2013 – Hochvogel (2592 m.) - Überschreitung  +  Kreuzspitze (2367 m.)

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   PD-  oder  WS-   (T4+  oder  W4+)

Charakter:  Am Bäumenheimer Weg Kletterei bis I+ (teilweise anhaltend I), vereinzelt Drahtseilpassagen und durchgehend abschüssiges, brüchig-schroffes Felsterrain. Beim Aufstieg über die Kaltwinkelscharte teilweise etwas steilere Drahtseilpassagen (im Bereich der Kreuzspitze), ansonsten nur geröllig-schroffe Bergsteige. Der Aufstieg zum Hochvogel beginnt am Prinz-Luitpold-Haus. Der Zustieg dorthin erfolgt von Hinterhornbach über Fuchsensattel, Fuchskar und Balkenscharte – dabei durchgehend gut markierte, teilweise schroffe Bergsteige. Vor allem zwischen Fuchsensattel und Balkenscharte verläuft die Route teilweise an abschüssigen und steilen Geröll- bzw. Felsflanken (im Bereich des „Sättele“ Stelle I/A0). Teilweise erleichtern auch hier Drahtseile (und sogar eine Eisentreppe) das Vorankommen. Der Aufstieg von der Hütte zur Kreuzspitze erfolgt auf gut markierten und technisch unschwierigen Bergwegen (Vorsicht bei Schneelage) bis zum Beginn der Felsen im oberen Kar („Oberes Tal“). Ein unschwieriger Mini-Klettersteig (A/K1) leitet anschließend am Nordgrat im Bogen östlich um die Kreuzspitze herum bergauf (grandioser Ausblick zum Hochvogel!) – Vom Endpunkt der Drahtseile etwas oberhalb der Kaltwinkelscharte geht es auf einem unschwierigen Schrofensteig rasch empor zum Gipfel der Kreuzspitze (fantastischer Rundumblick, geradezu erschlagend die Wucht des nahen Hochvogels!) – Der Abstieg zur Kaltwinkelscharte erfolgt anschließend auf einem felsigen und stark gerölligen Schrofensteig (teilweise I/A0 – u.U. Vorsicht bei der Randkluft!) – In der Scharte beginnt der eigentliche und stets sehr gut markierte Aufstieg zum Hochvogel. Über Schrofen geht es zunächst an den Bergkörper und anschließend über Felsstufen und Bänder um den Fels herum zur „Schnur“ – einem Felsband von dolomitenartigem Aussehen. Über das Band geht es weiter zu einer häufig schneegefüllten Rinne im Bereich der Hochvogelschulter (Achtung!) – Anschließend geht es über die geröllige und von schroffen Felsstufen und Bändern durchzogene Westflanke bergauf zum Grat und rasch empor zum Gipfel des Hochvogels. Aufgrund seiner isolierten Lage ist das Gipfelpanorama weit und grandios: Allgäuer Alpen, Lechtaler Alpen, Wetterstein, Karwendel, Hohen Tauern, Zillertaler-, Stubaier- und Ötztaler Alpen, Silvretta, Albula, Säntis, Tödi – um nur die Wichtigsten zu nennen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch der „endlose“ Blick ins Alpenvorland sowie die unmittelbare (und äußerst schroffe) Gipfel-Umgebung. Der Abstieg erfolgt über den Bäumenheimer Weg. Dieser wird charakterisiert von steilen und steinschlaggefährdeten Rinnen, abschüssigen Felsstufen, schroffen Geröllflanken, Bändern und brüchigen Felsflanken. Die Markierung ist lückenlos, nichtsdestotrotz ist diese Route deutlich anspruchsvoller als die Wege über die Kaltwinkelscharte. Vielfach wird der Grad I erreicht, teilweise sogar I+. Bei Altschneelage (z.B. in der markanten, langen Rinne im mittleren Teil) steigen die Schwierigkeiten noch einmal stark an. Das Gelände ist fast durchgehend abschüssig, brüchig-schroff und anspruchsvoll – weniger was die technischen Schwierigkeiten angeht, sondern vor allem weil durchgehende Vorsicht und Konzentration gefordert sind, ein Ausrutscher bedeutet auf dem Bäumenheimer Weg sehr schnell den sicheren Tod! Absolute Trittsicherheit ist entscheidend. Hat man das Rosskar erreicht, ist der Rest Formsache. Auf einfachen Bergwegen geht es durch das Rosskar, die Latschenzonen der Schwabegghütte und Bergwälder zurück nach Hinterhornbach. Die Hochvogel-Überschreitung – in welcher Variante bzw. in welche Richtung sie auch durchgeführt wird – gehört zu den lohnendsten klassischen Bergtouren der Allgäuer Alpen! Und den Massen lässt sich an diesem Berg durchaus auch ausweichen – antizyklisches Bergsteigen ist das Stichwort (wir haben während der Überschreitung keinen einzigen Menschen getroffen). Der Hochvogel ist einer der eindrucksvollsten Berge der Allgäuer Alpen – seine Ausstrahlung wirkt weit über Allgäuer Grenzen hinaus. Seine Besteigung zählt zu den bedeutendsten, prestigeträchtigsten und schönsten Bergtouren weit und breit. Eine absolute Königstour!

Gefahren:  Der Bäumenheimer Weg bietet zahllose Möglichkeiten zu Schaden zu kommen. Die Steinschlaggefahr ist während einiger Abschnitte relativ hoch (die Mitnahme eines Helms ist empfehlenswert). Weiterhin erfordert das durchgehend schroffe, abschüssige und brüchige Felsterrain große Aufmerksamkeit und Konzentration – einen Ausrutscher darf man sich hier nicht leisten! Auch wenn der Bäumenheimer Weg südseitig ist, hält sich bis weit in den Sommer hinein in der langen, markanten Rinne im mittleren Teil ein großes und häufig relativ steiles Altschneefeld (in unserem Fall – Anfang Juli – wies das Firnfeld eine Steilheit von bis zu 45° Grad auf, zudem bestand akute Nassschneelawinengefahr!) – Das Feld lässt sich zwar fast komplett rechts (im Aufstieg links) umgehen, jedoch muss es in jedem Fall gequert werden (nicht abfahren, Abbrüche!) – Bei schlechten Bedingungen können Steigeisen und Pickel erforderlich sein. Bei guten Bedingungen bzw. im Spätsommer ist es dagegen nicht vorhanden – oder aber nicht der Rede wert. Der Aufstieg vom Prinz-Luitpold-Haus über die Kreuzspitze zum Hochvogel weist dagegen nur geringe Risiken auf. Liegen im Kar oberhalb der Hütte große Altschnee-/Neuschneemengen, kann der Aufstieg stark (!) erschwert werden (nordwestseitige Ausrichtung). Der Aufstieg von der Kaltwinkelscharte (im Falle eines Abstiegs von der Kreuzspitze: ggf. Vorsicht wegen der Randkluft!) über die „Schnur“ und die Hochvogel-Westflanke ist weitgehend ungefährlich, wer brav den Markierungen folgt, sollte keine Probleme bekommen – Immerhin: Liegen auf dem langen Band („Schnur“) bzw. in der Rinne (Hochvogelschulter) Schnee, ist erhöhte Vorsicht angebracht. Es gilt letztlich wie so häufig – wer die unter „Charakter“ beschriebenen Anforderungen sicher beherrscht, das Wetter und die Bedingungen am Berg angemessen berücksichtigt, entsprechend ausgerüstet ist und ein Auge auf seine Mitbergsteiger wirft, sollte letztlich nicht in Schwierigkeiten geraten und die Hochvogel-Überschreitung in vollen Zügen genießen können.


30. Juni  -  1. Juli 2013

Zwei-Tages-Tour in die Allgäuer Alpen zum Prinz-Luitpold-Haus (1846 m.) mit Besteigung und Überschreitung des Hochvogels (2592 m.) sowie der Kreuzspitze (2367 m.)  -  Am ersten Tag Aufstieg von Hinterhornbach zum Fuchsensattel und anschließend über das Fuchskar und die Balkenscharte weiter zum Prinz-Luitpold-Haus. Am zweiten Tag Aufstieg zur Kreuzspitze mit darauffolgendem Abstieg in die Kaltwinkelscharte sowie Besteigung des Hochvogels über den Normalweg. Über den Bäumenheimer Weg geht es schließlich bergab ins Rosskar und zurück nach Hinterhornbach.

Privat organisierte Tour zusammen mit Florian

[Bild: Hochvogel 2592 m. - vom Gipfel der Kreuzspitze]

1. Tag        Hinterhornbach  -  Schwabegghütte  -  Kuhkar  -  Fuchsensattel  -  Fuchskar  -  Balkenscharte  -  Oberes Tal  -  Prinz-Luitpold-Haus

„Oft schon hatte ich von beherrschender Gipfelhöhe sie erblickt, die unvergleichlich großartige Pyramide, mit ihrem schlanken Haupte, ihren regelmäßig gebauten Schultern, den Namen rechtfertigend, den sie seit alten Zeiten führt; taucht sie empor vor dem Wanderer inmitten des Kreises ihrer Felsentrabanten, so luftig klar, so kühn in den Himmel hineinstrebend, wohl möchte man besorgen, dass im nächsten Augenblicke der Riesenvogel seine Fittiche entfalten und sich aufschwingen werde in den blauen Äther. Und nur auf den freien Höhen der Berge wird der Besucher der Allgäuer Alpen dieses Anblickes gewürdigt; hartnäckig entzieht dieses ihr erhabenstes Bild sich den Augen des bequemen, an die Talstraße sich haltenden Touristen“ (zitiert – Hermann von Barth, Aus den Nördlichen Kalkalpen – 1869, Der Hochvogel – das Ideal einer Berggestalt).

Der Hochvogel (2592 m.) ist einer der beeindruckendsten und schönsten Berge der Allgäuer Alpen. Obwohl er nur der dreizehnthöchste Gipfel dieser Gebirgsgruppe ist, dominiert er den gesamten Teil östlich des Hauptkamms sowie nördlich der Hornbachkette, da er alle umliegenden Berge um mindestens 200 Meter überragt. Aufgrund seines brüchigen und erosiven Gesteins (Hauptdolomit) zeigt der Hochvogel eine besonders markante Gestalt,  zahlreiche steile Felszinnen und Türme, Grate und Schluchten charakterisieren die gewaltige Pyramide, die aus allen Himmelsrichtungen sofort ins Auge sticht. Nach Westen, besonders jedoch nach Südosten und Nordosten hin, zeigt der Hochvogel mächtige, jedoch wild-zerborstene 500-650 m Wandfluchten, die aufgrund ihres brüchigen und unzuverlässigen Gesteins nur mehr selten durchstiegen werden. Bergsteiger können den imposanten Gipfel über zwei Normalwege erreichen – Der erste beginnt in der Kaltwinkelscharte und führt über das markante Felsband der „Schnur“ sowie die gebänderte Westflanke auf den Gipfel. Erreicht werden kann die Kaltwinkelscharte entweder über die Balkenscharte und das Firnfeld „Kalter Winkel“ oder über die Kreuzspitze. Der zweite Normalweg führt über das Rosskar und Teile des Südgrates sowie der Südostwand zum Gipfel und wird „Bäumenheimer Weg“ genannt. Ausgangspunkte für eine Besteigung sind entweder das auf Tiroler Seite liegende Hinterhornbach oder das deutsche Hinterstein (über den Gipfel verläuft die deutsch-österreichische Grenze). Die einzige bewirtschaftete Berghütte im näheren Umkreis (und damit der Ausgangspunkt schlechthin für eine Hochvogel-Besteigung) ist das Prinz-Luitpold-Haus. Alle drei Normalwege sollten versierte Bergsteiger unterdessen bei guten Bedingungen vor nicht allzu große Herausforderungen stellen. Der Hochvogel ist eines der attraktivsten und prestigeträchtigsten Gipfelziele der gesamten Allgäuer Alpen, die Überschreitung eine absolute Muster-Bergtour – für Allgäu-Kenner, Genussbergsteiger und Freunde großzügiger, klassischer Bergtouren ein absolutes Muss!

[Bild: Hochvogel 2592 m. - von Nordwesten]

Der Hochvogel soll’s also werden – ausgerechnet ihn habe ich mir für meine allererste Bergtour in den Allgäuer Alpen ausgesucht. Kein schlechtes Ziel für den Anfang würde ich meinen – immerhin gehört der Hochvogel zu den bedeutendsten und eindrucksvollsten Gipfelzielen weit und breit. Ein absoluter Kracher gleich beim ersten Mal, so soll es doch sein! Verabredet habe ich mich mit Florian, den ich über das DAV-Forum kennengelernt habe (sehr empfehlenswert wenn man sich mit anderen Leuten für gemeinsame Bergtouren verabreden will), in Hinterhornbach.

Kurz vor halb 1 machen wir uns auf den Weg – unser heutiges Tagesziel ist das Prinz-Luitpold-Haus, von dort aus wollen wir morgen die Überschreitung des Hochvogels in Angriff nehmen. Von Hinterhornbach (1101 m.) folgen wir den Beschilderungen (Weg 421) in den Bergwald.

[Bild: Im Bergwald oberhalb von Hinterhornbach]

In diesem geht es auf einem erdigen Pfad im Zick-Zack ein Stück bergauf zu einer weiten Bergwiese mit einem Berghof (1217 m.) – Linkerhand geht es weiter, beim Blick zurück zeigen sich die Gipfel der Hornbachkette wolkenverhangen.

[Bild: Aufstieg über eine schöne Bergwiese]

[Bild: Die hohen Gipfel der Hornbachkette werden von Wolken verhüllt]

Nach der Wiese geht es wieder in den Bergwald. Auf gutem Weg  steigen wir im Wald immer weiter bergauf, wobei mehrmals Forststraßen gequert werden müssen.

[Bild: Im Bergwald geht es weiter aufwärts]

Mit der Zeit lichtet sich der Bergwald („Gehr-Wald“) und wir erreichen die ersten Latschenkieferzonen.

[Bild: Durch eine dichte Latschenkieferzone geht es weiter aufwärts - im Hintergrund der Hochvogel]

Links vom Wintertal („Wintertal-Rücken“) folgen wir dem Weg durch die Latschenkiefern und erreichen nach gut 80 Minuten die unbewirtschaftete Schwabegghütte (1699 m.) – Was für ein idyllisches Plätzchen! Inmitten grüner Hänge machen wir bei der kleinen Hütte eine kurze Pause und genießen die schöne Aussicht. Leider werden die obersten Gipfel der Hornbachkette von Wolken verhüllt und auch der Hochvogel zeigt sich noch nicht in seiner ganzen Pracht.

[Bild: Schwabegghütte (1699 m.) - im Hintergrund die Hornbachkette]

[Bild: Noch hüllt sich der Hochvogel in Wolken]

Schließlich machen wir uns wieder auf den Weg. Hinter der Schwabegghütte folgen wir dem schottrigen Bergsteig durch Latschenkieferzonen weiter aufwärts.

[Bild: In den Latschenzonen oberhalb der Schwabegghütte]

Ein Stück oberhalb erreichen wir schließlich freieres Gelände. Auf einem grasigen Kamm („Bircherinnen“) geht es weiter zu einer Wegverzweigung (Punkt 1975 m. – „Auf der Mute“) – Hier wenden wir uns nach rechts Richtung Fuchsensattel (links geht es weiter zum Bäumenheimer Weg auf den Hochvogel).

[Bild: Hochvogel]

[Bild: Blick zur Rosszahngruppe, der einsamsten Untergruppe der Allgäuer Alpen]

Auf einem schmalen und teilweise etwas abschüssigen Bergpfad queren wir in nördliche Richtung ein paar grasige Schrofenflanken und erreichen nach wenigen Minuten das Kuhkar.

[Bild: Auf dem Weg zum Fuchsensattel]

[Bild: Im Kuhkar]

Im Kar geht es über grasbewachsene Hänge und einige Geröllschneisen nahezu eben in nordöstliche Richtung.

[Bild: Blick zum Fuchsensattel]

Zuletzt erreichen wir in einigen Serpentinen den weiten und weitgehend grasbewachsenen Einschnitt des Fuchsensattels (2039 m.) – Dieser trennt den Hochvogel (im Westen) von der Rosszahn-Gruppe (im Osten), der einsamsten Untergruppe der gesamten Allgäuer Alpen.

[Bild: Im Fuchsensattel - im Hintergrund der Hochvogel - dann die Kaltwinkelscharte 2281 m. - die Kreuzspitze 2367 m. - die Balkenscharte 2172 m. und die Fuchskarspitze 2314 m.  -  von links nach rechts]

Mittlerweile haben sich auch die Wolken ein wenig gehoben und wir haben nun erstmalig den Hochvogel in all seiner Pracht vor Augen. Einer gewaltigen Pyramide gleich, erhebt sich seine düstere Nordostwand aus dem schneegefüllten Fuchskar.

[Bild: Hochvogel 2592 m. - rechts die Kreuzspitze 2367 m.]

Eben dieses Kar gilt es nun zu queren – auf geht’s! Vom Fuchsensattel folgen wir dem Weg in zunächst in südwestliche Richtung. Unterhalb des Hochvogel Ostnordostgrates geht es auf einem schmalen, teils abschüssig-schroffen Pfad dahin, wobei auch beinharte Altschneefelder gequert werden müssen.

[Bild: Auf dem Weg ins Fuchskar]

Schließlich leitet der Pfad über weite Geröllflanken ins Fuchskar, das zu dieser Jahreszeit noch mit jeder Menge Altschnee gefüllt ist.

[Bild: Der Weg führt an Geröllflanken entlang - zahlreiche Altschneefelder müssen gequert werden]

[Bild: Im Fuchskar liegt zu dieser Zeit noch jede Menge Altschnee]

Unterhalb der imposanten Hochvogel Nordostwand queren wir das Fuchskar in westliche Richtung. Leicht ansteigend geht es in einem Bogen um einen grasbewachsenen Geländerücken herum in den westlichsten Teil des Fuchskares (linkerhand das Firnfeld des „Kalten Winkels“).

[Bild: Im Fuchskar - im Hintergrund die Kreuzspitze 2367 m.]

[Bild: Blick zurück zum Fuchsensattel]

Da der normale Weg aufgrund der noch liegenden Schneemassen nicht auszumachen ist, suchen wir uns unsere eigene Route in westliche Richtung.

[Bild: Das Fuchskar wird überragt vom imposanten Hochvogel 2592 m. - rechts die Kaltwinkelscharte 2281 m.]

Teilweise über grasige Geröllhänge, vor allem jedoch über weite Firnflanken steigen wir in Serpentinen immer weiter aufwärts.

[Bild: Vom Fuchskar geht es über grasige Schrofenhänge sowie über Firnfelder in westliche Richtung bergauf]

[Bild: Blick zurück zum Fuchsensattel 2039 m. - links im Hintergrund die Rosszahngruppe]

[Bild: Hochvogel 2592 m.]

[Bild: Blick zurück ins Fuchskar]

Schließlich erreichen wir nach einer Aufwärtsquerung eine kleine Scharte („Sättele“). Auf der anderen Seite muss zunächst wenige Meter relativ steil abgestiegen werden (I/Drahtseile).

[Bild: Abstieg vom Sättele]

Anschließend queren wir auf einem schmalen und geröllig-felsigen Pfad (Geröllhänge und – je nach Jahreszeit und Verhältnissen – steile Altschneefelder) in wenigen Minuten herüber zur nahen Balkenscharte (2172 m.)

[Bild: Blick zur eindrucksvollen Fuchskarspitze 2314 m.]

[Bild: Kurz vor der Balkenscharte]

[Bild: Blick zurück zum Sättele - links im Hintergrund die Rosszahngruppe]

Von hier aus ist neben dem Abstieg zum Prinz-Luitpold-Haus (und einem extrem weiten Talabstieg nach Weißenbach) auch die östliche Umgehung der Fuchskarspitzen mit Weiterweg („Jubiläumsweg“) zur Landsberger Hütte möglich. Uns zieht es natürlich zum Prinz-Luitpold-Haus und so wenden wir uns nach Westen.

[Bild: Hier geht es bergab ins Kar]

Relativ steil geht es zunächst über einen gerölligen Hang bergab, linkerhand erleichtern schließlich Drahtseile und eine solide Eisentreppe den weiteren Abstieg.

[Bild: Drahtseile und Eisentritte erleichtern den Abstieg]

[Bild: Im Kar „Oberes Tal“]

Im Kar („Oberes Tal“) angekommen, folgen wir dem Weg über grasbewachsene Schrofenhänge bergab Richtung Hütte.

[Bild: Blick zum Prinz-Luitpold-Haus 1846 m. - im Hintergrund der langgezogene Bergkamm vom Nebelhorn zum Großen Daumen]

Über ein paar Geröllflanken und Altschneefelder geht es schließlich abwärts in den untersten Grund des Kares. Linkerhand leitet der Weg um einen kleinen See (1820 m.) herum und nach insgesamt etwa 5,5 Stunden (inklusive aller Pausen) erreichen wir schließlich unser heutiges Tagesziel – das Prinz-Luitpold-Haus.

[Bild: Ankunft am Prinz-Luitpold-Haus]

Das Prinz-Luitpold-Haus (1846 m.) ist eine alpine Schutzhütte der DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt. Sie befindet sich nordwestlich des Hochvogels, am unteren Ende des Kares „Oberes Tal“, zwischen Wiedemerkopf und Fuchskarspitzen, oberhalb des Bärgündeletales, im Gemeindegebiet von Bad Hindelang. Die Hütte verfügt über 260 Lager, 20 Betten und 16 Winterraumlager – damit ist sie eine der größten Berghütten des DAV. Die Hütte ist in der Regel von Anfang Juni bis Mitte Oktober geöffnet. Der erste Hüttenbau wurde bereits 1880/81 – auf dem Grund (Jagdgebiet) von Prinz Luitpold von Bayern (dem späteren Prinzregenten Bayerns) – errichtet, damit ist das Prinz-Luitpold-Haus die älteste Berghütte der Allgäuer Alpen. Im Jahr 1932 erwarb die DAV-Sektion schließlich die Hütte. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie mehrmals umgebaut, erweitert und modernisiert. Im Jahr 1994 wurde schließlich auch eine biologische Abwasserreinigungsanlage eingebaut. Aus dem Tal erreicht werden kann das Prinz-Luitpold-Haus entweder vom Giebelhaus (2-3 Stunden) oder von Hinterhornbach (4-5 Stunden). Der Zustieg von Weißenbach dürfte aufgrund seiner extremen (!) Länge nur für Hartgesottene in Frage kommen. Das Prinz-Luitpold-Haus ist die einzige Berghütte der Hochvogel-Rosszahn-Gruppe. Deswegen sind die Übergänge zu den anderen Hütten der Allgäuer Alpen teils auch ziemlich lang – die Landsberger Hütte (1810 m.) kann in 5-6 Stunden erreicht werden, die Willersaple (1456 m.) in 8-9 Stunden, das Edmund-Probst-Haus (1927 m.) in 5-6 Stunden, das Oytalhaus (1010 m.) in 5-6 Stunden und die Kemptner Hütte (1844 m.) in 8-10 Stunden („Allgäu-Durchquerung“). Hüttenübergänge wollen also genau wie die Gipfeltouren gut überlegt und geplant sein! Das Prinz-Luitpold-Haus ist Ausgangspunkt für eine Vielzahl an reizvollen Berg- und Klettertouren. Der Wiedemerkopf (2163 m.) kann auf einem ausgeschilderten und markierten Weg erreicht werden, Glasfelderkopf (2270 m.) – Kesselspitze (2284 m.) und Schneck (2268 m.) sind dagegen weglose – und mehr oder weniger anspruchsvolle – Bergtouren. Die Fuchskarspitzen werden zwar hauptsächlich von Kletterern aufgesucht (z.B. Nördliche Fuchskarspitze Westverschneidung, bis III – oder Fuchskarspitze Südgrat, bis III- oder die Überschreitung der Fuchskarspitzen, bis III+) – jedoch können sowohl der Nordgipfel (2262 m.) – als auch der Haupt-/Südgipfel (2314 m.) jeweils über relativ einfache, weglose Normalrouten (maximal I) erreicht werden. Das Paradeziel schlechthin vom Prinz-Luitpold-Haus ist aber natürlich der Hochvogel (2592 m.) – ob nun über die Balkenscharte und den Kalten Winkel, oder über die Kreuzspitze (2367 m.) – der Hochvogel ist das Tourenziel Nr. 1 – Dieter Seibert schreibt über das Prinz-Luitpold-Haus ganz treffend: „Eine der ganz großen AV-Hütten in sehr schöner Lage […] und mit eindrucksvoller Felsbergkulisse […]“ (AV-Führer Allgäuer Alpen ,18. Auflage). Das Prinz-Luitpold-Haus ist eine der größten und wichtigsten Berghütten der Allgäuer Alpen. Aufgrund seiner famosen Hütten-Weitwanderoptionen (u.a. Via Alpina) und der Muster-Bergtour Hochvogel (2592 m.) wird die Hütte auch in der Zukunft seine Bedeutung für die Bergsteiger und Wanderer wahren.

[Bild: Prinz-Luitpold-Haus 1846 m.]

Nachdem wir uns unsere Schlafplätze besorgt haben, verbringen wir den restlichen Abend damit, uns zu unterhalten und die eindrucksvolle Hüttenumgebung ausgiebig zu bewundern. Noch immer ist es teils stark bewölkt – hoffentlich wird das Wetter morgen auch tatsächlich so gut, wie es die ZAMG vorhergesagt hat. Denn nichts ist für mich schöner, als eine freie Rundumsicht während einer Gipfelrast. Und weil die Aussicht vom Gipfel des Hochvogels besonders weit und eindrucksvoll sein soll, bin ich umso mehr gespannt, ob mir morgen tatsächlich Glück mit dem Wetter haben werden.

[Bild: Fuchskarspitze 2314 m. - Hauptdolomit sorgt für die ungewöhnlichen Schichtungen, „gehört zu den eigenwilligsten Gipfeln“ (Dieter Seibert, DAV-Führer Allgäuer Alpen 18. Auflage)]

[Bild: Tiefblick ins Bärgündeletal, durch das der kürzeste Zugang zum Prinz-Luitpold-Haus erfolgt - im Hintergrund der Große Daumen 2280 m.]

[Bild: Das Prinz-Luitpold-Haus wird umgeben von eindrucksvollen Felsmauern - unten ein kleiner See 1820 m.]

[Bild: Mystische Abendstimmung]

[Bild: Abendstimmung am Prinz-Luitpold-Haus - im Hintergrund der Große Daumen 2280 m.]

2. Tag        Prinz-Luitpold-Haus  -  Oberes Tal  -  Kreuzspitze  -  Kaltwinkelscharte  -  Hochvogel  -  Bäumenheimer Weg  -  Rosskar  -  Schwabegghütte  -  Hinterhornbach

Als ich früh am Morgen vor die Hütte trete, fange ich unfreiwillig an zu grinsen. Ein strahlend blauer Himmel empfängt mich und kündet von einem großartigen Tag.

[Bild: Ein fantastischer Tag steht bevor - im Hintergrund der Große Daumen 2280 m.]

Gegen halb 8 machen wir uns schließlich auf den Weg. Außer uns nimmt heute keiner den Hochvogel in Angriff – und das bei diesem Wetter! Die Leute zieht es stattdessen Richtung Landsberger Hütte und Edmund-Probst-Haus – Hüttentouren sind nun einmal der neue Trend im Breitenbergsport. Von der Hütte folgen wir dem Weg zunächst an der rechten Seite des Kares im Bogen ein Stück bergauf. Über grasbewachsene Schrofenflanken geht es in südöstliche Richtung aufwärts, wobei zahlreiche harte Altschneefelder überquert werden müssen.

[Bild: Über Geröll und grasige Schrofen steigen wir im Kar immer weiter bergauf]

Nach der markanten Karschwelle leitet der Weg zunächst noch ein Stück in Richtung Balkenscharte.

[Bild: Auf dem Weg zur Kreuzspitze - links die Balkenscharte 2172 m.]

An einer Wegverzweigung wenden wir uns jedoch nach rechts (Süden), um in den hintersten Bereich des Kares zu gelangen – unser Ziel ist nämlich zunächst die Kreuzspitze, unscheinbarer Trabant des Hochvogels, jedoch mit einem netten Mini-Klettersteig ausgestattet und zudem eine Aussichtsloge par excellence. Zwar hat Florian den Hochvogel bereits im vorherigen Jahr überschritten, die Variante über die Kreuzspitze ist aber auch für ihn neu – und so machen wir uns gespannt auf den Weg zur Kreuzspitze. Wir folgen einem gerölligen Pfad zunächst an der rechten Karseite bergauf, verlieren ihn jedoch schon nach kurzer Zeit unter den noch vorhandenen Altschneemengen.

[Bild: Aufstieg an der rechten Karseite]

Da wir glauben zu wissen wo es langgeht, halten wir uns weiter an der rechten Karseite und steigen im mäßig steilen Fin weiter aufwärts. Nach einiger Zeit (wir haben bereits den obersten Teil des Kares zwischen Weittalkopf und Kreuzspitze erreicht) merken wir jedoch, dass wir zu weit rechts und zudem auch noch ein Stück zu weit oben sind.

[Bild: Hier ginge es sinnvollerweise quer über den Firn in Richtung der Felsen, der Sonne entgegen - das merken wir jedoch hier noch nicht und steigen stattdessen rechterhand noch ein Stück weiter bergauf]

Nachdem wir den Beginn des Mini-Klettersteigs ausgemacht haben, queren wir im bis zu 40° Grad steilen Firn (teilweise unangenehm glatte und mit Lockerschutt bedeckte Felsplatten) in östliche Richtung herüber zum Beginn der Felsen der Kreuzspitze – Tipp: Liegt im Kar soviel Schnee, dass man den Weg nicht ausmachen kann, nicht zu weit auf der rechten Karseite aufsteigen, sondern schon rechtzeitig schräg links die Felsen der Kreuzspitze anpeilen!

[Bild: Hier queren wir herüber zum Beginn des Kreuzspitz-Klettersteigs]

[Bild: Ein Pickel tut hier gute Dienste]

Nachdem wir den Beginn der Drahtseile erreicht haben, sind auch alle Orientierungsprobleme beseitigt.

[Bild: Beginn des Kreuzspitz-Klettersteigs]

Mit Hilfe von Eisentritten, Drahtseilen und blau-weißen Markierungen geht es über die versicherte Route rasch aufwärts (Schwierigkeit A/K1)

[Bild: Blick zurück über den Beginn des Mini-Klettersteigs]

[Bild: Mit Hilfe solider Drahtseile geht es zügig bergauf]

Nach kurzer Zeit leiten die Drahtseile von der schattigen Westseite auf die sonnige Ostseite.

[Bild: Immer den Drahtseilen nach!]

Dort angekommen, haben wir mit einem Mal den Hochvogel in all seiner Pracht vor uns – was für ein großartiger Berg! Dieser Gigant muss sich wahrlich nicht vor den hohen Spitzen der Dolomiten und Zentralalpen verstecken!

[Bild: Hochvogel 2592 m. - König der östlichen Allgäuer Alpen ]

Auf der sonnigen Ostseite der Kreuzspitze leiten die Drahtseile über geröllige Felsflanken unschwierig in einem Bogen weiter aufwärts und nach wenigen Minuten erreichen wir die Südseite des Berges, oberhalb der Kaltwinkelscharte.

[Bild: Den Drahtseilen folgend, geht es über schroffe Felsflanken bergauf auf die Südseite der Kreuzspitze]

[Bild: Hochvogel 2592 m.]

Bevor es weiter Richtung Hochvogel geht, statten wir aber natürlich dem nahen Gipfel der Kreuzspitze einen kurzen Besuch ab. Auf einem gerölligen Schrofenpfad steigen wir zügig über eine felsige Flanke bergauf und nach wenigen Höhenmetern stehen wir auf dem höchsten Punkt.

[Bild: Auf dem Weg zum Gipfel der Kreuzspitze]

Mit der Kreuzspitze (2367 m.) haben wir damit unseren ersten Gipfel des heutigen Tages bezwungen – für mich ist es zudem die erste Gipfelbesteigung in den Allgäuer Alpen überhaupt. Die Aussicht ist fantastisch: Im Nordwesten das schneegefüllte Kar („Oberes Tal“) mit dem Prinz-Luitpold-Haus. Dahinter in der Ferne Hochgrat, Nebelhorn und Großer Daumen. Im Norden beeindruckt vor allem der lange Verbindungsgrat zur Fuchskarspitze. Im Osten die wilde Rosszahn-Gruppe und – weiter entfernt – die Tannheimer Berge. Im Westen der Allgäuer Hauptkamm mit Trettachspitze, Mädelegabel und Hochfrottspitze sowie Großer Krottenkopf, Großer Wilder, Höfats und Schneck. Im Südwesten Teile der schroffen Hornbachkette – grandios ist jedoch vor allem der unmittelbar südöstlich gegenüber aufragende Hochvogel! Er dominiert die Szenerie.

[Bild: Hochvogel 2592 m.]

[Bild: Tiefblick ins Kar und zum Prinz-Luitpold-Haus 1846 m. - links im Hintergrund der Schneck 2268 m.  -  rechts im Hintergrund das Nebelhorn 2224 m. und der Große Daumen 2280 m.]

[Bild: Blick zur Rosszahngruppe, der einsamsten Untergruppe der Allgäuer Alpen]

[Bild: Blick zur Hornbachkette - rechts außen der Allgäuer Hauptkamm]

[Bild: Auf dem Gipfel der Kreuzspitze (2367 m.) - links im Hintergrund der höchste Berg der Allgäuer Alpen, der Große Krottenkopf 2657 m. - weiter rechts der Allgäuer Hauptkamm mit Mädelegabel und Trettachspitze - direkt rechts hinter mir die Höfats 2259 m. - ganz rechts der Schneck 2268 m.]

Und allzu lange möchten wir auf der Kreuzspitze auch nicht verweilen, zu sehr reizt uns der Übergang zum Hauptziel des heutigen Tages. Deswegen machen wir uns auch nach einer Viertelstunde wieder an den Abstieg. Vorsichtig steigen wir über die geröllige Gipfelflanke der Kreuzspitze bergab – den Hochvogel direkt vor uns.

[Bild: Abstieg vom Gipfel der Kreuzspitze]

[Bild: Auf geht's zum Hochvogel]

Weiter unten erleichtern Drahtseile und Eisentritte den Abstieg in die Kaltwinkelscharte. Teilweise ist das Gelände zwar relativ steil und abschüssig, für geübte Bergsteiger aber überhaupt kein Problem.

[Bild: Übergang vom Fels der Kreuzspitze in die Kaltwinkelscharte]

Nach dem Übergang (kleine Randkluft) auf den Firn der Kaltwinkelscharte (2281 m.) beginnt nun das Highlight des heutigen Tages – nun gehen wir den Hochvogel an.

[Bild: Die Kaltwinkelscharte macht ihrem Namen alle Ehre]

Wir überqueren zunächst die Scharte und folgen anschließend den Markierungen über geröllig-felsige Schrofen an den Bergkörper.

[Bild: In der Kaltwinkelscharte]

[Bild: Blick zurück zur Kreuzspitze 2367 m.]

Auf einem glatten Band (Drahtseil) geht es nach rechts. Anschließend leiten die Markierungen über mit Geröll bedeckte Felsstufen (teilweise muss man die Hände zu Hilfe nehmen) weiter aufwärts.

[Bild: Über geröll- und schuttbedeckte Felsstufen geht es unschwierig weiter bergauf]

Schließlich erreichen wir den Beginn der „Schnur“. Dieses lange Felsband führt unterhalb des Punktes (2407 m.) geradewegs zum Beginn der gebänderten Hochvogel-Westflanke. Landschaftlich ist es der Höhenpunkt des gesamten Aufstiegs!

[Bild: Am Beginn der Schnur - im Blick die gebänderte Westflanke des Hochvogel]

[Bild: Während der Tour hat man stets weite Ausblicke zur Hornbachkette und zum Allgäuer Hauptkamm]

Technisch unschwierig – aber teilweise etwas luftig – leitet das Band zu einer markanten Rinne im Bereich der Hochvogelschulter. Diese Rinne ist häufig mit Schnee gefüllt, so auch in unserem Fall. Je nach Verhältnissen daher erhöhte Vorsicht!

[Bild: Diese Rinne muss gequert werden - einen Ausrutscher sollte man vermeiden, rechterhand mündet die Rinne in verderbliche Abbrüche Richtung Weittal]

Beim Blick zurück präsentiert sich die Schnur von geradezu dolomitenähnlicher Schönheit.

[Bild: Nein, wir sind nicht in der Brenta - Blick zurück zum Band der „Schnur“]

Wir haben unterdessen die von mächtigen Bändern durchzogene Westflanke des Hochvogels erreicht – nun ist der Gipfel nicht mehr weit.

[Bild: Die Hochvogelschulter wird gekrönt von einem wilden Felsturm - links daneben der Schneck 2268 m. - ganz links die Höfats 2259 m.]

Den Markierungen folgend, geht es über geröllige Felsstufen unschwierig bergauf.

[Bild: In der Hochvogel Westflanke]

Weiter oben steigen wir in einigen weiten Kehren über nun weitgehend schneebedeckte Schrofenflanken weiter aufwärts.

[Bild: Der Aufstieg über die Hochvogel Westflanke gestaltet sich leichter als gedacht, selbst bei Schneelage - Kletterei ist nirgends gefordert]

Auf dem Grat angekommen, geht es rechts von ein paar markanten Felsen und über eine letzte Felsstufe zum obersten Gipfelgrat.

[Bild: Auf dem Weg zum Gipfel - mit jedem Meter weitet sich das Panorama]

[Bild: Die letzten Meter vor dem Gipfel]

Schließlich erreichen wir um etwa viertel vor 12 den Gipfel des Hochvogels (2592 m.) – 4,25 Stunden haben wir inklusive aller Pausen (und Verhauer) gebraucht. Ich bin unbeschreiblich glücklich, dass es mit dem Wetter tatsächlich so perfekt geklappt hat, wie „geplant“ und erhofft. Das Gipfelpanorama des Hochvogels ist in der Tat sagenhaft – die Aussicht ist weit und schön. In der näheren Umgebung ist der Hochvogel unbestrittener Herrscher, ein lokaler König. Wir machen es uns derweil auf dem geräumigen Gipfel gemütlich, holen die Brotzeit raus und genießen die fabelhafte Aussicht. Wahrlich – hier lässt es sich aushalten! Unbeschwerte Gipfelpausen wie diese sind vielleicht das Schönste am Bergsteigen – noch dazu, wenn man den Gipfel (wie wir) für sich alleine hat.

[Bild: Blick nach Südosten zur Hornbachkette - dahinter in der Ferne die Ötztaler Alpen]

[Bild: Blick nach Nordosten Richtung Tannheimer Berge]

[Bild: Auf dem Gipfel des Hochvogel 2592 m. - im Hintergrund die Hornbachkette und der Allgäuer Hauptkamm]

[Bild: Blick nach Osten zur Rosszahngruppe]

[Bild: Links der Schneck 2268 m. - ganz rechts der Große Daumen 2280 m. mit dem langen Verbindungsgrat zum Nebelhorn 2224 m.]

[Bild: Blick nach Westen zum Allgäuer Hauptkamm - rechts die Höfats 2259 m.]

Nach etwa 45 Minuten (wie immer hat jede schöne Gipfelrast aber irgendwann auch ein Ende) machen wir uns schließlich an den Abstieg. Wir müssen nämlich noch zurück nach Hinterhornbach und die schnellste bzw. spannendste Route ist natürlich der Bäumenheimer Weg.

[Bild: Am Beginn des Bäumenheimer Weges]

Dieser beginnt (bzw. endet) unmittelbar am Gipfel und zeigt gleich zu Beginn seine Zähne – es geht von Anfang an zur Sache. Zunächst folgen wir den Markierungen in eine steile, von gerölligen Felsstufen geprägte Rinne hinab (anhaltend I).

[Bild: Tiefblick über den obersten Teil des Bäumenheimer Weges]

Die Abschüssigkeit, vor allem jedoch die Steinschlaggefahr ist hier relativ hoch – Ausrutschen bzw. das Lostreten von Steinen sollte man hier tunlichst vermeiden!

[Bild: In der abschüssigen und geröllbeladenen Rinne - über zahlreiche Felsstufen geht es vorsichtig bergab]

[Bild: Blick zurück Richtung Gipfel]

Zunehmend wird die Rinne breiter, wir halten uns an der linken Seite und steigen vorsichtig über abschüssige, geröllig-schroffe Felsstufen (teilweise Drahtseile) weiter abwärts.

[Bild: Technisch unschwieriges, jedoch Umsicht und Konzentration erforderndes Gelände]

Schließlich verlassen wir die gestufte Rinne und folgen einer gerölligen Pfadspur schräg nach rechts.

[Bild: Abstieg über den Bäumenheimer Weg]

Ein markantes Band vermittelt linkerhand den Weiterweg.

[Bild: Landschaftlich sehr eindrucksvolles Band im mittleren Teil des Bäumenheimer Weges]

Nach einer anschließenden Geröllflanke zeigt sich beim Blick zurück der oberste Gipfelaufbau in all seiner Zerrissenheit – das Gestein Hauptdolomit sorgt für die ungewöhnlichsten Felsformationen. Über ein paar steile Felsstufen (I) und einen kleinen Firngrat (im Hochsommer liegt hier lockeres Geröll) geht es weiter abwärts.

[Bild: Der Untergrund, bestehend aus aufgeweichtem Firn und brüchigem Lockerschutt, erfordert große Umsicht]

[Bild: Gipfelaufbau des Hochvogel]

Anschließend folgen wir den Markierungen über brüchig-schroffes Geröll (teils hohe Abschüssigkeit) und vereinzelte Felsstufen bergab zu einer markanten Rinne.

[Bild: Tiefblick über die schneegefüllte Rinne]

Wir müssen feststellen, dass die Rinne noch fast vollständig mit meterdickem Altschnee gefüllt ist. Die Steilheit beträgt 40-45° Grad, stellenweise vielleicht sogar etwas mehr. Der Schnee ist extrem aufgeweicht, es besteht akute Nassschneelawinengefahr. Am unteren Ende mündet die Rinne in verderbliche Abbrüche (ausrutschen verboten!) Da wir auf der anderen Seite der Firnrinne die nächsten Markierungen erkennen, wissen wir, dass wir in jedem Fall herüberqueren müssen. Dies gelingt uns letztlich auch relativ problemlos, (Florian zieht Steigeisen an, ich belasse es beim Eispickel) – trotzdem geht (als wir die Firnrinne betreten) der oberste Teil des Firns (wenige Zentimeter) als Nassschneelawine ab. Zwei weitere Bergsteiger, die wir zuvor im Aufstieg im unteren Teil des Bäumenheimer Weges aus der Ferne beobachtet hatten, kehren darauf hin um – womöglich hat sie unsere etwas heikle Aktion in der Firnrinne verschreckt. Auf der rechten Seite der Rinne (zwischen Firn und Fels) geht es etwas umständlich weiter abwärts. Nachdem wir diese unangenehmste Passage der gesamten Tour (es war in der Tat ein langer Winter!) hinter uns gebracht haben, folgen wir den Markierungen über geröllige Schrofenhänge schräg nach rechts bergab.

[Bild: In unserem Fall war dies die schwierigste Passage der gesamten Tour]

Im Folgenden geht es über den geröllig-schrofen Südgrat weiter abwärts Richtung Rosskar.

[Bild: Tiefblick nach Hinterhornbach - noch ist das Tal weit weg]

[Bild: Im unteren Teil des Bäumenheimer Weges - das Gelände ist mittlerweile gutmütig, Zeit die Aussicht ausgiebig zu genießen]

An einem ausgeprägten Felszahn leiten die Markierungen vorbei – zuletzt geht es in Serpentinen über grasbewachsene Schrofenhänge hinab ins weite Rosskar, unterhalb der mächtigen Hochvogel Südostwand (zahlreiche Kletterführen IV-VI, die jedoch so gut wie nie angegangen werden).

[Bild: Über ein paar letzte grasige Schrofen geht es bergab ins Rosskar]

[Bild: Im Rosskar - deutlich ist der Wegverlauf zu erkennen]

[Bild: Hochvogel Südostwand]

Etwa 2 Stunden haben wir für den Abstieg über den Bäumenheimer Weg gebraucht.

[Bild: Hornbachkette]

Wir durchqueren das vollkommen von Geröll gefüllte Kar in Richtung des Punktes (1975 m.) – „Auf der Mute“.

[Bild: Auf dem Weg zum Punkt (1975 m.) - links die Rosszahngruppe]

Dort angekommen, wenden wir uns nach rechts und folgen dem Weg über einen grasigen Bergrücken („Bircherinnen“) in südliche Richtung (herrlich-freie Aussicht auf die Hornbachkette!)

[Bild: Auf dem Weg zurück zur Schwabegghütte]

Kurz darauf leitet der schottrige Weg in Kehren durch Latschenkieferzonen bergab zur Schwabegghütte (1699 m.)

[Bild: Durch dichte Latschenzonen steigen wir zügig bergab Richtung Schwabegghütte]

[Bild: Blick zurück zum Hochvogel 2592 m.]

Dort angekommen, machen wir kurz Pause – Zeit, den kurz zuvor überschrittenen Hochvogel (2592 m.) noch einmal ausgiebig zu bewundern. Was für ein toller Berg! Schließlich machen wir uns wieder auf den Weg.

[Bild: Hornbachkette - die wildeste Untergruppe der Allgäuer Alpen]

Durch Latschenkieferzonen und Bergwald geht es entspannt die letzten 600 Höhenmeter bergab nach Hinterhornbach – ein Kreis schließt sich.

[Bild: Abstieg nach Hinterhornbach]

Nicht umsonst ist der Hochvogel (2592 m.) eines der begehrtesten Gipfelziele der Allgäuer Alpen, wenn nicht gar der Nördlichen Kalkalpen. Aussehen und Ausstrahlung sind einfach bestechend! Zwar hat man sich den Berg an Schönwetter-Wochenenden im August und September häufig mit dutzenden anderen Menschen zu teilen – aber auch am Hochvogel gilt: wer taktisch, clever und antizyklisch vorgeht, hat den Berg mit etwas Glück ganz für sich allein – so wie wir. Beide begangen Routen – Bäumenheimer Weg und Kreuzspitz-Variante – sind landschaftlich sehr schön, bieten stets weite Ausblicke. Als Highlights sind in jedem Fall die Aussicht vom Gipfel der Kreuzspitze auf den Hochvogel (!), das Band („Schnur“) sowie das Gipfelpanorama des Hochvogels zu nennen. Vor allem jedoch ist die Hochvogel-Überschreitung eine äußerst abwechslungsreiche Tour. Wem die Tour bei entsprechendem Wetter kein Genuss wird, ist entweder überfordert oder verwöhnt! Alles in allem eine spannende, nicht allzu schwere Bergtour. Die „unvergleichlich großartige Pyramide“ (Hermann von Barth) ist einer der eindrucksvollsten Berge der Allgäuer Alpen und ein wahres Paradeziel. Eines der absoluten Königsziele der Nördlichen Kalkalpen. Ein Berg mit Ambiente!

[Bild: Bergsteigen ist wunderbar  -  Danke an Florian für dieses tolle Foto]

 

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