwesten. Nach kurzer Zeit betreten wir unterhalb des Punktes 3108 m. den aperen Gletscher.

[Bild: Übergang vom Fels auf den Gletscher - links hinten Zinalrothorn 4221 m. und Weisshorn 4505 m.]

Während wir den Aufstieg über den praktisch spaltenfreien und einfach begehbaren Gletscher – unmittelbar neben einem langen Skilift (welcher von der Station Trockener Steg bis zum Rifugio del Teodulo reicht!) – fortsetzten, erkenne ich beim Blick zum Matterhorn, wie sich ein lange Karawane von Stirnlampen-Trägern langsam den Hörnligrat hinaufschiebt – klar, bei so schönem Wetter wird auch „ds´Horu“ heute von vielen Alpinisten bestiegen werden. Eine der Hauptschwierigkeiten bei dieser langen und hochalpinen Tour ist die Wegfindung – uns fällt die Orientierung dagegen sehr leicht, es gilt einfach den Bereich zwischen Klein Matterhorn (3883 m.) und Theodulhorn (3469 m.) anzupeilen. Zwar ist der Gletscher bei weitem nicht spaltenfrei – da er aber ausgeapert ist, sind die Spalten problemlos zu erkennen und ich habe kein schlechtes Gefühl dabei, unangeseilt zu gehen.

[Bild: Auf dem Unteren Theodulgletscher  -  links das Klein Matterhorn 3883 m.]

Nach einiger Zeit – es dämmert bereits – machen wir eine kurze Pause, um den Sonnenaufgang in aller Ruhe zu genießen. Und als es schließlich hinter Strahlhorn und Rimpfischhorn langsam hell wird, beginnen die Schleierwolken über dem Monte Rosa in einem Rot zu glühen, das mir beinahe die Sprache verschlägt. Inmitten der grandiosen Hochgebirgswelt des Wallis erleben wir einen wirklich einmalig schönen Sonnenaufgang.

[Bild: Großartige Impressionen während des Sonnenaufgangs - Blick zum Monte Rosa und zum Gornergletscher]

[Bild: Grandioses Wallis!]

[Bild: Über Rimpfischhorn und Strahlhorn geht im Osten langsam die Sonne auf]

[Bild: Matterhorn 4478 m.  -  rechts der Hörnligrat - im Profil der Furggengrat]

Schließlich setzen wir den Aufstieg fort – mäßig ansteigend, geht es am Theodulhorn vorbei in südliche Richtung.

[Bild: Sonnenaufgang in den Walliser Alpen]

[Bild: Unser heutiges Ziel - das Breithorn 4164 m.]

[Bild: Aufstieg über den Unteren Theodulgletscher]

Parallel zum Skilift erreichen wir schließlich den Bereich östlich des Theodulpasses.

[Bild: Der Gletscher hat durchaus Spalten]

Der Gletscher ist zwar jetzt nicht mehr aper, dafür aber leitet eine planierte und breite Firnrampe unschwierig bergauf Richtung Plateau Rosa.

[Bild: Aufstieg zum Plateau Rosa - links das Klein Matterhorn 3883 m.]

[Bild: Matterhorn 4478 m.  -  im Hintergrund die Dent Blanche 4357 m.]

Das Wetter ist unterdessen etwas schlechter als noch am Morgen – Schleierwolken bedeckten große Teile des Himmels und ich hoffe, dass mir die fantastische Gipfelaussicht vom Breithorn am Ende nicht vorenthalten sein wird. Über die in diesem Teil geschlossene Firndecke des Oberen Theodulgletschers steigen wir bergauf zum Plateau Rosa.

[Bild: Klein Matterhorn 3883 m.]

Südöstlich der Testa Grigia geht es entlang der Skipisten (links davon) technisch unschwierig – aber teilweise etwas steil und vor allem unästhetisch – bergauf. Ich gebe zu – lohnend ist dieser Abschnitt nicht unbedingt, aber was tut man nicht alles dafür, um hinterher sagen zu können, dass man den Berg auf ehrliche Weise („by fair means“) bestiegen hat, wobei natürlich die Akklimatisation ebenso wichtig ist.

[Bild: Skizirkus - Einsamkeit wird man auf der Normalroute zum Breithorn nicht finden  -  rechts im Hintergrund Dent d`Hérens 4171 m.]

[Bild: Aufstieg entlang der Skipisten]

Während die Skifahrer an uns vorbei sausen und ihren rasanten Abfahrtsspaß genießen, geht es für uns in einem großen Linksbogen weiter bergauf.

[Bild: Dent d`Hérens 4171m. - Matterhorn 4478 m. - Dent Blanche 4357 m. - Ober Gabelhorn 4063 m. - Zinalrothorn 4221 m. und Weisshorn 4505 m.]

Neben Gletscherbrüchen folgen wir schließlich einer präparierten und mit Sicherungsstangen begrenzten Firnrampe hinauf zur Trasse (Sattel, Punkt 3795 m.) zwischen Klein Matterhorn (3883 m.) im Norden und Gobba di Rollin (3889 m.) im Süden.

[Bild: Blick zurück zum Gletscherskigebiet - in der Ferne der Gran Paradiso]

[Bild: Aufstieg zum Breithornplateau]

Dort angekommen, breitet sich das weite Breithornplateau vor unseren Augen aus, welches im – nomen est omen – Breithorn (4164 m.) kulminiert.

[Bild: Breithornplateau - Breithorn Westgipfel, Breithorn Mittelgipfel. Breithorn Zwillinge, Schwarzfluh, Liskamm und Castor  -  von links nach rechts]

Zusammen mit einigen anderen Bergsteigern (und Wanderern!) – welche mit der Seilbahn zum Klein Matterhorn herauf gekommen sind – machen wir uns auf den Weg in Richtung Gipfelaufbau. Da das Breithornplateau grundsätzlich keinerlei Spalten aufweist und zudem eine breite Spur zum Gipfelaufbau leitet, gehen wir auch weiterhin seilfrei.

[Bild: Auf dem Weg zum Breithorn]

In einem großen Linksbogen geht es zunächst über das weitläufige und praktisch ebene Plateau zum Breithornpass (3814 m.) und von dort weiter Richtung Gipfelaufbau.

[Bild: Über weite Gletscherflächen geht es Richtung Gipfelaufbau]

[Bild: Diffuse Stimmung während des Aufstiegs]

Je näher wir der Südwestflanke kommen, desto steiler wird das Gelände.

[Bild: Auf dem Weg zur Breithorn Südwestflanke]

[Bild: Liskamm Westgipfel 4479 m. - Liskamm Ostgipfel 4527 m. - Pollux 4092 m. und Castor 4223 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Breithon Südwestflanke]

Zunächst geht es in etwa 30° Grad steilem Firn schräg nach rechts bergauf. Man kann auch direkt aufsteigen und abkürzen (deutlich anstrengender, gelegentlich kleine Querspalten!) – was ich auch tue – am einfachsten ist es jedoch (ganz banal) der gespurten Trasse zu folgen.

[Bild: Tiefblick zum Breithornplateau  -  in der Ferne der Gran Paradiso 4061 m.]

Schließlich folgt das Kernstück des Gipfelaufstiegs: In ca. 35-40° Grad steilem Firn steigen wir – jeder für sich –schräg nach links bergauf und queren die Südwestflanke hin zum Westrücken. Diese lange Linkstraverse ist bei gutem Firn (wie in unserem Fall) technisch unschwierig, bei Blankeis kann es hier jedoch durchaus zu heiklen Aktionen kommen (nicht zuletzt, weil hier viele Menschen beispielsweise ohne Steigeisen und Pickel unterwegs sind).

[Bild: Aufstieg über die Südwestflanke des Breithorns]

[Bild: Dent Blanche 4357 m. - Matterhorn 4478 m. - Dent d`Hérens 4171 m. - Grand Combin 4314 m. und Mont Blanc 4810 m.  -  von rechts nach links]

[Bild: Auf dem Weg zum Breithorn Westgipfel  -  im Hintergrund Dent Blanche 4357 m.]

[Bild: Breithornplateau  -  in der Ferne der Gran Paradiso 4061 m.]

Großartig ist in jedem Fall das Ambiente – die Aussichten in Richtung Poebene, Mont Blanc, Dent d’Hérens, Matterhorn und Dent Blanche sind wirklich fantastisch! Am Westrücken angekommen, leitet schließlich eine breite Spur bergauf zum Gipfelgrat und nach wenigen Minuten erreiche ich den höchsten Punkt des Massivs – den Breithorn Westgipfel (4164 m.)

[Bild: Auf den letzten Metern vor dem Gipfel  -  im Hintergrund Monte Rosa, Liskamm, Breithorn Mittelgipfel und Castor]

Mein erster 4000er – das Breithorn. Auch wenn es technisch keine besondere Leistung war, so haben wir in den letzten 18 Stunden doch über 2500 Höhenmeter im Aufstieg bewältigt und uns diesen wuchtigen Berg somit redlich verdient. Egal was über das Breithorn und das Gedränge auf seinem Normalweg gesagt bzw. geschrieben wird, es ist und bleibt ein eindrucksvoller Berg – für viele Menschen wird es der erste und einzige 4000er in ihrem Leben sein. Puristen, radikale Naturschützer, Einsamkeitsfanatiker, individualistische Alpinisten – für viele ist das Breithorn ein rotes Tuch – nicht jedoch für mich. Ich persönlich sehe über solche Dinge hinweg. Zwar interessiert es hier oben niemanden, dass wir von Zermatt bis zum Gipfel zu Fuß aufgestiegen sind – dennoch gönne ich jedem seinen persönlichen Gipfeltriumph von Herzen. Die Alpen – und damit auch die 4000er – sind nicht nur für versierte, erfahrene und mit hochalpinem Gelände vertraute Alpinisten, sondern in einem gewissen Rahmen natürlich auch für weniger leistungsfähige Menschen da, für die eine 4000er Besteigung à la Breithorn zu den bergsteigerischen Lebenszielen gehört.

Unabhängig von allen Breithorn-Diskussionen – die Aussicht vom Gipfel ist wirklich gewaltig: Im Westen die imposante Pyramide des Matterhorns und links daneben Dent d’Hérens. Im Nordwesten Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn. In der Tiefe (mit über 2500 Höhenmetern Differenz!) das scheinbar weltenferne – und theoretisch doch nur eine Seilbahnfahrt entfernte – Zermatt mit der anschließenden Mischabelgruppe (Nadelgrat, Dom, Täschhorn) im Nordosten. Weiter erkenne ich Allalinhorn, Rimpfischhorn und Strahlhorn sowie weiter im Osten den grandiosen Monte Rosa mit seinen langen Eisströmen Gorner – und Grenzgletscher. Folgt man dem Verbindungsgrat Richtung Breithorn Mittelgipfel (4159 m.) fallen zudem der Castor sowie der eisige Liskamm ins Auge. Neben den nahen Walliser 4000ern lassen sich noch zwei weitere Giganten der Alpen ausmachen – Mont Blanc und Gran Paradiso. Nach Süden hin – Richtung Poebene – ist die Sicht dagegen vollkommen frei. Glücklicherweise hat auch das Wetter gehalten und so genießen wir unseren Gipfelerfolg in vollen Zügen. Da es nicht nur für mich der erste 4000er ist, ist die Freude umso größer.

[Bild: Monte Rosa, Grenzgletscher, Liskamm (davor Breithorn Mittelgipfel), Pollux und Castor  -  von links nach rechts]

[Bild: Auf dem Breithorn Westgipfel 4164 m.  -  im Hintergrund Monte Rosa und Castor]

[Bild: Auf dem Breithorn Westgipfel 4164 m.  -  im Hintergrund Matterhorn, Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

[Bild: Tiefblick zum langen Eisstrom des Gornergletschers  -  links (2500 Meter tiefer!) Zermatt  -  rechts im Hintergrund Dom, Täschhorn, Alphubel, Allalinhorn, Rimpfischhorn und Strahlhorn]

[Bild: Matterhorn 4478 m. - Dent Blanche 4357 m. - Ober Gabelhorn 4063 m. - Zinalrothorn 4221 m. und Weisshorn 4505 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Matterhorn 4478 m.]

[Bild: In der Mitte das Klein Matterhorn 3883 m. - rechts die Dent d`Hérens - in der Ferne Mont Blanc 4810 m. und Grand Combin 4314 m.]

[Bild: Blick in die südlichen Walliser Alpen und Richtung Poebene - rechts die Gobba di Rollin 3899 m.]

[Bild: Gruppenfoto - Für viele von uns ist es der erste 4000er]

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bergsteigern, zieht es uns nicht über den Aufstiegsweg zurück zum Klein Matterhorn – unser Ziel ist das Rifugio Guide della Val D`Ayas (3425 m.) – südwestlich des Pollux. Daher machen wir uns nach einer für meine Verhältnisse relativ kurzen  -  aber hinsichtlich der Firnverhältnisse auf den Gletschern im späteren Verlauf des Tages natürlich vollkommen „korrekten“  -  Gipfelpause schließlich auf den Weg.

[Bild: Vom Westgipfel geht es über einen Firngrat in Richtung Mittelgipfel  -  im Hintergrund Monte Rosa, Liskamm und Castor]

Wir folgen zunächst dem teilweise etwas luftigen Firngrat Richtung Mittelgipfel (links steile Abbrüche zum vergletscherten und spaltenreichen Triftjiplateau!) – welcher sich aber schon nach kurzer Zeit zu einem breiten Hang wandelt.

[Bild: Oliver (mit einer Peru-Flagge) geht voraus - der Übergang vom Westgipfel in den Sattel ist technisch unschwierig - aber etwas luftig]

In dem Sattel zwischen Haupt – und Mittelgipfel angekommen, bedauere ich die Tatsache ein wenig, dass wir den nur wenige Höhenmeter und Gehminuten entfernten zweithöchsten Punkt des Breithorn-Massivs nicht mitnehmen, was aber natürlich den Verhältnissen auf dem Gletscher geschuldet ist.

[Bild: Zwischen Breithorn West- und Mittelgipfel  -  im Hintergrund Monte Rosa (links) und Castor]

Vom Sattel steigen wir zunächst ein Stück über – bereits teilweise aufgeweichten – Firn bergab in eine Mulde östlich des Breithorn Westgipfels.

[Bild: Abstieg zum Grande Ghiacciaio di Verra  -  rechts die Gobba di Rollin 3899 m.]

Ab diesem Punkt müssen wir jedoch angeseilt gehen – der Grande Ghiacciaio di Verra (= Großer Verragletscher) ist im Gegensatz zum Oberen Theodulgletscher bzw. zum Breithornplateau durchaus tückisch, da seine Spalten durch den nach wie vor auch im Hochsommer reichlich vorhandenen Firn zwar verdeckt werden – was wiederrum aber nicht vor Spaltenstürzen schützt, da die Brücken aufweichen und brechen können. Als wir schließlich angeseilt sind, steigen wir – nordwestlich des Breithornpasses – in einem Linksbogen bergab zum Grande Ghiacciaio di Verra.

[Bild: Abstieg zum Grande Ghiacciaio di Verra - die Hütte befindet sich unterhalb des markanten Felszahns in der Mitte]

Vor Augen haben wir dabei stets den eindrucksvollen Castor (4223 m.) – welcher morgen unser Ziel sein wird und uns heute schon einmal seine eisige Nordwestflanke präsentiert.

[Bild: Castor 4223 m.]

Um einen Felssporn geht es herum und über einen sanft abfallenden Hang erreichen wir das oberste Gletscherbecken unterhalb des Breithorn Mittelgipfels.

[Bild: Auf dem Weg ins oberste Gletscherbecken des Grande Ghiacciaio di Verra - im Hintergrund: Breithorn Zwillinge, Schwarzfluh, Liskamm, Pollux und Castor  -  von links nach rechts]

Immer der deutlichen Spur folgend, queren wir südwestlich der Breithorn Zwillinge den hier weitgehend ebenen – jedoch keineswegs spaltenfreien – Gletscher.

[Bild: Auf dem Grande Ghiacciaio di Verra - im Hintergrund Castor, Pollux, Schwarzfluh und Breithorn Zwillinge  -  von rechts nach links]

Einige vermeintlich harmlose Spalten behandeln wir mit großer Vorsicht (nicht zuletzt aufgrund des aufgeweichten Firns) – technisch ist der Große Verragletscher aber unschwierig zu begehen. Bei der Umgehung eines Gletscherbruches müssen wir eine etwas heikle Randspalte überwinden – was aber glücklicherweise problemlos klappt.

[Bild: Über diese etwas kniffligere Spalte geht es hinweg - im Hintergrund der Castor 4223 m.]

Anschließend geht es nahezu eben an sanft geneigten Firnhängen entlang bis in die Mulde südlich des Bivacco Rossi e Volante.

[Bild: Auf dem Grande Ghiacciaio di Verra - mit Blick Richtung Pollux 4092 m. und Castor 4223 m.]

Dieses Biwak (3750 m.) dient in der Regel als Ausgangspunkt für eine Überschreitung des gesamten Breithornkamms – von der Schwarzfluh (Roccia Nera) bis zum Westgipfel (Fels bis III+, kombiniert, Wechten – und Firngrate, je nach Verhältnissen 8-10 Stunden) – und ist daher für uns irrelevant.

[Bild: Pollux 4092 m.]

Für uns ist die Frage entscheidend – wie kommen wir zum Rifugio Guide della Val D`Ayas? Richtung Süden versperren uns gewaltige Gletscherbrüche und Steilflanken einen möglichen Abstieg sowie dichte Wolken die Sicht. Daher folgen wir zunächst der Spur ein Stück weiter Richtung Südosten.

[Bild: Blick zurück über den Grande Ghiacciaio di Verra in Richtung Breithornplateau]

[Bild: Der Castor 4223 m. ist ein wahrlich ein formschöner Berg!]

Über einen Firnhang steigen wir schräg bergab in den Bereich westlich des Zwillingsjochs.

[Bild: Mit Blick zum eisigen Castor geht es über einen Firnhang schräg bergab in den Bereich westlich unterhalb des Zwillingsjochs]

Dort angekommen, leitet die Spur in einem Rechtsbogen um die oberen Gletscherbrüche herum und umgeht damit dieses von oben scheinbar unüberwindliche Hindernis. Nun ist die Hütte nicht mehr weit. Über einen sanft geneigten Firnhang steigen wir abwärts und halten dabei auf Kurs auf einen markanten Felsgipfel.

[Bild: Abstieg zum Rifugio Guide della Val D`Ayas - im Hintergrund die Gobba di Rollin 3889 m.]

Eine etwas heikle – aber ausgeaperte – Spaltenzone verlangt noch einmal Umsicht und Konzentration.

[Bild: Inmitten der Spaltenzone - dichte Wolken verhindern jegliche Sicht ins Tal]

Über einen letzten Firnhang geht es an dem Felsgipfel vorbei und schließlich setzen wir zum ersten Mal seit heute Morgen wieder Fuß auf felsigen Untergrund.

[Bild: Ein langer Tourentag geht zu Ende - im Hintergrund der zerklüftete Grande Ghiacciaio di Verra und das Breithorn-Massiv]

Wir nehmen das Seil ein, montieren die Steigeisen ab und folgen einem felsig-schroffen Pfad in wenigen Minuten zur nahen Hütte.

[Bild: Rifugio Guide della Val D`Ayas 3425 m.]

Das Rifugio Guide della Val D`Ayas (3425 m.) ist eine alpine Schutzhütte (CAI Kategorie E) und im Besitz der Société Guide Ayas (Bergführervereinigung des Ayas-Tales) – Die Hütte (auch Rifugio Lambronecca genannt) ist in der Regel von Mitte April bis Mitte Mai sowie von Mitte Juni bis Mitte September geöffnet und verfügt über 72 Betten (alternativ auch 80 Schlafplätze) – wobei ebenso ein Winterraum mit 16 Lagerplätzen zur Verfügung steht. Die Hütte liegt – wie bereits der Name verrät – am oberen Talschluss des Valle d`Ayas – einem Seitenarm des Aostatales – auf einem Felssporn zwischen Grande Ghiacciaio di Verra und Piccolo Ghiacciaio di Verra. Das Rifugio Guide della Val D`Ayas (in seinem heutigen Erscheinungsbild) wurde im Jahr 1989 eingeweiht. Erreicht werden kann die Hütte über eine Reihe von meist hochalpinen Zustiegen bzw. Übergängen. Die meisten Bergsteiger erreichen die Hütte entweder vom Klein Matterhorn/Breithorn oder vom Rifugio Quintino Sella – beide Touren führen über Gletscher (letztere sogar über den Gipfel des Castors 4223 m.) und erfordern dementsprechende Ausrüstung bzw. Erfahrung. Abgesehen davon kann die Hütte auch vom Rifugio del Teodulo, vom Rifugio Guide del Cervino oder sogar von der Monte-Rosa-Hütte erreicht werden, wobei bei Letzterem der Aufstieg über den extrem zerrissenen und spaltenreichen Zwillingsgletscher entlang der Schalbetterflue zum Zwillingsjoch schon gediegene alpine Erfahrung voraussetzt. Lediglich Kondition wird beim Hüttenzustieg von Saint-Jacques über das Rifugio Ottorino Mezzalama (5-6 Stunden) verlangt, wobei nur ein Bruchteil der Bergsteiger diesen langen – und im oberen Teil durchaus schroffen und alpinen – Hüttenzustieg wählt. Das Rifugio Guide della Val D`Ayas ist eine Schutzhütte für Hochtouristen, entsprechend dient sie fast ausschließlich als Ausgangspunkt für eine Besteigung des Pollux (4092 m.) – eine Überschreitung des Breithorn-Kammes, oder eine Überschreitung des Castors (4223 m.) hin zum Rifugio Quintino Sella. Alle weiteren Touren sind versierten und mit hochalpin-kombiniertem Gelände vertrauten Alpinisten vorbehalten. Zwar ist die Hütte – vor allem während Schönwetterphasen in der Hochsaison (Mitte Juli – Ende August) – meist hoffnungslos überfüllt, dafür liegt sie fern ab von Seilbahnen, Skiliften und Verkehrsstraßen. Wer diese Hütte aufsucht, der trifft hier in der Regel auf Gleichgesinnte – auf Bergsteiger und Alpinisten, die klassische Hochtouren mögen und sich hier – mitten im vergletscherten Hochgebirge – zu Hause fühlen.

Hatte während unserer Ankunft noch ein dichter Nebel die Hütte komplett eingehüllt und uns jegliche Aussicht auf den Grande Ghiacciaio di Verra verwehrt, so zeigt sich doch schon 45 Minuten später, dass wir bei dieser Hochtourenwoche tatsächlich mit dem Wettergott im Bund zu sein scheinen. Der Nebel beginnt sich rasch aufzulösen und gibt die Sicht auf den nach wie vor mächtigen und zerklüfteten Gletscher frei. Auch die Gipfel des Breithorn-Massivs, der Pollux sowie Teile des Castors sind erkennbar. Zudem ist die Sicht Richtung Süden – über das Valle d`Ayas hin zu den südlichen Walliser Alpen – vollkommen frei. Den restlichen Tag verbringen wir damit, den morgigen Tourentag zu besprechen, Fotos zu machen und zu entspannen. Am späten Nachmittag werden wir schließlich noch Zeugen, wie die Hütte von einem Hubschrauber mit Lebensmitteln versorgt wird. Zudem entdecken wir nur wenige Meter unterhalb der Hütte einen wohl genährten und überhaupt nicht scheuen Steinbock, der neugierig zu uns heraufschaut.

[Bild: Pollux 4092 m. über dem Grande Ghiacciaio di Verra]

[Bild: Ein gar nicht scheuer Steinbock]

[Bild: Die Hütte wird per Hubschrauber versorgt]

[Bild: Die Hütte liegt direkt über dem wild-zerrissenen Grande Ghiacciaio di Verra]

[Bild: Der wild zerklüftete Grande Ghiacciaio di Verra - darüber Breithorn Westgipfel, Breithorn Mittelgipfel, Breithorn Zwillinge und Schwarzfluh  -  von links nach rechts]

[Bild: Blick in die südlichen Walliser Alpen]

[Bild: Am Abend beim Rifugio Guide della Val D`Ayas - mit Blick zum Breithorn-Massiv und zum Grande Ghiacciaio di Verra]

Am Abend heißt es schließlich: „Pasta o Minestra?“ – wie bei fast allen italienischen Hütten auf der Südseite der Walliser Alpen (daher vielleicht der Name Spaghetti-Tour?) – und zudem merke ich langsam, wie sich mein Körper an die doch schon etwas dünnere Luft weit jenseits der 3000 Meter Marke gewönnt. Während ich heute auf dem Breithorn leichte Kopfschmerzen hatte, fühle ich mich jetzt fit, wohl und gesund. Ich bin bereit, weiteren 4000ern aufs eisige Haupt zu steigen. Der morgige Tag wird uns über den Castor (4223 m.) zum Felikjoch und weiter zum Rifugio Quintino Sella führen – wobei auch der Liskamm Westgipfel (4479 m.) eine mögliche Option ist.

 

3. Tag  Castor (4223 m.)  +  Liskamm Westgipfel (4479 m.)

 

[Bild: Sonnenaufgang in den Walliser Alpen  -  Nadelgrat, Dom, Täschhorn, Alphubel, Allalinhorn, Rimpfischhorn, Strahlhorn, Gornergletscher und Nordend  -  von links nach rechts]

 

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