2009 – Punkt 3370 m.  /  Taschach-Hochjoch

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   PD-  oder  WS-

Charakter:  Der Punkt 3370 m. der Alpenvereinskarte (Ötztaler Alpen - Wildspitze) ist ein unbedeutender und wenig markanter Gipfel westlich der Petersenspitze und oberhalb des Taschach-Hochjochs. In jedem Fall bietet er  -  inmitten weiter Gletscherflächen gelegen  -  eine fantastische Aussicht auf die ihn umgebenden Berge der Ötztaler Alpen. Insgesamt eine relativ einfache Hochtour. Der Zustieg zum Urkundsattel führt zunächst über Blockwerk und Geröll  -  später über 40° Grad steilen Firn, der bei Blankeis heikel werden kann. Der Weiterweg vom Sattel zum Taschach-Joch führt über eines der oberen Gletscherbecken des Taschachferners. Auch wenn die Spaltengefahr insgesamt relativ gering ist, wird komplette Gletscherausrüstung inklusive Steigeisen, Eispickel und Seil verlangt. Beim Weiterweg vom Taschach-Joch zum Punkt 3370 m. muss man auf Wechten achten. Der Abstieg vom Urkundsattel über den Sexegertenferner Richtung Westen verlangt  -  je nach Verhältnissen  -  eine gute Geländebeurteilung, da sich die Verhältnisse und die Steilheit auf dem Gletscher aufgrund der Ausaperung von Jahr zu Jahr ändern können.   Vom Taschach-Hochjoch ist die Petersenspitze in etwa 30 Minuten leicht erreichbar  -  ebenso ist die Fortsetzung in Richtung Wildspitze möglich.

Gefahren:  Beim Zustieg zum Urkundsattel muss man mit Steinschlag aus den Wänden des Pitztaler Urkunds rechnen. Die steilen Firnpassagen vor dem Sattel können bei extremer Ausaperung bzw. Blankeis ziemlich heikel werden  -  unter Umständen muss dann gesichert werden. Im Bereich des Urkundsattel herrscht Spaltengefahr. Alpine Erfahrung, gute Kenntnisse alpiner Sicherungsmethoden und eine gewisse Umsicht braucht man in jedem Fall, um subjektive Gefahren zu vermeiden. Natürlich sollte diese Tour nur bei sicherem Wetter und guten Verhältnissen unternommen werden.


10. Juli - 12. Juli 2009

Drei-Tages-Tour zum Taschachhaus in den Ötztaler Alpen. Gletscherausbildung am Taschachferner sowie Besteigung eines Nebengipfels der Petersenspitze (3484 m.) - des Punktes 3370 m. der AV-Karte in der Nähe des Taschach-Hochjochs.

Organisiert von Michael Kraus und Reinhold Kraus und durchgeführt im Rahmen einer „DAV-Sektion Karpaten – Alpingruppe Adonis-Tour“  (8 Teilnehmer)

[Bild : Taschachferner vom Taschachhaus aus gesehen - die Petersenspitze 3484 m. ist die Firnkuppe rechts der Mitte  -  links die Taschachwand 3365 m.  -  ganz rechts der Punkt 3370 m.]

1. Tag        Mittelberg  -  Taschachhaus

Ausgangspunkt ist Mittelberg (1734 m.)

Dies ist die erste Hochtour meines Lebens. Vom Parkplatz bei Mittelberg geht es auf breiter Straße zunächst Richtung Taschach-Alm (1796 m.)  -  Der Weg durch das Taschachtal ist lang, aber leicht. Das Taschach Haus ist ein DAV-Ausbildungspunkt und wird daher häufig, sowohl von Tagesgästen, als auch von Hochtourengehern wie uns besucht. Kaum ansteigend geht es auf breiter Straße Richtung Taschach Haus. Wir passieren die Gufelhütte (2043 m.) sowie die Materialseilbahn, von wo man theoretisch seine Rucksäcke zur Hütte transportieren lassen könnte. Ab hier geht es deutlich steiler, auf gut markiertem und ausgetretenem Weg bergauf. Denn von hier sind es immerhin noch etwa 400 Höhenmeter bis zur Hütte.

[Bild : auf dem Weg zum Taschachhaus  -  im Nebel der Urkundkopf]

[Bild: kurz vor dem Taschachhaus]

Nach insgesamt etwa drei Stunden Gehzeit erreichen wir das Taschachhaus 2434 m.

[Bild : Taschachhaus]

Das Taschachhaus ist eine sehr große und saubere AV-Hütte der Sektion München-Oberland. Vor einigen Jahren wurde sie saniert, renoviert und (unter anderem mit einem Klettergarten) erweitert. Die Hütte ist ein beliebter Ausbildungsstützpunkt des DAV und dementsprechend sehr voll, aber man fühlt sich dort sehr wohl. Drei sehr gemütliche Essensräume (bzw. gutes Essen) tragen ihren Teil dazu bei, dass wir uns schon auf den morgigen Tag freuen, wo die Gletscherausbildung auf dem Programm steht.

2. Tag        Taschachhaus  -  Taschachferner  -  Taschachhaus

Heute ist der Taschachferner unser Ziel.

[Bild : Foto von mir mit dem Taschachferner sowie der Taschwand 3365 m. im Hintergrund]

Das Gehen auf dem Gletscher und die Sicherungstechniken stehen im Vordergrund. Von der Hütte steigen wir zunächst Richtung Osten auf gut markiertem Weg Richtung Gletscher  -  wobei wir nicht die einzigen sind. Viele sind jedoch noch deutlich vor uns aufgebrochen  -  sie haben sich die Wildspitze (3768 m.) vorgenommen. Je weiter wir gehen, desto eindrucksvoller wird die Sicht auf den Gletscher. Allerdings ist er in den letzten Jahren enorm zurückgegangen. Allein in einem Jahr ist er einmal etwa 100 Meter geschrumpft. Wir überqueren ein erstes Firnfeld und entdecken die Überreste eines Flugzeugs aus dem 2. Weltkrieg, das hier abgestürzt ist. Wir folgen dem schmalen Steig, der sich an den Ausläufern des Urkundkopfs (2902 m.) entlang windet, weiter Richtung Südosten.

[Bild: Auf dem Weg zum Taschachferner  -  im Hintergrund der Kaunergrat]

Nach etwa einer Stunde befinden wir uns auf dem Gletscher, gehen ans Seil und legen die Steigeisen an.

[Bild : auf dem Taschachferner - im Hintergrund die Taschachwand 3365 m.]

Der Taschachferner ist ideal um zu üben.

[Bild : Sicherung mit Eisschrauben am Blankeis]

Wir üben einige Stunden und kehren gegen Nachmittag zur Hütte zurück. Es hat wirklich Spaß gemacht und viel gelernt habe ich auch.

3. Tag        Taschachhaus  -  Urkundsattel  -  Taschachjoch  -  Punkt 3370 m.  -  Urkundsattel  -  Sexegertenferner  -  Taschachhaus  -  Mittelberg

Am dritten und letzten Tag haben wir uns das Ziel gesetzt, die Petersenspitze zu besteigen.

[Bild: Sonnenaufgang in den Ötztaler Alpen]

Wir steigen zunächst von der Hütte den gleichen Weg wie am Tag zuvor aufwärts, zweigen jedoch nach etwa einer Stunde nach rechts ab, umrunden den Urkundskopf (2898 m.)  -  steigen zunächst über Geröll und Blockwerk aufwärts und schließlich im steilen Firn im Zick-zack bergauf Richtung Urkundsattel (3060 m.)

[Bild: auf dem Weg zum Urkundsattel  -  rechts die Ausläufer des Pitztaler Urkunds 3201 m.  -  in der Ferne die Hochvernagtspitze 3539 m.]

Der Weg dort hinauf ist relativ steil, man sollte eine gute Kondition haben und trittsicher sein. Zudem sind ab Beginn der Firnfelder  -  logischerweise  -  keine Markierungen mehr vorhanden, also sollte man auch auch ein gewisses Talent in den Bereichen Wegfindung und Kartenlesen haben sowie alpinistische Erfahrung mitbringen.

[Bild: Taschachtal  -  rechts die Zunge des Taschachferners]

[Bild : auf dem Weg zum Urkundsattel]

Im Sattel angekommen, haben wir eine fantastische Aussicht. Im Süden die Hochvernagt Wand (3400 m.)  -  im Westen die Hintere Ölgrubenspitze (3296 m.) und im Osten das Taschach-Joch (3241 m.) 

[Bild : Aussicht beim Aufstieg zum Urkundsattel auf den Taschachferner  -  hinten das Mittelberg Joch 3166 m.]

Im Bereich des Urkundsattel lauern einige versteckte Spalten, es ist also Vorsicht geboten. Wir queren den teilweise stark zerklüfteten Gletscher Richtung Osten  -  mit deutlichem Abstand zum Bergschrund der Hochvernagt Wand. Danach geht es 200 Höhenmeter aufwärts Richtung Taschach-Joch. Dort angekommen, verschlechtert sich das Wetter: Nebel zieht auf. Normalerweise hätten wir hier eine tolle Aussicht auf den Vernagtferner  - leider verhindert der Nebel dies. Es ist aber nicht so bedrohlich, dass wir umkehren müssten.

[Bild : zwischen Taschach-Joch und Taschach-Hochjoch]

Im Linksbogen gehen wir vorsichtig weiter Richtung Osten und halten dabei deutlichen Abstand nach Norden, wo es steil in die Tiefe geht. Um einige Felstürme geht es im Bogen langsam aufwärts. Schließlich erreichen wir den unbenannten Punkt 3370 m. der AV-Karte  -  eine kleine Felsinsel umgeben von Eis und Schnee, westlich des Taschach-Hochjochs 3355 m. Es ist zwar kein besonders markanter bzw. ausgeprägter Gipfel, aber dennoch ein stolzes Sekundärziel, welches normalerweise beim Aufstieg zur Petersenspitze mitgenommen wird. Jedoch ist der Weg Richtung Petersenspitze nicht eindeutig erkennbar. Drei Erfahrene von uns gehen weiter zur Petersenspitze, wollen sich den Gipfel trotzdem schnappen. Der Rest  -  inklusive mir  -  kehrt zum Taschach-Joch zurück.

[Bild : auf dem Punkt 3370 m.  -  meinem ersten hochalpinen 3000er]

[Bild: Blick zum Taschach-Hochjoch  -  die obersten 100 Meter der Petersenspitze sind im Nebel]

[Bild: Abstieg vom Punkt 3370 m.]

Kurz vor dem Taschach-Joch entschließen wir uns als zusätzliche Übung eine 45-50° steile Wand etwa 100 Meter vor dem Taschach-Joch hinunter zu gehen. Als Sicherung verwenden wir den toten Mann. Nach etwa 3 Seillängen stehen wir wieder auf ebenem Gletscher.

[Bild : Abstieg in der Nähe des Taschach-Jochs]

Auf ebenem Grund angelangt, sehen wir eine andere Gruppe in der Nähe des Urkundsattel Spaltenbergung üben. Wir gehen den Weg zurück Richtung Sattel, machen eine Pause und warten auf unsere 3 Kameraden, die nach kurzer Zeit auf dem Aufstiegsweg zurück kommen.

[Bild: Blick vom Urkundsattel auf das Taschach-Joch 3241 m. in der Mitte  -  rechts die östlichen Ausläufer der Hochvernagtwand  -  ganz links der Punkt 3370 m. oberhalb des Taschach-Hochjochs]

Als wir alle wieder komplett sind, steigen wir Richtung Westen im Schatten des Pitztaler Urkund zum Sexegertenferner ab. Das Wetter ist mittlerweile seit 3 Stunden schlecht, wobei es immerhin nicht geregnet oder geschneit hat.

[Bild : Blick vom Urkundsattel auf den Taschachferner]

Als wir Richtung Süden blicken, sehen wir (der Nebel hat sich gelichtet) sogar die Hochvernagtspitze (3535 m.)  -  einen der großen Berge der Ötztaler Alpen. Über Geröll gehen wir Richtung Norden zurück zum Taschachhaus zurück.

[Bild: Auf dem Weg zurück zum Taschachhaus]

Der Weg ist nicht gut markiert, sich zu verlaufen ist aber eigentlich nicht möglich. Als wir die Hütte erreichen, essen wir erst mal Etwas zur Stärkung, ziehen die Schuhe kurz aus, machen uns aber sehr bald auf den Weg zurück zum Parkplatz.

Es war eine rundum gelungene Tour. Ich war das erste Mal in meinem Leben auf einer Hochtour dabei, habe viel gelernt und einen tollen Gipfel erobert. Das Taschachhaus kann ich wärmstens empfehlen  -  besonders aufgrund des guten Essens. Und selbst wer nur zum Taschachhaus kommt und nicht auf Hochtour geht, wird mit vielen tollen Eindrücken nach Hause fahren :)

[Bild :  Blick zurück Richtung Taschachferner und der darüber aufragenden Taschachwand]

 

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