2011 – Olperer (3476 m.) - „Riepengrat“ (Südostgrat)  +  Tuxer Hoher Riffler (3231 m.)

stefanmitterer.de

 


 Schwierigkeit:   Olperer:  PD  oder  WS   /   Tuxer Hoher Riffler:   F+  oder  L+   (Tour insgesamt T6-/6  oder  W6-/6)

Charakter:  Am Olperer Südostgrat („Riepengrat“) Kletterei bis III-/II+ und A0. Am Beginn des Grates reduzieren einige Drahtseile die klettertechnischen Schwierigkeiten. An einer Stelle des Grates sind Bohrhaken zum Sichern vorhanden. Ein Gendarm kurz vor dem Gipfel wird, trotz der Eisentritte auf seiner Aufstiegsseite, rechts umgangen (auf der anderen Seite müsste abgeseilt werden). Insgesamt verlangt der Südostgrat alpine Erfahrung, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein gewisses klettertechnisches Können. Der Grat ist teilweise extrem ausgesetzt und luftig. Seilsicherung nicht zwingend notwendig, aber durchaus empfehlenswert. Bei Neuschnee bzw. Vereisung wird der Riepengrat (ebenso wie der Nordgrat) hochriskant! Der Zustieg von der Olpererhütte verlangt gutes Orientierungsvermögen, da ab einem gewissen Punkt keine Markierungen mehr vorhanden sind und man sich ab dann nach den Begehungspuren und Steinmännern richten muss. Die Tour über den Südostgrat auf den Olperer ist gletscherfrei. Das steile Schneefeld („Schneegupf“) kurz vor dem eigentlichen Grat ist teilweise 30-35° steil und kann bei schlechten Bedingungen Steigeisen und Pickel voraussetzen.   Gipfelaufstieg zum Tuxer Hohen Riffler teilweise nur bescheidener Pfad über viel Geröll und Blockwerk. Das Gelände ist teilweise recht steil und verlangt Trittsicherheit, Klettern im I. Grad und durchaus auch Schwindelfreiheit. Bei Neuschnee und Vereisung ist der Aufstieg unangenehm. Sicheres Wetter und gute Verhältnisse sind auch am Tuxer Hohen Riffler Voraussetzung.

Gefahren:  Der Südostgrat des Olperer ist teilweise extrem luftig und ausgesetzt. Klettert man seilfrei - hätte ein Sturz fatale Folgen! Der Grat ist bei Gewittern extrem blitzschlaggefährdet. Bei Neuschnee und Vereisung hat man am Olperer ebenfalls nichts zu suchen! Der Aufstieg vom Friesenberghaus zum Tuxer Hohen Riffler ist objektiv recht sicher. Gute Bedingungen sind für den Aufstieg aber dennoch notwendig.


1. August  -  3. August  2011

Drei-Tages-Tour in die Zillertaler Alpen zum Friesenberghaus mit Besteigung des Olperers (3476 m.) über den Südostgrat (Riepengrat bzw. Schneegupfgrat) sowie des Tuxer Hohen Rifflers (3231 m.)

Privat organisierte Tour zusammen mit meiner Großmutter Ingeborg Graef

[Bild: Olperer 3476 m.  -  dritthöchster Berg der Zillertaler Alpen  -  von Nordosten, vom Tuxer Hohen Riffler  -  davor die Gefrorene-Wand-Spitzen]

1. Tag        Schlegeisspeicher  -  Friesenbergalm  -  Lapenkar  -  Friesenberghaus

Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in den Zillertaler Alpen unterwegs. Nachdem ich das Jahr zuvor mit meiner Großmutter bereits das erste Mal eine Tour in den Stubaier Alpen unternommen hatte, wollen wir dieses Jahr wieder gemeinsam etwas unternehmen. Unsere Wahl fällt auf das Friesenberghaus (2498 m.) im Tuxer Hauptkamm der Zillertaler Alpen, unterhalb des Tuxer Hohen Rifflers (3231 m.)  -  Für meine Großmutter ist das Gebiet um besagte Hütte nicht unbekannt: Als meine Großmutter 1998 zusammen mit meiner Mutter den Berliner Höhenweg ging, endete ihre Tour mit dem Abstieg vom Friesenberghaus zum Schlegeisspeicher (1782 m.)  -  Zu eben jenem Stausee führt eine lange Mautstraße von Mayrhofen herauf. Der Schlegeisspeicher ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen und Bergtouren: Friesenberghaus, Olpererhütte, Pfitscher Joch und Furtschaglhaus heißen die gängigen Tourenziele.

[Bild: Schlegeisspeicher 1782 m.]

Als wir schließlich am Stausee angekommen sind, werfe ich sofort einen Blick in Richtung Süden. Doch leider werden das Schlegeiskees und der Hochfeiler (3510 m.)  -  höchster Gipfel der Zillertaler Alpen  -  durch Wolken verdeckt. Ich habe mir keine festen Ziele für diese 3-Tagestour gesetzt. Zwar hoffe ich, dass zumindest der Tuxer Hohe Riffler bestiegen werden kann, doch auch der Olperer geistert in meinen Gedanken herum. Zunächst müssen wir allerdings, bevor an höhere Ziele gedacht wird, etwa 700 Höhenmeter hinauf. Ursprünglich wollte ich ein Ziel aussuchen, bei dem der Hüttenzustieg nicht ganz so groß ist. Doch meiner Großmutter gefiel die Idee „Tour zum Friesenberghaus“ und so machen wir uns schließlich auf in Richtung Hütte. Vom Parkplatz führt der Weg zunächst an der Dominikushütte vorbei in den Wald oberhalb der Mautstraße. Während wir dem sanft ansteigenden Weg zunächst in Richtung Nordosten folgen und dabei einige Bachläufe überqueren, wird der Blick in Richtung Süden immer freier. Zwischen den sich langsam auflösenden Wolken erkenne ich die großartige Spitze des Hochfeiler 3510 m.

[Bild: der höchste Berg der Zillertaler Alpen  -  der Hochfeiler 3510 m.]

[Bild: der Weg führt zwischen lichten Bäumen bergauf]

Nachdem wir die Baumgrenze passiert haben, windet sich der Weg in vielen Serpentinen durch die Latschenzone empor.

[Bild: Aufstieg durch die Latschenzone vor der Friesenbergalm]

Technisch ist der Weg ohne große Probleme und auch objektive Gefahren weist er nicht auf. Den Weg zum Friesenberghaus gehen viele Tagesgäste, darunter auch viele Familien. Ständig bleiben wir stehen und schauen zurück Richtung Süden.

[Bild: Blick zurück zum Schlegeisspeicher]

Immer wieder taucht der Hochfeiler aus den Wolken auf und auch der Schlegeisspeicher ist ein höchst fotogenes Motiv. Schließlich erreichen wir die grüne Hochebene vor der Friesenbergalm.

[Bild: grüne Hochebene vor der Friesenbergalm]

Wir folgen dem sehr angenehm zu gehenden Weg weiter über Wiesen und erreichen nach kurzer Zeit die Friesenbergalm, welche vom Hüttenwirt des Friesenberghaus in Stand gehalten wird. An der Alm geht es vorbei in offenes Weidegelände. Zwischen Latschengewächsen wendet sich der Weg schließlich nach links. In einem Bogen führt der uns der Weg schließlich ins weite Lapenkar.

[Bild: auf dem Weg ins Lapenkar]

Leider wird der darüber aufragende Tuxer Hohe Riffler von Wolken verdeckt. Oberhalb vom Lapenkarbach führt der Weg zunächst in eine kleine Mulde und überquert schließlich den Bach, welcher vom Friesenbergkees unterhalb der Gefrorenen-Wand-Spitzen gespeist wird. Der angelegte Weg durch das Lapenkar zum Friesenberghaus führt über flache Geröllplatten. An der rechten (östlichen) Seite des Kares führt der Weg zunächst ein Stück geradeaus.

[Bild: Aufstieg an der rechten Seite des Lapenkares in Richtung Friesenberghaus  -  im Hintergrund rechts der Tuxer Hohe Riffler 3231 m.]

Anschließend steigt der Weg in vielen Kehren bergan und führt in einem Linksbogen bis kurz unterhalb der Hütte. Während des gesamten Aufstiegs durch das Lapenkar führt der Weg über leicht zu begehende Geröllplatten bzw. über Blockwerk.

[Bild: Blick zurück in Richtung Süden  -  deutlich erkennt man den Aufstiegsweg]

[Bild: Knapp unterhalb des Friesenberghauses  -  der Weg führt in einem großen Rechtsbogen um eine Felsstufe herum in Richtung Hütte  -  im Hintergrund die Gefrorene-Wand-Spitzen 3288 m.]

Unterdessen haben sich die Wolken gelichtet. Nicht nur der Hochfeiler 3510 m.  -  sondern auch der Zillertaler Hauptkamm ist nun erkennbar. So kann ich neben dem Schwarzenstein 3368 m. auch die Hornspitzen 3253 m. identifizieren.

[Bild: Blick zum Schwarzenstein 3368 m. und zu den Hornspitzen 3253 m.]

Unterhalb der Hütte führt der Weg zunächst ein Stück nach Westen und überwindet die Felsstufe schließlich in einem Rechtsbogen. In einigen Serpentinen geht es zügig bergauf und schließlich erreichen wir das Friesenbergaus (2498 m.)

[Bild: Friesenberghaus]

Diese gemütliche Hütte bietet Platz für bis zu 56 Personen (24 Betten, 32 Lager) und ist ein wichtiger Stützpunkt für Bergsteiger die den Berliner Höhenweg begehen. Aber auch sonst erhält die Hütte viel Besuch von Tagesgästen und Bergsteigern, die den Tuxer Hohen Riffler erklimmen wollen. Neben den Übergängen zur Olpererhütte (2389 m.)  -  sowie zur Gamshütte (1921 m.)  -  bietet sich auch der hochalpine Übergang zum Spannagelhaus (2531 m.)an.

[Bild: Tuxer Hoher Riffler 3231 m.]

Neben dem Tuxer Hohen Riffler wird ein weiter Gipfel sehr häufig bestiegen: das Petersköpfl (2672 m.)  -  auf dessen Gipfel sich unzählige Steinmänner befinden.

[Bild: Petersköpfl]

Die Hütte hat eine interessante Geschichte: Das Friesenberghaus wurde ursprünglich von jüdischen Bergsteigern (Sektion Donauland / Wien) erbaut, die aufgrund der antisemitischen Tendenzen auch im Alpenverein nicht mehr willkommen waren. 1938 folgte die Enteignung und nach der Plünderung und Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde die Hütte schließlich der Sektion Berlin übergeben, die sich lange gegen den Ausschluss jüdischer Bergsteiger gewehrt hatte. Meine Großmutter hat unterdessen den Aufstieg gut hinter sich gebracht, ist aber verständlicherweise ziemlich erschöpft. Nachdem wir uns unsere Schlafplätze besorgt haben, besprechen wir den morgigen Tag. Da das Wetter sehr gut werden soll, will ich die Besteigung des Olperers (3476 m.) in Angriff nehmen. Meine Großmutter will indes den Tag beim Friesenberghaus verbringen und dabei  zum Beispiel das Petersköpfl besteigen, um den Friesenbergsee wandern und sich einfach entspannen. Ich verbringe den restlichen Tag damit, um die Hütte zu wandern und Fotos zu schießen. Die Aussicht von der Hütte ist wirklich gigantisch.

[Bild: Breitnock 3215 m.  -  Hoher Weißzint 3371 m.  -  Hochfeiler 3510 m.  -  Hochfernerspitze 3463 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Großer Greiner 3199 m.  -  links im Hintergrund der Turnerkamp 3418 m.]

[Bild: Blick zu den Hornspitzen 3253 m. und zum Turnerkamp 3418 m.]

[Bild: Vom Friesenberghaus hat man einen freien Blick auf den Zillertaler Hauptkamm]

[Bild:  Blick zur Nordostflanke der Gefrorene-Wand-Spitzen  -  der Gipfel wird von Wolken verdeckt]

[Bild: der Friesenbergsee wird eingerahmt von den Felsflanken der Gefrorenen-Wand-Spitzen und des Tuxer Hohen Rifflers bzw. dem Verbindungsgrat dieser beiden Berge]

Nach einem guten Abendessen gehe ich relativ früh schlafen, da der morgige Tag ziemlich anstrengend werden wird und ich schon um 4:30 in Richtung Olpererhütte starten will.

[Bild: Abendstimmung beim Friesenberghaus  -  Blick zum Zillertaler Hauptkamm]

2. Tag        Friesenberghaus  -  Olpererhütte  -  Schneegupf  -  Südostgrat (Riepengrat)  -  Olperer  -  Südostgrat (Riepengrat)  -  Schneegupf  -  Olpererhütte  -  Friesenberghaus

Um 4:30 Uhr schleiche ich am nächsten Morgen aus der Hütte. Während alle anderen noch schlafen, mache ich mich in absoluter Dunkelheit auf in Richtung Olpererhütte. Vom Friesenberghaus steige ich zunächst ein kurzes Stück hinab und überquere den Abfluss des Friesenbergsees, welcher von den kümmerlichen Resten des Friesenbergkeeses gespeist wird. Anschließend führt der der Weg als steiniger und gerölliger Pfad in vielen steilen Kehren etwa 100 Meter aufwärts. An einer bestimmten Stelle kann man auch einem Pfad zur Friesenbergscharte (2910 m.) folgen.  Nach einer schroffen Geländemulde und einem anschließenden kurzen Aufstieg  wird das Gelände sanfter und ich erreiche schließlich den höchsten Punkt des Übergangs vom Friesenberghaus zur Olpererhütte (ca. 2630 m.)  -  Dies ist auch der Moment der Dämmerung. Fern im Osten beginnt es langsam hell zu werden. Ich folge dem leicht absteigenden Weg immer weiter nach Süden. Mit der Zeit wird es immer heller und ich bleibe häufig stehen um Fotos zu machen. Der Übergang vom Friesenberghaus zur Olpererhütte ist einer der aussichtsreichsten und schönsten Hüttenübergänge die ich in meinem Leben bis dahin gegangen bin. Zudem bin ich um diese Zeit der Einzige der unterwegs ist und kann das gigantische Panorama alleine genießen. Der angelegte Steig führt unterdessen an den Geröllhängen unterhalb der Gefrorenen-Wand-Spitzen entlang.

[Bild: Fern im Osten geht langsam die Sonne auf]

Während ich dem steinigen Weg immer weiter nach Süden folge und dabei einige Geröllfelder überquere, wird es im Osten mit jeder Minute heller. Zunehmend führt der Weg durch die grüner werdenden Hänge der Gamsleiten.

[Bild: die Sonne geht langsam auf über den östlichen Zillertaler Alpen]

Als schließlich die Sonne aufgeht, leuchten der Hochfeiler und die Gefrorene-Wand-Spitze in einem fantastischen Licht. Solch schöne Momente in den Bergen kann man eben nur erleben wenn man früh aufsteht. Während des gesamten Übergangs zur Olpererhütte hat man den Hochfeiler (3510 m.) und den Schlegeisspeicher vor Augen.

[Bild: der Weg führt an schroffen Felsflanken entlang in Richtung Olpererhütte]

Schließlich windet sich der Weg um die Südflanke des Keeskopfes (2656 m.) herum in offenes Gelände.

[Bild: die Südostwand der Gefrorene-Wand-Spitzen leuchtet in einem besonders schönen Rot]

Bild: der König der Zillertaler Alpen  -  der Hochfeiler 3510 m.]

[Bild: die Gipfel von Hochfeiler 3510 m. und Hochfernerspitze 3463 m. im ersten Morgenlicht]

[Bild: Tuxer Hoher Riffler 3231 m.]

Der Weg führt dabei stets über Geröll oder kleinere Felsblöcke, ist aber einfach zu gehen und sehr gut markiert. Zum ersten Mal rückt nun auch der Olperer (3476 m.) in mein Blickfeld. Leider wird sein Gipfel von Wolken verdeckt.

[Bild: Olperer von Osten  -  der Gipfel ist in Wolken verschwunden]

[Bild: der Schlegeisspeicher wird gespeist vom Schlegeiskess  -  aus ihm heben sich die beiden höchsten Berge der Zillertaler Alpen  -  der Große Möseler 3478 m. und der Hochfeiler 3510 m. empor]

Nach der Durchquerung eines großen Geröllfeldes folge ich dem Weg weiter bis zur Brücke kurz vor der Hütte.

[Bild: Kurz vor der Olpererhütte muss ein großes Geröllfeld überquert werden]

Über diese geht es weiter und kurz darauf erreiche ich das erste Etappenziel  -  die Olpererhütte (2389 m.)  -  Etwa 2 Stunden habe ich gebraucht: Das ist zwar keine besonders gute Zeit, doch ich habe auch ziemlich viel fotografiert.

[Bild: Olpererhütte  -  im Hintergrund der Große Greiner 3199 m. sowie der Große Möseler 3478 m.]

[Bild: Großer Möseler 3478 m. mit Furtschaglkees (links) und Schlegeiskees]

Nach einer kurzen Rast mache ich mich gemeinsam mit zwei anderen Bergsteigern auf in Richtung Olperer. Von Norden ist seine markante Pyramide weithin zu sehen. Er ist der topografisch prominenteste und eigenständigste Berg der Zillertaler Alpen und einer der begehrtesten Gipfel der Zentralalpen. Der einfachste Weg auf diesen höchsten Berg des Tuxer Kammes führt über den Südostgrat (Riepengrat)  -  Von der Hütte führt ein Pfad in vielen Serpentinen aufwärts ins Riepenkar.

[Bild: durch das Riepenkar geht es bergauf in Richtung Olperer]

Ich folge dem Pfad nach Nordwesten, gewinne schnell an Höhe und komme dem Olperer immer näher. Mit zunehmender Höhe wird der Weg felsiger. Noch deutlich vor der Gletscherzunge des Großen Riepenkeeses wendet sich der Weg nach Westen in Richtung Riepengrat. Der gut markierte Pfad führt durch das geröllige Riepenkar immer weiter bergauf und schließlich erreiche ich einen Wegweiser.

[Bild: der Wegweiser gibt die Richtung vor]

Zwar ist der Olperer von Nordosten am eindrucksvollsten, aber auch von Süden zeigt er sich als massige Felsgestalt. An diesem Wegweiser endet der einfache Bergweg. Der weitere Weg Richtung Olperer ist weitgehend weglos. Während nach links der Weg weiter in Richtung Alpeiner Scharte(2959 m.) führt, wende ich mich nach rechts und steige in nördlicher Richtung knapp unterhalb des Riepengrates aufwärts. Die Route zum Schneegupf ist weglos. Zwar helfen Steinmänner, sowie deutliche Tritt – und Bewegungsspuren bei der Orientierung, dennoch muss man alpine Erfahrung haben um den sichersten und einfachsten Weg zum Schneegupf zu finden.

[Bild: über Geröll und grobes Blockwerk geht bergauf in Richtung Südostrücken]

Die Route führt über Geröll, Schutt und grobes Blockwerk, ist aber gut zu gehen. Über ein paar kleine Firnfelder zieht der Pfad schließlich in etwa 3000 Meter Höhe nach links zum Grat hinauf.

[Bild: Immer wieder unterbrechen Schneefelder den Aufstiegsweg]

Auf dem Grat angekommen, erkenne ich im Südwesten einen fantastisch aussehenden Berg  -  den Schrammacher (3411 m.)  -  Aus dieser Sicht hat er gewisse Ähnlichkeiten mit dem Matterhorn.

[Bild: Schrammacher  -  im Schatten die mächtige Nordwand]

In jedem Fall hat dieser Koloss eine fantastische Form und ich hoffe, dass ich eines Tages das Vergnügen haben werde mich an ihm zu versuchen. Ebenfalls imposant zeigt sich die Olperer Ostwand, welche sich eindrucksvoll aus dem Unterschrammachkees erhebt. Nach einer kurzen Rast steige ich über grobes Blockwerk weiter bergauf.

[Bild: über Felsblöcke und Geröll geht bergauf in Richtung Schneegupf]

[Bild: Olperer 3476 m. Südostwand]

Zunehmend wird das Gelände steiler. Kurz vor dem Schneegupf muss man eine steile Felsstufe überwinden, die Klettern im Grad  I+  verlangt.

[Bild: Blick zurück ins Riepenkar]

Es gibt keine eindeutige Route durch diese Steilstufe. Man muss den intensivsten Begehungsspuren folgen und darauf Acht geben, dass man sich nicht versteigt, da diese Felsstufe ziemlich unübersichtlich ist.

[Bild: Aufstieg über die steile Felsstufe]

Oben angekommen, befinde ich mich nun auf dem Schneegupf. Dieses große Schneefeld leitet direkt zum Beginn des eigentlichen Hauptgrates. Im Osten zeigen sich unterdessen eindrucksvoll die Gefrorene-Wand-Spitzen. Dieser Berg wäre ein toller, alpiner Gipfel  -  wäre da nicht das Hintertuxer Gletscherskigebiet. Ich setze unterdessen den Aufstieg fort und folge einer Spur im Schnee in Richtung des oberen Südostgrats. Eine bis zu 35° steile Firnrampe leitet mich zum Beginn des eigentlichen Riepengrates.

[Bild: Aufstieg über den Schneegupf in Richtung Riepengrat  -  dabei muss man immer einen gewissen Abstand zu den Wechten halten]

Entlang des rechten Randes des Schneegupfs steige ich aufwärts und erreiche schließlich den Beginn des Hauptgrates.

[Bild: Bei schlechten Verhältnissen können hier unter Umständen Steigeisen fällig sein]

Gleich zu Beginn wartet eine der Schlüsselstellen:  Eine senkrechte Felsstufe (Schwierigkeitsgrad III- bis II+), die mit Metallkrampen und einem Stahlseil auf A0 entschärft wird. Ohne diese Hilfen bzw. frei geklettert, liegen die Schwierigkeiten im Fels deutlich höher!

[Bild: Beginn des Riepengrates  -  die leicht überhängende Felsstufe wird mit Hilfe der Drahtseile überwunden, erfordert jedoch Kraft und Erfahrung]

Mit viel Armkraft und unter Zuhilfenahme der Hilfsmittel überwinde ich diese Steilstufe. Nachdem ich diese erste Schlüsselstelle hinter mich gebracht habe, folge ich nun immer dem Grat in Richtung Gipfel. Die Schwierigkeiten liegen dabei konstant im Schwierigkeitsgrad I bis II.

[Bild: der Riepengrat ist teilweise sehr schmal und ausgesetzt  -  über große Felsblöcke geht es immer weiter bergauf  -  rechts die Ostwand des Olperer]

Zwar wird in der Literatur bzw. in anderen Berichten häufig von nur zwei Schlüsselstellen gesprochen, ich empfand jedoch die Überwindung eines glatten, praktisch haltlosen und extrem ausgesetzten Gratabschnitts ebenfalls als eine Schlüsselstelle.

[Bild: der ausgesetzte Gratabschnitt  -  er verlangt große Umsicht und alpine Erfahrung  -  Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Klettererfahrung sind obligatorisch]

Zugegeben - dieser Abschnitt ist, wenn man ihn seilfrei geht, ziemlich heftig. Bei einem Ausrutscher ist man tot! Nachdem ich mit viel Überwindungskraft und Konzentration diese Passage hinter mich gebracht habe, mache ich eine kurze Pause. Neben den beiden anderen Bergsteigern sind nur noch drei Andere unterwegs. Anscheinend wird der Olperer doch nicht so häufig bestiegen? In jedem Fall ist die Aussicht fantastisch und ich genieße die kurze Pause. Schließlich mache ich mich auf und klettere über grobe Felsblöcke weiter aufwärts.

[Bild: Gefrorene-Wand-Spitzen 3288 m. mit dem Hintertuxer Gletscherskigebiet  -  im Hintergrund der Tuxer Hohe Riffler 3231 m.]

[Bild: Über bombenfeste Granit- bzw. Gneisblöcke geht es in leichter Kletterei (Schwierigkeitsgrad I. bis II.) in Richtung Gipfel]

Nach dieser heiklen Gratpassage wird der Aufstieg leichter. Das leichte Klettern im Schwierigkeitsgrad I bis II über bombenfeste Granitblöcke macht mir Spaß und ich fühle mich sicher. Über Blockfelsen geht es immer weiter aufwärts bis ich die letzte Schlüsselstelle erreiche:  Ein markanter, überhängender Gendarme (Gratturm) kurz vor dem Gipfel. Zwar sind auf seiner Aufstiegsseite Metallkrampen angebracht, auf der anderen Seite müsste jedoch abgeseilt werden. Deshalb quere ich (wie mittlerweile fast jeder) in die Ostwand und umgehe den Gratturm. Die Schwierigkeiten liegen dabei bei II-

[Bild: Kurz vor dem markanten Gendarme  -  er wird (im Aufstieg) rechts umgangen]

Direkt hinter dem Gendarme geht es wieder hinauf auf den Grat. Über einfache Blöcke geht es weiter zum Gipfel. Nach insgesamt etwas mehr als 3,5 Stunden von der Olpererhütte stehe ich auf dem dritthöchsten Gipfel der Zillertaler Alpen  -  dem Olperer (3476 m.)  Ich bin zu Recht stolz auf mich, dass ich alleine einen so alpinen Gipfel bestiegen habe.

[Bild: Gipfelfoto]

Mir ist natürlich bewusst, dass ich noch einen weiten Rückweg habe. Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen fast eine Stunde auf dem Gipfel zu verbringen. Aufgrund seiner isolierten und abgetrennten Lage vom Zillertaler Hauptkamm hat der Olperer eine besonders eindrucksvolle Aussicht. Im Süden erkenne ich den Hochfeiler (3510 m.)  -  die Hochfernerspitze (3463 m.) sowie das Schlegeiskees. Im Südosten  kann ich neben dem Großen Greiner (3199 m.) auch den Großen Möseler (3478 m.)  -  den Turnerkamp (3418 m.)  -  die Hornspitzen (3253 m.)  -  den Schwarzenstein (3368 m.)  -  sowie den Großen Löffler (3376 m.) erkennen. Leider werden die Reichenspitzgruppe, sowie die Venedigergruppe von Wolken verdeckt. Der Schrammacher (3410 m.) zeigt von hier besonders eindrucksvoll seine wilde Nordwand, durch die einige ernsthafte, alpine Kletterrouten führen.

[Bild: Blick nach Süden zum Schrammacher 3410 m.]

Südlich vom Pfitscher Joch (2248 m.) befinden sind die Pfunderer Berge um die Wilde Kreuzspitze (3135 m.) und fern im Süden kann ich sogar die Dolomiten ausmachen.

[Bild: Blick zum Pfitscher Joch 2248 m. und zu den Pfunderer Bergen dahinter  -  links die Hochfernerspitze 3463 m.  -  rechts der Schrammacher 3410 m.]

Im Westen grüßen die Stubaier und die Ötztaler Alpen herüber, während ich im Norden gerade noch das Karwendel erkennen kann. Mit insgesamt fünf anderen Bergsteigern befinde ich mich auf dem Gipfel. Alle sind seilfrei gegangen und scheinen auch ansonsten gute Alpinisten zu sein. Zwei von ihnen waren zwei Tage zuvor beispielsweise noch auf dem Großen Möseler. Nach einer schönen und ausgiebigen Gipfelrast mache ich mich schließlich wieder auf in Richtung Olpererhütte. Der Abstieg fällt mir dabei, verglichen mit dem Aufstieg, relativ leicht. An dem Gratturm geht es vorbei und zügig steige ich über den Grat abwärts.

[Bild: der große Gendarme  -  er wird (im Abstieg) links umgangen]

Über grobe Granitblöcke steige ich vorsichtig bergab und überwinde auch die ausgesetzte Gratpassage wesentlich schneller als beim Aufstieg.

[Bild: Abstieg über den Riepengrat]

Lediglich das letzte Stück vor dem Schneegupf, die steile Felsstufe mit dem Drahtseil und den Metallkrampen, bereitet mir kurzzeitig Kopfzerbrechen. Letztendlich schaffe ich aber auch diese Stelle und nach ein paar beherzten Tritten stehe schließlich wieder beim Einstieg unterhalb des Grates auf dem Schneegupf. Dort mache ich eine kurze Pause.

[Bild: Hintertuxer Gletscherskigebiet unterhalb der Gefrorene-Wand-Spitzen 3288 m.  -  die Seilbahnen führen bis in 3250 m. Höhe hinauf]

Da der Schnee extrem weich geworden ist, ziehe ich meine Gamaschen an und steige über den Schneegupf bergab.

[Bild: Blick zum Beginn des Riepengrates]

Nach kurzer Zeit erreiche ich den Rand des Schneefeldes. Anschließend steige ich vorsichtig über die steile Felsstufe bergab. Es ist ziemlich schwierig, exakt die gleiche Route wie beim Aufstieg zu nehmen – man muss ein gewisses Gespür für das Gelände haben um einen möglichst einfachen Weg über die Steilstufe zu finden. Über große Felsblöcke steige ich zügig bergab.

[Bild: Über den Südostrücken des Olperer geht es über große Felsblöcke bergab]

Unterwegs treffe ich eine Gruppe Bergsteiger, die ebenfalls den Olperer als Ziel haben. Sie fragen mich nach den Schwierigkeiten des Weges bzw. scheinen keine besonders große Ahnung von den Schwierigkeiten zu haben. Als ich ihnen erkläre was noch vor ihnen liegt, sind sie etwas erstaunt, setzen aber dennoch den Aufstieg fort. Ich weiß nicht ob sie den Gipfel erreicht haben, oder ob sie umgekehrt sind. Ich setzte unterdessen den Abstieg fort. Zunehmend wird das Gelände flacher. Nach einiger Zeit erreiche ich die Schneefelder, die ich auch schon beim Aufstieg passiert habe.

[Bild: Über grobes Blockwerk, Geröll und Schneefelder geht es zügig bergab ins Riepenkar  -  im Hintergrund der Zillertaler Hauptkamm]

[Bild: Gefrorene-Wand-Spitzen 3288 m.]

Über Geröll und grobes Blockwerk geht es weglos bergab. Im Riepenkar erreiche ich schließlich etwas überrascht den Weg von der Olpererhütte. Anscheinend bin ich etwas zu weit links abgestiegen. Entspannt folge ich nun dem gerölligen Weg und steige durch das Riepenkar bergab.

[Bild: Abstieg durch das geröllige Riepenkar in Richtung Olpererhütte  -  im Hintergrund der Zillertaler Hauptkamm]

Das Wetter ist weiterhin fantastisch und ich genieße die Sicht auf den Zilltertaler Hauptkamm. Ich bin sehr froh, dass das Wetter mitgespielt hat und dass die Verhältnisse / Bedingungen am Riepengrat gut waren. Der gut markierte Pfad führt durch das Riepenkar immer weiter bergab. Zunehmend wird die Umgebung grüner.

[Bild: Schlegeiskees  -  links der Große Möseler 3478 m.  -  rechts Breitnock 3215 m. und Hoher Weißzint 3371 m.]

Schließlich verlasse ich das felsige und geröllige Kar und steige in vielen Kehren bergab in Richtung Olpererhütte. Dort angekommen, treffe ich die Bergsteiger wieder, welche mich beim Aufstieg zum Olperer begleitet haben. Während einer ausgiebigen Pause unterhalten wir uns über den Olperer bzw. vergangene Bergtouren. Schließlich erzähle ich den beiden vom Tuxer Hohen Riffler. Ursprünglich wollten die beiden in der Olpererhütte übernachten und am nächsten Tag absteigen. Ich überzeuge sie jedoch noch die Tour auf den Tuxer Hohen Riffler dranzuhängen. Sie wollen noch etwas bei der Hütte bleiben, mir aber später zum Friesenberghaus folgen und am nächsten Tag erst auf den Riffler steigen und dann zum Schlegeisspeicher absteigen. Nach einem leckeren Mittagessen mache ich mich schließlich auf in Richtung Friesenberghaus. Von der Hütte führt der markierte Weg zunächst über die Brücke. Anschließend folge ich dem Weg in Richtung Nordosten, wobei der Weg teilweise über Geröllfelder führt.

[Bild: auf dem Hüttenübergang von der Olpererhütte zum Friesenberghaus  -  im Hintergrund der Tuxer Hohe Riffler]

Um die Ausläufer des Keeskopfes führt der Weg sanft ansteigend in das offene Gelände der Gamsleiten. Während des gesamten Rückwegs habe ich mein morgiges Ziel  -  den Tuxer Hohen Riffler 3231 m. vor Augen. Unter den Geröllhängen der Gefrorenen-Wand-Spitzen geht es zügig in Richtung Norden.

[Bild: der Tuxer Hohe Riffler 3231 m. überragt den Friesenbergsee  -  rechts daneben das Friesenberghaus]

Ich folge dem Pfad um einen Geländevorsprung herum und habe plötzlich wieder das Lapenkar bzw. den Friesenbergsee vor Augen. Ich steige über den teils felsigen und gerölligen Pfad bis zum höchsten Punkt (ca. 2630 m.) des Übergangs. Von dort folge ich dem absteigenden Weg an Geröllhängen entlang in Richtung Norden. Nach einer kleinen Einschartung und einem anschließenden kurzen Anstieg geht es in vielen Serpentinen bergab. Ich steige auf dem gerölligen und felsigen Pfad etwa 100 Meter abwärts und befinde mich schließlich wieder auf der Höhe des Friesenbergsees. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Hütte. Ich überquere den Abfluss des Friesenbergsees, steige noch ein kurzes Stück aufwärts und stehe schließlich nach insgesamt etwa 11 Stunden wieder auf der Terrasse des Friesenberghauses. Meine Großmutter wartet unterdessen bereits auf mich. Sie hat an diesem Tag das Petersköpfl 2672 m. bestiegen und einige Zeit am Gipfel verbracht.

[Bild: auf dem Gipfel des Petersköpfl  -  im Hintergrund der Hochfeiler 3510 m.]    *Das Foto ist von meiner Großmutter Ingeborg*

Zudem hat sie sich am Ufer des Friesenbergsees entspannt und ansonsten einfach den schönen Tag genossen. Ich bin ziemlich erschöpft und setze mich erst mal auf die Terrasse der Hütte um mich zu erholen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Tag. Ich habe den Olperer 3476 m.  -  den dritthöchsten Gipfel der Zillertaler Alpen  -  im Alleingang bezwungen. Den restlichen Tag verbringe ich damit, mich mit meiner Großmutter und mit anderen Leuten zu unterhalten.

[Bild: Gemeinsam verbringen meine Großmutter und Ich einen entspannten Abend bei der Hütte]

Am Abend erreichen schließlich auch die beiden Bergsteiger vom Olperer das Friesenberghaus. Nach einem leckeren Abendessen mache ich noch einige Fotos vom Zillertaler Hauptkamm. Das Friesenberghaus hat mit Sicherheit eine der schönsten Aussichten aller Berghütten in den Zillertaler Alpen.

[Bild: Blick vom Friesenberghaus zum Zillertaler Hauptkamm]

[Bild:  Schwarzenstein 3368 m.  -  Hornspitzen 3253 m.  -  Turnerkamp 3418 m.  -  von links nach rechts]

Mein morgiges Ziel ist der Tuxer Hohe Riffler 3231 m. Anschließend werde ich mit meiner Großmutter wieder zum Schlegeisspeicher absteigen.

[Bild: Hochfeiler (italienisch: Gran Pilastro) 3510 m.]

3. Tag        Friesenberghaus  -  Südostgrat  -  Tuxer Hoher Riffler  -  Südostgrat  -  Friesenberghaus  -  Lapenkar  -  Friesenbergalm  -  Schlegeisspeicher

Am nächsten Morgen mache ich mich früh auf zum Tuxer Hohen Riffler. Dieser auf seiner Südseite mit Felsplatten, Geröll und grobem Blockwerk übersäte Gipfel ist aus dieser Perspektive zwar kein besonders schöner Berg. Doch seine großartige Aussicht und die anhaltende, spannende Kraxelei über den Südostgrat machen diesen bekannten 3000er zu einem interessanten Berg.

[Bild: Friesenberghaus  -  mit den Gefrorene-Wand-Spitzen 3288 m. im Hintergrund]

Gleich zu Beginn des Aufstiegs begehe ich jedoch einen dummen Fehler. Von der Hütte folge ich zunächst dem Berliner Höhenweg in Richtung Gamshütte. Nach kurzer Zeit merke ich jedoch, dass ich mich auf dem falschen Weg befinde und steige nach links über große Felsblöcke in Richtung Weg. Über ein großes Geröllfeld quere ich etwas mühsam schließlich auf den richtigen Weg. Auf diesem steige ich nun zwischen Geröll und Felsplatten bergauf zum Sattel (ca. 2640 m.) zwischen Petersköpfl und Tuxer Hohem Riffler.

 [Bild: Blick vom Sattel zum Petersköpfl 2672 m.]

Das Wetter ist unterdessen erneut überragend. Keine einzige Wolke ist am Himmel. Vom Sattel mache ich mich auf in Richtung Tuxer Hoher Riffler. Ich folge den Markierungen zum Beginn des Südostrücken. In vielen Serpentinen geht es einen ersten steilen Hang hinauf. Weiter oben geht es über grobes Blockwerk und Felsplatten bergauf.

[Bild: der Aufstieg über den Südostrücken des Tuxer Hohen Rifflers führt über Felsplatten, Blockwerk und Geröll  -  dabei müssen mehrere Felsaufschwünge überwunden werden]

Zunehmend werden die Markierungen rar  -  die Orientierung fällt jedoch aufgrund der vielen Begehungsspuren, der Steinmänner, der zahlreichen anderen Bergsteiger, sowie des klar vorgegebenen Südostgrates leicht. Ich folge dem Pfad weiter in Richtung Gipfel und steige über einen steilen Hang, bestehend aus großen Felsblöcken, bergauf.

[Bild: Aufstieg über den Südostrücken des Tuxer Hohen Rifflers]

Das Gelände ist zwar nicht gefährlich, Trittsicherheit ist dennoch erforderlich. Am Tag zuvor ist hier beim Aufstieg zum Gipfel ein älterer Herr unglücklich abgestürzt und schwer verletzt worden. Er wurde von einem Hubschrauber in ein nahes Krankenhaus gebracht, wobei ich nicht weiß, was aus ihm geworden ist […] Nach diesem steilen Hang wird das Gelände kurzzeitig etwas flacher. Etwas rechts vom Südostgrat steige ich, teils über grobes Blockwerk, teils über Schneefelder bergauf.

[Bild: Über Schneefelder und Blockwerk geht es nach einiger Zeit wieder zum Südostgrat hinauf]

Schließlich zieht die Route wieder zum Grat hinauf. In leichter Kletterei (Schwierigkeitsgrad I.) geht es über große Felsblöcke steil und weglos bergauf. Nach einem Steilaufschwung geht über grobes Blockwerk, Geröll und Schneefelder in Richtung Südwestgrat.

[Bild: über Felsblöcke geht es schließlich hinauf zum Südwestgrat]

Über diesen schmalen Grat geht es, teilweise ausgesetzt, in Richtung Gipfel. Bei Neuschnee oder Vereisung dürfte dieser Abschnitt ziemlich unangenehm sein.

[Bild: Aufstieg über den Südwestgrat des Tuxer Hohen Rifflers  -  über grobe Felsblöcke geht es in Richtung Gipfel]

Über Felsblöcke und Geröll steige ich über den Grat zügig aufwärts und erreiche schließlich den breiten Gipfel des Tuxer Hohen Rifflers 3231 m.

[Bild: Gipfelfoto]

Die Aussicht vom Gipfel ist ähnlich eindrucksvoll wie die vom Olperer. Im Südwesten ragt über den Gefrorenen-Wand-Spitzen (3288 m.) eindrucksvoll der Olperer (3476 m.) in den Himmel. Dahinter erkennt man die elegante Pyramide des Schrammacher (3410 m.)

[Bild: die Gefrorene-Wand-Spitzen werden überragt vom Olperer  -  links davon der Schrammacher  -  links im Hintergrund die Pfunderer Berge  -  rechts der Hintertuxer Gletscher bzw. das Gefrorene-Wand-Kees]

[Bild: Blick zum Olperer  -  davor die Gefrorene-Wand-Spitzen  -  links der Schrammacher]

An das Pfitscher Joch (2248 m.) im Süden schließt sich der komplette Zillertaler Hauptkamm an:  Hochfernerspitze (3463 m.)  -  Hochfeiler (3510 m.)  -  Hoher Weißzint (3371 m.)  -  Großer Möseler (3478 m.)  -  Großer Greiner (3199 m.)  -  Turnerkamp (3418 m.)  -  Hornspitzen (3253 m.)  -  Schwarzenstein (3368 m.) und Großer Löffler (3376 m.) grüßen zu mir herüber. Alle berühmten und großen 3000er der Zillertaler Alpen sind vom Gipfel des Tuxer Hohen Rifflers erkennbar. Zudem kann ich im fern im Westen die Ötztaler Alpen, sowie die Stubaier Alpen und südlich vom Pfitscher Joch die Pfunderer Berge ausmachen. Ich mache es mir auf dem geräumigen Gipfel gemütlich und genieße die fantastische Aussicht.

[Bild: die Sicht nach Nordosten ist komplett frei]

Nach einer ausgiebigen und entspannten Gipfelrast mache ich mich schließlich wieder auf in Richtung Friesenberghaus. Über den Südwestgrat steige ich über große Felsblöcke bergab. Nach kurzer Zeit wendet sich der Grat nach links. Über Geröll und grobes Blockwerk geht es nun den Südostgrat hinunter. Nach einiger Zeit verschwindet schließlich auch der Olperer hinter den Gefrorene-Wand-Spitzen. Etwas links vom Grat steige ich über den Südostrücken über Felsblöcke, Platten und teilweise über Schneefelder bergab.

[Bild: Abstieg über den Südostrücken des Tuxer Hohen Rifflers  -  rechts im Hintergrund der Schlegeisspeicher]

In leichter Kletterei (Schwierigkeit I.) geht es einen steilen Hang hinunter. Im Abstieg sind die großen Felsblöcke viel einfacher zu begehen als im Aufstieg. Mit zunehmender Zeit geben nun auch wieder Markierungen den Weg vor. Über Blockwerk und Geröll geht es einen weiteren Hang hinunter. In einigen Kehren steige ich schließlich den Beginn des Südostrückens bergab und folge den Markierungen zum Sattel zwischen Petersköpfl und Tuxer Hohem Riffler. Von dort geht es auf angelegtem, markiertem Steig zischen groben Felsblöcken, Platten und Geröll bergab zum Friesenberghaus.

[Bild: Friesenbergsee und Gefrorene-Wand-Spitzen 3288 m.]

Meine Großmutter hat unterdessen einen entspannten Vormittag bei der Hütte verbracht. Sie hat dem Friesenbergsee erneut einen Besuch abgestattet, Fotos gemacht, die Aussicht genossen und sich mit anderen Leuten unterhalten. Nach einem leckeren Mittagessen machen wir uns am frühen Nachmittag schließlich auf zum Schlegeisspeicher. Vom Friesenberghaus steigen wir in einigen Serpentinen zunächst ein kurzes Stück bergab. Unterhalb der Hütte führt der angelegte Steig zuerst im Linksbogen um eine Felsstufe herum und anschließend in Richtung Osten.

[Bild: Abstieg ins Lapenkar]

Während des gesamten Abstiegs durch das Lapenkar führt der angelegte Weg über Felsplatten und Blockwerk, ist aber an keiner Stelle problematisch. Der Steig führt in einem langen Rechtsbogen an der linken (östlichen) Seite des Lapenkares bergab.

[Bild: die Gefrorene-Wand-Spitzen überragen das Lapenkar]

[Bild: Blick zurück zum Tuxer Hohen Riffler 3231 m.  -  rechts das Petersköpfl 2672 m.]

Schließlich steigen wir in einigen Kehren hinunter in den Grund des Kares und überqueren den Lapenkarbach. Das Wetter ist unterdessen deutlich schlechter geworden  -  es ist trüb und bewölkt. Nachdem wir den Bach überquert haben, führt der Weg an der westlichen Seite des Kares in einem Bogen aus dem Lapenkar heraus. Zwischen Latschengewächsen folgen wir dem Pfad in Richtung Südwesten.

[Bild: Blick zum Herrscher der Zillertaler Alpen  -  dem Hochfeiler 3510 m.  -  über seinem Gipfel braut sich ein Gewitter zusammen]

Nach kurzer Zeit kommen wir in offenes Weidegelände. Schließlich erreichen wir die Friesenbergalm und genau in diesem Moment fängt es an zu regnen. An der Alm machen wir eine Pause und warten auf Wetterbesserung. Glücklicherweise hört der Regen schon nach etwa 10 Minuten wieder auf und wir setzen den Abstieg zum Schlegeisspeicher fort. Wir folgen dem angelegtem Steig, welcher sind durch die Wiesen vor der Friesenbergalm windet, in Richtung Südwesten. Diese grüne Hochebene wird von mehreren Bachläufen durchzogen, welche wir mit Hilfe kleinerer Holzbrücken hinter uns lassen.

[Bild: über dem Schlegeisspeicher ragt der Hochsteller 3098 m.  -  einer der unbekannten 3000er der Zillertaler Alpen  -  in den Himmel]

Nach kurzer Zeit erreichen wir die Latschenzone. In vielen Serpentinen steigen wir auf angelegtem Steig bergab und kommen dem Stausee immer näher. Immer wieder beginnt es leicht zu regnen und wir beeilen uns, da wir nicht in das Gewitter geraten wollen, dass sich offensichtlich über uns zusammenbraut. Schließlich passieren wir die Baumgrenze. Der Weg führt zwischen den Bäumen immer weiter in Richtung Südwesten. Nachdem wir den Alelebach überquert haben, ist es nicht mehr weit bis zum Parkplatz.

[Bild: Alelebach]

An der Dominikushütte geht es vorbei und gerade rechtzeitig erreichen wir den Schlegeisspeicher und damit unser Auto. In dem Moment als wir uns ins Auto setzen, bricht über uns das Gewitter los. Das nennt man wohl perfektes Timing!

[Bild: Blick zum Schlegeiskees  -  über Breitnock, Hohem Weißzint und Hochfeiler bzw. den gesamten Zillertaler Alpen braut sich ein gewaltiges Gewitter zusammen]

Alles in allem waren es drei wunderschöne Tage in den westlichen Zillertaler Alpen. Ich kann sowohl den Olperer (3476 m.)  -  als auch den Tuxer Hohen Riffler (3231 m.) in mein Gipfelbuch schreiben. Vor allem über die Besteigung des Olperer im Alleingang bin ich stolz und sehr glücklich. Das Friesenberghaus ist eine der schönsten Berghütten, bei denen ich bisher war. Der Übergang vom Friesenberghaus zur Olpererhütte ist ebenfalls ein wirklich grandioser Hüttenübergang, der bei schönem Wetter ein absolutes Highlight in den Zillertaler Alpen sein dürfte. Ich hoffe, dass es auch meiner Großmutter gefallen hat. Vor 13 Jahren war sie ja bereits einmal beim Friesenberghaus bzw. auf dem Petersköpfl  -  für sie schließt sich hier ein Kreis. Die anschließende Fahrt nach Hause bei Gewitter bleibt ihr (und mir) zwar in schlechter Erinnerung, dennoch war es eine fantastische Tour und bin glücklich, dass ich mit meiner Großmutter eine so schöne Tour erleben konnte. Nach der Tour in die Stubaier Alpen zur Innsbrucker Hütte bzw. zum Habicht 2010, war dies eine weitere tolle Bergtour zusammen mit meiner Großmutter  -  Ingeborg Graef. Ich habe in diesen drei Tagen viel gelernt und ich hoffe, dass ich bald erneut in die Zillertaler Alpen komme.

[Bild: Morgendämmerung in den Zillertaler Alpen]

 

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