2011 – Hochstaufen (1771 m.) - Pidinger Klettersteig

stefanmitterer.de

 


Schwierigkeit:   D  oder  K4/5   -   Insgesamt: PD-  oder  WS-   (Tour insgesamt T4-5  oder  W4-5)

Charakter:  Der Pidinger Klettersteig ist einer der schwierigsten Klettersteige der Deutschen Alpen. Er ist äußerst lang und erfordert neben einer guten Kondition auch ein gewisses Maß an Kraft und Wille. Der Steig begeistert nicht nur aufgrund des wilden und düsteren Nordwandpanoramas, sondern auch aufgrund seiner steilen, senkrechten und teils äußerst ausgesetzten Kletterei an Pfeilern, Bändern und Querungen. Der Pidinger Klettersteig ist mit anderen versicherten Steigen der Berchtesgadener Alpen (z.B.  Mannlgrat am Höhen Göll) nicht zu vergleichen. Der Steig stellt weit höhere Anforderungen an den Klettersteiggeher. Es gibt während des Steiges zwei Notausstiege. Kindern ist der Steig nicht zu empfehlen. Der Abstieg über den Klettersteig ist verboten.

Gefahren:  Es hat bereits mehrere schwere Unfälle und auch Todesfälle gegeben. Die Hauptgefahr besteht darin, den Klettersteig zu unterschätzen bzw. seine eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Der Einstieg ist sehr zügig erreicht und man ist schnell geneigt, in den Klettersteig einzusteigen. Aber nicht nur die persönlichen Fähigkeiten müssen stimmen – auch das Wetter sollte sicher sein und die Verhältnisse passen. Wer die Klettersteigschwierigkeit D nicht voll und sicher beherrscht, sollte den „Pidinger“ nicht angehen.


24. Oktober 2011

Ein-Tages-Tour in die Chiemgauer Alpen mit Besteigung des Hochstaufen über den Pidinger Klettersteig. Abstieg über die Nordwestflanke und die Steiner Alm.

Privat organisierte Tour  -  alleine begangen

[Bild: Hochstaufen Nordwand]

Parkplatz Urwies  -  Maier Alm  -  Pidinger Klettersteig  -  Hochstaufen  -  Steiner Alm  -  Maier Alm  -  Parkplatz Urwies

Der Hochstaufen ist einer der markantesten Berge der Chiemgauer Alpen und darüber hinaus der östlichste Gipfel dieser Gebirgsgruppe. Nordwestlich von Bad Reichenhall gelegen, bietet er eine tolle Aussicht auf die bekanntesten Berge der Berchtesgadener Alpen. Der Gipfel kann über viele verschiedene Wege und Pfade erreicht werden. Beliebt sind die Anstiege direkt von Bad Reichenhall von Süden – sowie über den recht anspruchsvollen Steig der „Steinerne Jäger“. Durch die  -  für Chiemgauer Verhältnisse  -  ziemlich wilde Nordwand führten über Jahrzehnte hinweg nur schwierige Kletterrouten. Wer den Gipfel von der Steiner Alm erreichen wollte, dem blieb nur der Nordwestanstieg. Seit 2003 führt durch die Hochstaufen Nordwand der sogenannte „Pidinger Klettersteig“ – welcher im oberen Teil einer alten Kletterroute vom – 1934 am Nanga Parbat  verschollenen – Willo Welzenbach folgt. Seit seiner Eröffnung hat der Klettersteig bereits viele Bergrettungseinsätze und darüber hinaus auch einige Todesopfer gefordert. An schönen Wochenendtagen im Sommer wird der „Pidinger“ regelrecht überrannt. Er gehört aufgrund seiner Länge (ca. 750 Höhenmeter, 1300 Meter Kletterlänge)  -  sowie der vollen Schwierigkeit D bzw. K4/K5 zu den anspruchsvollsten Klettersteigen in den deutschen Alpen. Wer von sich behauptet ein „richtiger“ Klettersteiggeher zu sein, der „muss“ ihn einfach gemacht haben. Die Routenführung durch die Nordwand ist grandios, er besitzt viele originelle und schwierige Einzelstellen und ist darüber hinaus auch schnell erreichbar (1,5 – 2 Stunden Zustieg)  -  Was bei vielen Klettersteigen nicht der Fall ist, trifft hier voll zu: Die Erbauer haben einfach alles richtig gemacht!

„Ich muss den Erbauern ein ausdrückliches Lob aussprechen. Sie haben Rücksicht auf den Bewuchs genommen und alle Regeln der Klettersteigkunst angewendet“ (Alois Häusl, Vorsitzender der AV-Sektion Bad Reichenhall)

[Bild: Topo des Pidinger Klettersteigs]     Quelle: http://www.piding.de/pidinger-klettersteig/

Am Morgen des 24. Oktober 2011 mache ich mich zum ersten Mal in meinem Leben alleine mit dem Auto in die Berge auf. Aus diesem Grund habe ich mir auch ein Ziel ausgesucht, bei dem ich nicht zu weit fahren muss und dennoch eine sportliche Herausforderung habe. Der Pidinger Klettersteig ist genau die richtige Mischung aus Klettersteig und klassischer Bergtour – und das in den Chiemgauer Alpen – perfekt!  Auf der A8 geht es zunächst Richtung Salzburg und bei der Abfahrt Piding folge ich der Beschilderung in Richtung Aufham und weiter nach Urwies, von wo ein Forstweg zum Wanderparkplatz des Hochstaufen führt. Nun folgt der obligatorische Zustieg zum Klettersteig. Auf einer Forststraße geht es durch Mischwald zunächst in Richtung Maier Alm. Bergsteiger mit Mountainbike sind hier klar im Vorteil – gerade beim Abstieg!

[Forststraßenaufstieg Richtung Maier Alm]

Immer wieder ist der Pidinger ausgeschildert – klar, die Einwohner von Piding und Urwies sind stolz auf ihren Klettersteig und wollen, dass man ihn ohne Probleme findet. Nachdem ich schon einige Höhenmeter hinter mir habe, bietet sich mir an einer Stelle plötzlich ein weiter Blick auf das noch vom Morgendunst erfüllte Salzburger Land.

[Bild: Blick ins Salzburger Land]

Leider ist auch die Autobahn in unmittelbarer Nähe unüberhörbar und so geht man doch etwas bedrückt weiter. Für solche Stimmungen ist aber nach kurzer Zeit kein Platz mehr – zu sehr freue ich mich bei bestem Wetter in den Bergen unterwegs zu sein.

[Bild: Mystische Stimmung beim Zustieg zum Klettersteig]

Nach einiger Zeit lichtet sich der Wald ein wenig und ich erreiche die Maier Alm, die um diese Zeit offenbar bereits verlassen ist.

[Bild: Maier Alm]

Von der Umgebung der Alm habe ich nun einen tollen Einblick in die Nordabstürze des Hochstaufen.

[Bild: Blick in die Hochstaufen Nordwand]

Es liegt bereits einiges an Schnee und auch sonst sieht die Nordwand ziemlich düster und abweisend aus – von weitem kaum vorstellbar, dass dort ein Klettersteig zum Gipfel führt. Ich folge weiter der Forststraße Richtung Steiner Alm und an einem Hinweisschild trennen sich die Wege. Für mich geht es zum Pidinger, die Steinerne Jäger werde ich ein anderes Mal machen. Etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Almen zweigt schließlich der Weg ab und vor einem großen Schild mache ich kurz Pause. Hier wird ein letztes Mal deutlich auf die Schwierigkeiten des Klettersteigs hingewiesen.

[Bild: Klare Worte vor dem Klettersteig]

Anschließend geht es die letzten Meter auf einem Schutt – und Geröllpfad zum Einstieg des Pidinger Klettersteigs.

[Bild: Zustieg zum Klettersteig]

Zwischen dem Gipfel und mir liegen nun 750 Höhenmeter bzw. 1,3 Kilometer Klettersteig. Während ich das Klettersteigset und den Helm anlege, erreichen drei weitere Bergsteiger nacheinander den Einstieg. Für Pidinger Verhältnisse sind 4 Klettersteiggeher sehr wenig. Vielleicht haben die Tatsache, dass es Montag ist bzw. dass viel Schnee liegt die meisten Leute abgeschreckt. Denn der Pidinger zieht in erster Linie Genuss-Klettersteiggeher an.

[Die folgende Beschreibung des Klettersteigs hält sich in erster Linie an die allgemeine Beschreibung – ist jedoch entsprechend den eigenen Eindrücken verändert bzw. durch Fotos ergänzt]  Gleich zu Beginn des Klettersteigs zeigt der Pidinger seine Klasse.

[Bild: Einstiegswand des Pidinger Klettersteigs]

Über die Einstiegswand (C) geht es steil nach oben zu einem Flachstück, das wiederrum in ein weiteres Flachstück leitet (B).

[Bild: Nach der Einstiegswand folgt etwas flacheres Gelände]

[Bild: Etwas steileres Gelände (B) leitet zum Beginn einer Rinne]

Anschließend geht es immer links der durch Steilstufen unterbrochenen Rinne bergauf. An einigen Stellen liegt viel Schnee – wodurch die Tour um ein gutes Stück alpiner wird.

[Bild: Aufstieg links der Rinne]

Teilweise ausgesetzt geht es über einen grasigen und latschendurchsetzten Grat (A-B) – sowie zwei kurze Steilstücke (B) in Richtung der markanten Rinne – rechts oberhalb der Schuttrinne.

[Bild: Blick zurück zur bereits zurückgelegten Strecke oberhalb der Rinne]

Schließlich erreiche ich das Ende der Versicherungen. Ungesichert quere ich zunächst die Schuttrinne um mich auf der anderen Seite wieder mit dem Drahtseil zu sichern. Das Gehgelände (A) hört wiederrum abrupt auf. Unterhalb hoher Felsmauern quere ich auf einem Steig in Richtung Westen. Über ein mit Schnee bedecktes Schuttfeld (A) geht es zu einer Wegegabelung. Hier besteht die erste Möglichkeit des Notausstiegs aus dem Klettersteig. Er führt unschwierig auf einem Pfad zum Normalweg auf den Hochstaufen, der von der Steiner Alm von Nordwesten auf den Gipfel führt. Ich nehme natürlich den zweiten Teil des Klettersteigs in Anspruch. Vom vorgelagerten Pfeiler steigt man in die erste Wandstufe ein. Mit Hilfe von Eisentritten geht es sehr steil nach oben (C).

[Bild: Steile erste Passage (C) am Beginn von Teil 2 des Klettersteigs]

Es folgt eine äußerst steile – mit einigen Eisentritten versehene – Wand. Diese Stelle erreicht den vollen Schwierigkeitsgrad (D) und ist bereits recht anspruchsvoll. Ohne ein gewisses Maß an Kraft, Kondition und Athletik geht hier gar nichts.

[Bild: Diese steile Wand ist eine der Schlüsselstellen des Klettersteigs]

Unter einigem Kraftaufwand halte ich einige Male während steiler Passagen an – um Fotos zu schießen.

[Bild: Blick zurück zu einer der ausgesetzten Querungen des Klettersteigs]

Am oberen Ende der Wand geht es über einige leichtere Stufen bergauf und nach kurzer Zeit erreiche die zweite große Querung (A-B). Am Ende der Querung hat man letztmals die Möglichkeit abzubrechen und auf den Normalweg zu queren. Für mich geht es natürlich weiter Richtung Gipfel und so nehme ich den nächsten Abschnitt in Angriff. Über einen steilen Pfeiler (C) geht es schräg links nach oben.

[Bild: Im zweiten Teil des Klettersteigs]

Anschließend quere ich links in eine steile Rinne (C-D).

[Bild: Steile und sehr ausgesetzte Querungen erfordern Kraft und einen klaren Kopf]

Am oberen Ende des Pfeilers erreiche ich über eine kurze, aber steile Wand (C) einen Blockgrat. Diesen geht es hinauf (A-B) zum letzten Pfeiler vor der dritten langen Querung. Über dieses letzte Steilstück geht es steil hinauf (C).

[Bild:  Mit Hilfe von Eisentritten geht es sehr steil hinauf]

[Bild: Der Klettersteig erfodert ein gewisses Maß an Kraft und Kondition  -  Eisentritte helfen nur an den schwierigen Stellen  -  in der Regel ist das Drahtseil die einzige Hilfe]

[Bild: Blick zurück zu einer der zahlreichen ausgesetzten Querungen]

Oben angekommen, offenbart sich mir ein fantastischer Einblick in die eisigen und düsteren Nordabstürze des Hochstaufen.

[Bild: Hochstaufen Nordwand]

Die winterlichen Verhältnisse machen den Klettersteig noch mal um einiges alpiner und schwieriger, als er es ohnehin schon ist. Weiter geht es bei einer Kante, von wo es in leichtem Gelände (A-B) über viele kleine Steilstufen bergab zu einer Rinne geht.

[Bild: Kurzer Zwischenabstieg nach dem zweiten Teil des Klettersteigs]

Auf der anderen Seite geht es leicht ansteigend (A) zu einer plattigen und steilen Wand. Über diese geht es schräg links hinauf (B) zum großen Schuttkessel vor dem dritten Teilstück des Klettersteigs.

[Bild: Auf dem Weg zum großen Schuttkessel]

[Bild: Wilde und eisige Nordwandszenerien beeindrucken während des Klettersteigs]

Hier befindet sich auch eine Bank, an der man ausgiebig Pause machen und das nächste Stück begutachten kann. Auch ich mache eine Pause – setze mich jedoch nicht auf die Bank, da sie dick mit Schnee bedeckt ist. 70 % des Klettersteigs habe ich jetzt etwa hinter mir. Meine Kräfte haben logischerweise schon ein Stück nachgelassen – aber ich fühle mich gut und habe Spaß an der Tour. Wie schon bei der Tour dieses Jahres im April aufs Sonntagshorn über das Vordere Kraxenbachtal von Norden bin ich an einem beliebten und bekannten Chiemgauer Berg praktisch alleine unterwegs. Zwei der drei anderen Klettersteiggeher habe ich schon lange hinter mir gelassen und der dritte – ein Herr jenseits der 45 Jahre – hat mich schon ziemlich am Anfang überholt! Das dritte Teilstück des Pidinger Klettersteigs beginnt mit einer ersten steilen Wandstufe (B-C). Daraufhin folgt eine anspruchsvolle, sehr steile und ausgesetzte Wand (C-D).

[Bild: Blick zurück zum großen Schuttkessel  -  der komplett mit Schnee gefüllt ist]

Weiter geht es über eine glatte, trittlose Rampe (C-D) in – kurzzeitig – etwas leichteres Gelände (B). Zunehmend machen sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar und so ist die zweite Schlüsselstelle die den vollen Schwierigkeitsgrad (D) erreicht – eine mit Eisentritten versehen Wand – bereits eine echte Herausforderung.

[Bild: Maximale Steilheit und Ausgesetztheit bei der zweiten Schlüsselstelle  -  immerhin mit Eisentritten ausgestattet]

Mit einigen kräftigen Armzügen bringe ich diese Stelle aber gut hinter mich. Um eine Kante herum (B-C) leitet mich das Drahtseil zu einem weiteren Steilstück (C).

[Bild: Im oberen Teil des Pidinger Klettersteigs]

Ich quere in leichtem, versichertem Gelände (A) zum Wandbuch und trage mich zufrieden und etwas erschöpft ein. Allerdings ist damit der Klettersteig noch nicht zu Ende

[Bild: Blick zur letzten schwierigen und ausgesetzten Stelle des Pidinger Klettersteigs  -  der steile Pfeiler wird links an der Kante mit Hilfe von Eisentritten erklettert]

Eine letzte steile und ausgesetzte Wandstelle leitet mich auf einen Grat (B) – der nach oben hin immer flacher wird (A) und schließlich ausläuft.

[Bild: Das letzte Stück des Klettersteigs - der Gipfel ist nicht mehr weit weg]

Ich habe den Klettersteig bewältigt und befinde mich nun auf dem breiten Gipfelplateau. Das Gipfelkreuz ist bereits von weitem sichtbar und so werden die letzten Meter ein reiner Genuss.

[Bild: Blick zum Gipfel des Hochstaufen  -  rechts der Zwiesel 1782 m.]

Ich folge dem Normalweg – auf dem ich mich mittlerweile befinde – in wenigen Minuten zum geräumigen Gipfel des Hochstaufen 1771 m.

[Bild: Auf dem Gipfel des Hochstaufen 1771 m.]

Mit einem Schlag offenbart sich mir ein gigantisches Panorama. Wird man während des Klettersteigs noch voll und ganz von der düsteren Nordwand in Bann genommen, fesselt nun der Blick in die Berchtesgadener Alpen und in die Weiten des Chiemgau.

[Bild: Blick in den Chiemgau]

In der Ferne erkenne die Reiteralpe  -  Hochkalter 2607 m.  -  Watzmann 2713 m.  -  Steinernes Meer  -  Hohen Göll 2513 m.  und viele andere bekannte Berge der Berchtesgadener Alpen.

[Bild: Blick ins 1300 Meter tiefer gelegene Bad Reichenhall  -  in der Ferne von links: Hoher Göll 2513 m.  -  Schneibstein 2276 m.  -  Hochkönig 2941 m. und Steinernes Meer  -  Watzmann 2713 m. und Hochkalter 2607 m.]

Im Osten ragt der Zwiesel 1782 m. in den Himmel. Verbunden mit dem Hochstaufen ist er durch einen schmalen – aber lohnend zu begehenden Grat.

[Bild: Blick zum Zwiesel 1782 m.  -  höherer Nachbar des Hochstaufen]

Im Norden ragt kein Berg mehr in den Himmel – dafür faszinieren einen die endlosen Weiten des Alpenvorlandes. Alleine bin ich am Gipfel des Hochstaufen natürlich nicht mehr. Bei gutem Wetter ist man auf seinem höchsten Punkt nie alleine – immerhin: An diesem Montag im Oktober sind deutlich weniger am Hochstaufen unterwegs, als in der Hochsaison. Ich genieße die Aussicht und freue mich, dass ich den Pidinger Klettersteig so gut bewältigt habe. Dem Reichenhaller Haus (1750 m.) statte ich keinen Besuch mehr ab, da es bereits geschlossen ist. Dieses Berghaus ist die höchstgelegene Hütte der Chiemgauer Alpen und Ausgangspunkt für zahlreiche Kletter – und Wandertouren. Besonderes Highlight ist bei einer Übernachtung natürlich der Sonnenaufgang über dem Salzkammergut bzw. der Sonnenuntergang hinter dem Chiemsee. Untrennbar mit der Geschichte des Hochstaufen verbunden, ist allerdings auch der 23. September 1993  -  bei der die beiden damaligen Wirtsleute des Reichenhaller Hauses Opfer eines Raubmordes wurden.

[Bild: Reichenhaller Haus 1750 m.]

Nach einer ausgiebigen und entspannten Gipfelrast mache ich mich schließlich an den Abstieg. Ein Schild weist mir die Richtung.

[Bild: Für mich geht es nach rechts Richtung Steiner Alm]

Vom Gipfelplateau führt ein markierter Steig in Richtung Nordwesten. Zwischen Latschenkiefern führt der Weg zunächst sanft absteigend in die Nordwestflanke des Hochstaufen.

[Bild: Beim Abstieg hat man stets die Weiten des Chiemgau vor sich]

Nach kurzer Zeit wird das Gelände jedoch felsiger. Dort wo der Weg im Schatten liegt, erschwert viel Schnee den Abstieg. Durch die Begehungen anderer Bergsteiger ist der Weg mit dem darauf liegenden Schnee teils heikel rutschig und unangenehm zu gehen. An schwierigen Stellen helfen ein paar lockere Drahtseile und entschärfen dadurch den Abstieg.

[Bild: Drahtseile erleichtern den Abstieg durch die verschneite Nordwestflanke]

Dennoch ist in der stark felsigen Nordwestflanke Vorsicht geboten. Der Weg ist natürlich nicht mit dem Klettersteig vergleichbar, der Schnee und das Eis machen ihn aber deutlich anspruchsvoller – als er es im Sommer ist.

[Bild: Winterliche Verhältnisse in der Nordwestflanke]

In jedem Fall ist der Abstieg bestens markiert und wer trittsicher ist, der wird hier (auch bei Schneelage) kaum Probleme bekommen. Beeindruckend ist in jedem Fall der Blick in die eisige Nordwand des Mittelstaufen. Stück für Stück geht es auf dem felsigen und teils vereisten Pfad bergab.

[Bild: Ausrutschen bzw. vertreten sollte man sich hier nicht  -  Trittsicherheit und alpine Erfahrung sind bei solchen Verhältnissen obligatorisch]

[Bild: Wilde Felstürme in der  Hochstaufen Nordwestflanke]

Nach einiger Zeit verlasse ich die Schatten der Hochstaufen Nordwestflanke und trete in offeneres Gelände. Zwischen Latschenkiefergewächsen windet sich der Pfad weiter bergab Richtung Steiner Alm.

[Bild: Abstieg zwischen Latschenkiefern Richtung Steiner Alm]

[Bild: Über den langen Grat des Mittelstaufen führt ein Pfad vom Hochstaufen zum Zwiesel]

Als ich den Bergwald erreiche, wird mir klar – dass ich beim Abstieg keinen einzigen Menschen getroffen habe. Im Wald folge ich dem ausgeschilderten Weg Richtung Steiner Alm. Nun habe ich wirklich alle schwierigen Passagen der Tour hinter mir und so genieße ich den Rückweg in vollen Zügen.

[Bild: Durch einen Bergwald geht es weiter in Richtung Steiner Alm]

Schließlich trete ich auf eine Wiese und mir wird bewusst, dass ich mich genau bei der Steiner Alm befinde. Bei der kleinen Kapelle der Alm mache ich eine Pause und genieße den Blick zu den wilden Nordabstürzen des Hochstaufen  -  eine ordentliche Tour die ich da hinter mich gebracht habe.

[Bild: Blick von der Steiner Alm Richtung Hochstaufen]

[Bild: Blick zu den eisigen Nordabstürzen des Hochstaufen]

Hinter der Steiner Alm treffe ich wieder auf die Forststraße. Dieser folge ich durch den Bergwald in Richtung Osten. Vorbei geht es an einzelnen Schildern und Wegabzweigungen immer in Richtung Maier Alm. Mit zunehmender Zeit wird es immer kälter und dunkler – ich bin schon recht spät dran. Ich passiere die Abzweigung Richtung Klettersteig – an der Maier Alm geht es vorbei und ich folge der recht eintönigen Forststraße Richtung Parkplatz. Leider habe ich kein Mountainbike parat und so werden die letzten Hundert Meter recht zäh [Zitat – bergsteigen.at:  „Für den Zustieg ist ein Mountainbike sehr zu empfehlen!“]  Schließlich erreiche ich müde – aber zufrieden das Auto. Ich habe zwar Schmerzen in den Füßen und den Oberarmen – ansonsten geht es mir jedoch bestens.

[Bild: Bergtouren im Herbst haben ihren eigenen Charakter  -  nicht nur was die Wegverhältnisse angeht]  :)

Bei der Fahrt nach Hause habe ich von Weitem noch einmal einen tollen Blick in die Nordwand des Hochstaufen. Dabei denke ich mir, dass dies genau die Art von Bergtour ist, die mir gefällt. Diese Eintagestour war die perfekte Kombination aus Klettersteig und winterlich – alpiner Bergtour. Der Pidinger  -  einfach ein grandioser Klettersteig. Der Hochstaufen  -  ein Berg, den ich nicht zum letzten Mal besucht habe.

[Bild: Warme Farben beim Zustieg zum Pidinger Klettersteig]

 

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