2013 – Zsigmondyspitze (3089 m.) - Südgrat

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Schwierigkeit:   AD-  oder  ZS-   (T6+  oder  W6+)

Charakter:  Luftige Kletterei bis III-/III (Stellen) sowie anhaltend II in festem Fels – inklusive der direkten Gipfelvariante (IV). Der Zustieg zur Zsigmondyspitze erfolgt von der Berliner Hütte, welche über den Zemmgrund vom Alpengasthaus Breitlahner her auf einfachen Schotterstraßen und zuletzt auf einem markierten Bergweg erreicht wird. Von der Hütte geht es zunächst auf einem markierten Bergsteig (Berliner Höhenweg) technisch unschwierig bergauf zum Schwarzsee. Anschließend bleibt man noch ein kurzes Stück auf dem Berliner Höhenweg, verlässt diesen jedoch nach einer begrünten Schrofenflanke. Im Roßkar angekommen (Weiterweg 522 über die Melkerscharte in den Gunggl möglich), geht es weglos über Felsplatten, Blockgelände, Geröllflanken und Altschneefelder (je nach Route leichte Kraxelei bis I) hinauf in die Feldscharte – die markante Einschartung rechts der unverkennbaren Zsigmondyspitze (sinnvollerweise peilt man jedoch nicht die eigentliche Scharte an, sondern steigt links von ihr über eine Schuttrampe bergauf zum eigentlichen Anseilpunkt – Umgehung des ersten Aufschwungs des Südgrates). Dort angekommen beginnt die eigentliche Kletterei. Zunächst geht es in direkter Linie den Südgrat hinauf (steiler Blockgrat, ca. 80 Meter Kletterei – durchgehend II und gutgriffig), bis ein senkrechter Steilaufschwung den Weg versperrt (direkter Südgrat – D+/S+ Kletterei bis V-). Hier links ab und in leicht abfallender Querung in die Südwestwand (meistens Gehgelände – jedoch eine griffarme und ausgesetzte Platte III). Nach etwa 100 Metern geht es in Form eines ansteigenden Bandes (steiles und plattiges Gehgelände, teilweise grasig – jedoch keine Kletterei erforderlich) schräg nach rechts bergauf und wieder zum Südgrat. Über den gestuften Blockgrat (gutgriffig und steil, bis III-) geht es anschließend eine Seillänge aufwärts bis unter die Gipfelwand. Hier geht es in direkter Linie empor zum nahen Gipfelkreuz der Zsigmondyspitze (direkte Gipfelvariante, wenige Meter IV, kurz und knackig – Floitentritt als Normalweg und leichte Alternative bis III-). Aufgrund seiner zentralen und dem Hauptkamm vorgelagerten Position ist die Aussicht vom Gipfel äußerst eindrucksvoll – Oh wunderbares Zillertal! Der Abstieg vom Gipfel erfolgt am besten durch zweimaliges Abseilen – sinnvollerweise wird dabei zum einen vom Gipfel bis in die Mini-Scharte am oberen Ende des ansteigenden Bandes sowie zum anderen über den kompletten Steilaufschwung des direkten Südgrates abgeseilt. Der untere Teil des Südgrates (IIer Blockgrat) kann anschließend bequem abgeklettert werden – (theoretisch kann man auch den Aufstieg seilfrei bewältigen und anschließend den gesamten Normalweg wieder abklettern, das erfordert jedoch solide Kletterfähigkeiten, eine gute Psyche und absolut perfekte Verhältnisse). Unterhalb der Feldscharte hat man im Grunde alle technischen Schwierigkeiten überwunden. Über das plattige und geröllige Roßkar geht es bergab zum Eissee und weiter zum Schwarzsee – der Rest ist Formsache. Die Besteigung der Zsigmondyspitze über den Südgrat (Normalweg) zählt zu den beliebtesten und begehrtesten klassischen Klettertouren der Zillertaler Alpen. Trotz der moderaten technischen Schwierigkeiten ist die Tour überraschend luftig, der Fels fest und angenehm zu klettern – Wie schreibt Richard Goedeke ganz treffend: „Genusskletterei an einem geschichtsträchtigen Stück Berg.“ – und abgesehen davon ist dieses Felshorn nämlich vor allem eines – formschön und eindrucksvoll!

Gefahren:  Kaum objektive Gefahren! Der Fels ist auf der gesamten Route fest – Steinschlag kann (abgesehen von dem ansteigenden Band in der Südwestwand – Vorsicht bei der vorherigen Querung angebracht) im Grunde nicht ausgelöst werden. Immerhin – der Zustieg zur Feldscharte erfolgt über schroffe Felsplatten, Blockwerkhalden und Geröllflanken, die Umsicht und Konzentration erfordern – doch damit ist man bereits bei den subjektiven Gefahren angelangt. Vollkommene Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Klettergewandtheit sind oberstes Gebot. Wer sich aufgrund der Tourenbeschreibung überfordert fühlt, sollte sich z.B. einen Bergführer leisten. Ansonsten gilt bei dieser Tour die gegebene Schwierigkeitsbewertung nur bei optimalen Verhältnissen – bei Schneelage und ggf. vereistem Fels wird das Ganze rasch hochriskant! – Dann sollten sich nur äußerst versierte Alpinisten an den Berg wagen. Aufgrund der Beliebtheit des Normalweges besteht ebenfalls die Möglichkeit, durch Fehler anderer Personen zu Schaden zu kommen – Rücksichtnahme und Umsicht im Umgang mit anderen Kletterern sollten selbstverständlich sein! Daher gilt letztlich: Wer die gegebenen (technischen) Anforderungen sicher beherrscht, seinen Fähigkeiten entsprechend ausgerüstet ist, Wetter- und Routenverhältnisse angemessen berücksichtigt und auf andere Mitstreiter achtet, sollte bei dieser Tour nicht zu Schaden kommen und sie stattdessen in vollen Zügen genießen können.


30. August  -  1. September 2013

Drei-Tages-Tour in die Zillertaler Alpen zur Berliner Hütte (2042 m.) mit Besteigung der Zsigmondyspitze (3089 m.) über den Südgrat (Normalweg).

organisiert von Reinhold Kraus und durchgeführt im Rahmen einer „DAV-Sektion Karpaten – Alpingruppe Adonis-Tour“  (14 Teilnehmer)

[Bild: Zsigmondyspitze (3089 m.) - von Südwesten]

1. Tag        Alpengasthaus Breitlahner  -  Klausenalm  -  Zemmgrund  -  Grawandhütte  -  Alpenrosenhütte  -  Berliner Hütte

Der Feldkopf galt lange Zeit als „unersteigbar“.  Für die alteingesessenen Zillertaler Bergführer stand fest: Dieses Felshorn ist „unbezwingbar“! – Dann kamen die beiden jungen Studenten Emil und Otto Zsigmondy. Am 24. Juli 1879 gelang den beiden – ohne die Unterstützung eines Bergführers – die sensationelle Erstbesteigung des Berges über die anspruchsvolle Westwand (bei verschneitem und vereistem Fels!)  -  1882 wurde die heutige Normalroute (Südgrat-Südwestwand) von A. Katzer und Stefan Kirchler erschlossen. Als Emil Zsigmondy 1885 an der Südwand der Meije 3983 m. (Dauphiné – Frankreich) tödlich verunglückte, wurde der Feldkopf ihm zu Ehren in „Zsigmondyspitze“ umbenannt. Mit den Jahren entwickelte sich der Berg zu einem der – wenn nicht dem – beliebtesten Kletterberg der Zillertaler Alpen. Während die Route der Erstbesteiger heute kaum mehr begangen wird (extrem hohe Steinschlaggefahr), erfreuen sich Routen wie die Feldkopfkante (TD- / Kletterei bis V-), der Direkte Südgrat (D+ / Kletterei bis V-) oder der Nordwestgrat („Lammergrat“), vor allem jedoch der Südgrat (Normalweg AD- / Kletterei bis III / Topo – die IIIer Stelle in der Südwestwand wurde vergessen) großer Beliebtheit. Die Zsigmondyspitze besteht aus einer Mischung verschiedener Gneis-Arten – dies verleiht dem Berg seine schroffe Form und sorgt dafür, dass der Fels „angenehm“ fest ist. Der Berg liegt nordwestlich der wild-gezackten Rossköpfe (3031 m. – alternative Höhe 3028 m.) und ist durch die Feldscharte (2909 m.) von diesen getrennt. Nordwestlich liegt im Verlaufe des einen Kilometer langen Nordwestgrates die wilde Tiefenkarspitze (2699 m.) – abgetrennt durch die Sammerscharte (2690 m.)  -  Nach Südwesten hin ist der Berg durch die Melkerscharte (2814 m. – alternative Höhe 2812 m.) vom Plattenkopf (2899 m.) abgetrennt. Nach Nordosten zum Sonntagsfeld hin (weltenfernes Kar oberhalb des Floitengrundes) zeigt die Zsigmondyspitze schließlich imposante, glattwandige Steilabstürze (bis zu 650 Meter hoch). Egal von wo – das „Felshorn der Führerlosen“ (Richard Goedeke) sieht von jeder Seite schnittig aus und ist zu Recht eines der begehrtesten Gipfelziele der Zillertaler – wenn nicht gar der Zentralalpen.

[Bild: Zsigmondyspitze 3089 m. - rechts die Feldscharte 2909 m.]

Nach einem Jahr bin ich wieder mit meiner Sektion auf Tour. Ziel ist der berühmteste Kletterberg der Zillertaler Alpen – die Zsigmondyspitze (3089 m.) – zwischen Zemm- und Floitengrund. Da wir uns bei der Berliner Hütte – unserem Quartier für diese 3 Tage – treffen wollen, mache ich mich gemeinsam mit zwei Tourenteilnehmern (wir sind als Erste da) um viertel vor 3 auf den Weg.

[Bild: Alpengasthaus Breitlahner 1257 m.]

Vom Alpengasthaus Breitlahner geht es auf einer Fahrstraße zunächst über eine Brücke und anschließend links vom Zemmbach in südöstliche Richtung.

[Bild: Auf einer schottrigen Fahrstraße geht es in den Zemmgrund]

Der mit Nr. 523 bezeichnete AV-Weg durch den Zemmgrund (ein typisches, von den eiszeitlichen Gletschern geformtes und landschaftlich sehr eindrucksvolles Trogtal) ist insgesamt technisch unschwierig und – vor allem im ersten Teil – häufig nahezu eben (erst beim Anstieg zur Grawandhütte zieht der Weg an).

[Bild: Links vom Zemmbach leitet die schottrige Fahrstraße nur mäßig ansteigend in Richtung Südosten]

[Bild: Im Zemmgrund]

Die schottrige Fahrstraße (ideal für Mountainbikes) führt abwechselnd durch lichte Wälder sowie über Wiesenflächen – stets beeindrucken dabei die wilden, das Tal begrenzenden Steilflanken – immer weiter den Zemmgrund hinauf. Kurz nach den Weideflächen der Schwemmalm macht der Weg einen Bogen und führt in ein paar ausladenden Kehren linkerhand über eine bewaldete Steilflanke bergauf.

[Bild: Blick zurück über den Zemmgrund - im Hintergrund der Tuxer Hohe Riffler 3231 m.]

Oberhalb der Talsohle folgen wir der Fahrstraße direkt unterhalb felsiger Abstürze durch einen Bergwald („Stöckler Lahner“) erneut in südöstliche Richtung und nach 1 Stunde 15 Minuten erreichen wir schließlich die am Steilhang über dem Talgrund des Zemmgrundes gelegene Grawandhütte (1636 m.)

[Bild: Kühlenluft Wasserfall]

[Bild: Bei der Grawandhütte]

[Bild: Grawandhütte 1636 m.]

Wir setzen den Aufstieg fort und folgen dem Fahrweg in Serpentinen über die bewaldete Geländestufe des Grawandtrett hinauf zu einer weiten Weidefläche (landschaftlich sehr schön!)

[Bild: Hinter der Grawandhütte geht es erneut auf der schottrigen Fahrstraße durch einen Bergwald in östliche Richtung]

[Bild: Im oberen Zemmgrund - was für eine eindrucksvolle Landschaft!]

[Bild: III. Hornspitze 3253 m. und IV. Hornspitze 3197 m. sowie Hornkees - links die Hornschneid]

Durch den von Felsblöcken und lichten Baumgruppen geprägten oberen Zemmgrund geht es weiter, bis schließlich die breite Schotterstraße endet. Gut 50 Meter oberhalb einer schluchtartigen Klamm wurde eine einspurige Betonstraße an steilen Grasflanken („Auf den Wänden“) gebaut, um den Autos (welche die Materialseilbahn beliefern) das weitere Fortkommen zu ermöglichen. Der Weg ist teilweise etwas schmal, jedoch problemlos zu begehen und landschaftlich eines der Highlights beim Aufstieg zur Berliner Hütte.

[Bild: Landschaftlich sehr eindrucksvoller Wegabschnitt zwischen Grawandhütte und Alpenrosenhütte - rechts im Hintergrund der Beginn des Roßrugg]

Am Ende der Klamm öffnet sich der Zemmgrund wieder. Auf einer erneut schottrigen Fahrtstraße geht es an der linken Talseite (trotz des durchgehenden Bewuchses eine nun deutlich alpinere Landschaft) nur mäßig ansteigend in südöstliche Richtung.

[Bild: Kurz vor der Alpenrosenhütte - im Hintergrund links die III. Hornspitze (3253 m.) sowie rechts der Roßrugg mit dem Turnerkamp (3420 m.) dahinter]

An einem kleinen Mini-Stausee (Zemmbach-Fassung - das Wasser wird durch das Bergmassiv des Kleinen Greiners 2958 m. nach Westen in den Schlegeisspeicher geleitet)geht es vorbei und nach kurzer Zeit erreichen wir die Alpenrosenhütte (1878 m.) – eine auf den wunderschönen Böden der Waxeggalm gelegene und sehr zu empfehlende Berghütte im obersten Zemmgrund. Besonders im Hochsommer, wenn der Berliner Höhenweg hoch frequentiert und die gleichnamige Hütte überfüllt ist, stellt die Alpenrosenhütte eine tolle Alternative dar – eine wirklich schmucke Berghütte!

[Bild: Alpenrosenhütte 1878 m.]

Unser Ziel heute ist freilich die Berliner Hütte und so setzen wir den Aufstieg fort. Ein kurzes Stück hinter der Alpenrose beginnt dann auch der entsprechende Steig (Teil des Berliner Höhenweges sowie des Adlerweges).

[Bild: Blick zurück zur Alpenrosenhütte 1878 m. - links die Waxeggalm 1871 m.]

Der sehr komfortabel mit Felsplatten ausgebaute Weg (warum wohl?!) leitet mäßig ansteigend in östliche Richtung – Latschenkieferzonen wechseln sich dabei mit lichten Baumgruppen ab.

[Bild: 25-30 Minuten sollten für den Aufstieg von der Alpenrosenhütte zur Berliner Hütte veranschlagt werden]

[Bild: Auf dem Weg zur Berliner Hütte  -  im Hintergrund ein Teil des Hornkeeses - die III. Hornspitze ist in Wolken]

[Bild: Denkmal - zwischen Alpenrosenhütte und Berliner Hütte]

Schließlich geht es in freies Gelände und nach insgesamt 2,5 Stunden erreichen wir die Berliner Hütte.

[Bild: Ankunft bei der Berliner Hütte 2042 m. - rechts die Hornschneid]

Die Berliner Hütte (2042 m.) ist eine auf den unteren Böden der Schwarzensteinalpe im obersten Zemmgrund gelegene Alpenvereinshütte der DAV-Sektion Berlin. Die Schutzhütte der Kategorie 1 ist in der Regel von Mitte Juni bis Ende September geöffnet und verfügt über 76 Betten-, 92 Lager- und 17 Notlagerplätze (+ Winterraum mit 14 Lagern) – damit ist sie die größte Berghütte der Zillertaler Alpen. Weiterhin ist diese erste Hütte, die die Sektion Berlin in den Alpen errichten ließ, ein absoluter Prunkbau unter den Berghütten. War die am 29. Juli 1879 eingeweihte Ur-Hütte noch relativ bescheiden, erfolgten bis 1912 zahlreiche Umbauten und Erweiterungen – die Berliner betrachteten ihre Hütte als Prestigeobjekt und das Resultat war/ist (wie Hort Höfler ganz treffend schreibt) häufig das Folgende: „Wer zum erstenmal den Speisesaal betritt, staunt Bauklötzer. Diese Lüster, diese Täfelungen! Da hatten die Großstädter in der Tat ihre Innenarchitektur ins Gebirge verpflanzt.“ Heutzutage steht die Hütte unter Denkmalschutz (!), denn das „Stück Berlin in den Alpen“ ist „einzigartig unter den Alpenvereinshütten – ein eindrucksvolles Zeugnis aus jener Zeit, als das deutsche Kaiserreich und dessen Hauptstadt sich mit Glanz und Gloria auch im Hochgebirge darstellen musste.“ (Auf dem sehr (!) informativen und umfangreichen Wikipedia-Artikel kann man sich ausgiebig über Geschichte und Geologie informieren – zu empfehlen!) – Heutzutage gilt die Berliner Hütte als eine der eindrucksvollsten und erhabensten Berghütten der Alpen – aber natürlich hat auch hier ein moderner Wind Einzug gehalten. Die Energieversorgung erfolgt durch ein Kleinwasserkraftwerk und die umweltgerechte Entsorgung des Abwassers wird durch eine mechanisch-biologische Kläranlage gewährleistet. Was die Tourenauswahl angeht, ist die Berliner Hütte reich gesegnet – auch wenn sie (wie fast alle hochalpinen Hütten) durch den Gletscherschwund zunehmend beeinträchtigt wird. Die Tourenziele verschieben sich langsam aber sicher – Hoch- bzw. Klettertouren wie der Schwarzenstein (3369 m.) – die Berliner Spitze (III. Hornspitze – 3253 m.) oder die Zsigmondyspitze (3089 m.) erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, wohingegen Berge wie der Große Möseler (3480 m.) oder der Turnerkamp (3420 m.) – von der Berliner Hütte – seltener angegangen werden. Ziele wie der Große Mörchner (3285 m.) – vor allem jedoch z.B. Roßruggspitze (Nordgrat – „Roßrugg“, bis III) oder Ochsner (3106 m.) fristen dagegen ein Schattendasein. Stattdessen beherrscht eine Tour heutzutage die Szenerie: Der Berliner Höhenweg („Zillertaler Höhenweg“). Den größten Teil der Gäste machen mittlerweile gemäßigte Genussbergsteiger und (Weit-)Wanderer aus – Hochtouristen, Kletterer und Individualbergsteiger (vom Aussterben bedroht) sind grundsätzlich in der Minderzahl. Erreicht werden kann die Berliner Hütte indes entweder über den Berliner Höhenweg (entweder vom Furtschaglhaus über die Schönbichler Scharte oder von der Greizer Hütte über die Nördliche (Obere) Mörchenscharte – manchmal auch Mörchnerscharte genannt) oder vom Alpengasthaus Breitlahner her durch den Zemmgrund. Die Berliner Hütte im Herzen der Zillertaler Alpen ist eine der eindrucksvollsten und bedeutendsten Berghütten der Ostalpen – Auch in der heutigen modernen Zeit weht noch ein Hauch von Deutschem Kaiserreich durch die Hütte – „Dem Sturme Trutz. Dem Wanderer Schutz.“

[Bild: Berliner Hütte 2042 m. - im Hintergrund das Steinmannl (2635 m. - auch Steinmandl genannt - Beginn des Roßrugg-Grates)  -  Hornspitzen, Turnerkamp und Großer Möseler sind in Wolken verschwunden]

[Bild: Eingangsraum der Berliner Hütte]

Während wir uns häuslich einrichten, erreichen schließlich auch die anderen Tourenteilnehmer die Hütte. Während des Abendessens besprechen wir den morgigen Tag. Da wir insgesamt 14 Leute sind, werden wir wohl deutlich länger brauchen als 2-3er Seilschaften – egal, wir haben den ganzen Tag Zeit. Das Wetter soll indes passabel werden – Na, wir werden ja sehen – Im Gegensatz zu spontanen Wochenendtouren haben Monate im Voraus geplante Touren nun einmal ein gewisses Risiko!

[Bild: Einer der vielen schönen Essensräume]

[Bild: Eingangsraum der Berliner Hütte]

Ich kann unterdessen kaum glauben, dass ich gerademal eine Woche zuvor noch auf dem dritthöchsten Berg Ecuadors – dem Cayambe (5790 m. – Cordillera Central – Anden) gestanden habe. So ist das – und morgen werden wir der Zsigmondyspitze zu Leibe rücken.

2. Tag        Berliner Hütte  -  Feldkar  -  Schwarzsee  -  Roßkar  -  Eissee  -  Feldscharte  -  Zsigmondyspitze  -  Feldscharte  -  Eissee  -  Roßkar  -  Schwarzsee  -  Feldkar  -  Berliner Hütte

Um Viertel nach 6 machen wir uns auf den Weg zur Zsigmondyspitze. Kühles, wolkiges Wetter empfängt uns als wir vor die Hütte treten – mal sehen wie es wird.

[Bild: Auf geht's zur Zsigmondyspitze]

Direkt über der Hütte beginnt der Steig – in Serpentinen geht es zunächst ein Stück über die gras- und latschenkieferbewachsenen Hänge der Schwarzensteinalpe empor. Da wir uns auf dem Berliner Höhenweg (einem der beliebtesten Höhenwege der Alpen) befinden, ist der Steig bestens ausgebaut und sehr komfortabel zu gehen.

[Bild: In Serpentinen geht es zunächst über die Flanken der Schwarzensteinalpe ein Stück bergauf - links im Hintergrund die Schönbichler Scharte 3081 m. mit dem Schönbichler Horn 3134 m.]

[Bild: Blick zurück zur Berliner Hütte 2042 m. - links das Hornkees und rechts das Waxeggkees  -  Turnerkamp und Großer Möseler stecken in Wolken]

Zügig gewinnen wir an Höhe und nach kurzer Zeit haben wir bereits unser angepeiltes Ziel vor Augen – was für ein eindrucksvoller Felszahn! Nur mäßig ansteigend, geht es in Form einer langen Querung über die grasbewachsenen Flanken der Schwarzensteinalpe immer weiter in nordöstliche Richtung.

[Bild: Auf dem Berliner Höhenweg geht es in nordöstliche Richtung - links hinten die Zsigmondyspitze (3089 m.) - hinten mittig der Mörchenschartenkopf (2957m.) mit der Nördlichen Mörchenscharte (2872 m.) links davon]

[Bild: Blick über das Mörchnerkar zum Schwarzensteinkees mit dem Schwarzenstein (3369 m.) - rechts die Spitze „Am Horn“ (2647 m.) - der Beginn der Hornschneid]

Im Feldkar (trotz des Namens und der beachtlichen Höhe vollkommen grasbewachsen) lassen wir die Abzweigung zum Schwarzenstein unbeachtet und setzen den Aufstieg zum Schwarzsee fort.

[Bild: Auf dem Weg zum Schwarzsee - die Zsigmondyspitze (3089 m.) immer im Blickfeld]

Zunehmend prägen Felsplatten die nach wie vor grüne Umgebung und schließlich erreichen wir unser erstes Etappenziel – den Schwarzsee (2472 m.)  -  Bei perfektem Wetter spiegelt sich der Zillertaler Hauptkamm im Wasser – Dieses  Fotomotiv ist bei Wanderern heiß begeht (immerhin muss dazu allerdings der kleine See weglos umwandert werden).

[Bild: Schwarzsee 2472 m. - rechts hinten lugt die Zsigmondyspitze hervor]

Nach einer kurzen Pause setzen wir den Aufstieg fort, immerhin stehen uns noch über 400 Höhenmeter Zustieg bis zur eigentlichen Kletterei bevor. Rechts vom See leitet der Weg in Richtung eines grasbewachsenen Schrofenrückens.

[Bild: Über diese begrünte Schrofenflanke geht es weiter aufwärts]

In Serpentinen geht es unschwierig – aber etwas mühsam – über diesen empor.

[Bild: Zsigmondyspitze 3089 m.]

[Bild: Der Schwarzsee wird überragt von der Trümmerruine des Rotkopfes 2986 m. - ein megaeinsamer Gipfel]

[Bild: Am Beginn des Roßkares - links hinten die Zsigmondyspitze]

Oberhalb geht es in einigem Auf und Ab noch ein Stück über grasige Schutthügel dahin, schließlich verlassen wir jedoch linkerhand den Berliner Höhenweg.

[Bild: Im Roßkar - auf dem Weg zur Zsigmondyspitze]

Anschließend folgen wir dem markierten AV-Weg 522 Richtung Melkerscharte ein Stück durch das geröllige Roßkar.

[Bild: Was für ein steiler Felszahn! - Die Zsigmondyspitze 3089 m.]

[Bild: Wir folgen zunächst dem markierten Weg Richtung Melkerscharte durch das Roßkar - die Feldscharte (2909 m.) rechts der Zsigmondyspitze ist das nächste Etappenziel]

Mit der Zeit prägen zunehmend große Felsplatten und Blockwerkhalden die Umgebung. Die Zsigmondyspitze ist während der ganzen Zeit omnipräsent – was für ein toller Berg!

[Bild: Schön, wenn beim Zustieg der Berg so vor einem liegt! - Zsigmondyspitze (3089 m.) in all ihrer Pracht]

[Bild: Im von Blockwerk, Schutt und Felsplatten geprägten Roßkar - rechts die Zsigmondyspitze 3089 m.]

Kurz nach dem unscheinbaren Eissee (man kann natürlich bereits viel früher die Feldscharte anpeilen) verlassen wir die markierte Route und wenden uns nach rechts – unser Ziel ist nun zunächst einmal die markante Feldscharte (2909 m.) – zwischen Zsigmondyspitze und Rosskopf. Wie man dorthin gelangt, ist letztlich jedem selbst überlassen – man muss sich die für sich selbst beste Route über zahllose Felsplatten, Blockwerk- und Geröllflanken suchen (je nach Wegwahl auch leichte Kraxelei bis I). Das Ziel ist vorgegeben (es liegt direkt vor einem) – daher fällt die Orientierung (bei nebelfreiem Wetter) sehr leicht.

[Bild: Auf geht's Richtung Feldscharte]

[Bild: Zsigmondyspitze 3089 m.]

[Bild: Vor so einem tollen Berg fällt das Posieren nicht allzu schwer]

Technisch unschwierig – aber etwas anstrengend und mühsam – nähern wir uns langsam dem imposanten Bergkörper der Zsigmondyspitze.

[Bild: Über Blockwerk und Platten geht es Richtung Feldscharte]

Über ein paar mäßig steile Schneefelder erreichen wir schließlich die schroffe Feldscharte (2909 m. – einschüchtern-wilde Tiefblicke über das Sonntagsfeld in den Floitengrund!)

[Bild: Blick zurück ins Roßkar]

[Bild: Über der Feldscharte ragt unmittelbar der steile Südgrat der Zsigmondyspitze in den Himmel]

[Bild: Tiefblick in den Floitengrund - darüber der Floitenkamm - rechts die markante Lapenscharte 2700 m. - links davon der Gigalitz 3001 m.]

Von der Feldscharte (sinnvollerweise peilt man sie von vornherein nicht direkt an) geht es ein Stück nach links und anschließend über erdig-brüchige Felsblöcke bergauf zum Anseilplatz – direkt unterhalb des Südgrates.

[Bild: Anseilplatz knapp oberhalb der Feldscharte]

Da wir eine sehr große Gruppe sind, dauert es relativ lange – aber irgendwann geht es dann doch los, nun beginnt die „eigentliche“ Tour! Vom Anseilplatz geht es in direkter Linie über den blockigen Grat bergauf (ca. 80 Höhenmeter, durchgehend II, steil aber gutgriffig)

[Bild: Was für ein Horn! - Blick zurück zum nordwestlichen Endpunkt der Rossköpfe - links deren düstere Nordostwand]

[Bild: Unterer Teil des Zsigmondyspitze Südgrates]

[Bild: Da lacht das Kletterer-Herz - genussvoll geht es im IIer Gelände steil, aber griffig bergauf]

[Bild: Tiefblick über den unteren Teil des Südgrates]

[Bild: Das Wetter hält, der Fels ist fest - da freut man sich doch auf den Rest]

In Form einer abschüssigen Querung geht es schließlich bis kurz vor den Steilaufschwung des Direkten Südgrates (bis V-)

[Bild: Steilaufschwung des Direkten Südgrates]

Hier queren wir vorsichtig nach links und verfolgen ein markantes, leicht abfallendes Band in die Südwestwand (etwa in der Mitte gibt es eine direkte Variante – siehe Topo – 30 Meter, Schwierigkeit IV-V).

[Bild: Auf geht's in die Südwestwand]

[Bild: Blick zum Ochsner (3106 m.) - ein ziemlich einsamer Berg, den nun wirklich nicht jeder kennt]

Meistens ist es plattiges Gehgelände – Seilsicherung scheint überflüssig – bei einer ziemlich glatten, ausgesetzten und griffarmen Platte (III) bin ich jedoch froh, dass ich entsprechend gesichert bin.

[Bild: Kurz vor der glatten Platte]

[Bild: Hohe Ausgesetztheit in der Südwestwand  -  links der wuchtige Ochsner 3106 m.]

[Bild: Die in meinen Augen unangenehmste Stelle des Normalweges - die Querung der glatten, griffarmen und ziemlich ausgesetzten Platte in der Südwestwand - es sieht auf dem Foto harmlos aus, ist aber relativ schwierig - ohne Seilsicherung sicher noch eine Ecke fordernder!]

Nach etwa 100 Metern endet die Querung.

[Bild: Blick zurück]

In grasig-plattigem Gelände (I/I+) geht es anschließend direkt hoch zu einem steilen, schräg nach rechts ansteigenden Band.

[Bild: In leichter Kletterei (I/I+) geht es aufwärts zu dem Band - die Scharte rechts oben ist das nächste Ziel]

[Bild: Gehgelände]

[Bild: Blick zurück über den ersten Teil des Bandes]

Über das Band (Gehgelände) steigen wir in gerader Linie empor zu einer kleinen Scharte im Südgrat (unmittelbar oberhalb des Steilaufschwungs des Direkten Südgrates).

[Bild: Tiefblick über das Band]

[Bild: In der kleinen Scharte oberhalb des Steilaufschwungs des Direkten Südgrates - Blick zum Gipfel]

Anschließend geht es etwa eine Seillänge direkt über den blockigen Grat bergauf (steil und gutgriffig – bis II+/III-) bis unter die Gipfelwand.

[Bild: Knapp unterhalb der Gipfelwand - das Kreuz ist bereits erkennbar]

[Bild: Blick zurück]

Hier bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder klassisch nach rechts („Floitentritt“ II+/III-) und hintenherum auf den Gipfel – oder direkt hoch (IV / kurz, aber herzhaft) zum Kreuz.

[Bild: Über den im Schatten liegenden Riss (IV) geht es direkt hoch zum Gipfelkreuz]

Wir wählen letzteres und schließlich stehe ich nach etwas weniger als 6 Stunden (aufgrund der Gruppengröße haben wir sehr lange gebraucht) auf dem Gipfel der Zsigmondyspitze (3089 m.)

[Bild: Tiefblick vom Gipfel über den obersten Südgrat]

Hatte ich am Morgen noch Bedenken aufgrund des Wetters, bin nun froh, dass es doch relativ gut geworden ist. Wir bleiben etwa eine halbe Stunde auf dem schroffen Gipfel und genießen die uns umgebende Zillertaler Bergwelt: Im Nordwesten der wild-schroffe Verbindungsgrat zur Tiefenkarspitze (2699 m.) sowie links davon der Gunggl. Im Norden und Osten der langgezogene Floitengrund mit dem Floitenkamm darüber (deutlich ist der ein Jahr zuvor erstiegene Gigalitz 3002 m. zu erkennen – Tourenbericht: http://www.stefanmitterer.de/gigalitz-2012.html). Im Südosten, Süden und Südwesten der gesamte Hauptkamm der Zillertaler Alpen (u.a. Großer Löffler 3379 m. – Großer Mörchner 3285 m. – Schwarzenstein 3369 m. – Hornspitzen, Turnerkamp 3420 m. und Großer Möseler 3480 m.) – Im Südwesten der wilde Ochsner (3106 m. – extrem selten bestiegen) sowie dahinter (entfernt) Schrammacher (3410 m.) – Olperer (3476 m.) und Tuxer Hoher Riffler (3231 m.)  -  Was jedoch in meinen Augen vor allem beeindruckt, ist die unmittelbare Umgebung der Zsigmondyspitze – nach Osten hin die erschreckend-steilen Abbrüche der Ostwand mit dem weltenfernen Sonntagsfeld darunter, im Südosten das Horn des Rosskopfes (3028 m.) sowie südwestlich die Weiten des Roßkares – In der Tat, nicht nur von unten ist die Zsigmondyspitze ein schroffer Gipfel!

[Bild: Großer Löffler 3379 m. - Östliche Floitenspitze 3151 m. - Westliche Floitenspitze 3194 m. - Großer Mörchner 3285 m. und Schwarzenstein 3369 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Schwarzensteinkees, III. Hornspitze 3253 m. (mit Hornschneid), Turnerkamp 3420 m. und Großer Möseler 3480 m. sowie in der Tiefe das Roßkar - von links nach rechts]

[Bild: Floitenkamm - rechts die Lapenscharte 2700 m. mit dem Gigalitz 3002 m. links daneben - links hinten die Ahornspitze 2973 m. - ganz rechts hinten die Wollbachspitze 3210 m.]

[Bild: Auf dem Gipfel der Zsigmondyspitze 3089 m.]

[Bild: Wie wär's mit einem Abstieg über den wilden Nordwestgrat?!]

[Bild: Vielleicht ein anderes Mal - für den anspruchsvollen Zsigmondyspitze Nordwestgrat (Lammergrat) bin ich noch nicht gut genug]

[Bild: Links der Ochsner 3106 m. - rechts das Kar „In der Gunggl“ - im Hintergrund Schrammacher 3410 m. - Olperer 3476 m. und Tuxer Hoher Riffler 3231 m. - von links nach rechts]

[Bild: Großer Löffler 3379 m. mit dem Floitenkees - rechts die Östliche Floitenspitze 3151 m.]

[Bild: Großer Mörchner 3285 m. - Schwarzensteinkees und Schwarzenstein 3369 m.]

[Bild: I. Hornspitze (3170 m.) - II. Hornspitze (3199 m.) - III. Hornspitze (3253 m. - auch Berliner Spitze genannt) mit der Hornschneid, IV. Hornspitze (3197 m.) und V. Hornspitze (3146 m.)  -  von links nach rechts]

Da wir nicht wissen, wie lange wir zurück zur Berliner Hütte brauchen werden (wenn wir so eine große Gruppe sind), machen wir uns nach einer guten halben Stunde schließlich an den Abstieg – oder besser gesagt, ans Abseilen. Zunächst seilen wir direkt vom Gipfel auf das ansteigende (zum Südgrat verlaufende) Band ab.

[Bild: Abseilen vom Gipfel]

Anschließend seilen wir noch einmal über die Südwestwand ab (rechts um den Steilaufschwung des Direkten Südgrates herum – sinnvollerweise seilt man jedoch direkt über diesen ab) – bis auf das markante, quer verlaufende Band. Anschließend geht es schräg nach links und zurück zum Südgrat.

[Bild: Blick zurück in die Südwestwand - rechts oben der Gipfel]

Theoretisch kann man nun den Rest getrost abklettern (80 Meter anhaltend II), was ich schließlich auch tue, denn die Anderen wollen auch diesen letzten (bzw. ersten) Teil des Grates abseilen – was mir (natürlich aufgrund der Gruppengröße) deutlich zu lange dauern würde.

[Bild: Abstieg über den unteren Südgrat]

Wieder am Anseilpunkt angekommen, schaue ich den Anderen beim Abseilen zu – und da es wie erwartet relativ lange dauert, ergibt sich mir die willkommene Gelegenheit einer weiteren Pause, während der ich die mich umgebende Bergwelt der Zillertaler Alpen erneut geradezu aufsauge.

[Bild: Abseilen über den unteren Südgrat]

[Bild: I. Hornspitze (3170 m.) - II. Hornspitze (3199 m.) - III. Hornspitze (3253 m. - auch Berliner Spitze genannt) mit der Hornschneid, IV. Hornspitze (3197 m.) und V. Hornspitze (3146 m.) sowie Schwarzensteinkees (links) und Hornkees (rechts) - von links nach rechts]

[Bild: Turnerkamp (3420 m.) - Roßruggspitze (3304 m. - mit Roßrugg-Grat) und Großer Möseler 3480 m. sowie Hornkees (links) und Waxeggkees (rechts)  -  von links nach rechts]

[Bild: Ochsner 3106 m. - rechts hinten der Olperer 3476 m.]

Als schließlich alle wieder gesund und munter den Anseilplatz erreicht sowie ebenfalls eine Pause gemacht haben, machen wir uns an den Abstieg zur Berliner Hütte.

Über erdiges Geröll und Blockwerk geht zunächst bergab ins obere Roßkar. Anschließend suchen wir uns erneut unsere eigene Route über Altschneefelder (jetzt im Abstieg bevorzugt), Platten und Felsblöcke zurück zum Eissee.

[Bild: Blick zurück zur Zsigmondyspitze 3089 m.]

[Bild: Zsigmondyspitze 3089 m. - rechts die Feldscharte 2909 m.]

Nun auch wieder auf einem markierten Pfad, geht es über zahlreiche plattige und blockreiche Erhebungen sanft abfallend in südliche Richtung. Nach einiger Zeit stoßen wir schließlich wieder auf den Weg Nr. 502 (Berliner Höhenweg)

[Bild: Auf dem Weg zurück zum Schwarzsee - im Hintergrund Turnerkamp (3420 m. - mit Hornkees) und Großer Möseler 3480 m. - mit Waxeggkees]

Diesem folgen wir bis zum oberen Ende einer begrünten Schrofenflanke. Über diese geht es anschließend abwärts zum Schwarzsee (2472 m.) – Beim Blick zurück zeigt sich dabei die Zsigmondyspitze ein letztes Mal in all ihrer Pracht!

[Bild: Abstieg zum Schwarzsee]

[Bild: Zsigmondyspitze 3089 m.]

Am Schwarzsee angekommen, machen wir keine Pause, sondern setzen den Abstieg zur Hütte unmittelbar fort. Über die weiten Grasflanken des Feldkares leitet der Steig (mit Felsplatten befestigt) in Form einer langen, leicht abfallenden Querung in südwestliche Richtung – den vergletscherten Hauptkamm immer im Blickfeld.

[Bild: Im Feldkar - der mit Felsplatten befestigte Weg lässt sich sehr komfortabel begehen]

[Bild: Auf dem Weg zurück zur Berliner Hütte - links im Hintergrund das Waxeggkees - rechts ist deutlich die Schönbichler Scharte (3081 m.) zu erkennen]

Zuletzt geht es in einigen Serpentinen über die gras- und latschenkieferbewachsenen Hänge der Schwarzensteinalpe zurück zur Berliner Hütte

[Bild: Blick zur Berliner Hütte 2042 m. - deutlich sind die Moränen von Hornkees (links) und Waxeggkees zu erkennen  -  als die Hütte 1879 erbaut wurde, reichte das Hornkees noch fast bis zur Haustür]

Es ist kurz vor halb 5, insgesamt haben wir etwa 10 Stunden gebraucht.

[Bild: Wieder bei der Berliner Hütte 2042 m.  -  dahinter das Steinmannl 2635 m. - auch Steinmandl genannt]

Der weitere Abend geht schnell vonstatten – Wir unterhalten uns über die bewältigte Tour und stellen Überlegungen bezüglich des kommenden Tages an. Die Wettervorhersage ist eigentlich die gleiche wie für heute – wenn dem so wäre, könnten wir im nahen Klettergarten (nomen est omen) ein wenig klettern. Mal schauen, wie es wird.

[Bild: Blick zum Waxeggkees - der Große Möseler (3480 m.) hüllt sich in Wolken]

[Bild: Blick von der Berliner Hütte zum Großen Mörchner (3285 m. - rechts)  -  unterhalb der Wolke der Mörchenschartenkopf (2957 m.) mit der Nördlichen Mörchenscharte (2872 m.) links davon]

3. Tag        Berliner Hütte  -  Alpenrosenhütte  -  Grawandhütte  -  Zemmgrund  -  Klausenalm  -  Alpengasthaus Breitlahner

Nichts ist es mit klettern – In der Nacht hat es geregnet, der Fels ist nass und ein dichter, eiskalter Nebel (inklusive Wind) weht um die Hütte. Nachdem wir noch ein wenig gewartet haben, machen wir uns gegen viertel vor 10 an den Abstieg – wir haben die Zsigmondyspitze erfolgreich und bei gutem Wetter bestiegen. Mission erfüllt! – und so fällt uns der Abschied von der Berliner Hütte (im Gegensatz zu den Wanderern, die sich Richtung Greizer Hütte bzw. Furtschaglhaus aufmachen) durchaus leicht.

[Bild: Großer Hauptraum der Berliner Hütte]

[Bild: Bis zum nächsten Mal! - Abschied von der Berliner Hütte 2042 m.]

Da der Weg durch den Zemmgrund am ersten Tag (inklusive zahlreicher Bilder) ausführlich beschrieben ist, wird an dieser Stelle darauf verzichtet. Ein paar Bilder dokumentieren dennoch unseren Abstieg zum Alpengasthaus Breitlahner, für den wir etwa 2 Stunden brauchen.

[Bild: Wieder bei der Alpenrosenhütte]

[Bild: Kurz nach der Alpenrosenhütte]

[Bild: Abstieg durch den Zemmgrund]

Kurz nach Mittag stehen wir schließlich wieder bei unseren Autos. Trotz des etwas wechselhaften Wetters – eine absolut erfolgreiche und gelungene Sektionstour! Ich freu’ mich schon auf die Nächste.

[Bild: Wiederankunft beim Alpengasthaus Breitlahner]

Wie sich die Zeiten ändern! Galt der Feldkopf vor 140 Jahren noch als „unersteigbar“, wird die Zsigmondyspitze heutzutage von Kletterern geradezu überrannt. Vor allem der Normalweg erfreut sich aufgrund seiner moderaten Schwierigkeit, geringen Gefährlichkeit und relativen Kürze großer Beliebtheit – und das zu Recht! Ein formschöner Berg und fester Fels – das zieht die Bergsteiger/Kletterer an, wie das Licht die Motten – aber damit muss man leben. Wer die Zsigmondyspitze jedoch unter der Woche (und vielleicht sogar noch außerhalb der Hauptsaison) angeht, wird sie dagegen häufig ganz für sich alleine haben. Es ist halt wie so häufig bei Modebergen – sie verkörpern das zu Stein gewordene Mainstream-Interesse der alpinen Bergsteigerszene. Doch wer die Zsigmondyspitze nur aus dem Grund meidet, weil er Angst vor den Massen hat, der ist selbst schuld. Schließlich ist es ein Berg mit Geschichte – ein Berg mit Ausstrahlung. Und letztlich gilt wohl: Wer die Zsigmondyspitze machen kann, will sie auch machen – spätestens dann, wenn man sie zum ersten Mal sieht. Denn Aussehen und Ambiente sind einfach herausragend – und die Position dort oben am Gipfel – faszinierend!

[Bild: Auf der Zsigmondyspitze]

 

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