2011 – Watzmann Hocheck (2651 m.)

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   F+  oder  L+   (T3/3+  oder  W3/3+)

Charakter:  Das Hocheck ist der nördlichste Gipfel des Watzmann  -  des zentralen Bergmassivs der Berchtesgadener Alpen. Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind bei dieser Bergtour unbedingt notwendig. Ein Drahtseil entschärft an einer Stelle den Aufstieg  -  Dieser führt über schroffes Geröll – und Blockgelände. Klettern im I. Schwierigkeitsgrad wird verlangt. Insgesamt eine wirklich eindrucksvolle und aussichtsreiche Bergtour ins Herz der Berchtesgadener Alpen. Am besten sollte man sich diese Tour auf zwei Tage aufteilen und im Watzmannhaus übernachten  -  ansonsten hat man einen wirklich anstrengenden und langen Tag vor sich. Vom Gipfel des Hocheck hat man bei gutem Wetter ein wirklich fantastisches Panorama. Der Weiterweg Richtung Mittel - / Südspitze ist (sowohl von den Schwierigkeiten - als auch von den Gefahren her) eine andere Herausforderung.

Gefahren:  Kaum objektive Gefahren. Der Aufstieg zum Watzmannhaus ist anstrengend, aber ungefährlich. Der Aufstieg zum Hocheck ist wiederum gut markiert und an der heikelsten Stelle durch ein Drahtseil entschärft. Aufgrund des nahen Watzmannhauses kann auf eventuelle Wetterumschwünge schnell reagiert werden  -  anders als am Grat ist eine Umkehr in der Regel gut möglich. Trotzdem sollte diese Tour nur bei sicherem Wetter unternommen werden. Bei Schneelage oder Vereisung wird die Tour eine Stufe anspruchsvoller. Die Unterstandshütte am Gipfel mildert ebenfalls die Risiken. Ohne alpine Grundkenntnise kann aber auch diese Tour gefährlich werden. Auch sollte man sich über die Dimensionen des Berges und die zu erbringenden Höhenmeter im Klaren sein.


 25. Juli  -  26. Juli  2011

Zwei-Tages-Tour in die Berchtesgadener Alpen zum Watzmannhaus mit Besteigung des Watzmann Hochecks (2651 m.)

Privat organisierte Tour  -  alleine begangen  (Watzmann-Überschreitung aufgrund von Neuschnee und Vereisung nicht möglich)

[Bild: Watzmann Hocheck 2651 m.]

1. Tag        Wimbachbrücke  -  Stubenalm  -  Mitterkaseralm  -  Falzalm  -  Watzmannhaus

Meine erste Bergtour in diesem Sommer führt mich in die Berchtesgadener Alpen. Ich habe mir als Ziel die Watzmann-Überschreitung gesetzt. Neben dem Cimon della Pala (3184 m.) ist der Watzmann mein absoluter Traumberg. Schon als kleines Kind war ich von ihm fasziniert, als ich mit meiner Mutter den kompletten Watzmann umrundete und auch dem Watzmannhaus einen Besuch abstattete. Schon oft habe ich mich mit diesem fantastischen Berg befasst und viel über die gigantische, 1800 Meter hohe Ostwand, die Überschreitung und seine interessante Besteigungsgeschichte gelesen. Nachdem das Wetter lange Zeit ziemlich mies war, will ich nun ein Wetterfenster nutzen und versuchen den Watzmann zu überschreiten. Zum ersten Mal bin komplett alleine in den Bergen unterwegs. Ich bin guter Dinge, bis ich im Zug nach Berchtesgaden von einer Kontrolleurin erfahren muss, dass der Watzmann aufgrund des schlechten Wetters der vergangenen Tage angeblich halb mit Neuschnee bedeckt ist. In Berchtesgaden angekommen, werfe ich sofort einen Blick in Richtung Watzmann. Doch eben dieser ist in Wolken verschwunden...

Ein Bus bringt mich zur Wimbachbrücke (634 m.)   von wo aus meine Tour starten soll. Von hier aus starten die meisten Menschen in Richtung Watzmannhaus. Für die etwa 1300 Höhenmeter sollte man mit durchschnittlich 3-4 Stunden rechnen. Von der Wimbachbrücke kann man außerdem ins Wimbachtal wandern. Auf breitem Wirtschaftsweg geht es zunächst aufwärts.

[Bild: Auf dem breiten Forstweg geht es zunächst bergauf in Richtung Stubenalm]

Dieser Weg wird häufig von Autos befahren, die entweder die Materialseilbahn des Watzmannhauses, bzw. eine der Almen beliefern, oder aber Forstarbeiten zu erledigen haben. Da dieser Weg zum Watzmannhaus sehr häufig begangen wird, muss er dementsprechend in Schuss gehalten werden. Recht eintönig führt der Weg zunächst durch schattigen Bergwald aufwärts. An einigen Stellen lichtet sich der Wald und je höher ich steige, desto freier wird die Sicht. Neben dem Weg sind an vielen Stellen Bäume entwurzelt. Offenbar waren die Unwetter der vergangenen Tage und Wochen ziemlich heftig. Ich setzte den Aufstieg unbeirrt fort und folge dem Wirtschaftsweg weiter in Richtung Stubenalm. Alle 100 Höhenmeter informiert eine Tafel am Wegesrand unter anderem über die aktuelle Höhe, sowie über die Gesamtdistanz zum Watzmannhaus und wie viel noch zu gehen ist.  Nach einiger Zeit lichtet sich der Wald ein wenig und ich erreiche die Stubenalm, welche zu diesem Zeitpunkt bewirtschaftet ist. Von hier aus habe ich einen tollen Ausblick auf Reiteralpe und Untersberg.

[Bild: Blick zurück zur Stubenalm]

Ich folge dem Weg weiter aufwärts. Nach der Alm führt er in einigen Windungen wieder in den Wald, welcher jedoch mit zunehmender Zeit immer lichter wird. Nach kurzer Zeit erreiche ich die Materialseilbahn des Watzmannhauses. Von hier bietet sich mir nun erstmals der Blick nach oben auf das Falzköpfl, auf dem mein heutiges Tagesziel – das Watzmannhaus (1930 m.) thront.

[Bild: Blick zum Watzmannhaus 1930 m.]

Dichter Nebel hängt oberhalb der Hütte und verhindert jegliche Sicht auf das Hocheck. Nach der Materialseilbahn wird der Weg zwar ein wenig schmaler, jedoch ansonsten nicht anders oder schwieriger. An der Mitterkaser Forst-/Diensthütte geht es vorbei und ziemlich schnell erreiche ich die Mitterkaseralm 1405 m.

[Bild: Blick zum Kleinen Watzmann 2307 m.  -  recht die Mitterkaseralm]

[Bild: Kleiner Watzmann 2307 m.]

Auch diese Alm ist bewirtschaftet. Weiter geht es durch den Wald in Richtung Wetterklimastation, die ich nach kurzer Zeit erreiche. Von hier aus führt der Weg nun als teils steiniger Pfad durch den lichter werdenden Wald aufwärts.

[Bild: zwischen Wetterklimastation und Falzalm]

Abseits des Pfades beeindrucken die vielen wunderschönen Blumen. Nachdem ich den Wald verlassen habe, offenbart sich mir nun der Blick auf einige der bekanntesten Berge der Berchtesgadener Alpen. Ich erkenne den Jenner (1874 m.)  - den Schneibstein (2276 m.)  -  sowie den etwas weniger bekannten Kahlersberg (2350 m.)  -  zweithöchster Gipfel des Hagengebirges. Darüber hinaus sehe ich den Hohen Göll (2522 m.)  -  wobei  wie beim Watzmann Hocheck der Gipfel  von Wolken verdeckt wird. Ich folge dem Weg weiter, bis ich schließlich die Falzalm erreiche. Hier teilt sich nun der Weg: Der eine Weg führt bergab zur Kührointhütte 1420 m.

[Bild: Blick zum Schneibstein  2276 m. und zum Kahlersberg 2350 m.  -  links unten die Kührointhütte]

Der andere Weg führt in Richtung Watzmannhaus 1930 m. Leider sind der Kleine Watzmann (Watzmannfrau) 2307 m.   -   sowie das Hocheck nun komplett im Nebel verschwunden. Auf dem Weg nach oben treffe ich auf viele Tagesgäste vom Watzmannhaus, sowie auf die ein oder andere Kuh. Obwohl das Wetter unbeständig und es zudem noch ein Montag ist, sind recht viele Menschen unterwegs. Von der Falzalm führt der angelegte Weg nun in vielen Windungen in Richtung Falzköpfl aufwärts.

[Bild: Aufstieg zum Watzmannhaus]

Neben der Baumgrenze habe ich leider auch die Nebelgrenze erreicht. Von den Berchtesgadener Alpen und vom Watzmann kriege ich erst mal nichts mehr mit. Lediglich ins Watzmannkar habe ich manchmal einen Blick. Knapp unterhalb des Watzmannhaus komme ich schließlich an die schwierigste Stelle des heutigen Tages: Auf den letzten Metern wird der Steig ziemlich schmal und verlangt durchaus Trittsicherheit. Drahtseile und einige Tritthilfen aus Holz helfen aber beim Aufstieg. Dieser Wegabschnitt ist aber nicht schwierig oder gefährlich. Jeder einigermaßen fitte Bergwanderer wird das Watzmannhaus ohne Probleme erreichen.

[Bild: kurz vor dem Watzmannhaus  -  Drahtseile und Tritthilfen aus Holz erleichtern den Aufstieg]

Schließlich stehe ich im Sattel zwischen Falzköpfl (Watzmannhaus) und Hocheck. Ich schaue auf die Uhr:  Etwas mehr als 2,5 Stunden für ca. 1300 Höhenmeter  -  gar nicht schlecht für die erste richtige Bergtour des Jahres.  Das Watzmannhaus (1930 m.) gehört der Sektion München. Erbaut wurde es bereits 1888, bzw. erweitert 1894, sowie 1911. Das Watzmannhaus bietet Platz für 212 Personen (50 Zimmerlager, 162 Matratzenlager)  -  wobei selbst diese große Zahl an Schlafplätzen manchmal nicht ausreicht. Das Watzmannhaus ist DER Watzmann-Stützpunkt. Fast aller Bergsteiger, die an eine Watzmannbesteigung denken, wählen diese Hütte als Übernachtungsplatz. Abgesehen vom Watzmann gibt es zwar kaum Tourenmöglichkeiten. Dennoch ist dies eine der größten Berghütten der Ostalpen.

[Bild: Watzmannhaus 1930 m.]

Da ich alleine komme, habe ich nicht reserviert. Kommt man jedoch mit vielen Anderen als Gruppe, ist eine Reservierung dringend notwendig! Ob nun Tagesbesuch, Hocheck oder gar die Watzmannüberschreitung  -  das Watzmannhaus wird von vielen Menschen besucht. Und da es keine Seilbahn am Watzmann gibt, ist er bergsteigerisch deutlich wertvoller als die Zugspitze 2962 m.

[Bild: eine Gämse  -  unmittelbar neben dem Watzmannhaus]

Nachdem ich mir meinen Schlafplatz besorgt habe, verbringe ich die restliche Zeit des Tages damit mich zu entspannen, Zeitschriften zu lesen und ab und zu vor die Hütte zu gehen um Fotos zu machen.

[Bild: Blick vom Watzmannhaus ins Berchtesgadener Land  -  hinten der Untersberg 1973 m.]

Mit zunehmender Zeit wird der Nebel nämlich weniger und ich habe schließlich einen fantastischen Blick auf den Kleinen Watzmann (2307 m.)  -  sowie auf den Hochkalter (2607 m.)  -  den Hohen Göll (2522 m.)  -  Schneibstein (2276 m.)  - Kahlersberg (2350 m.)  und Untersberg (1973 m.)

[Bild: Kleiner Watzmann 2307 m.]

[Bild: Blick vom Watzmannhaus zum Watzmann  -  der Weg führt über den schroffen, gerölligen Nordrücken aufwärts  -  die scheinbare Spitze ist der Felsaufschwung, an dem Drahtseile angebracht sind  -  der Gipfel des Hocheck ist nicht sichtbar]

Als ich auf der Terrasse stehe, liegt mir das Berchtesgadener Land zu Füßen. Ich kann ja verstehen, dass viele Leute als Tagesgäste dem Watzmannhaus einen Besuch abstatten. Aber am Abend hier zu stehen, wenn die Sonne untergeht, die Berge in fantastischen Farben leuchten und man ins Tal auf ein Lichtermeer blickt  -  das kann man nur erleben, wenn man auf Hütten wie dem Watzmannhaus übernachtet.

[Bild: Blick von der Terrasse des Watzmannhauses zum Hochkalter 2607 m.]

Nach dem guten Abendessen gehe ich relativ früh ins Bett, da ich morgen früh aufstehen möchte. Auch wenn angeblich Schnee oberhalb von 2300 Meter liegt, will ich aufsteigen. Das Ziel ist das Watzmann Hocheck (2651 m.)  -  Wahrscheinlich wird die Überschreitung mit Neuschnee und möglicherweise sogar Vereisung nicht möglich sein. Zudem habe ich kein Klettersteigset dabei, was man zwar nicht zwingend braucht, jedoch die Sache schon deutlich erleichtert. Na ja, ich werde ja sehen…

2. Tag        Watzmannhaus  -  Watzmann Hocheck  -  Watzmannhaus  -  Falzalm  -  Mitterkaseralm  -  Stubenalm  -  Wimbachbrücke

Am nächsten Morgen schleiche ich als einer der Ersten aus der Hütte. Es ist zwar schon hell, aber die meisten Leute schlafen noch. Einige sind jedoch schon im Dunkeln aufgebrochen. Sie wollen die Überschreitung wohl auf jeden Fall machen. Das Wetter ist in jedem Fall klasse. Nur ein paar harmlose Wolken sind am Himmel  -  es wird ein schöner Tag! Nachdem ich ein paar Fotos gemacht habe, mache ich mich auf Richtung Watzmann Hocheck. Vom Watzmannhaus geht zunächst ein Stück abwärts und vom Sattel in Süd/Westrichtung aufwärts. In vielen Serpentinen führt der Steig über den Nordrücken des Hocheck bergauf.

[Bild: Aufstieg über den Nordrücken des Hocheck]

Der Weg führt anfangs über Geröll, ist gut markiert und nicht schwierig. Mit der Zeit wendet sich der Steig immer mehr dem Gratrücken des Hocheck zu.

[Bild: Kleiner Watzmann 2307 m.  -  der Aufstieg führt von rechts aus dem Watzmannkar über den Westgrat auf den Gipfel  -  links im Hintergrund der Kahlersberg 2350 m.  -  rechts der Hochkönig 2941 m.]

Über Schrofen und Geröll geht es immer weiter bergauf. An manchen Stellen steige ich auch direkt auf dem Grat aufwärts. Dabei habe ich fantastische Ausblicke ins Watzmannkar, auf die Watzmannkinder, sowie auf den Kleinen Watzmann (2307 m.)

[Bild: Blick ins Watzmannkar und zu den Watzmannkindern  -  links beginnt der Westgrat des Kleinen Watzmann  -  im Hintergrund Hochkönig und Steinernes Meer]

Schließlich erreiche ich die schwierigste Stelle: Einen steilen Felsaufschwung („Hochstieg“) der mit Drahtseilen versichert ist.

[Bild: Knapp unterhalb des Felsaufschwungs]

Ich bringe den Steilaufschwung gut hinter mich und  steige weiter nach oben. Dabei bleibe ich stets westlich (im Aufstieg: rechts) des Gratrückens. Mit dem Felsaufschwung habe ich auch die Schneegrenze erreicht. Zum Glück ist es nicht so schlimm wie ich vermutet habe. Zwar liegt relativ viel Schnee, allerdings gibt es kein Eis und gut begehbar ist der Schnee auch.  Je höher ich steige, desto mehr führt der Weg über große Felsen und Platten. An manchen Stellen muss man sogar kurz die Hände benutzen. Dennoch ist der Aufstieg relativ leicht. Das Gelände bleibt zwar geröllig und schroff, ist aber an keiner Stelle gefährlich oder ausgesetzt.

[Bild: Aufstieg über die schroffe, geröllige Nordflanke des Hocheck  -  über Felsblöcke und Platten geht es in Richtung Gipfel]

Die Möglichkeiten sich beim Aufstieg zum Hocheck zu verletzten sind sehr gering. Die meisten Unfälle am Watzmann passieren in der Ostwand, sowie zwischen Mittelspitze und Wimbachgrieshütte. Ich bleibe stets westlich der Gratlinie und folge dem Geröllpfad weiter nach oben. Über Schrofen und Felsplatten geht es zügig aufwärts und schließlich erreiche ich den Gipfel des Watzmann Hocheck 2651 m.

[Bild: der Gipfel des Watzmann Hocheck 2651 m. mit den zwei Gipfelkreuzen  -  neben dem linken Kreuz sitzt ein Kaninchen!]

Zwei Gipfelkreuze bewachen den Gipfel. Nachdem ich einen Blick auf den Grat in Richtung Mittelspitze geworfen habe, verwerfe ich die Gedanken an eine Überschreitung. Der Grat ist komplett mit Schnee bedeckt.

[Bild: Watzmann Mittelspitze 2713 m.  -  links die Ostwand  -  im Hintergrund das Steinerne Meer und dahinter die Hohen Tauern]

Für mich ist heute hier Endstation. Ich möchte die Überschreitung machen, wenn die Verhältnisse gut sind. Diese Tour soll Spaß machen und ein Genuss sein. Man sollte sich während der Überschreitung nicht dauernd Gedanken machen, ob die Sache nicht zu heikel ist. So habe ich einen guten Grund sehr bald wieder zu kommen! :)

[Bild: Gipfelfoto]

[Bild: Blick vom Watzmann Hocheck zum Aufstiegsweg  -  2000 Meter tiefer liegt Berchtesgaden]

[Bild: Watzmann Mittelspitze 2713 m.  -  links das Steinerne Meer mit der Schönfeldspitze 2653 m.  -  rechts der Große Hundstod 2593 m.  -  in der Ferne die Hohen Tauern]

[Bild: Watzmann Mittelspitze 2713 m. vom Hocheck  -  links die Schönfeldspitze 2653 m.  -  rechts der Große Hundstod 2593 m.  -  in der Ferne die Hohen Tauern]

Die Aussicht ist gigantisch. Zwar verdeckt die Watzmann Mittelspitze (2713 m.) einen Teil der Aussicht nach Süden, dennoch ist das Panorama sehr beeindruckend. Fern im Süden erkenne ich die Hohen Tauern mit dem Großvenediger (3666 m.)

[Bild: Blick über die Unterstandshütte am Watzmann Hocheck zu den Leoganger Steinbergen und zu den fernen Hohen Tauern mit dem dominierenden Großvenediger 3666 m.]

Im Westen ragt der Hochkalter (2607 m.) als ebenbürtiger Nachbar des Watzmann in den Himmel.

[Bild: Blick vom Hocheck zum fantastischen Hochkalter 2607 m.  -  links im Hintergrund die Loferer Steinberge]

Dahinter erkenne ich die Leoganger und Loferer Steinberge, sowie die Chiemgauer Alpen und die Reiteralpe. Nach Norden hin habe ich komplett freie Sicht. In diese Richtung gibt es keinen höheren Berg als den Watzmann. Im Osten erkenne ich den Hohen Göll (2522 m.)  -  Schneibstein (2276 m.)  -  Kahlersberg (2350 m.) und Hagengebirge. Im Süd/Osten ragt der höchste Gipfel der Berchtesgadener Alpen  -  der Hochkönig (2941 m.)  -  in den Himmel.

[Bild: der Hochkönig 2941 m.  -  einer der dominantesten und selbstständigsten Berge der gesamten Alpen]

Zudem habe ich freie Sicht auf das Steinerne Meer. Funtenseetauern (2578 m.) und Schönfeldspitze (2653 m.) grüßen herüber. Neben der Watzmann Mittelspitze erkenne ich einen weiteren markanten Berg: den Großen Hundstod (2593 m.)  - einen der tollsten Aussichtsberge der Berchtesgadener Alpen. Und 2000 Meter tiefer glänzt der Königssee. Der Watzmann hat durchaus Dimensionen, wie man sie in den Westalpen wiederfindet. Ich bleibe 1,5 Stunden am Gipfel und genieße die fantastische Aussicht. Das Wetter ist gut, nur ein wenig kalt ist es. Während ich es mir am Gipfel gemütlich mache, treffen viele andere Bergsteiger am Hocheck ein. Viele bleiben wie ich hier und gehen dann wieder zum Watzmannhaus. Es gehen jedoch auch viele weiter Richtung Mittelspitze. Na ja, wenn sie es unbedingt machen müssen…

Nachdem ich viel Zeit am Gipfel verbracht habe, mache ich mich schließlich auf in Richtung Watzmannhaus. Zu lange kann ich dann doch nicht hier bleiben, schließlich muss ich heute noch 2000 Höhenmeter hinunter. Nach einigen letzten Fotos steige ich über die schroffe, geröllige Flanke des Hochecks bergab.

[Bild: Abstieg vom Watzmann Hocheck]

Ab und zu werfe ich einen Blick zurück und stelle nach einiger Zeit fest, dass dichter Nebel nun den Gipfel und den Grat verhüllt. Es war eindeutig die richtige Entscheidung zurück zu gehen. Über die steile Felsstufe geht es schnell abwärts. Westlich des Gratrückens und anschließend in vielen Windungen steige ich über das felsige und geröllige Gelände ziemlich schnell bergab, ohne jedoch zu vergessen die Aussicht auf Untersberg und das Berchtesgadener Land zu genießen.

[Bild: Abstieg vom Watzmann Hocheck]

Ich genieße jeden Schritt und erreiche schließlich gemeinsam mit zwei anderen Bergsteigern das Watzmannhaus.

[Bild: Watzmannhaus 1930 m.]

Während einer kurzen Pause auf der Terrasse genieße ich erneut die Aussicht und entspanne ein bisschen. Zusammen mit zwei Studenten steige schließlich in Richtung Wimbachbrücke ab. Die beiden werden jedoch heute nicht nach Hause fahren, sondern noch bis zur Wimbachgrieshütte gehen. Da haben sie noch einiges vor sich…

Leider macht der Fotoapparat kurz unterhalb des Watzmannhauses schlapp. Vom Watzmannhaus geht es zunächst auf angelegtem Steig bergab in Richtung Falzalm. Als wir diese erreichen blicke ich zurück zum Kleinen Watzmann (2307 m.)  - Dieser Gipfel, deutlich schwieriger zu erreichen als die Watzmann Mittelspitze (2713 m.)   erhält deutlich weniger Besuch als die meisten anderen Gipfel der Berchtesgadener Alpen. An der Falzalm geht es vorbei und nach kurzer Zeit erreichen wir die Baumgrenze. Durch den Wald geht es auf gut angelegtem und markiertem Steig abwärts. An der Klimawetterstation geht es vorbei und ab der Mitterkaser Alm gehen wir wieder auf dem breiten Wirtschaftsweg bergab. Wir unterhalten uns und wie das so ist, wenn man sich unterhält, vergeht die Zeit wie im Flug. An der Stubenalm geht es vorbei und schließlich durch den dichter werdenden Wald geht es auf dem Forstweg immer weiter bergab. Kurz vor der Wimbachbrücke zweigen die Beiden nach links Richtung Wimbachklamm ab. Wir verabschieden uns und ich wünsche ihnen gutes Wetter für die nächsten 3 Tage. Über die Wimbachgrieshütte wollen sie morgen zum Kärlingerhaus und am nächsten Tag dann nach St. Bartholomä. Ich bin unterdessen sehr zufrieden mit dem heutigen Tag. Ich bin überhaupt nicht traurig, dass es mit der Überschreitung nichts geworden ist. Ich werde noch oft zum Watzmann kommen und die Überschreitung dann machen, wenn die Bedingungen besser sind als heute.   ;)

Das Wetter hat sich unterdessen verschlechtert. Es ist nun trüb und bewölkt. Ja   ich hatte definitiv Glück mit dem Wetter. An der Wimbachbrücke angekommen, muss ich noch etwa 1 Stunde auf den nächsten Bus warten. Wieder in Berchtesgaden angekommen, werfe ich einen Blick in Richtung Watzmann. Doch wie am Tag zuvor ist er in den Wolken verschwunden. Na ja, besser jetzt schlechte Sicht, als oben auf dem Hocheck. Vom Bahnhof geht es mit mehrmaligem Umsteigen wieder zurück nach Traunreut  -  wo ich den Sommer verbringe.  Alles in allem war es eine Traumtour auf einen tollen Gipfel. Der Watzmann ist ein grandioser Berg und ich war mit Sicherheit nicht das letzte Mal dort. Das Wetter hat im richtigen Moment mitgespielt und es war ein toller Auftakt für einen tollen Sommer!

[Bild: Hochkalter 2607 m.]

 

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