2013 – Ofentalhörnl Südwestgipfel (2480 m.) - Ofentalschneid

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   AD  oder  ZS   (T6+  oder  W6+)

Charakter:  Ausgesetzte, luftig-alpine Kletterei bis III+ (Stelle) sowie vielfach III. Teilweise längere Passagen II, ansonsten durchgehend anspruchsvolles Gehgelände (anhaltend I) – Die schwierigen Stellen sind fast ausschließlich im Abstieg (!) zu bewältigen. Der Zustieg zur Ofentalschneid erfolgt zunächst über den häufig begangenen Ofental-Weg. Etwa auf Höhe der Ofental-Diensthütte (nördlich gelegen – man erreicht eine Kreuzung) zweigt rechts der Forstbegangsteig ab, der die ganze westliche Seite des Hochkalter-Massivs kreuzt. Ihm folgt man nur ein kurzes Stück Richtung Stein- bzw. Sittersbachtal, es gilt „gegen die sich allmählich zum Gratrücken entwickelnden W-Hänge steil“ hinanzuklettern, bis man das „westliche (untere) Ende der Gratschneide (Ofentalschneid) erreichen kann.“ (AV-Führer Berchtesgadener Alpen – alpin) – heißt: man muss sich linkerhand eine halbwegs vernünftige Route über grasbewachsene und teilweise bewaldete Schrofen- und Steilflanken suchen (Achtung: extrem (!) mühsame und sehr steile Latschenzonen sowie teilweise – je nach Route – Kletterei bis II). Zwangsläufig wird man im „undurchdringlichen“ Latschendickicht landen, dann muss man sich beherzt durchschlagen (nicht entmutigen lassen). Hat man erst einmal den – äußerst ruppigen und steilen – Zustieg geschafft (ca. 3 Stunden), beginnt der Nordwestgrat des Ofentalhörnls – die eigentliche Ofentalschneid (3-5 Stunden Kletterzeit). Diese präsentiert sich mal als breiter Gratrücken, mal als wild-gezackte und höllisch luftige Schneid. Die Ofentalschneid wird durch sogenannte „Schichtenabsätze“ – also kleine Gratzacken – charakterisiert. Diese Schichtenabsätze verlaufen (begeht man die Schneid im Aufstieg) immer nach dem gleichen Muster: Mäßig steil geht es im festen Fels (in der Regel maximal I-II) bergauf, während man auf der anderen Seite extrem steil, häufig senkrecht und wirklich sehr ausgesetzt abklettern muss (vielfach III, eine Stelle III+) – Man bleibt in der Regel direkt auf der Gratschneide (die Route ist vorgegeben), nur der Punkt 2371 m. wird rechts umgangen (Schrofenrinne und glatte Platte III)  -  Der Fels ist zwar fest und gut zu klettern, allerdings sind die schwierigsten Stellen (geht man seilfrei) psychisch ziemlich fordernd. Man braucht sich nicht der Illusion hingeben, dass die Kletterschwierigkeiten z.B. mit dem Hochkalter-Normalweg (II) vergleichbar sind – die Ofentalschneid übertrifft diese Schwierigkeiten bei Weitem! Es gibt keine Notabstiege! – links und rechts geht es grundsätzlich mehrere hundert Meter senkrecht in die Tiefe, die Ausgesetztheit ist an einigen Stellen wirklich extrem hoch. Wer nicht über solide Kletterfähigkeiten (ausgesetzte und griff- bzw. trittarme Kletterstellen III und III+ im Abstieg!), eine gereifte Psyche, große Ausdauer sowie vollkommende Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verfügt, sollte über die Ofentalschneid nicht einmal nachdenken. Die Tour keinesfalls alleine gehen – ein kurzes Seil ist an einigen Stellen (zum Ablassen) unbedingt zu empfehlen! Ebenfalls zu beachten ist die Länge der Tour (7-8 Stunden bis zum Gipfel, 3-4 Stunden Abstieg – wenn man denn den Zustieg schafft). Die Ofentalschneid ist zwar deutlich anspruchsvoller, als es der AV-Führer angibt und der Zustieg ist schlichtweg schrecklich (!) – dafür darf man das Ofentalhörnl – vor allem aber die Ofentalschneid – als eine der wildesten, ursprünglichsten und einsamsten Touren der Berchtesgadener Alpen, wenn nicht gar der Nördlichen Kalkalpen bezeichnen. Man erlebt eine wildschroffe, kalkalpine Urlandschaft in Reinkultur – ist fernab der bekannten und vielbegangenen Wege und kann sich fast als Pionier oder gar Erstbesteiger fühlen. Es ist eine Tour für den „Bergsteiger der alten Schule“. Wer sich der – nicht gerade geringen – Schwierigkeiten voll bewusst ist (und diese auch sicher beherrscht), der wird bei dieser Tour Eindrücke und Erfahrungen machen, wie man sie nur mehr selten in den Berchtesgadener Alpen machen kann. Die Ofentalschneid wird extrem selten angegangen (und noch seltener erfolgreich begangen – häufig wird angesichts der überraschenden Schwierigkeiten umgekehrt) – eine Herausforderung für jeden ambitionierten, alpin-erfahrenen und einsamkeitssuchenden Individualbergsteiger!

Gefahren:  Die Ofentalschneid ist kein IIer (wie es im Alpenvereinsführer steht), das ist Schwachsinn! Die „kurzen Schichtenabsätze“ erfordern hochalpine und teilweise extrem ausgesetzte Kletterei III/III+ (im Abstieg!) – wer sich dem nicht bewusst ist und – ohne Seil – keinen IIIer klettern kann, der wird hier scheitern (entsprechende Reserven „nach oben“ sollten vorhanden sein). Ebenfalls sind die angegebenen 4,5 Stunden kaum zu schaffen – realistisch sind etwa 7-8 Stunden. Objektiv gesehen ist die Ofentalschneid wenig gefährlich: der Fels ist (vor allem direkt auf der Schneide) bombenfest und ein Genuss für jeden Kletterer. Steinschlag sucht man auf diesem Grat natürlich ebenfalls vergeblich. Die Gefahren für den Bergsteiger ergeben sich eher aus dem Verborgenen – es gibt keinerlei Notabstiege! Die einzige Möglichkeit, die Tour abzubrechen, ist auf der Aufstiegsroute zurückzugehen (!) – die Länge der Ofentalschneid verlangt absolut sicheres Wetter, einen Wettersturz kann man sich auf diesem exponierten Grat nicht leisten. Ist der Fels nicht trocken – ist er z.B. mit Schnee bedeckt oder sogar vereist – ist die Schneid nicht zu begehen! Gute Verhältnisse sind entscheidend, ansonsten steigen die Schwierigkeiten noch einmal massiv an. Die Tatsache, dass man auf dieser Tour mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alleine unterwegs sein wird, birgt ebenfalls ein gewisses Risiko (nicht alleine die Tour angehen). So gesehen sind die subjektiven Gefahren hier eindeutig vorherrschend. Um diese Tour halbwegs genießen zu können, braucht es Einiges: alpine Erfahrung, versierte Kletterfähigkeiten, vollkommende Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, große Ausdauer, sehr gute Orientierungsfähigkeiten, Gleichmut (im Kampf mit den Latschenkiefern!) sowie Freude am Ursprünglichen, Wild-Schroffen und Einsamen – sonst ist die Ofentalschneid definitiv nicht das Richtige!


13. Juli 2013

Ein-Tages-Tour in die Berchtesgadener Alpen (Hochkalter-Hocheis-Gruppe) mit Begehung der Ofentalschneid – Besteigung des Ofentalhörnl Südwestgipfels (2480 m.) - Zunächst Aufstieg vom Parkplatz Hintersee in Richtung Ofental. Über einen Teil des Forstbegangsteiges geht nach einiger Zeit ein Stück Richtung Steintal. Schließlich geht es über latschenbewachsene Steil- und Schrofenhänge auf die Ofentalschneid. Über die Ofentalschneid auf den Ofentalhörnl Südwestgipfel. Abstieg über Steintalscharte, Steintal und Forstbegangsteig zum Parkplatz Hintersee

Privat organisierte Tour zusammen mit Josef und Klaus

[Bild: Auf der Ofentalschneid  -  im Hintergrund Ofentalhörnl Nordostgipfel 2513 m. und Südwestgipfel 2480 m.]

Parkplatz Hintersee  -  Klausbachtal  -  Forstbegangsteig  -  Ofentalschneid  -  Ofentalhörnl Südwestgipfel  -  Steintalscharte  -  Steintal  -  Forstbegangsteig  -  Klausbachtal  -  Parkplatz Hintersee

Das Ofentalhörnl 2513 m. – die „trotzige Felsburg“ – ist einer jener Berge, über den man (wenn man sich nicht mit ihm beschäftigt) nichts weiß. Im Internet findet man nur sehr wenig und auch in bekannten Bildbänden und Tourenführern taucht er nicht auf. Lediglich der Alpenvereinsführer bezeichnet das Ofentalhörnl als einen Gipfel  mit „kühn geschwungenen Graten“, der sich „nach allen Seiten voll zu Geltung bringt“. Dass er äußerst selten bestiegen wird, versteht sich von selbst. Das Ofentalhörnl ist der südliche Nachbar des Hochkalters. Getrennt ist es von ihm durch die Ofentalscharte (2360 m.) – vom Steintalhörnl (2468 m.) im Südwesten ist es durch die Steintalscharte (2380 m.) getrennt. Richtung Wimbachtal bricht das Ofentalhörnl in verderblichen Steilflanken ab, die aufgrund ihrer Brüchigkeit und wilden Erscheinung nur sehr selten durchstiegen werden. Für die meisten ist es bei der Hochkalter-Überschreitung – also beim Abstieg ins Ofental – Blickfang und Fotomotiv, die wenigsten denken jedoch daran, den von gewaltigen Schichtbändern und Platten durchzogenen Berg selbst einmal zu besteigen – er steht einfach zu sehr im Schatten des Hochkalters. Das Ofentalhörnl weist zwei Gipfel auf: den Nordostgipfel (2513 m.) und den Südwestgipfel 2480 m. Beide weisen eigenständige Normalwege auf – der Nordostgipfel wird in der Regel aus dem Ofental bestiegen (Kletterei bis II laut AVF) – der Südwestgipfel aus dem Steintal (I, leichte Kraxelei, einsam, ziemlich mühsam und anstrengend). Ähnlich wie sein etwas niedrigerer Nachbar – das Steintalhörnl (2468 m.) – weist auch das Ofentalhörnl einen langgezogenen, nach Nordwesten verlaufenden Grat auf – die Ofentalschneid. Über ihre Schwierigkeiten bzw. Anforderungen, Risiken – aber auch Chancen – ist weiter oben unter „Charakter/Gefahren“ entsprechend und ausführlich hingewiesen worden. Die trotzige Felsburg ist einer der großartigsten Berge der Berchtesgadener Alpen und wer sich tatsächlich an der Ofentalschneid versucht (und weiß, worauf er sich einlässt) – der hat sich eine der wildesten, schroffsten – aber auch eindrucksvollsten und einsamsten – Gratrouten weit und breit ausgesucht.

[Bild: Auf der Ofentalschneid  -  links im Hintergrund der Hochkalter 2607 m.]

Nach der Überschreitung des Hochseilers (2793 m.) über den Mooshammer Steig und die Teufelslöcher am Tag zuvor (und einer unbequemen Nacht beim Auto beim Parkplatz Hintersee), habe ich mich heute mit zwei anderen Bergsteigern verabredet, gemeinsam eine Tour in der Hochkalter-Hocheis-Gruppe zu unternehmen. Wir wollen die Ofentalschneid begehen – einen der markantesten, einsamsten und wildesten Felsgrate der Berchtesgadener Alpen – und anschließend – je nachdem wie lange wir brauchen – vom Ofentalhörnl aus auch noch das Steintalhörnl angehen. Weil zwei weitere abgesagt haben, sind wir an diesem Tag zu dritt. Mit Josef – einem absoluten Kenner der Berchtesgadener Alpen – habe ich mich über das DAV-Forum abgesprochen. Mit ihm gekommen ist sein Kumpel Klaus – ein äußerst versierter Kletterer. Um kurz nach 7 Uhr machen wir uns schließlich auf den Weg.

Vom Parkplatz Hintersee folgen wir zunächst einer schottrigen Fahrstraße eben durch das Klausbachtal in Richtung Südwesten.

[Bild: Im Klausbachtal]

[Bild: Noch sind die hohen Gipfel des Hochkalter-Massivs weit entfernt]

Auf Höhe der Lahnwald-Diensthütte (830 m.) zweigt schließlich der ausgeschilderte Ofental-Weg ab. Wir überqueren den Klausbach und beginnen den Aufstieg. Im nun dichteren Bergwald geht es auf einer befestigten Schotterstraße nur mäßig ansteigend – dafür in flottem Tempo – bergauf  -  solange man noch relativ schnell gehen kann, tun wir dies (angesichts unseres heutigen Tagespensums) auch.

[Bild: Auf einer Schotterstraße geht es ein Stück bergauf Richtung Ofental]

Nach einiger Zeit wird aus der eintönigen Schotterstraße ein etwas schmalerer – jedoch simpler – Bergsteig. Auf ihm geht es weiter Richtung Ofental.

[Bild: Endlich ein richtiger Bergsteig]

In einer langen Südquerung sowie einer großen Linkskurve geht es bis unter die unscheinbare Erhebung des Salzkopfs. Wir folgen dem Ofental-Weg noch ein kurzes Stück, schließlich erreichen wir jedoch eine Wegeteilung. Etwas südlich der Ofental-Diensthütte sind wir bei der Kreuzung von Ofental- und Forstbegangsteig angekommen (1345 m.)

[Bild: Hier geht es nicht geradeaus weiter Richtung Ofental, sondern nach rechts]

Der Forstbegangsteig (siehe AV-Führer!) durchzieht die gesamte westliche Seite der Hochkalter-Hocheisgruppe und verbindet die einzelnen Täler (Sittersbachtal, Steintal usw.). Er ist nicht ausgeschildert, nicht markiert und teilweise verwachsen, schmal und – mehr oder weniger – anspruchsvoll. Theoretisch könnte man von Parkplatz Hintersee unterhalb der Blaueishütte bis zum Anstieg zur Hocheisspitze gelangen, ohne ins Tal absteigen zu müssen. Der nördliche Teil des Forstbegangsteiges wird auch „Luchsgang“ genannt. Für uns ist der Forstbegangsteig entscheidend, um den Zugang zur Ofentalschneid zu finden. Wir nehmen die rechte Abzweigung und folgen dem Steig ein Stück in Richtung Steintal.

[Bild: Auf dem Forstbegangsteig]

Im Vergleich zum Ofental-Weg ist der Forstbegangsteig natürlich deutlich „wilder“ und ursprünglicher – dennoch ist er meistens deutlich zu erkennen und wir haben keinerlei Probleme bei der Wegfindung. Nach kurzer Zeit verzweigt sich der Weg jedoch erneut. Nach einem kurzen Kartenstudium steigen wir geradeaus weiter hinauf. Nach etwa 15 Minuten verliert sich auch die letzte noch so undeutliche Pfadspur.

[Bild: Reiter Alm - von links nach rechts: Stadelhorn 2286 m. - davor Großes Mühlsturzhorn 2234 m. und Kleines Mühlsturzhorn 2141 m. - rechts anschließend die Grundübelhörner 2096 m. und 2084 m. sowie das Knittelhorn 2015 m.]

Der Alpenvereinsführer spricht nun davon „gegen die sich allmählich zum Gratrücken entwickelnden W-Hänge steil“ hinanzuklettern, bis man das „westliche (untere) Ende der Gratschneide (Ofentalschneid) erreichen kann.“ (AV-Führer Berchtesgadener Alpen – alpin). Es gilt, sich in dem Gewirr aus grasigen Steil- bzw. Schrofenflanken und Felswänden – durchsetzt mit Latschenkiefern – eine halbwegs günstige Route hinauf zum nordwestlich der Ofentalschneid gelegenen Gratrücken zu suchen. Es ist unmöglich, eine exakte Routenbeschreibung vorzunehmen (vor allem gibt es keine wirklich optimale Route!) – daher soll das Folgende nur einen Eindruck davon vermitteln, wie man den Zustieg bewältigen kann: Über einen grasbewachsenen – und mit Holzstämmen sowie Felsblöcken durchsetzten – Hang steigen wir bergauf bis unter eine markante Felswand.

[Bild: Der weitere Aufstieg ist von nun an vollkommen weglos]

[Bild: Diese markante Felswand gilt es zu erreichen - will man unsere Zustiegsroute gehen]

Linkerhand vermittelt eine grasige bzw. erdige Rinne (unterbrochen von Felskletterei bis II-) den Durchschlupf.

[Bild: Aufstieg über eine steile - aufgrund der Erde recht abschüssige - Rinne, unterbrochen von kurzer Kraxelei]

Oberhalb leitet ein grasiges Band nach rechts (teilweise ausgesetzt und abschüssig), bis wir vor einem Gewirr aus Ästen und toten Baumstämmen stehen.

[Bild: Dieses grasige Band verfolgen wir bis zu den zwei markanten Bäumen - rechterhand geht es steil in die Tiefe]

Nun beginnt erstmalig der Kampf mit den Latschen – wir schlagen uns beherzt nach oben durch. Im Gegensatz zu den beiden anderen hatte ich so etwas vorher noch nie gemacht – ganz ehrlich, ich brauche es nicht bei jeder Tour! Rein technisch gesehen ist dieser Teil wenig schwierig (die Latschen verhindern ggf. sogar ein Abstürzen!), das Durchschlagen durch die Latschen (unterbrochen von einzelnen steilen Felsstufen I+/II-) erfordert jedoch Gleichmut, Geduld, Durchhaltevermögen, einen gewissen Biss und Kraft (Eine halbwegs ernstgemeinte Schwierigkeitsbewertung bzw. Skala für den „Kampf mit den Latschen“. Josef bewertete es hinterher mit LKK3-4) – mir macht es nur sehr begrenzt Spaß, aber was tut man nicht alles für ein außergewöhnliches Bergerlebnis.

[Bild: Wie angenehm doch markierte Alpenvereinssteige sind]

[Bild: Kampf mit den Latschen]

Schließlich lichten sich die Latschen. Über eine steile Grasflanke steigen wir bergauf bis unter eine steile Felswand (markanter Baumstumpf!)

[Bild: Nach der ersten Latschenzone geht es bergauf bis unter diese Felswand]

Unter ihr geht es nach rechts unschwierig und problemlos weiter aufwärts, bis wir erneut vor Latschenkiefern stehen. Ein schräg nach rechts verlaufendes Band und eine steile Felsstufe (II) vermitteln den weiteren Aufstieg.

[Bild: Über dieses Felsband geht es weiter aufwärts]

[Bild: Griffige Felsstufe im Schwierigkeitsgrad II]

Oberhalb haben wir jedoch keine andere Wahl – wir müssen uns erneut dem „Latschenkampf“ stellen.

[Bild: Beherzt mühen wir uns weiter bergauf]

[Bild: Latschenkampf in seiner reinsten Form]

Einige wirklich üble Höhenmeter weiter, stoßen wir auf eine halbwegs freie Gasse. Ihr folgen wir bis zu einem etwas luftigen Felsband. Dabei wird mir erstmals bewusst, dass wir uns nun auf dem Gratrücken befinden.

[Bild: Dieses markante Band leitet weiter bergauf - im Hintergrund die ersten Felsen der Ofentalschneid]

Ein gutes Stück weiter oberhalb erkennen wir den steilfelsigen Anfang der Ofentalschneid – wir sind also genau richtig! Nach dem Band geht es wieder nach rechts auf den Gratrücken. Nach kurzer Zeit stehen wir vor der Wahl – entweder geradeaus weitergehen und eine letzte dichte Latschenzone hinter uns bringen oder rechts das Ganze über eine kurze Platten-Kletterei (bis II im Abstieg) umgehen. Ich nehme zum dritten und letzten Mal den „Latschenkampf“ auf, die beiden anderen klettern.

[Bild: Man kann die letzte Latschenzone über diese steilen Platten umgehen - ich tue es nicht, u.a. weil ich keine Höhenmeter verlieren möchte - gebraucht haben wir letztlich gleich lang]

Als wir kurz darauf wieder vereint sind, wissen wir, dass es das mit dem K(r)ampf nun gewesen ist – nun beginnt die eigentliche Tour. Über eine breite Latschengasse steigen wir bergauf bis zu einer nach rechts vorgelagerten Anhöhe. Dort angekommen, haben wir den Beginn der Ofentalschneid erstmals in voller Pracht vor uns.

[Bild: Blick zum Beginn der Ofentalschneid]

Im Südwesten erkennen wir die parallel verlaufende Steintalschneid, während wir beim Blick zurück das Klausbachtal und die darüber aufragenden „Ramsauer Dolomiten“ (Südabstürze der Reiteralm) bewundern können. Schließlich machen wir uns auf zur Ofentalschneid. Von der Anhöhe queren wir unschwierig nach links auf den breiten Gratrücken. Anschließend steigen wir zwischen letzten Latschenkieferresten über grasbewachsene Schrofenhänge mäßig steil bergauf.

[Bild: Über grasige Schrofenhänge geht es unschwierig in Richtung der ersten Felsen]

Schließlich bleiben die Latschen zurück und über eine bereits stark felsige Grasflanke erreichen wir den Beginn der Ofentalschneid.

[Bild: Steintalschneid]

[Bild: Tiefblick in Richtung Klausbachtal - was für ein Zustieg!]

Direkt zu Beginn wird uns klar, dass das heute kein Spaziergang wird – der Grat zeigt gleich seine Zähne. Zunächst geht es in leichter Kraxelei (I+) unschwierig bergauf – direkt danach jedoch muss ein luftiger Gratzacken überklettert werden.

[Bild: Erste anspruchsvolle Passage der Ofentalschneid]

Aus der darauf folgenden Scharte geht es direkt an der Kante wirklich extrem ausgesetzt (!) hoch (teilweise Kletterei bis II)  -  rechts geht es mehrere hundert Meter senkrecht abwärts Richtung Steintal und eventuelle Steighilfen wie Eisentritte oder Drahtseile sucht man hier natürlich vergebens. Dafür ist der Fels fest und Griffe und Tritte findet man hier genug.

[Bild: Äußerst ausgesetzt klettern wir direkt an der Kante aufwärts (bis II)  -  starke Nerven angenehm]

[Bild: Hier sollte man nicht „kopfscheu“ werden!]

Nach dieser äußerst luftigen Passage wird der Grat deutlich breiter. In leichter Kraxelei (I) steigen wir über Schrofen weiter aufwärts. Nach einer etwas luftigen Querung (I+) nach links (rechts geht es ebenfalls) geht es anschließend erneut direkt an der Kante steil und ausgesetzt bergauf (bis II). Wer nicht vollkommen schwindelfrei ist, riskiert in diesem Gelände Kopf und Kragen – aber ganz ehrlich: Wer sollte sich auch aus Versehehen hierhin „verlaufen“?!

[Bild: Atemberaubend luftige Gratpassage im unteren Teil der Ofentalschneid]

Über griffigen Fels (I-II) klettern wir bergauf bis zum ersten Gratturm (2122 m.)

[Bild: Genusskletterei am ersten Gratturm]

Oben angekommen, wird uns klar, dass der „Weg“ bis zum Gipfel noch sehr weit ist – unzählige Graterhebungen, Türme, Zacken und Mini-Gipfel warten darauf, überklettert zu werden.

[Bild: Blick über den weiteren Verlauf der Ofentalschneid  -  links der Hochkalter 2607 m.]

Nach dem steilen Zwischenabstieg vom ersten Gratturm (Kletterei bis II) in die darauffolgende Scharte, machen wir eine etwas längere Pause, in der wir die wild-schroffe und einsame Landschaft um uns herum ausgiebig genießen – einsam? – nicht ganz! Auf der Steintalschneid gegenüber erkennen wir nach einiger Zeit einen weiteren Bergsteiger – was für ein Zufall! Schließlich setzen wir den Aufstieg fort. Ein grasiges Band auf der Ofental-Seite vermittelt den weiteren Aufstieg.

[Bild: Blick zurück zum ersten Gratturm 2122 m.  -  links im Hintergrund die Loferer Steinberge - rechts die Reiter Alm - in der Tiefe das Klausbachtal]

In kompaktem, scharfkantigem, aber bombenfestem Fels geht es auf dem Grat aufwärts (I+), ein weiterer Zwischenabstieg (I-II) bereitet keine Probleme.

[Bild: Josef klettert über eine große Platte bergauf zum nächsten größeren Gratturm]

Anschließend klettern wir über herrliche Platten (II-) mäßig steil bergauf zum nächsten Gratturm. Dann jedoch die Ernüchterung. Auf der anderen Seite geht es senkrecht mehrere Meter abwärts. Ein IIer ist das nicht mehr! Der anspruchsvolle Abstieg entlang eines Risses (schräg rechts vom Gipfel) geht bis III, ist äußerst luftig und trittarm!

[Bild: Die erste richtig heftige Stelle! - entlang dem schrägen Riss geht es stark ausgesetzt abwärts (III)  -  man muss sich mit den Armen ablassen, da praktisch kaum Tritte vorhanden sind]

Nachdem wir diese – bis dato – schwierigste Stelle überwunden haben, geht es zunächst im einfachen Fels- bzw. Schrofengelände weiter aufwärts.

[Bild: Zwischendurch immer wieder einfaches Gehgelände]

Über ein paar leichte Platten (I) steigen wir weiter bergauf, bis es – nahezu eben – über einige schroffe Gratzacken (maximal Kraxelei bis I, aber gut luftig!) weiter über die Schneid geht.

[Bild: Auf der Ofentalschneid  -  links im Hintergrund der Hochkalter 2607 m.]

[Bild: Die Ofentalschneid liefert zahlreiche tolle Fotomotive!]

Unvermittelt stehen wir vor einem überhängenden Abbruch! Klaus schimpft und ich frage mich, wie zum Teufel der AV-Führer hier auf Kletterei bis II kommt.

[Bild: Oberhalb des senkrechten bis überhängenden Abbruchs - Klaus klettert voraus  -  links in der Tiefe das Ofental]

Zwar schaffe ich den Abstieg in die untenliegende Scharte (links vom Übergang geht es über eine glatte Platte III+, große Ausgesetztheit, praktisch keine Tritte – auf Reibung klettern! – kurzes Seil bzw. lange Bandschlinge unbedingt zu empfehlen) – allerdings fällt mir diese Stelle ziemlich schwer, vor allem psychisch ist der Anspruch hoch! Ein IIer – also die Schwierigkeit vom Hochkalter-Normalweg – ist das bei weitem nicht! Spätestens hier zeigt sich, dass man bei solchen Touren unbedingt Reserven haben sollte.

[Bild: Über die glatte Platte rechts vom Überhang geht es bergab - Schwierigkeit III+]

[Bild: Die - in meinen Augen - schwierigste Stelle der gesamten Tour, III+ im Abstieg]

Nachdem wir alle diese Stelle geschafft haben, geht es erneut direkt an der Kante hoch (I), doch der darauffolgende Abstieg vom Gratzacken („Schichtenabsätze“…) entlang eines Risses (III-) ist erneut ziemlich happig! Was darauf folgt, ist uns mittlerweile bekannt – entlang der Kante geht es unschwierig bergauf (I, einfache Platten), oben angekommen, stehen wir vor einem senkrechten Abbruch.

[Bild: Herrliche Plattenkletterei I/I+]

Ein extrem steiler – jedoch griffiger – Kamin (bis III, weiter unten große Abschüssigkeit!) ermöglicht uns den Abstieg.

[Bild: Klaus in dem steilen - jedoch griffigen - Kamin]

Unten angekommen, macht der über uns aufragende Gratzacken einen geradezu erschreckend steilen Eindruck.

[Bild: Dieser Gratturm muss abgeklettert werden - der Kamin (etwa III-) ist die leichteste Möglichkeit]

Die Kletterei über das folgende Gratstück – wobei wir teilweise in die Flanken ausweichen – ist dagegen purer Genuss! In der Ferne erkennen wir die beiden Gipfel des Ofentalhörnds und uns wird bewusst, wie viel noch vor uns liegt. 4,5 Stunden von Hintersee über die Ofentalschneid bis zum Gipfel heißt es im AV-Führer – lächerlich! – sind wir bis jetzt doch bereits 5,5 Stunden unterwegs – und wir waren nicht unbedingt langsam.

[Bild: Auf der Ofentalschneid  -  im Hintergrund sind die beiden Gipfel des Ofentalhörnls zu erkennen]

Ohne größere Schwierigkeiten (I) geht es direkt auf der Gratkante weiter bis zum oberen Ende eines weiteren Gratzackens. Nach dem Abstieg über diesen (III) geht es direkt wieder steil aufwärts (Kletterei bis II-)

[Bild: Auch von diesem Gratzacken muss ausgesetzt abgeklettert werden - Schwierigkeit III]

[Bild: Genussvolle Kletterei (etwa II-) an der Ofentalschneid]

Nach einiger Zeit scheint es, als wäre es das mit den wilden „Schichtenabsätzen“ gewesen. Über die in diesem Teil relativ breite und nur mäßig steile Schneid steigen wir unschwierig weiter in südöstliche Richtung (maximal Ier an zerfurchten Felsplatten- bzw. Flanken).

[Bild: Einfaches Gehgelände]

[Bild: Steintalhörnl 2468 m. mit der langgezogenen Steintalschneid  -  dahinter Hocheisspitze 2523 m. und Hinterberghorn 2493 m.]

[Bild: Blick zurück über die Ofentalschneid  -  im Hintergrund die Reiter Alm]

Während wir so über die Ofentalschneid wandeln, erkennen wir sowohl am Hochkalter-Gipfel, als auch im Ofental einige Bergsteiger – es ist klar, welcher Berg hier die „Massen“ anzieht. Nach einer teilweise grasbewachsenen Schrofenflanke wird aus dem breiten Gratrücken wieder ein messerscharfer Grat. Technisch unschwierig – aber ziemlich luftig – geht es weiter aufwärts.

[Bild: Auf dem Weg zum obersten Gratturm 2371 m.  -  Josef ist bereits oben]

Schließlich winkt uns Josef vom obersten Gratturm (Punkt 2371 m.) der Ofentalschneid aus zu – anscheinend haben wir die größten Schwierigkeiten überwunden? Und tatsächlich – als wir bei ihm stehen, ist der Südwestgipfel (2480 m.) scheinbar nur mehr ein paar sanfte Fels- bzw. Schrofenflanken entfernt.

[Bild: Auf dem obersten Gratturm 2371 m.  -  der Ofentalhörnl Südwestgipfel 2480 m. ist nun zum Greifen nah]

Doch wie so häufig an diesem Tag, steht uns noch eine Überraschung bevor. Denn der Abstieg vom obersten Gratturm gestaltet überraschenderweise sich als unmöglich – die klettertechnischen Schwierigkeiten übersteigen an dieser Stelle – ohne Seilsicherung – unsere Fähigkeiten (Überhang!), zumal die Stelle im Abstieg zu bewältigen ist. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als über eine abschüssige und etwas heikle Geröllrinne auf der Steintal-Seite ein Stück abzusteigen.

[Bild: Hochkalter 2607 m.]

[Bild: Über diese heikle Geröllrinne geht es ein Stück abwärts in die Flanke - Achtung: Nicht zu weit absteigen!]

In extrem ausgesetztem und abschüssigem Schrofengelände queren wir etwas unterhalb nach rechts.

[Bild: Große Ausgesetztheit während der Querung (es ist deutlich steiler, als es auf dem Bild den Anschein hat!)  -  in der Tiefe das Steintal]

Eine glatte Platte (III) sowie eine gerölliges Band vermitteln den Wiederaufstieg zur Gratschneide.

[Bild: Diese glatte Platte (III) ermöglicht den Übergang - Achtung: Es schaut von unten harmloser aus, als es ist!]

Beim Blick zurück zum obersten Gratturm wird uns klar, ohne Seil geht da (direkt) gar nichts!

[Bild: Diesen Gratzacken mussten wir auf der Steintalseite (von hier aus gesehen - links) umgehen  -  ohne Seil kommt man da sonst nicht weiter]

Egal – was nun folgt, ist reinster Genuss! Zunächst geht es über einen Schrofenhang aufwärts. In kompaktem Fels (I) klettern wir weiter bergauf, bis es technisch vollkommend unschwierig und nahezu waagerecht weiter in Richtung Gipfelaufbau geht.

[Bild: Auf dem Weg zum Ofentalhörnl Südwestgipfel  -  rechts die Steintalscharte 2380 m.]

Die Ofentalschneid wird hier nur mehr durch kurze und harmlose Schichtenabsätze charakterisiert – den wilden Teil hat man nach dem obersten Gratturm (Punkt 2371 m.) geschafft. Technisch unschwierig (maximal I) – aber durchaus noch recht luftig steigen wir konzentriert weiter.

[Bild: Jetzt - da die großen Schwierigkeiten überwunden sind - bleibt mehr Zeit zum Schauen]

Schließlich geht es steil bergab auf eine markante Geröllflanke. Der Rest ist Formsache. Über den in diesem Teil ziemlich schuttigen Grat steigen wir eben weiter, schließlich leiten kompakte Platten aufwärts zum unscheinbaren Vorgipfel

[Bild: Aufstieg über eine geröllige und teils von zerrissenen Platten bedeckte Flanke in Richtung Vorgipfel]

„Weiter, immer weiter!“ ist das Motto, was uns aber nicht schwerfällt – wir wollen endlich den höchsten Punkt erreichen.

[Bild: Die für mich schönsten Momente des Bergsteigens! - die Zeit kurz vor dem Gipfel]

Wir steigen über eine schroffe Geröllflanke bergauf und queren die unteren Reste eines steilen Altschneefeldes.

[Bild: Kurz vor dem Gipfel muss der untere Rand eines steilen Altschneefeldes gequert werden]

Wieder auf der Gratschneide angekommen, haben wir den Südwestgipfel mit einem Mal direkt vor uns – nun ist es nicht mehr weit.

[Bild: Ofentalhörnl Südwestgipfel 2480 m.]

Über das oberste Ende der Schneid sowie einige leichte Felsstufen und Fels- bzw. Geröllflanken steigen wir das letzte Stück empor zum Ofentalhörnl Südwestgipfel 2480 m. Nach insgesamt 7,5 Stunden haben wir den Gipfel erreicht – deutlich länger als die im Führer angegebenen 4,5 Stunden, wobei wir nur wenig bzw. kurze Pausen gemacht und nicht gesichert haben – zudem sind wir eigentlich recht flott gegangen. Egal – wir haben die komplette Ofentalschneid begangen und den Südwestgipfel bestiegen. Josef inspiziert (motiviert) noch den möglichen Übergang zum Nordostgipfel (laut AV-Führer 2011: Kletterei bis III, laut einer älteren Ausgabe von Josef III-IV)  -  letztlich lassen wir es jedoch bleiben.

[Bild: Ein schneidiger Gipfel - Josef auf dem Südwestgipfel 2480 m. des Ofentalhörnls  -  im Hintergrund der Hochkalter 2607 m.]

[Bild: Blick zum Ofentalhörnl Nordostgipfel 2513 m.]

Der Weg (Ofentalschneid) war das Ziel – und wir haben es geschafft. Da wir jedoch „zu lange“ gebraucht haben, schlagen wir uns den Übergang zum Steintalhörnl bzw. den von Josef sogar ursprünglich geplanten Abstieg über die Steintalschneid aus dem Kopf. Wir beschließen, nach einer ausgiebigen Gipfelrast entspannt über das Steintal abzusteigen. Mit der Gewissheit, dass uns heute nichts außergewöhnlich-schwieriges mehr bevorsteht, mache ich es mir auf dem schroffen Gipfel gemütlich.

[Bild: Auf dem Ofentalhörnl Südwestgipfel 2480 m.  -  rechts im Hintergrund die Watzmann Südspitze 2712 m.]

Die Aussicht auf die umliegenden Gipfel, Steilflanken und Täler ist atemberaubend: Im Norden der dominierende Hochkalter (2607 m.) – mit dem anschließenden Verbindungsgrat zum Ofentalhörnl (nur unterbrochen von der Ofentalscharte 2360 m. und dem Schönwandeck 2450 m.)  -  Anschließend der wuchtige und abweisende Nordostgipfel des Ofentalhörnls (2513 m.) – Im Nordwesten hinter der langgezogenen Ofentalschneid die Reiteralm mit Stadelhorn 2286 m.  – Wagendrischelhorn 2251 m. und Großem Mühlsturzhorn 2234 m. Grandios sind die Tiefblicke ins Ofental sowie ins Wimbachtal. Rechts vom Ofentalhörnl Nordostgipfel die Watzmann Südspitze 2712 m.  -  dahinter in der Ferne Funtenseetauern 2578 m.  -  Selbhorn 2655 m.  – Schönfeldspitze 2563 m. und Steinernes Meer. Anschließend (weiter vorne) Großer Hundstod 2594 m.  -  Kühleitenschneid, Palfelhörner und Hocheisspitze 2523 m. Direkt südwestlich gegenüber präsentiert sich das Steintalhörnl 2468 m. mit der Steintalschneid.

[Bild: Blick zum Steintalhörnl 2468 m. mit der Steintalschneid  -  links unten die begrünte Steintalscharte 2380 m.  -  im Hintergrund die Hocheisspitze 2523 m.]

[Bild: Tiefblick zu den Schuttströmen des Wimbachtales  -  rechts die Palfelhörner, anschließend die Kühleitenschneid und der Große Hundstod 2594 m.  -  in der Ferne Funtenseetauern 2578 m. - Steinernes Meer, Selbhorn 2655 m. und Schönfeldspitze 2653 m.]

[Bild: Ofentalhörnl Nordostgipfel 2513 m.  -  rechts die Watzmann Südspitze 2712 m.]

[Bild: Hochkalter 2607 m. mit Ofental]

[Bild: Blick über die Ofentalschneid in Richtung Reiter Alm]

Wir sind froh, dass das Wetter gehalten hat (am Morgen sah es kurzzeitig nach stärkerer Wolkenbildung aus), nach einiger Zeit werden die Wolken jedoch dunkler – nach etwa einer Stunde am Gipfel – der richtige Moment um abzusteigen.

[Bild: Steht uns womöglich ein Wetterumschwung bevor?]

Vom Südwestgipfel des Ofentalhörnls steigen wir – stets ein Stück rechts des Südwestgrates – über mäßig steile Blockwerk- und Geröllflanken unschwierig bergab bis zur Steintalscharte (2380 m.)

[Bild: Über Geröllflanken steigen wir unschwierig bergab - das großartige Steintalhörnl 2468 m. stets im Blickfeld]

[Bild: Abstieg zur Steintalscharte  -  links im Hintergrund das Seehorn 2321 m.]

[Bild: Blick zurück zum Ofentalhörnl Südwestgipfel 2480 m.]

[Bild: Das Steintal in aller seiner Pracht - dieses weite Geröllkar wird nur relativ selten besucht  -  im Hintergrund die Reiter Alm]

Von dort geht es über schroffe Geröllflanken – unterbrochen von abschüssigen Felsstufen (teilweise leichte Kraxelei bis I) – bergab ins Steintal.

[Bild: Abstieg über etwas unangenehme Felsstufen und Schrofen ins Steintal]

[Bild: Abstieg ins Steintal  -  im Hintergrund die Reiter Alm]

[Bild: Steintalhörnl 2468 m.  -  der Aufstieg von der Steintalscharte über den Nordgrat soll laut AVF nur ein Ier sein und eine halbe Stunde dauern - dem sollte man aber sehr skeptisch gegenüber stehen!]

[Bild: Diese abschüssigen und etwas steileren Schrofen (maximal I) gilt es vorsichtig abzuklettern]

Dieses weite, nach Nordwesten ausgerichtete Geröllkar wird seinem Namen (ähnlich wie das Ofental) voll gerecht. Bis auf einige Altschneefelder (Achtung: einige Minuten unterhalb der Steintalscharte gibt es links – an den Felsen des Steintalhörnls – eine Quelle!) ist das Tal vollkommen mit Geröll, Blockwerk und Schutt bedeckt. Es wird – wenn überhaupt – vor allem im Winter ab und zu als anspruchsvolle Skitour begangen, im Sommer trifft man hier nur sehr selten auf andere Menschen.

[Bild: Am oberen Ende des Steintales - der Weg zurück ins Tal ist noch weit]

Im Steintal angekommen, geht es weglos über weite Geröllflächen und – wenn es geht – Altschneefelder abwärts.

[Bild: Im Steintal]

[Bild: Wenn es geht, fahren wir über Firnfelder ab - der reinste Genuss!]

Im Aufstieg dürfte das Steintal im Sommer extrem mühsam und anstrengend sein, andersherum ist das Abfahren über Geröll und Firn (nach den Strapazen der Ofentalschneid) äußerst angenehm!

[Bild: Abstieg über die weiten Geröllflanken des Steintales]

Zudem ist der landschaftliche Rahmen – links die dunklen Wandfluchten der Steintalschneid, rechts die wilde Ofentalschneid und vor uns die „Ramsauer Dolomiten“ der Reiter Alm – absolut gigantisch. Über die endlos weiten Geröll- und Blockwerkflächen des Steintales steigen wir immer weiter abwärts, überqueren zahlreiche (einfach begehbare) Altschneefelder und erreichen schließlich eine Geländeschwelle, die sogar mit einer kleinen Wechte dekoriert ist.

[Bild: Abstieg durch das Steintal  -  ganz links die Geländeschwelle mit der kleinen Wechte  -  links im Hintergrund die Reiter Alm]

[Bild: Ofentalschneid]

Anschließend geht es über eine weite Geröllfläche weiter bergab, nach kurzer Zeit setzt jedoch bereits die Vegetation ein und wir stoßen auf eine Pfadspur.

[Bild: Nach der ersten Geländeschwelle geht es über ein letztes Geröllfeld bergab - die nächste Geländeschwelle (der Beginn der Vegetation) ist bereits sichtbar]

[Bild: Mit der Vegetation setzt auch eine schwache Pfadspur ein  -  im Hintergrund die imposanten Südabstürze der Reiter Alm]

Das triste Grau der Geröll- und Blockwerkflächen weicht nun zunehmend dem Grün grasbewachsener Hänge – und sogar die Latschen haben uns ansatzweise wieder – Halleluja!

[Bild: Wo ist unsere Pfadspur?]

Zwar verlieren wir den Pfad immer wieder kurz, allerdings ist die Orientierung weniger schwierig, als erwartet. Zwischen Latschenkiefergewächsen, Karstformationen und felsigen Rippen steigen wir weiter abwärts.

[Bild: Noch ist das Klausbachtal ziemlich weit entfernt]

Am Ende einer offenen Grasflanke finden wir zum ersten Mal einen mehr oder weniger deutlichen Pfad vor.

[Bild: Nach dieser offenen Grasfläche stoßen wir auf einen halbwegs deutlichen Pfad - ihm gilt es aufmerksam zu folgen!]

Auf ihm geht es zwischen zunehmend dichter werdenden Latschenkiefern weiter abwärts.

[Bild: Steintalschneid]

[Bild: Dem Kampf mit den Latschen müssen wir uns heute glücklicherweise nicht mehr stellen - der Pfadspur sei Dank]

Teilweise verläuft der – häufig komplett überwachsene – Pfad über Karstformationen, insgesamt ist er aber relativ angenehm zu begehen.

[Bild: Geschickt schlängelt sich der Pfad durch ein Gewirr aus Latschen]

Nichtsdestotrotz verfolgen wir ihn sehr aufmerksam, da er unser einziges Ticket durch das Gewirr aus Latschengewächsen ist. So geht es ein gutes Stück bergab, bis der Pfad schließlich in lichten Bergwald führt. Bei einer Wegeteilung wenden wir uns nach rechts (Norden) – der andere Weg würde ins Sittersbachtal führen. Nun befinden wir uns wieder auf dem Forstbegangsteig und nach kurzer Zeit erreichen wir den Punkt, von dem aus wir etliche Stunden zuvor den Aufstieg „gegen die sich allmählich zum Gratrücken entwickelnden W-Hänge“ der Ofentalschneid begonnen hatten. Weiter oben erkennen wir die „bösen“ Latschen.

[Bild: In diesem Bereich sind wir nach rechts abgebogen und haben uns „unseren“ Zustieg gefunden bzw. geschlagen]

An einer markanten Felswand leitet der Weg links vorbei.

[Bild: Hat man den Forstbegangsteig erst einmal erreicht, ist der Rest nur mehr Formsache]

Wir passieren eine offene Grasflache (entwurzelte Bäume) und folgen dem Weg in dichteren Bergwald. Problemlos erreichen wir schließlich wieder die markante Kreuzung – der weitere Abstieg über den ausgeschilderten Ofental-Weg ist Formsache.

[Bild: Entspannter Abstieg über den Ofental-Weg in Richtung Klausbachtal]

Unten im Tal angekommen, baden die beiden erst einmal ihre Füße im eiskalten Klausbach. Da ich befürchte, dass ich meine Schuhe nicht mehr anziehen wollen würde – sollte ich sie einmal ausgezogen haben – lasse ich dies sein. Über die weiten Schotterstraßen des Klausbachtales geht es das letzte Stück zurück zum Parkplatz Hintersee, wo diese außergewöhnliche Tour schließlich zu Ende geht.

[Bild: Wieder gesund und munter in den angenehm ebenen Weiten des Klausbachtales]

Im Nachhinein gesehen – und mit etwas Abstand – war es eine schlichtweg grandiose Tour. Josef hat hinterher geschrieben, dass die Latschen „letztlich […] ein kleines Übel [sind], das man ruhig in Kauf nehmen kann für diesen schönen Grat!“  -  Dem stimme ich zu, auch wenn ich so einen „Kampf“ definitiv nicht bei jeder Tour brauche – der Genuss leidet mir dabei etwas zu sehr! Die Ofentalschneid selbst, ist deutlich (!) schwieriger als es der Alpenvereinsführer angibt. Klettert man seilfrei, sollte III+ kein Problem sein (am besten man hat Reserven im vierten Schwierigkeitsgrad). Diese Tour ist nichts für Plaisierbergsteiger – hier ist der Begeher/Kletterer der „alten Schule“ gefragt, dem auch ruppige und vollkommen weglose Zustiege nichts ausmachen und der es gewohnt ist, schwierige Kletterei frei zu meistern. Da wohl die Wenigsten ein Seil zu dieser Tour mitbringen, sei an dieser Stelle noch einmal Folgendes betont: Die Ofentalschneid ist – seilfrei begangen – äußerst anspruchsvoll (Stelle III+, vielfach III, längere Passagen II/II-, atemberaubend luftige und ausgesetzte Kletterstellen), ein Rückzug ist extrem kompliziert (u.a. aufgrund der Latschen). Wenn das Wetter nicht absolut sicher und der Fels nicht trocken sind, sollte man die Tour auf keinen Fall angehen [siehe „Charakter/Gefahren“ – oben]. Ich wiederhole gerne, was ich bereits am Anfang geschrieben habe: Um diese Tour halbwegs genießen zu können, braucht es Einiges: alpine Erfahrung, versierte Kletterfähigkeiten, vollkommende Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, große Ausdauer, sehr gute Orientierungsfähigkeiten, Gleichmut (im Kampf mit den Latschenkiefern!) sowie Freude am Ursprünglichen, Wild-Schroffen und Einsamen – sonst ist die Ofentalschneid definitiv nicht das Richtige! Wenn man alle Risiken und Schwierigkeiten dieser Tour erkannt bzw. verstanden hat – hier meine Einschätzung hinsichtlich der Argumente, warum die Ofentalschneid eine grandiose und absolut lohnendswerte Tour ist:

Die Ofentalschneid dürfte zu den unbekanntesten Felsgraten der Berchtesgadener Alpen gehören – vollkommene Einsamkeit ist garantiert. Die Ofentalschneid ist – ebenso wie die „trotzige Felsburg“ an sich – eine der eindrücklichsten, wild-schroffsten und am seltensten begangenen Touren der Berchtesgadener Alpen, vielleicht sogar der gesamten Nördlichen Kalkalpen. Diese Tour wird wirklich selten angegangen – und noch seltener erfolgreich begangen. Viele kehren angesichts der scheinbar undurchdringlichen Latschen um, spätestens jedoch, wenn einem klar wird, dass das keine IIer-Gratkletterei ist, ist für die meisten Schluss mit lustig. Wer sich der – nicht gerade geringen – Schwierigkeiten jedoch voll bewusst ist und diese auch sicher beherrscht, der wird bei dieser Tour Eindrücke und Erfahrungen machen, wie man sie nur mehr selten in den Berchtesgadener Alpen machen kann! Die Ofentalschneid – eine wilde und einsame Gratroute, fernab der bekannten und begangenen Wege – eine schroffe, kalkalpine Urlandschaft in Reinkultur – ein Tag fern der banalen Welt nahe dem Himmel  -  eine Herausforderung für jeden ambitionierten, alpin-erfahrenen und einsamkeitssuchenden Individualbergsteiger!

[Bild: Am Beginn der Ofentalschneid]

[Bild: Foto von Josef (der noch ganz traditionell mit Film und analoger Kamera fotografiert) während einer Pause auf der Ofentalschneid - ein gewisser altmodischer Charme ist nicht zu leugnen!]

 

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