2016 – Hohes Licht (2651 m.) - Südwestgrat  +  Biberkopf (2599 m.)  +  Rappenseekopf (2469 m.) - Überschreitung  +  Hochrappenkopf (2425 m.)

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   F+  oder  L+   (T4+  oder  W4+)

Charakter:  Die Route über den Südwestgrat des Hohen Lichts weist weglose, mitunter steile Gras- und Schrofenhänge sowie Geröllflanken und Felsstufen auf, verlangt jedoch keine Kletterei. Ansonsten durchgehend markierte, viel begangene Bergsteige in oftmals stark felsigem und gerölligem Schrofengelände mit einigen Drahtseilpassagen am Normalweg des Hohen Lichts sowie zwischen Hochrappenkopf und Biberkopf. Am Gipfelaufbau des Biberkopfes Kletterei in steilen, steinschlaggefährdeten Rinnen bis I und ausgesetzte Drahtseilpassagen (A/K1) beim Abstieg ins Lechtal (Richtung Lechleiten). Von dem Parkplatz im Lechtal (unmittelbar neben der Straße) westlich von Prenten (siehe Karte!) zunächst auf einer asphaltierten Fahrstraße nahezu eben ein Stück in nordöstliche Richtung dahin, bis es auf einem Fußweg in lichten Bergwald geht. In diesem aufwärts, wobei sich im Bereich einer Lichtung (Wildfütterung) der Weg verliert – hier entweder rechts außen die Lichtung bzw. den Zaun umgehen oder die Lichtung durchqueren und auf der rechten Seite (links vom Zaun) durch das Tor. Etwas oberhalb trifft man wieder auf den Weg, welcher in zunehmend freier werdendem Wald- und Latschenkiefergelände bergauf zu einer Geländekante („Steinletal“) am Beginn des Hochalptales führt. Im Folgenden auf gutem Bergsteig geradewegs durch das eindrucksvolle Tal und noch ein kurzes Stück über eine markante Geländestufe bergauf, bis in ca. 1800mH (siehe AV-Karte!) über grasige Hänge schräg nach rechts zu einer felsigen Geländekante gequert werden kann, wo man auf einen einigermaßen deutlichen, jedoch teilweise verwachsenen Pfad trifft. Rechts um die Geländekante herum und oberhalb einer Schlucht (Wasserfall) auf nun eindeutigem Steig über grasige Schrofen dahin, bis sich der Weg im Bereich weiter Wiesenflächen (Weidegebiet der Oberen Hochalphütte) verliert. Weglos über mäßig steile Grasflanken in nordöstliche Richtung bergauf, nach einiger Zeit jedoch über grasige Schrofen nach links in Richtung Nordwesten, den Punkt 2248 m. (AV-Karte) anvisierend, zum Südwestgrat. Nun immer auf dem breiten Kamm aufwärts (Schrofen- und Geröllhänge), über eine steile Geröllstufe hinweg, bis man auf den obersten Teil des markierten Normalwegs stößt und schließlich in wenigen Minuten das nahe Gipfelkreuz des Hohen Lichts (weite, hindernislose Rundumsicht!) erreicht. Vom Gipfel auf dem markierten Normalweg über den gerölligen obersten Südwestgrat bergab, bis es nach rechts in die Westflanke geht. Auf schroffen Felsbändern (teilweise Drahtseile) hinab zur Abzweigung zum Heilbronner Weg und nach links ins Wiesleskar. Auf nun einfachem Bergweg durch das geröllig-schuttige Kar nach Westen zur Großen Steinscharte (2262 m.) und über grasige Hänge hinab zur idyllisch gelegenen Rappenseehütte (2091 m.) –  Für den Rappenseekopf geht es von der Hütte zunächst ein Stück abwärts zum Rappensee und bei der Wegeteilung nach links. Auf schuttigem Steig an der linken (östlichen) Karseite zwischen Hochgundspitze und Rappenseekopf über Schrofen und Geröllhalden aufwärts in die Scharte Punkt 2272 m. (Rappenseescharte). Auf dem Grat in stark felsigem Gelände zum Gipfelaufbau und über einige grasig-geröllige Schrofenhänge und Stufen rasch empor zum höchsten Punkt des Rappenseekopfes (breites, grasbewachsenes Gipfelplateau und toller Tiefblick zum Rappensee!) – Auf der anderen Seite auf unschwierigem Schrofensteig abwärts in die erste Scharte (2320 m.) und weiter zur zweiten Scharte (2324 m. – „Hochrappenscharte“). Von dort auf einfachem Weg über schuttig-geröllige Hänge bergauf zum Hochrappenkopf Nordgipfel mit eindrucksvollem Tiefblick zum Rappenköpfle und – Pfadspuren folgend – links vom Grat weiter zum (höheren) Hochrappenkopf Südgipfel. Anschließend steigt man (vorteilhafterweise direkt bzw. weglos) zum Weg südlich des Hochrappenkopfes ab und folgt dem Weg nach rechts (Westen) über schrofige Hänge (Steinbockgebiet!) zur Scharte Punkt 2320 m. Kurze Zeit später geht es von einer Einschartung zwischen Hochrappenkopf und Biberkopf auf steilem Geröllpfad (Drahtseile) nach rechts (Westen) etwa 100Hm abwärts. Anschließend in der schattigen Nordflanke des Biberkopfes (häufig Altschneefelder) über Geröll und Schutt diagonal nach rechts (Südwesten) bergauf zum obersten Westgrat und zur Einmündung des Weges von Lechleiten. In leichter, anregender Kletterei (I, Drahtseile) durch steile Rinnen (Steinschlag!) aufwärts zum Gipfel des Biberkopfes (eindrucksvoller Tiefblick ins Lechtal!) – Zunächst über den Gipfelaufbau zurück zur Wegeteilung und anschließend nach links in die schroffe, steile Flanke. Im Folgenden auf abschüssigen Bändern (Drahtseile) – teilweise ausgesetzt – abwechselnd links und rechts vom Westgrat weiter bergab, über ein luftiges Gratstück hinweg und schließlich nach links in die grasige Schrofenflanke, die vom Grat nach Südwesten hinabzieht. Auf einfachem Bergsteig über die grasigen Hänge abwärts bis zu einer Wegeteilung. Hier links ab und in landschaftlich wunderschöner Höhenwanderung oberhalb des Lechtales quer nach Südosten um den Biberkopf herum, bis man die Mäuerleshütte (Mädelehütte) 2097 m. erreicht. Von der kleinen Jagdhütte (fantastische Aussichtsloge!) auf gutem Pfad über grasige, von Latschenkiefern bewachsene Hänge nach Süden bergab, nach kurzer Zeit jedoch nach rechts und in westliche Richtung über den sogenannten „Brandboden“ (im Bereich einer markanten Lichtung wird der Pfad kurzzeitig undeutlich) abwärts, bis man auf einen breiten Schotterweg stößt. Hier nach links (Südosten) und auf dem zunehmend breiter werdenden Schotterweg immer weiter abwärts und zurück zum Ausgangspunkt. Anspruchsvolle, abwechslungsreiche sowie landschaftlich großartige Rundtour, die die Besteigung des zweithöchsten Berges der Allgäuer Alpen – des Hohen Lichts – auf höchst elegante Weise mit der Besteigung bzw. Umrundung des formschönen Biberkopfes verbindet. Vielfältige, oft hindernislose Ausblicke in die Allgäuer und Lechtaler Alpen – zudem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, im Bereich des Hohen Lichts bzw. des Hochrappenkopfes auf Steinböcke zu treffen!

Gefahren:  Die Besteigung des Hohen Lichts über den Südwestgrat verlangt – neben Trittsicherheit – v.a. eine gute Orientierungsfähigkeit sowie (alpine) Erfahrung im weglosen Geröll und Schrofengelände. Auf die Verwendung von AV-Führer und AV-Karte (Nr. 2 / 1) sollte in jedem Fall nicht verzichtet werden! Bei guten Routen- und Wetterbedingungen sind die Risiken aber als äußerst gering einzustufen – wer die beschriebenen technischen Anforderungen souverän beherrscht, sollte es daher ohne große Schwierigkeiten auf den Gipfel des Hohen Lichts schaffen. Dies gilt prinzipiell auch für den Abstieg zur Rappenseehütte sowie für die Besteigung von Rappenseekopf und Hochrappenkopf – wer brav auf den markierten Wegen bleibt, hat bei schönem Wetter und Schneefreiheit eigentlich nichts zu befürchten. Der Biberkopf weist dagegen im Vergleich die größten objektiven Gefahren auf: Der Zustieg vom Hochrappenkopf zum obersten Westgrat führt quer durch die gesamte, düstere Nordflanke des Berges – steile, blanke Altschneefelder halten sich hier bis weit in den Hochsommer hinein. Nach einem Schlechtwettereinfall findet man zudem oftmals für längere Zeit schlechte Bedingungen vor – ggf. ist die Mitnahme von Grödel bzw. Steigeisen anzuraten! Zudem besteht in der Biberkopf Nordflanke durchaus die Möglichkeit eines Felsausbruches. Diese Gefahr ist zwar nicht akut, auf möglichen Steinschlag sollte man (z.B. bei Regen!) aber stets aufmerksam achten! Dies gilt vor allem auch beim Aufstieg über den obersten Westgrat. In den steilen Rinnen des Gipfelaufbaus herrscht (v.a. bei mehreren gleichzeitig steigenden Bergsteigern) Steinschlaggefahr! Umsicht und Rücksichtnahme sind hier oberstes Gebot – ein Helm schadet ggf. nicht. Insgesamt gilt daher, dass die Bewertung der potenziellen Risiken und Gefahren bei dieser Tour – v.a. am Biberkopf – stark von den jeweiligen Verhältnissen abhängt! Wer letztlich die beschriebenen Anforderungen sicher beherrscht sowie die Routen- und Wetterverhältnisse angemessen berücksichtigt (bzw. entsprechend ausgerüstet ist), sollte bei dieser Tour eigentlich keine Schwierigkeiten bekommen.


23. September  -  24. September 2016

Zwei-Tages-Tour in die Allgäuer Alpen zur Rappenseehütte (2091 m.) mit Besteigung des Hohen Lichts (2651 m.) über den Südwestgrat, des Biberkopfes (2599 m.) - des Rappenseekopfes (2469 m.) und des Hochrappenkopfes (2425 m.) – Am ersten Tag Aufstieg aus dem Lechtal ins Hochalptal mit anschließender Besteigung des Hohen Lichts über den Südwestgrat sowie Abstieg über den Normalweg zur Rappenseehütte. Am zweiten Tag Überschreitung des Rappenseekopfes zum Hochrappenkopf hin. Danach Besteigung des Biberkopfes über den Normalweg und Abstieg über die Mäuerleshütte ins Lechtal zum Ausgangspunkt.

Privat organisierte Tour zusammen mit Stefan

[Bild: Ausblick vom Hohen Licht 2651 m. nach Westen zum Biberkopf 2599 m.]

1. Tag        Parkplatz im Lechtal (Prenten)  -  Hochalp-Wald  -  Steinletal  -  Auf der Scheiden  -  Hochalptal  -  Punkt 1791 m.  -  Biberbach  -  Hohes Licht Südwestgrat  -  Punkt 2518 m.  -  Hohes Licht  -  Hohes Licht Westflanke  -  Wiesleskar  -  Große Steinscharte  -  Rappenseehütte

Das Hohe Licht (2651 m.) ist der zweithöchste Berg der gesamten Allgäuer Alpen und befindet sich – dem Hauptkamm südlich vorgelagert – ganz auf Tiroler Boden. 1854 im Rahmen einer Landesvermessung erstbestiegen (die erste touristische Besteigung erfolgte 1869 durch Hermann-von-Barth), wird das Hohe Licht heutzutage vor allem von Genussbergsteigern im Rahmen der Begehung des Heilbronner Weges über den Normalweg (markierter Bergsteig über die Westflanke und den obersten Südwestgrat) aufgesucht. Das von allen Seiten eindrucksvoll wirkende, aus Kalkstein des Hauptdolomits aufgebaute Felsmassiv fällt nach Westen und Süden mit steilen, geröllbedeckten Schrofen ab, während es im Osten über Steilwände verfügt und im Süden in Form des Hochalpgrates (2445 m.) mit der schönen Peischelspitze (2512 m.) verbunden ist. Neben dem Normalweg ist vor allem die weglose, landschaftlich wunderschöne Route über den Südwestgrat aus dem ursprünglichen Hochalptal von Bedeutung. Das Hohe Licht gehört neben Mädelegabel, Großem Krottenkopf und Hochvogel zu den begehrtesten und am häufigsten bestiegenen hohen Gipfelzielen der Allgäuer Alpen.

[Bild: Hohes Licht 2651 m. am Abend von der Rappenseehütte]

2013 bei der Begehung des Heilbronner Weges aufgrund der winterlichen Verhältnisse während der damaligen Tour (unfreiwillig) ausgelassen, habe ich beschlossen, die „Offene Rechnung – Hohes Licht“ in diesem Herbst endlich zu begleichen. Doch anstatt den Berg (wie damals) von Oberstdorf aus anzugehen, wollen wir das Hohe Licht von Österreich aus über das Hochalptal und den (weglosen) Südwestgrat besteigen. Denn eine Sache habe ich während meiner Zeit im Allgäu in jedem Fall gelernt – die spannenderen, vor allem jedoch ruhigeren und landschaftlich ursprünglicheren Anstiege auf die hohen Berge haben Hornbach- und Lechtal zu bieten! Nachdem wir schließlich den richtigen Parkplatz für das Hochalptal westlich von Prenten gefunden haben (nicht ohne uns einmal kräftig zu verfahren), machen wir uns am frühen Morgen auf den Weg.

[Bild: Auf einer Asphaltstraße geht es aus dem Lechtal zunächst eben ein Stück in nordöstliche Richtung]

[Bild: Blick zurück zur Lichtung (Wildfütterung) im Hochalp-Wald, die links vom Zaun umgangen oder durchquert werden kann]

[Bild: Weiter oberhalb führt der Weg durch lichten Bergwald und Latschenkieferzonen in Richtung Hochalptal]

[Bild: Morgenstimmung im Lechtal]

[Bild: Am Beginn des Hochalptales]

[Bild: Im urtümlichen Hochalptal zwischen Ellbognerspitze und Biberkopf]

[Bild: In diesem Bereich oberhalb der markanten Steilstufe im Hochalptal wird über grasige Hänge in Richtung der felsigen Geländekante (im Hintergrund) nach Südosten gequert]

[Bild: Oberhalb einer Schlucht mit dem sogenannten Biberbach (rechts) geht es im Folgenden auf einem grasigen Pfad dahin]

[Bild: Nach kurzer Zeit wird der Pfad deutlicher und führt quer über grasige Schrofenhänge hinweg in das Weidegebiet der Oberen Hochalphütte]

[Bild: Eine Gämse verfolgt neugierig unseren Aufstieg]

[Bild: Weglos geht es aus dem Weidegebiet der Oberen Hochalphütte über Grasflanken und Schrofen in nordöstliche Richtung bergauf]

[Bild: Nach einiger Zeit wenden wir uns nach links und steigen quer über grasige Schrofen zum Südwestgrat des Hohen Lichts hinauf]

[Bild: Blick beim Aufstieg zum Südwestgrat des Hohen Lichts in Richtung Biberkopf 2599 m.]

[Bild: Am Beginn des Aufstiegs über den Südwestgrat]

[Bild: Ein Steinbock begleitet uns ein Stück]

[Bild: Der Alpensteinbock - Was für ein majestätisches Tier!]

[Bild: Der Steinbock gibt die Richtung vor - Über Geröllhänge und Schrofen geht es über den Südwestgrat bergauf]

[Bild: Biberkopf 2599 m. - Hochrappenkopf 2425 m. und Rappenseekopf 2469 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Blick vom Südwestgrat des Hohen Lichts zum Biberkopf 2599 m.]

[Bild: Über eine steile Geröllstufe geht es rechts vom Grat in einem Bogen weiter aufwärts]

[Bild: Oberer Südwestgrat des Hohen Lichts - Das Gipfelkreuz ist nicht mehr weit!]

[Bild: Biberkopf 2599 m. - Hochrappenkopf 2425 m. (dahinter der Große Widderstein 2533 m.) - Rappenseekopf 2469 m. - Hochgundspitze 2460 m. - Große Steinscharte 2262 m. und Rotgundspitze 2486 m.  -  von links nach rechts vom Gipfel des Hohen Lichts]

[Bild: Blick vom Hohen Licht über den Allgäuer Hauptkamm zur Trettachspitze 2595 m. und zur Hochfrottspitze 2649 m. rechts daneben]

[Bild: Wilder Kasten 2542 m. - Wildmahdspitze 2489 m. und Muttekopf 2431 m. über dem Schochenalptal  -  von rechts nach links vom Hohen Licht. Im Hintergrund die Lechtaler Alpen]

[Bild: Blick vom Hohen Licht zur Ellbognerspitze 2552 m. mit der Peischelspitze 2512 m. schräg links davor. Im Hintergrund die Lechtaler Alpen]

[Bild: Auf dem Gipfel des Hohen Lichts 2651 m. - dem zweithöchsten Berg der Allgäuer Alpen]

[Bild: Abstieg vom Gipfel auf dem markierten Normalweg über den oberen Teil des Südwestgrates. Im Hintergrund der markante Biberkopf 2599 m. und rechts der Rappenseekopf 2469 m.]

[Bild: Auf schroffen Felsbändern (teilweise Drahtseile) geht es in der Westflanke des Hohen Lichts weiter abwärts. Links die Rotgundspitze 2486 m.]

[Bild: Biberkopf 2599 m. von Osten]

[Bild: Der Abstieg über den Normalweg des Hohen Lichts bietet stets weite Ausblicke über die Allgäuer Alpen! Im Hintergrund Rappenseekopf 2469 m. - Hochgundspitze 2460 m. - Große Steinscharte 2262 m. und Rotgundspitze 2486 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: In der Westflanke des Hohen Lichts]

[Bild: Auf dem Weg durch das Wiesleskar zur Großen Steinscharte. Links die Hochgundspitze 2460 m. und rechts die Rotgundspitze 2486 m.]

[Bild: Rappenseehütte 2091 m. beim Rappensee. Links das Rappenköpfle 2276 m. und rechts die Schafalpenköpfe, über die der Mindelheimer Klettersteig verläuft]

[Bild: Tiefblick aus dem Gebiet der Rappenseehütte ins Rappenalptal. Links die Schafalpenköpfe]

[Bild: Rappenseehütte 2091 m. - Rechts der Linkerskopf 2459 m.]

Die Rappenseehütte (2091 m.) ist eine alpine Schutzhütte (Kategorie I) der DAV-Sektion Allgäu-Kempten. Sie befindet sich hoch über dem Rappenalptal auf einer begrünten Höhe in der Nähe des Rappensees, eingerahmt von Linkerskopf, Rotgundspitze, Hochgundspitze, Rappenseekopf, Hochrappenkopf und Rappenköpfle. Die Hütte verfügt etwa über 189 Lager, 115 Betten und 30 Winterraumlager – damit ist sie die größte Alpenvereinshütte des DAV und der gesamten Alpen („wohl die größte Berghütte überhaupt.“ – Dieter Seibert, AV-Führer Allgäuer Alpen, 18. Auflage) – Die Hütte ist in der Regel von Mitte Juni bis Mitte Oktober geöffnet. Der erste Hüttenbau wurde 1885 errichtet – aufgrund ihrer stetig wachsenden Beliebtheit (u.a. Heilbronner Weg) wurde die Hütte über die Jahrzehnte immer weiter ausgebaut, erweitert und modernisiert – sodass sie heutzutage die größte Berghütte der Alpen ist. Die Rappenseehütte kann über eine Vielzahl an Wegen erreicht werden: Der am häufigsten begangene Zustieg beginnt in Faistenoy und führt über Birgsau, Einödsbach und die Enzianhütte zum Ziel (4-5h). Alternativ kann die Hütte auch von Prenten (Österreich) her durch das Wiesleskar und die Große Steinscharte erreicht werden (4-5h). Der kürzeste Zustieg ist der von Lechleiten (Österreich) über die Lechleitner Alm und den Mutzentobel (3h). Eine längere (und stillere) Alternative zum Zustieg von Einödsbach ist der Weg durch das gesamte Rappenalptal, wobei der eigentliche Aufstieg an der Schwarzen Hütte (Diensthütte) beginnt und von Westen her („Eselweg“ – 5-6h) zur Hütte führt. Die alpinen Zustiegsmöglichkeiten zur Rappenseehütte sind zum einen der Heilbronner Weg (entweder vom Waltenberger-Haus in gut 4 Stunden oder von der Kemptner Hütte in 5-6h) und zum anderen die Route über Biberkopf, Hochrappenkopf und Rappenseekopf, wobei theoretisch keiner dieser drei Berge bestiegen werden „muss“ (dies ist in jedem Fall die ungewöhnlichste und anspruchsvollste Art die Rappenseehütte zu erreichen – vgl. siehe AV-Karte). Abgesehen von den bereits erwähnten Zustiegs- und Hüttenübergangsmöglichkeiten lohnen auch die Übergänge zum Holzgauer Haus (3 Stunden) sowie zur Mindelheimer Hütte (4-5 Stunden). Die Rappenseehütte ist Ausgangspunkt für eine Reihe reizvoller Bergtouren: Neben der Paradetour – dem Heilbronner Weg – bietet sich die Besteigung folgender Gipfel an: Hohes Licht (2651 m. – zweithöchster Berg der Allgäuer Alpen, 1,5-2 Stunden, schroffe Felssteige, markiert)  -  Biberkopf (2599 m. – 2,5 Stunden, bis I, markiert)  -  Rappenseekopf (2469 m. – 1 Stunde, steinige Bergwege, markiert)  -  Hochrappenkopf (2425 m. – 1-1,5 Stunden, steinige Bergwege, teilweise markiert)  -  Rappenköpfle (2276 m. – 45 Minuten, bis III und Steilgras, weglos)  -  Hochgundspitze (2460 m. – 1,5 Stunden, bis II, weglos)  -  Rotgundspitze (2486 m. – 1-1,5 Stunden, bis II, weglos)  -  Linkerskopf (2459 m. – 1,5-2 Stunden ab Enzianhütte, Steilgras, weglos). Die Rappenseehütte ist also ein wahres Paradies für (versierte) Gipfelsammler. Abgesehen von den überwiegend recht ambitionierten Hüttenübergangs- und Gipfelmöglichkeiten ist die Gegend um die Hütte schlichtweg auch ein absolutes Kleinod, ein idealer Ort für Entspannung suchende Tagesgäste und Genusswanderer. Inmitten von lieblichem „Allgäuer-Grün“, an den Ufern der malerischen Rappenseen, umgeben von schroffen Felsgipfeln und steilen Grasflanken – was für eine schöne Vorstellung! Die Aussicht auf die auf der anderen Talseite aufragenden Schafalpenköpfe (Mindelheimer Klettersteig) sowie in Richtung Alpenvorland ist ebenfalls sehr eindrucksvoll. Alles in allem ist dies nicht nur die größte AV-Hütte, sondern – zusammen mit der Kemptner Hütte – vor allem auch die wichtigste Berghütte der gesamten Allgäuer Alpen.

[Bild: Großer Rappensee bei der Rappenseehütte. Links die Schafalpenköpfe]

[Bild: Abendstimmung bei der Rappenseehütte. Im Hintergrund Linkerskopf 2459 m. - Rotgundspitze 2486 m. und Große Steinscharte 2262 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Blick am Abend von der Rappenseehütte über das Rappenalptal in Richtung Schafalpenköpfe]

[Bild: Tiefblick von der Rappenseehütte ins Rappenalptal. Hinter dem Großen Widderstein 2533 m. geht indes die Sonne unter]

[Bild: Über dem Rappensee ragt der wuchtige Rappenseekopf 2469 m. in den Himmel. Rechts der Hochrappenkopf Nordgipfel 2424 m.]

[Bild: Linkerskopf 2459 m. - Rotgundspitze 2486 m. - Große Steinscharte 2262 m. und Hochgundspitze 2460 m. (von links nach rechts) im Abendlicht]

[Bild: Blick von der Rappenseehütte zur Kleinen Steinscharte 2541 m. und zum Steinschartenkopf 2615 m. (links) über den der Heilbronner Weg verläuft]

[Bild: Die Rappenseehütte ermöglicht das Erleben grandioser Abendstimmungen!]

[Bild: Blick zum Großen Widderstein 2533 m. (rechts) - Es wird Nacht in den Allgäuer Alpen]

[Bild: Blick von der Rappenseehütte nach Oberstdorf]

2. Tag        Rappenseehütte  -  Punkt 2272 m. (Rappenseescharte)  -  Rappenseekopf  -  Punkt 2320 m. & Punkt 2324 m. (Hochrappenscharte)  -  Hochrappenkopf Nordgipfel  -  Hochrappenkopf Südgipfel  -  Punkt 2320 m.  -  Biberkopf Nordflanke  -  Biberkopf Westgrat  -  Biberkopf  -  Biberkopf Westgrat  -  Mäuerleshütte (Mädelehütte)  -  Brandboden  -  Punkt 1540 m. (Tiefes Tal)  -  Langer Boden  -  Großhansen-Wald  -  Parkplatz im Lechtal (Prenten)

Der Biberkopf (2599 m.) ist der südlichste Gipfel Deutschlands und wird von Dieter Seibert als der „nach der Trettachspitze […] eleganteste Berg der Allgäuer Alpen“ bezeichnet. Der im westlichen Teil des zentralen Hauptkamms der Allgäuer Alpen gelegene Berg wurde 1853 im Rahmen einer Landesvermessung erstbestiegen und zählt aufgrund seines eindrucksvollen Gestalt zu den interessantesten Gipfelzielen der deutschen Alpen. Vor allem von Südwesten und Osten fällt der isoliert stehende Berg sofort ins Auge! Der recht anspruchsvolle Normalweg auf den Gipfel (I, Drahtseile) führt über den obersten Teil des Westgrates. Erreicht werden kann dieser aus dem Lechtal von Lechleiten bzw. Warth oder von der Rappenseehütte her, jeweils in etwa 2,5-3h. Die Route über den Südsüdostgrat (II) ist deutlich anspruchsvoller und seltener begangen. Die auffallend-geschichteten Dolomit-Platten der Südwest- bzw. Südwand sind häufig das Ziel von Kletterern. Der Biberkopf ist im weiten Umkreis der mit Abstand eindrucksvollste Berg – nur dem nordwestlich gelegenen Widderstein kann er nicht ganz die Schau stehlen! Hochrappenkopf (2425 m.) und Rappenseekopf (2469 m.) – die Hausberge der berühmten Rappenseehütte – wirken dagegen relativ unbedeutend. Aber von Norden gesehen zeigen sie imposante Felswände! Beide Gipfel werden über markierte Bergwege häufig bestiegen, sind technisch unschwierig und stellen ideale Ziele für moderate Wanderer bzw. Genussbergsteiger dar.

[Bild: Biberkopf 2599 m. (links) und Hochrappenkopf 2425 m. vom Gipfel des Rappenseekopfes 2469 m. aus gesehen]

Nach der gestrigen, hochgradig-individualistischen Fokussierung auf den einsamen Südwestgrat des Hohen Lichts, steht heute klassisch-altmodisches Gipfelsammeln auf dem Programm. In einem großen Bogen soll es über den Hochrappenkopf zum Biberkopf und schließlich zurück ins Lechtal gehen – das erste Etappenziel ist dabei zunächst der Rappenseekopf.

[Bild: Von der Rappenseehütte geht es über grüne Matten zunächst ein Stück bergab zum Rappensee. Im Hintergrund das Ziel: der Rappenseekopf 2469 m.]

[Bild: Vom Rappensee leitet ein guter Steig über grasige Schrofen und Geröllhalden in Richtung der Scharte zwischen Hochgundspitze (links) und Rappenseekopf]

[Bild: Großer Widderstein 2533 m. im Morgenlicht]

[Bild: Knapp unterhalb der Scharte Punkt 2272 m. (Rappenseescharte) zwischen Hochgundspitze und Rappenseekopf]

[Bild: Von der Scharte Punkt 2272 m. (Rappenseescharte) geht es auf einem felsigen Steig direkt auf dem Grat zunächst ein Stück bergauf]

[Bild: Kurze Felsstufen müssen beim Aufstieg von Osten zum Rappenseekopf überwunden werden]

[Bild: Schroffes Geröll- und Felsgelände beim Aufstieg zum Rappenseekopf]

[Bild: Knapp unterhalb des Gipfels erreichen uns endlich die wärmenden Sonnenstrahlen]

[Bild: Blick vom Gipfel des Rappenseekopfes 2469 m. zum Biberkopf 2599 m.]

[Bild: Blick vom Rapppenseekopf zu den Schafalpenköpfen, während das Rappenalptal noch im Schatten liegt. Ganz links der Große Widderstein 2533 m.]

[Bild: Lechtaler Alpen vom Rappenseekopf aus gesehen]

[Bild: Auf dem Gipfel des Rapppenseekopfes 2469 m.]

[Bild: Da soll's hin gehen! Blick vom Rappenseekopf zum Biberkopf 2599 m. - Rechts der Hochrappenkopf]

[Bild: Unterwegs vom Rappenseekopf zum Hochrappenkopf 2425 m. (rechts) - Links im Hintergrund der Biberkopf 2599 m.]

[Bild: Tiefblick zum Rappenköpfle 2276 m. - Die klassische Route von der Rappenseehütte führt von dem Sattel (links unten) entweder über die Felsen des Grates (III) oder über das Steilgras rechts davon auf den Gipfel]

[Bild: Aufstieg zum Hochrappenkopf Nordgipfel]

[Bild: Blick vom Hochrappenkopf Nordgipfel 2424 m. über das Rappenalptal zu den Schafalpenköpfen. Rechts unten das Rappenköpfle 2276 m. und ganz links der Große Widderstein 2533 m.]

[Bild: Blick vom Hochrappenkopf Nordgipfel 2424 m. über den Verbindungsgrat zum Südgipfel 2425 m. - Rechts der Biberkopf 2599 m.]

[Bild: Auf dem Hochrappenkopf Nordgipfel 2424 m. - Links der markante Große Widderstein 2533 m.]

[Bild: Rappenseehütte 2091 m. vom Hochrappenkopf Nordgipfel 2424 m. - Links unten das Rappenköpfle 2276 m.]

[Bild: Blick vom Hochrappenkopf Südgipfel 2425 m. zum Biberkopf 2599 m.]

[Bild: Blick vom Hochrappenkopf Südgipfel 2425 m. zurück zum Nordgipfel 2424 m. - Rechts der Linkerskopf 2459 m.]

[Bild: Ein junger Steinbock genießt im Gebiet des Hochrappenkopf Südgipfels das Leben]

[Bild: Steinbock vor dem imposanten Biberkopf 2599 m.]

[Bild: Zwei neugierige, junge Steinböcke beobachten unseren Abstieg vom Hochrappenkopf]

[Bild: Auf dem Weg vom Hochrappenkopf zum Biberkopf]

[Bild: Von der Einschartung zwischen Biberkopf und Hochrappenkopf geht es auf einem schroffen Geröllsteig (Drahtseile) 100Hm steil abwärts in die Biberkopf Nordflanke]

[Bild: In der schattigen Biberkopf Nordflanke. Auf einem gerölligen Pfad geht es diagonal nach rechts bergauf in Richtung Südwesten]

[Bild: Biberkopf Nordflanke]

[Bild: Teilweise drahtseilversichert, geht es in der Biberkopf Nordflanke steil aufwärts zum oberen Westgrat]

[Bild: Aufstieg über die steilen Rinnen (I) des oberen Westgrates des Biberkopfes]

[Bild: Drahtseile entschärfen teilweise das Gelände am Gipfelaufbau des Biberkopfs]

[Bild: Knapp unterhalb des Gipfels des Biberkopfes]

[Bild: Auf dem Gipfel des Biberkopfes 2599 m. - Rechts der Allgäuer Hauptkamm]

[Bild: Blick vom Biberkopf zum Hohen Licht 2651 m. (Bildmitte) - Links davon der Allgäuer Hauptkamm und rechts die Ellbognerspitze 2552 m.]

[Bild: Auf dem Gipfel des Biberkopfes 2599 m. mit Blick in die Lechtaler Alpen]

[Bild: Tiefblick vom Biberkopf ins deutsch-österreichische Grenzgebiet zwischen Rappenalptal (rechts) und Lechtal]

[Bild: Auf dem Biberkopf 2599 m. - dem südlichsten Gipfel Deutschlands]

[Bild: Abstieg vom Gipfel des Biberkopfes über die steilen Rinnen des obersten Westgrates]

[Bild: Abstieg vom Gipfel des Biberkopfes - Gegenseitige Rücksichtnahme ist in steilem, steinschlaggefährdetem Gelände wie diesem sehr wichtig!]

[Bild: Von der Abzweigung zum Gipfel geht es schließlich über steiles, abschüssiges Fels- und Schrofengelände in westliche Richtung weiter abwärts]

[Bild: Der Abstieg vom Biberkopf in Richtung Lechleiten weist einige luftige Gratpassagen auf! Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte man in diesem Gelände in jedem Fall haben]

[Bild: Spektakuläre, drahtseilversicherte Gratpassage (A/K1) beim Abstieg vom Biberkopf nach Westen]

[Bild: Blick zurück zum Gipfel des Biberkopfes 2599 m.]

[Bild: Vom Biberkopf Westgrat geht es schließlich links ab und auf gutem Steig über grasbewachsene Schrofen weiter abwärts]

[Bild: Biberkopf 2599 m. von Südwesten]

[Bild: Während wir schließlich den Biberkopf südlich umrunden, um wieder zum Ausgangspunkt im Lechtal zurück zu gelangen, haben wir stets freie Ausblicke in die Lechtaler Alpen]

[Bild: In Form einer wunderbaren Panoramawanderung geht es (hoch über dem Lechtal) auf gutem Bergweg über grasige Hänge quer um den Biberkopf herum nach Südosten zur Mäuerleshütte]

[Bild: Mäuerleshütte (Mädelehütte) 2097 m. - eine idyllisch gelegene Jagdhütte mit wunderbarer Aussicht ins Hochalptal und in die Lechtaler Alpen]

[Bild: Ausblick von der Mäuerleshütte (Mädelehütte) 2097 m. über das Lechtal in die Lechtaler Alpen]

[Bild: Ellbognerspitze 2552 m. von Westen von der Mäuerleshütte 2097 m.]

[Bild: Abstieg von der Mäuerleshütte (Mädelehütte) auf gutem Bergweg über latschenkieferbewachsene Grashänge in Richtung Süden]

[Bild: Auf dem Weg von der Mäuerleshütte ins Lechtal. Im Hintergrund der in Wolken gehüllte Große Widderstein 2533 m.]

[Bild: Auf einem breiten Schotterweg geht es schließlich durch die lichten Wälder des Langen Bodens und des Großhansen-Waldes zurück zum Parkplatz südlich des Hochalptales, westlich von Prenten im Lechtal]

Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass man vermeintliche Modeberge wie Hohes Licht, Rappenseekopf oder Biberkopf nicht aufgrund der Tatsache meiden muss, dass sie vergleichsweise häufig bestiegen werden und man Bergeinsamkeit auf ihren Normalwegen eher selten vorfindet - es kommt (wie so oft) lediglich darauf an, die Berge antizyklisch bzw. auf ungewöhnliche Art und Weise anzugehen: Wir haben das Hohe Licht über das Hochalptal und den weglosen Südwestgrat bestiegen...und sind erst am Normalweg auf andere Bergsteiger getroffen. Wir sind früh am nächsten Morgen noch vor allen anderen von der Rappenseehütte aufgebrochen und hatten die Überschreitung des Rappenseekopfes ganz für uns alleine. Auch zwischen Hochrappenkopf und Biberkopf haben wir nur einen anderen Bergsteiger getroffen, da wir vergleichsweise früh dran waren und der Biberkopf vor allem von Lechleiten bzw. von Warth her angegangen wird. Beim Abstieg südlich vom Biberkopf zur Mäuerleshütte und weiter ins Lechtal haben wir dann wieder keinen einzigen Menschen (bis auf zwei angetrunkene Jäger bei der Hütte!) getroffen...Und all das am vergleichsweise stark frequentierten Hauptkamm der Allgäuer Alpen, bei bestem Herbstwetter...Fazit: Wer über das Wissen, das Können und die Bereitschaft verfügt, ungewöhnliche Wege zu gehen, eine gewisse Cleverness sein Eigen nennt und dann auch noch ein bisschen Glück hat, wird aus Touren wie dieser das Optimum rausholen!

[Bild: Blick beim Abstieg vom Hochrappenkopf Südgipfel zum Biberkopf 2599 m.]

 

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