2012 – Großer Hundstod (2594 m.)

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Schwierigkeit:   F+  oder  L+   (T4-  oder W4-)

Charakter:  Der Große Hundstod zählt zu den höchsten, bekanntesten und am häufigsten bestiegenen Felsgipfeln des Steinernen Meeres und ist – ähnlich wie der Watzmann – ein sagenumwobener Berg. Mit einer Prominenz von 475 m und einer Dominanz von 4,5 km ist der Große Hundstod der selbstständigste Berg im weiten Umkreis. In Form eines markierten, alpinen Steiges – führt der Normalweg vom Ingolstädter Haus über die steile Südflanke zum Gipfel und verlangt leichte Schrofenkletterei im Schwierigkeitsgrad I. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Verhältnisse sind jedoch zwingend erforderlich. Der überwiegend von steilen und teilweise grasdurchsetzten Schrofen, Geröllflanken und Schutt geprägte Aufstieg ist technisch nicht besonders schwierig und bereits in 1-1,5 Stunden zu bewältigen  -  mit den „Händen in der Hosentasche“ lässt sich der Hundstod aber dennoch nicht besteigen. Für geübte und erfahrene Bergsteiger stellen die Anforderungen aber keine allzu große Herausforderung dar. Nicht zu unterschätzen sind die Dimensionen der Hüttenzustiege – von Weißbach bzw. Diesbach braucht man gut und gerne 5 Stunden bis zum Ingolstädter Haus – die Wege über den Trischübelpass und das Hundstodgatterl bzw. über die Saugasse und das Kärlingerhaus nehmen etwa 6 Stunden in Anspruch. Die Besteigung des Großen Hundstodes – von allen Seiten ein markanter und eindrucksvoller Gipfel – darf wohl als eine der lohnendsten klassischen Bergtouren bzw. Gipfelbesteigungen der Berchtesgadener Alpen bezeichnet werden. Aufgrund seiner isolierten Lage am nordwestlichen Rand des Steinernen Meeres bietet der Große Hundstod eine grandiose Aussicht auf weite Teile der Hohen Tauern (Zentralalpen)  -  beeindruckend sind jedoch vor allem die Ausblicke über die Weiten des Steinernen Meeres und in Richtung Watzmann Südflanke.   Beim technisch unschwierigen Übergang vom Kärlinger – zum Ingolstädter Haus hat man vielfach fantastische Ausblicke über das Steinerne Meer und in Richtung Schönfeldspitze. Beim Abstieg vom Ingolstädter Haus über das Hundstodgatterl und den Trischübelpass nach St. Bartholomä sind absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (besonders bei Schneelage sowie im Bereich der Sigeretplatte) unbedingt erforderlich. Grandiose Ausblicke zur Watzmann Südflanke!

Gefahren:  Die steilen und abgegriffenen Schrofen der Südflanke verlangen absolute Trittsicherheit. Bei Nässe oder Schneelage wird der Auf – bzw. Abstieg sehr unangenehm und unter Umständen sogar gefährlich. Dann sollten nur versierte Bergsteiger den Gipfel angehen. Des Weiteren ist Steinschlag  -  welcher durch die in der Regel zahlreichen Begeher des Normalweges ausgelöst werden kann  -  in den steilen Schrofen – und Geröllflanken eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Grundsätzlich weist der Normalweg des Großen Hundstodes aber kaum objektive Gefahren auf. Wer die moderaten Anforderungen und technischen Schwierigkeiten problemlos beherrscht sowie Weg – und Wetterverhältnisse angemessen berücksichtigt, der wird bei dieser Bergtour kaum Probleme zu erwarten haben.


17. Oktober  -  19. Oktober 2012

Drei-Tages-Tour in die Berchtesgadener Alpen mit Besteigung des Großen Hundstodes. Aufstieg von St. Bartholomä über die Saugasse zum Kärlingerhaus. Übergang vom Kärlingerhaus zum Ingolstädter Haus mit anschließender Besteigung des Großen Hundstodes über den Normalweg. Vom Ingolstädter Haus über das Hundstodgatterl, den Trischübelpass und die Sigeretplatte zurück nach St. Bartholomä.

Privat organisierte Tour  -  alleine begangen

[Bild: Großer Hundstod 2594 m. und Punkt 2401 m.  -  von Osten]

1. Tag        St. Bartholomä  -  Schrainbachalm  -  Saugasse  -  Ofenloch  -  Kärlingerhaus

Die berühmte Watzmannsage, nach der der grausame König Watzemann von einer armen Bäuerin verflucht wurde und sich anschließend in Stein verwandelte, kennt fast jeder, der sich einmal etwas näher mit diesem weltberühmten Berg befasst hat. Weniger bekannt hingegen dürfte die Sage sein, nach der neben König Watzemann, seiner Frau und seinen Kindern – auch seine Hunde in Stein verwandelt wurden – Angeblich stürzten sie sich vom Großen Hundstod herab und liegen heute unter dem Berg begraben – daher auch der Name des Berges. Und wer heutzutage, wenn der Wind um den Berg peitscht, am Großen Hundstod unterwegs ist, der soll sie angeblich hören können – wenn einem der Wind wie das Heulen und Winseln einer „blutrünstigen Hundemeute“ (J. Burghardt) vorkommt. Ein ganz anderer Mythos ist hingegen die angebliche Erstbesteigung  des Berges im Jahre 1820 durch Josef Kyselak. Ausgerüstet mit einem Gewehr und in Begleitung eines Wolfshundes wanderte er über die Saugasse auf das Steinerne Meer hinauf und bestieg – angeblich –den „Hohen Hundskopftod“. Dies wurde später – unter anderem von Ludwig Purtscheller – angezweifelt. Daher gilt nicht Kyselak, sondern Peter Carl Thurwieser im Jahr 1825 als der erste Mensch, welcher den Großen Hundstod bestiegen hat. Unabhängig davon, wer nun wirklich der Erstbesteiger gewesen ist, oder ob sich tatsächlich Watzemann´s Hunde vom Gipfel in den Tod gestürzt haben – so hat Josef Kyselak doch in folgendem Punkt Recht: „So unästhetisch dessen Name, so wild droht er herab auf das verödete Thal, als hätte sein Blick es verwüstet […] Wer vom Schwindel, diesem eingebildeten Übel, nichts weiß, der wird den Hohen Hundskopftod gefahrlos besteigbar nennen […]“ (Aus: „Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich , Steiermark, Kärnten, Salzburg, Bgd, Tirol und Bayern nach Wien unternommen im Jahre 1825“, A. Pichler, Wien)  -  Eine besondere Eigenschaft des Großen Hundstodes ist seine Vielgestaltigkeit: Während er von Westen – z.B. von den Leoganger Steinbergen – als elegantes Felshorn wahrgenommen wird, zeigt er sich von Norden und Nordosten als breiter und markanter Buckel. Während er hingegen von Süden – vom Ingolstädter Haus aus gesehen – als wuchtiger Schrofenhaufen die Bergsteiger beeindruckt, präsentiert er sich von Südosten als imposante Pyramide, wobei ihm aus dieser Perspektive sein namenloser Nebengipfel (Punkt 2401 m.) – in Form eines spitzen Felszahnes – ein wenig die Schau stiehlt. So gut wie jeder Bergsteiger, der den Großen Hundstod angeht, tut dies über den Normalweg vom Ingolstädter Haus her. Neben dem technisch unschwierigen Anstieg über die schroffe Südflanke bietet der Berg aber noch eine Reihe weiterer, landschaftlich großartiger Anstiegsmöglichkeiten (z.B. Großer Hundstod Nordflanke vom Hundstodkendlkopf (2396 m.) her  /  Schwierigkeitsgrad II)  –  die zwar allesamt schwieriger sind, vor allem jedoch so gut wie nie begangen werden. Welchen Anstieg man nun auch immer wählt – der Große Hundstod (2594 m.)  -  vierthöchster, prominentester und zweitdominantester Gipfel des Steinernen Meeres  -  ist einer der markantesten und eindrucksvollsten Berge der Berchtesgadener Alpen. Seine Besteigung zählt zu den begehrtesten und eindrucksvollsten klassischen Gipfeltouren des Steinernen Meeres.

[Bild: Großer Hundstod 2594 m.  -  von Süden]

Eine herbstliche Bergtour in den Berchtesgadener Alpen  -  noch dazu wenn alle Hütten bereits geschlossen haben und die Berge bzw. Steige schon teilweise mit Schnee bedeckt sind  -  ist wohl ideal, um das Jahr Bergjahr 2012 anständig abzuschließen. Ich habe mir vorgenommen, zunächst über die Saugasse zum Kärlingerhaus aufzusteigen, um dann vor Ort  -  je nach Schneeverhältnissen  -  zu entscheiden, welche Gipfel ich angehen werde. Mit dem ersten Boot geht es daher früh am Morgen zunächst über den Königssee nach St. Bartholomä. Während der Fahrt über den See erkenne ich, dass die der Tour vorangegangene Schlechtwetterphase wie erwartet deutliche Spuren an den umliegenden Bergen hinterlassen hat – Funtenseetauern, Schönfeldspitze und Hachelköpfe sind bereits tief verschneit.

[Bild: Über den Königssee geht es nach St. Bartholomä  -  im Hintergrund von links: Funtenseetauern 2578 m.  -  Schönfeldspitze 2653 m.  -  Simetsberg 1889 m. und Hachelgrat]

Ob ich für mein gedanklich anvisiertes Ziel  -  die Überschreitung des Funtenseetauern  - bereits zu spät dran bin, wird sich noch zeigen. Bei St. Bartholomä angekommen, bewundere ich zunächst einmal die imposante Watzmann Ostwand. Die von gewaltigen Bändern durchzogene – 1800 Meter hohe Felswand ist im Gegensatz zu den umliegenden Flanken und Wänden noch weitgehend schneefrei, was wohl an der Exposition liegen dürfte. Auch heute werden wohl wieder einige ambitionierte Bergsteiger und Kletterer diese höchste Wand der Ostalpen durchsteigen. Mein Ziel fällt da wesentlich bescheidener aus und so mache ich mach nach kurzer Zeit auf in Richtung Kärlingerhaus.

[Bild: Ankunft bei St. Bartholomä  -  dahinter ragt die 1800 Meter hohe Watzmann Ostwand in den Himmel]

[Bild: Watzmann Ostwand  -  mit 1800 Meter Höhe die höchste Felswand der Ostalpen]

Von St. Bartholomä geht es zunächst – in Form eines Uferspazierganges – am Rand des Königssees entlang in südwestliche Richtung.

[Bild: Blick zurück nach St. Bartholomä]

Nach kurzer Zeit führt der Weg in einen Bergwald. Unterhalb der Ausläufer des Burgstallsteins geht eben dahin, bis der Wald sich schließlich wieder lichtet. Ich folge dem Weg weiter über grasbewachsene und teilweise bewaldete Flächen bis zur  -  zu dieser Jahreszeit ausgetrockneten  -  Eisbachmündung.

[Bild: Auf dem weg zur Eisbachmündung]

Der Eisbach versickert bereits einige Meter vor der eigentlichen Mündung und fließt dem Königssee unterirdisch zu – nur nach starken Regenfällen oder Schneeschmelzen findet man hier einen richtigen Bach vor. Die gerne als „Strand“ bezeichnete Stelle, wo der Schuttstrom des Eisbaches in den Königssee mündet, mag an heißen Sommertagen zum Entspannen einladen, für mich geht es jedoch weiter Richtung Schrainbachtal.

[Bild: Eisbachmündung  -  rechts im Hintergrund der Jenner 1874 m.]

Von der Eisbachmündung leitet der Weg – unmittelbar über dem Königssee – zunächst an einer Felswand entlang und nur mäßig ansteigend geht es schließlich auf einem breiten Steig zum Schrainbachfall.

[Bild: Der Weg leitet an Felswänden entlang in Richtung Schrainbachfall]

Von dort folge ich dem Weg in einigen ausladenden Kehren über eine bewaldete Flanke bergauf Richtung Westen.

[Bild: In einigen Kehren geht es über eine bewaldete Flanke ins Schrainbachtal]

Um einen Felsvorsprung herum – führt der Weg schließlich ins Schrainbachtal. Oberhalb steiler – zum Schrainbach abfallender – Flanken geht es auf einem befestigten Steig eben in westliche Richtung und nach einiger Zeit erreiche ich die idyllisch gelegene Schrainbachalm.

[Bild: Auf dem Weg zur Schrainbachalm]

[Bild: Idyllische Wiesenfläche bei der Schrainbachalm]

Weiter geht es durch die Hachelklause – unterhalb der imposanten Hachelköpfe.

[Bild: Der Weg führt durch einen Bergwald in Richtung Südwesten]

Durch einen Bergwald führt der Weg am sogenannten „Mausalpeck“ vorbei und ich passiere die Abzweigung zum Trischübelpass. Direkt unterhalb der eindrucksvollen Nordwestabstürze des Simetsberg geht es weiter in Richtung Südwesten. Nach einiger Zeit lichtet sich der Bergwald und schließlich erreiche ich den Beginn der Saugasse.

[Bild: Auf dem Weg zur Saugasse]

[Bild: Blick zum wilden Hachelgrat]

Dieser enge Taleinschnitt zwischen Gjaidkopf und Simetsberg wird in etwa 30 – mehr oder weniger – steilen Serpentinen (früher waren es über 70!) durchstiegen. Während der Sommerzeit (wenn das Kärlingerhaus bewirtschaftet wird) stellt dieser „berüchtigte“ und durchaus anstrengende Wegabschnitt den unangenehmsten Teil für viele Wanderer dar. Nüchtern betrachtet ist dieses „Nadelöhr“ (J.  Burghardt) jedoch landschaftlich äußerst eindrucksvoll.

[Bild: Die Saugasse ist der anstrengendste Teil des Aufstiegs zum Kärlingerhaus]

Teilweise etwas geröllig und mühsam – technisch aber vollkommen unschwierig steige ich in vielen Serpentinen durch die Saugasse immer weiter bergauf. Beeindruckend sind die den Taleinschnitt begrenzenden Felswände von Simetsberg und Gjaidkopf. Nach oben hin wird die Saugasse immer enger – ebenso ist mit zunehmender Höhe der Weg immer mehr mit Schnee bedeckt.

[Bild: Tiefblick über die steilen Serpentinen der Saugasse]

Schließlich erreiche ich das obere Ende der Saugasse, wo an der ehemaligen Oberlahneralm von rechts der anspruchsvolle Steig vom Trischübelpass her mündet. Ich befinde mich nun in dem Bereich zwischen Gjaidgraben, Bärengraben und Simetsberg – der heutzutage nur durch den Steig zwischen Saugasse und Ofenloch erschlossen ist. Alle umliegenden Gipfel, Gräben und Flanken werden nur äußerst selten durch – bzw. bestiegen.

[Bild: Oberhalb der Saugasse leitet der Weg durch eine unübersichtliche Landschaft aus Felsformationen, Schrofenflanken und Bäumen Richtung Ofenloch  -  im Hintergrund der Bärengraben]

[Bild: Blick zurück zum oberen Ende der Saugasse  -  im Hintergrund der Große Hachelkopf 2066 m.]

Beim nun folgenden Weiterweg Richtung Kärlingerhaus geht es zwischen Nadelbäumen, Sträuchern, Felsformationen und Schrofen – nur mäßig ansteigend – in einigen unübersichtlichen Windungen in südöstliche Richtung.

[Bild: Oberhalb der Saugasse ist der Weg weitgehend mit Schnee bedeckt]

[Bild: Auf dem Weg in Richtung Ofenloch]

Auch wenn der Weg bestens ausgebaut und markiert ist, so muss ich doch aufgrund des vielen Schnees vorsichtiger sein, als es im Sommer normalerweise der Fall wäre. Es ist gerade mal ein paar Tage her, dass hier die letzten Menschen zum geöffneten Kärlingerhaus  wanderten – heute dagegen habe ich seit St. Bartholomä keinen einzigen Menschen mehr getroffen.

[Bild: Blick zum Watzmann 2713 m.  -  davor der Hachelgrat  -  links die beiden nach Osten abfallenden Rücken von Schneiber 2330 m. und Gjaidkopf 2268 m.]

Nach einiger Zweit erreiche ich eine Wegabzweigung – nach links führt der Weg weiter zur Wasseralm, nach rechts zum nahen Kärlingerhaus. Über tief verschneite Flächen folge ich dem Weg weiter zum Sattel (1672 m.) nördlich des Funtensees, welcher dafür sorgt, dass in kalten Nächten die Luft nicht aus dem Funtenseekessel abfließen kann – wodurch im Winter regelmäßig extreme Minusgrade erreicht werden.

[Bild: Mit Blick zum Viehkogel 2158 m. geht es über verschneite Flächen in Richtung Kärlingerhaus]

Den imposanten Viehkogel (2158 m.) im Blickfeld, geht es die letzten gut 40 Höhenmeter bergab zum Kärlingerhaus (1630 m.) – oberhalb des Funtensees.

[Bild: Kärlingerhaus 1630 m.  -  im Hintergrund von links: Funtenseetauern 2578 m.  -  Grießkogel 2543 m.  -  Schottmalhorn 2225 m. und Brandenberg 2300 m.]

Das Kärlingerhaus (1630 m.)  -  anderen Angaben zufolge 1638 m.  -  ist eine Alpenvereinshütte der Kategorie I und im Besitz der Sektion Berchtesgaden des DAV. Die manchmal auch „Funtenseehaus“ genannte Unterkunft befindet sich am Nordrand des Steinernen Meeres im Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich – etwa 100 Meter nordwestlich des Funtensees. Das Kärlingerhaus ist in der Regel von Ende Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet bzw. geöffnet (über Ostern auch für 2-3 Wochen – Skitourenzeit, z.B. „Große Reibn“) und verfügt über 42 Betten – und 178 Lagerschlafplätze. Der stets geöffnete Winterraum bietet zudem Platz für 20 Personen. Damit ist die Hütte die größte Bergunterkunft in den gesamten Berchtesgadener Alpen. Das Kärlingerhaus wurde anstelle einer früheren Forstamthütte in den Jahren 1903-1905 erbaut. Bereits 1880 hatte man in der Nähe der heutigen Hütte das Funtenseehaus errichtet, einen Vorläufer des heutigen Kärlingerhauses, das bereits als Bergsteigerstützpunkt diente. Im 20 Jahrhundert wurde die Hütte stetig erweitert und modernisiert. Am 24.12.2001 wurde mit -45,9 Grad Celsius oberhalb des Funtensees die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur aufgezeichnet, wodurch der Funtenseekessel als „Kältepol Deutschlands“ bekannt wurde. Erreicht werden kann das Kärlingerhaus über eine Vielzahl von Wegen und alpinen Steigen: Der klassische und am häufigsten begangene Aufstieg zur Hütte beginnt in St. Bartholomä und führt über die Saugasse in etwa 4 Stunden zum Kärlingerhaus. Alternativ bieten sich auch der lange Zustieg über das Wimbachtal und den Trischübelpass (6-7 Stunden)  -  der Steilaufstieg von Salet über die Sagereckwand (4-4,5 Stunden) und der Übergang von der Wasseralm an. Die zentrale Lage des Kärlingerhauses ermöglicht eine Vielzahl an Hüttenübergängen: Wasseralm, Riemannhaus, Ingolstädter Haus, Peter-Wiechenthaler-Hütte und Wimbachgrieshütte können jeweils in 3-6 Stunden erreicht werden – wer dagegen den Übergang zum Matrashaus auf dem Hochkönig plant, muss mit 10-11 Stunden (!) reiner Gehzeit rechnen. Und auch wenn die Wege und Steige in der Regel gut markiert und beschildert sind, so sind dennoch elementare bergsteigerische Fähigkeiten und gutes Schuhwerk erforderlich. Die beliebtesten und bekanntesten Berg – bzw. Gipfeltouren im Umkreis sind – der Feldkogel (1886 m.)  -  der Viehkogel (2158 m.)  -  das Schottmalhorn (2225 m. / selten bestiegen, Kletterei bis II)  -  die Schönfeldspitze (2653 m.) und der Funtenseetauern (2578 m.)  -  Die Überschreitung des zuletzt genannten Berges zur Wasseralm hin, ist eine der großartigsten Bergtouren der Nördlichen Kalkalpen. Daneben gibt es noch eine Reihe anspruchsvoller und teils äußerst selten begangener Kletterrouten und Gipfeloptionen – die jedoch allesamt nur versierten Alpinisten bzw. Individualisten vorbehalten sind. Die klassische Panoramaansicht vom Kärlingerhaus – Funtensee mit Schottmalhorn – gehört zu den bekanntesten und schönsten Landschaftsbildern der Berchtesgadener Alpen. Des Weiteren wird die Hütte südöstlich von der imposanten Stuhlwand des Funtenseetauern und südwestlich vom Viehkogel überragt – das Panorama des fast allseits von eindrucksvollen Bergen und Gipfeln eingerahmten Funtenseekessels ist wirklich fantastisch. Das Kärlingerhaus (1630 m.) gehört aufgrund seiner zentralen und landschaftlich herausragend schönen Lage oberhalb des Funtensees sowie aufgrund der vielfältigen Tourenmöglichkeiten zu den bedeutendsten Berghütten der Berchtesgadener Alpen.

Bevor ich den Winterraum aufsuche, setze ich mich vor dem Kärlingerhaus erst einmal auf eine Bank, mache eine ausgiebige Pause und bewundere die fantastische Aussicht Richtung Funtensee und zum darüber aufragenden schroffen Schottmalhorn (2225 m.)

[Bild: Auch im Winter lässt es sich beim Kärlingerhaus gut aushalten]

Wie erwartet sind alle umliegenden Berge  -  also auch der Funtenseetauern (2578 m.)  -  tief verschneit. Die Überlegung, den Funtenseetauern zur Wasseralm hin zu überschreiten, verwerfe ich rasch – bei solchen Bedingungen muss ich mir wohl ein etwas leichteres Gipfelziel für den morgigen Tag aussuchen. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich neben dem Schottmalhorn und dem Funtenseetauern auch der Viehkogel (2158 m.)  -  direkt über der Hütte ragen seine wilden Nordabstürze in den Himmel.

[Bild: Funtensee 1601 m.  -  darüber von links: Funtenseetauern 2578 m.  -  Grießkogel 2543 m.  -  Schottmalhorn 2225 m. und Brandenberg 2300 m.]

Nach einiger Zeit erreichen schließlich zwei weitere Bergsteiger das Kärlingerhaus. Gemeinsam suchen wir den sehr gemütlichen Winterraum des Kärlingerhauses auf und richten uns häuslich ein. Auch sie wissen noch nicht genau, wie sie die nächsten 2 Tage angehen sollen. Ich schlage ihnen vor, morgen zum Ingolstädter Haus zu wandern, von wo aus man dann noch den Großen Hundstod (2594 m.) besteigen könnte. Am dritten Tag könnte man schließlich über das Hundstodgatterl, den Trischübelpass und die Sigeretplatte zurück nach St. Bartholomä wandern. Ihnen gefällt die Idee – damit steht der Plan für den morgigen Tag: Am Vormittag zum Ingolstädter Haus und dann am frühen Nachmittag auf den Großen Hundstod. Ob die beiden morgen ebenfalls den Gipfel angehen werden, wissen sie nicht – sie wollen den morgigen Tag eigentlich eher gemütlich angehen (auch wenn ich ihnen versichere, dass der Große Hundstod für sie konditionell und vor allem auch technisch in jedem Fall machbar ist)  -  Einige Zeit später leisten uns schließlich auch noch ein Vater und sein Sohn Gesellschaft. Sie werden morgen den Übergang zur Wasseralm angehen und am darauffolgenden Tag wollen sie das Große Teufelshorn besteigen, um wiederrum einen Tag später über die Gotzenalm nach Kessel abzusteigen – eine nicht weniger eindrucksvolle und landschaftlich ebenfalls herausragend schöne Tourenidee! Gemeinsam verbringen wir zu fünft einen geselligen und lustigen Abend (meine beiden neuen Bergkameraden haben sogar jeweils 1 Liter Wein hochgeschleppt!) und unterhalten uns über vergangene Bergtouren.

[Bild: Funtenseetauern 2578 m.  -  Lederköpfe und Grießkogel 2543 m.]

[Bild: Das Schottmalhorn 2225 m. ist der dominierende Berg des Funtenseekessels]

[Bild: Schottmalhorn 2225 m. und Brandenberg 2300 m.]

[Bild: Schottmalhorn 2225 m.  -  Brandenberg 2300 m. und Viehkogel 2158 m.]

Am Ende gehen wir auch erst relativ spät schlafen und ich freue mich, dass ich die nächsten zwei Tage nun doch nicht alleine unterwegs sein werde. Aufgrund des stabilen Südföhnes mache ich mir auch keine Sorgen wegen des Wetters – es wird auch morgen ein fantastischer Tag werden! Schließlich denke ich mir auch, dass der morgen geplante Übergang zum Ingolstädter Haus mit anschließender Besteigung des Großen Hundstodes wohl die beste bzw. sinnvollste Tourenoption ist – in jedem Fall dürfte der morgige (Gipfel-)Tag landschaftlich wirklich herausragend schön werden.

2. Tag        Kärlingerhaus  -  Ingolstädter Haus  -  Hundstodscharte  -  Großer Hundstod  -  Hundstodscharte  -  Ingolstädter Haus

Wie ich am nächsten Morgen feststelle, haben es meine neuen Bergkameraden mit dem Frühaufstehen (und noch weniger mit dem frühen Aufbruch) nicht so sehr. Während der Vater und sein Sohn bereits relativ früh Richtung Wasseralm aufgebrochen sind, lassen die beiden es wesentlich ruhiger angehen (vielleicht bin es aber auch mittlerweile einfach gewohnt  -  in den Bergen  -  früh aufzustehen)

[Bild: Morgenimpressionen beim Kärlingerhaus  -  hinter dem Funtenseetauern geht langsam die Sonne auf]

In jedem Fall ist das Wetter wieder fantastisch und nach einiger Zeit machen wir uns schließlich auf in Richtung Ingolstädter Haus.

[Bild: Viehkogel 2158 m.]

Vom Kärlingerhaus geht es auf dem tief verschneiten Weg 420 zunächst  Richtung Westen. Über eine teilweise bewaldetet Flanke steigen wir bergauf zum Punkt (1759 m.)

[Bild: Blick zurück zum eisigen Funtenseetauern 2578 m.]

Von hier aus ist neben dem Weiterweg zum Ingolstädter Haus auch der Übergang zum Riemannhaus durch das Viehkogeltal (mit optionaler Besteigung des Viehkogels) möglich. Unterhalb der Nordausläufer des Viehkogels erreichen wir in einem lichten Nadelwald nach einiger Zeit schließlich ein Hinweisschild. Der ursprüngliche Weg geradeaus weiter ist nicht mehr begehbar, daher geht es in einem Bogen über Schnee – und zuletzt wieder auf trockenem Untergrund – bis unterhalb der Hirsch Südflanke.

[Bild: Blick zur felsigen Hirsch Südflanke]

Von dort folgen wir dem einfach begehbaren Weg zwischen Felsblöcken und Latschenkiefergewächsen noch ein Stück westwärts bis zum Punkt (1876 m.) – welcher auch als „In der Eul“ bezeichnet wird. Von hier aus ist theoretisch die Besteigung des Großen Hirsches (1993 m.) möglich, welche aber so gut wie nie angegangen wird – unter anderem, weil man sich oben sehr mühsam durch Latschenkiefergewächse schlagen muss. Abgesehen davon, haben wir von hier eine grandiose Aussicht über den westlichen Teil des Steinernen Meeres: Fern im Westen erkenne ich den imposanten Großen Hundstod (2594 m.) und seinen markanten Nebengipfel – den Punkt (2401 m.)  -  Südwestlich unterhalb liegt der unscheinbare Kleine Hundstod (2263 m.) und auch das noch weit entfernte Ingolstädter Haus (2119 m.) kann ich ausmachen. Während südlich der Hütte die Schindlköpfe in den Himmel ragen, präsentiert  sich beim Blick zurück der massige Funtenseetauern (2578 m.) in all seiner eisigen Pracht. Erfreut stelle ich fest, dass sowohl der Große Hundstod, als auch der überwiegende Teil des westlichen Steinernen Meeres um das Ingolstädter Haus scheinbar weitgehend frei von Schnee ist – war ich bis dato an den tief verschneiten Funtenseekessel gewöhnt, stellt dieser Ausblick eine erfreuliche Abwechslung dar.

[Bild: Blick zum Großen Hundstod 2594 m.  -  in der Mitte das Ingolstädter Haus 2119 m.]

Meine beiden neuen Bergfreunde wollen eine etwas längere Pause machen und daher – auch weil ich tendenziell deutlich schneller gehe – mache ich mich schon einmal auf den Weg weiter in Richtung Ingolstädter Haus. Wir vereinbaren, dass wir uns wieder bei der Hütte treffen. Angesichts der Distanz zwischen dem Punkt (1876 m.) und dem Gipfel des Großen Hundstodes (2594 m.) sind sie sich ziemlich sicher, dass sie heute nur bis zum Ingolstädter Haus wandern werden. Schließlich mache ich mich alleine auf den Weg.

[Bild: Blick über den nordwestlichen Teil des Steinernen Meeres zum Großen Hundstod 2594 m.]

Vom Punkt (1876 m.) geht es zunächst über schneebedeckte Felsblöcke und Geröll in einem Bogen bergab. Südwestlich der Hirschwand steige ich abwärts in eine große schneegefüllte Mulde.

[Bild: In einem Bogen geht es bergab in eine schneegefüllte Mulde  -  links der Große Hundstod 2594 m.  -  rechts der Schneiber 2330 m.]

Aus dieser leiten die Markierungen über verkarstete Felsformationen – und Blöcke nach Norden bis an den unteren Rand der mächtigen Südwand des Schneibers.

[Bild: Mit Blick zum Großen Hundstod geht es unterhalb der Schneiber Südwand auf einem gerölligen Weg bergauf]

Dort angekommen, habe ich erstmals freie Sicht zum langgezogenen Hauptkamm des Steinernen Meeres. Von den Schindlköpfen zieht ein langer Grat bis zum Breithorn und weist so unbekannte Gipfel wie das Hollermaißhorn (2298 m.)  -  den Schartenkopf (2308 m.)  -  das Aulhorn (2481 m.) oder das Achselhorn (2467 m.) auf. All diese Gipfel können in einer langen und alpinen – jedoch technisch relativ unschwierigen – Überschreitung bestiegen werden.

[Bild: Über den Hauptkamm des Steinernen Meeres  -  vom Breithorn bis zu den Schindlköpfen  -  führt eine lange, hochalpine Route]

[Bild: Blick über das Steinerne Meer zur Schönfeldspitze 2653 m.  -  links daneben das Selbhorn 2655 m.]

Direkt unterhalb der Südwand des Schneibers folge ich einem gerölligen Steig durch das sogenannte „Himmelreich“ bergauf. Und tatsächlich fühle ich mich wie im Himmel, weitet sich mit jedem Höhenmeter doch das Panorama – inzwischen kann ich im Südosten auch die Schönfeldspitze (2653 m.) und das Selbhorn (2655 m.)  -  die beiden höchsten Gipfel des Steinernen Meeres  -   erkennen.

[Bild: Unterhalb der Schneiber Südwand folge ich dem markierten Weg über Blockwerk und Geröll weiter in Richtung Nordwesten  -  im Hintergrund der Große Hundstod 2594 m.]

Der geröllige und teilweise erdige Steig leitet konstant aufwärts in westliche Richtung. Aus einer blockreichen Ebene geht es geradeaus bergauf und schließlich leitet der Weg – oberhalb einer steilen Grasflanke – hinauf zu einer Anhöhe.

[Bild: Die „endlosen Weiten“ des Steinernen Meeres]

Von dort folge ich dem Weg um einen grasbewachsenen Vorsprung herum und mit einem Mal habe ich den Großen Hundstod und seinen schroffen Nebengipfel – den Punkt (2401 m.) – vor Augen. Von hier – von Osten – präsentiert sich der Hundstod als wuchtige Felspyramide, an Eleganz wird er jedoch von seinem namenlosen Nebengipfel übertroffen, der als einschüchternd-schroffer Felszahn auffällt – ich würde ihn daher „Hundszahn“ nennen – vielleicht setzt sich dieser Name ja irgendwann durch […]?

[Bild: Großer Hundstod 2594 m.]

[Bild: Großer Hundstod 2594 m. und Punkt 2401 m.]

Über Blockwerk, Geröll und Schutt leitet der stets bestens markierte Weg schließlich eben zum Punkt (2010 m.)  -  von wo aus es zum einen weiter zum Ingolstädter Haus, zum anderen aber auch bergauf zum Hundstodgatterl geht. Morgen wird dieser Punkt daher das erste Etappenziel sein – heute ist aber erst einmal das Ingolstädter Haus an der Reihe. Vom Punkt (2010 m.) habe ich einen guten Überblick über den weiteren Wegverlauf und da mich der Große Hundstod jetzt auch enorm reizt, verliere ich keine weitere Zeit.

[Bild: Blick über den weiteren Wegverlauf Richtung Ingolstädter Haus]

Ich folge dem Weg (420 / 411) oberhalb gerölliger und blockreicher Flanken zunächst ein Stück bergab in Richtung Westen.

[Bild: Auf einem gerölligen Weg geht es unterhalb der Hundstod Südostabstürze Richtung Ingolstädter Haus]

Unterhalb der Südostausläufer des Großen Hundstodes geht es schließlich in einem Bogen in das unübersichtliche Karstgebiet unterhalb des Ingolstädter Hauses. Während ich den Markierungen schließlich über Geröll, Blockwerk und Karstformationen in Richtung Südwesten folge – und ich mich dabei immer mehr vom Großen Hundstod entferne – steigt in mir die Vorfreude auf das Erreichen der Hütte.

[Bild: Über Karstformationen, Blockwerk und Geröll leiten die Markierungen zum Ingolstädter Haus]

[Bild: Steinernes Meer  -  im Hintergrund von links: Funtenseetauern 2578 m.  -  Grießkogel 2543 m.  -  Brunnsulzengrat  -  Selbhorn 2655 m. und Schönfeldspitze 2653 m.]

Das Ingolstädter Haus stets vor Augen – geht es in einigem Auf und Ab über schneebedeckte Karstflächen, Felsblöcke und Geröll Richtung Süden und schließlich erreiche ich nach etwas weniger als drei Stunden die Hütte.

[Bild: Ingolstädter Haus 2119 m.]

Das Ingolstädter Haus (2119 m.) ist eine Alpenvereinshütte der Sektion Ingolstadt des DAV und liegt südlich unterhalb des Großen Hundstodes, östlich des Dießbachstausees, am nordwestlichen Rand des Steinernen Meeres in der Nähe des deutsch-österreichischen Grenzgebietes – im Bundesland Salzburg. Die Hütte ist in der Regel von Anfang/Mitte Juni bis Anfang Oktober geöffnet und verfügt über 25 Betten – sowie 90 Lagerschlafplätze, wobei außerdem noch 20 Notlager und der stets offene Winterraum mit 12 Schlafplätzen zur Verfügung stehen. Das Ingolstädter Haus wurde in den Jahren 1928/29 erbaut und 1932 durch die Schaffung des „Eichstätter Weges“ mit dem Riemannhaus verbunden. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 setzte eine Grenzsperre ein und die Hütte wurde bis 1936 geschlossen. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich wurde die Hütte bis 1943 weiter bewirtschaftet, bis sie schließlich aufgrund der immer schlimmeren Kriegsverhältnisse geschlossen werden musste. Nach dem Krieg wurde die Hütte stetig erweitert und modernisiert. 1961 wurde der Zustieg durch den Bau des Dießbachstausees erheblich vereinfacht. 1973 wurde schließlich durch die Inbetriebnahme einer Materialseilbahn die langfristige Versorgung der Hütte sichergestellt. In den darauffolgenden 25 Jahren wurde das Ingolstädter Haus weiter modernisiert und vergrößert, um auch in der heutigen modernen Zeit – in der immer mehr Menschen die Alpen aufsuchen – zu bestehen [mehr Informationen zur Hüttenchronik und zum Ingolstädter Haus allgemein: http://de.wikipedia.org/wiki/Ingolstädter_Haus). Die Hütte kann über eine Vielzahl von markierten Wegen erreicht werden – sie sind jedoch alle verhältnismäßig lang und anstrengend: 4,5 Stunden dauert in etwa der kürzeste Zustieg von Pürzlbach oberhalb von Weißbach bei Lofer, 5 Stunden nimmt der steile und teilweise ausgesetzte Zustieg von Diesbach über den Dießbachsteig in Anspruch. Dagegen sind die Zustiege von Norden – von deutscher Seite her – ausschließlich stramme Tagestouren: Während der Weg von St. Bartholomä über die Sigeretplatte, den Trischübelpass und das Hundstodgatterl gute 6 Stunden dauert, muss man bei der Variante durch das Wimbachtal mit 6,5 Stunden rechnen. Neben diesen langen und klassischen Zustiegen kann man das Ingolstädter Haus aber auch in Folge einer Vielzahl an landschaftlich herausragend schönen Hüttenübergängen erreichen: Die markierten und teils anspruchsvollen Wege zur Wimbachgrieshütte (entweder über Trischübelpass oder Loferer Seilergraben)  -  zum Kärlingerhaus, oder zur Peter-Wiechenthaler-Hütte werden jedoch heutzutage vom Eichstätter Weg zum Riemannhaus  -  zumindest was die Beliebtheit angeht  -  übertroffen, hat sich dieser Übergang doch zu einer der am meisten begangenen Touren der Berchtesgadener Alpen entwickelt. Aufgrund seiner isolierten Lage am nordwestlichen Rand des Steinernen Meeres bietet das Ingolstädter Haus nur eine recht eingeschränkte Auswahl an Touren – bzw. Gipfeloptionen. Mit dem Großen Hundstod (2594 m.) liegt immerhin einer der markantesten und aussichtsreichsten Berge der gesamten Berchtesgadener Alpen  in unmittelbarer Nähe. Auch der Kleine Hundstod (2263 m.) und der Schindlkopf (2367 m.) werden regelmäßig bestiegen. Dagegen bleiben der hochalpine Gratübergang von den Schindlköpfen über das Hollermaißhorn, den Schartenkopf, das Achselhorn, das Mitterhorn und das Breithorn zum Riemannhaus sowie die Besteigung des Schneibers (2330 m.) einsame und selten begangene Individualtouren für erfahrene, versierte und klassische Allroundbergsteiger „alter Schule“. Abgesehen davon ist das Ingolstädter Haus auch ein wichtiger Stützpunkt auf der – weit über die Grenzen des Berchtesgadener Landes bekannten – „Großen Reibn“, jener langen und anspruchsvollen (jedoch landschaftlich grandiosen) Skitour. Das Ingolstädter Haus (2119 m.) gehört wegen seiner vielfältigen und landschaftlich wirklich einmalig schönen Hüttenübergangs – und Gipfeloptionen sowie aufgrund der fantastischen Lage am nordwestlichen Rand des Steinernen Meeres („Das Ingolstädter Haus ist die einzige bewirtschaftete Hütte, die eine ungehinderte Übersicht über die Hochfläche des Steinernen Meeres gewährt“, J. Burghardt) mit Blick zu den Loferer – und Leoganger Steinbergen, zum Großen Hundstod, zur Schönfeldspitze und zum Funtenseetauern, zu den interessantesten und eindrucksvollsten Berghütten der Berchtesgadener Alpen.

[Bild: Blick vom Ingolstädter Haus über das Steinerne Meer zur Schönfeldspitze 2653 m.]

Nachdem ich mich vergewissert habe, dass der Winterraum offen und frei zugänglich ist (man will ja auf Nummer sicher gehen)  -  mache ich mich nach gut 10 Minuten Pause an den Aufstieg zum Großen Hundstod. Allzu sehr will ich mich nämlich nicht entspannen bzw. die Aussicht genießen. Das kann ich hinterher – wenn ich oben auf dem Gipfel war – auch noch machen, wobei der Große Hundstod und seine vielgerühmte Aussicht mich jetzt natürlich ebenfalls sehr reizen. Wer sich bei solchem Kaiserwetter – bzw. bei einem solch attraktiven und dabei technisch relativ unschwierigen Gipfelziel – nicht (sofort) auf den Weg macht, ist selbst schuld.

Vom Ingolstädter Haus folge ich daher dem ausgeschilderten und markierten Weg zunächst in nördliche Richtung.

[Bild: Auf geht´s zum Großen Hundstod]

[Bild: Ingolstädter Haus 2119 m.  -  links im Hintergrund die Schönfeldspitze 2653 m.  -  rechts die Schindlköpfe]

Direkt vor mir baut sich der Große Hundstod auf – von dieser Seite, ein einziger wuchtiger Schrofenhaufen! Zunächst leiten die Markierungen unschwierig über Blockwerk, Geröll und Karstformationen sanft aufwärts in eine kleine – teilweise begrünte – Mulde.

[Bild: Auf dem Weg zur Hundstodscharte]

Aus dieser geht es schräg nach Nordwesten über einen begrünten Schutt – und Geröllhang bergauf in die Hundstodscharte. Dieser weite und teilweise grasbewachsene Geröllsattel trennt den Großen – vom Kleinen Hundstod.

[Bild: Die Hundstodscharte trennt den Großen vom Kleinen Hundstod]

Bereits jetzt ist die Aussicht über das Steinerne Meer und in Richtung Hohe Tauern absolut fantastisch. Von der Hundstodscharte steige ich schließlich über Geröll, Blockwerk und Schutt nach Norden bis an den Gipfelaufbau des Großen Hundstodes heran.

[Bild: Über Geröll und Blockwerk geht es an den Gipfelaufbau heran]

Unvermittelt wird das Gelände steil – eine erste leichte Kletterstelle (Schwierigkeit I) muss überwunden werden, bei den glücklicherweise trockenen Verhältnissen wie ich sie hier Mitte Oktober vorfinde – absolut unschwierig.

[Bild: Leichte Kraxelstelle im Schwierigkeitsgrad I]

Ein roter Pfeil leitet schräg nach rechts über die leichte Kletterstelle bergauf, bis es schließlich neben einer grasbewachsenen Schrofenflanke wieder geradeaus aufwärts geht.

[Bild: Aufstieg über eine grasige Schrofenflanke]

In einem Bogen steige ich bis unter eine Wandflucht. Unterhalb dieser geht es über Geröll weiter schräg nach links bergauf. Anschließend wird das Felsgelände etwas unübersichtlicher, die Markierungen und deutlichen Weg –bzw. Begehungsspuren vermitteln aber den schnellsten Aufstieg.

[Bild: Steil und felsig  -  aber vollkommen unschwierig  -  geht es bergauf]

Über Blockwerk, Geröll und felsige Schrofen geht wiederrum nach rechts bergauf. Nach der unschwierigen Querung eines grasigen – bzw. felsdurchsetzten Hanges und einer Geröllflanke, leiten die Markierungen anschließend über geröllige Schrofen – steil, aber unschwierig – aufwärts (teilweise leichte Kraxelstellen).

[Bild: Querung steiler und schroffer Gras - bzw. Geröllflanken]

Oberhalb erkenne ich  -  noch ein gutes Stück entfernt  -  schließlich das Gipfelkreuz. Ich folge dem markierten Steig in einigen Kehren zunächst über grasige Schrofen und später über einen blockreichen Hang schräg nach rechts bergauf.

[Bild: Die Markierungen leiten über grasige Schrofen bergauf]

Nach kurzer Zeit erreiche ich den obersten Gipfelhang des Hundstodes.

[Bild: Das Gelände ist durchweg stark felsig, aber stets gut markiert und technisch unschwierig]

Auf einer markanten, mit rötlich-braunem Geröll und Schutt bedecken Schneise steige ich zwischen schroffen Felsformationen weiter aufwärts, bis es schließlich über Blockwerk und Geröll schräg nach rechts bergauf bis unter das Gipfelkreuz geht.

[Bild: Über Felsblöcke, Geröll und Schroffen steige ich schräg bergauf Richtung Gipfelkreuz]

[Bild: Über Schroffen geht es bergauf zum Gipfelkreuz]

Über schroffe Felsen und Geröll leiten die Markierungen das letzte Stück hinauf zum Gipfel des Großen Hundstodes (2594 m.)  -  Begünstigt durch die stabile Föhnlage, habe ich eine wirklich atemberaubende Aussicht auf weite Teile der Berchtesgadener Alpen und in Richtung Hohe Tauern: Im Nordosten ragt direkt gegenüber die imposante Watzmann Südflanke in den Himmel. Links daneben erkenne ich in der Ferne den Untersberg. Im Norden erhebt sich über dem Wimbachtal die Hochkalter-Gruppe. Eindrucksvoll sind zudem auch die Fernblicke zu den Loferer – und Leoganger Steinbergen im Westen. Nach Süden hin schweift der Blick über die tief verschneiten Zentralalpen zum Großvenediger und zur Glocknergruppe – und sogar der Zeller See ist erkennbar. Aufgrund der isolierten Randlage des Großen Hundstodes habe ich vom Gipfel aber auch eine fantastische Aussicht über den größten Teil des Steinernen Meeres – Schönfeldspitze, Selbhorn, Funtenseetauern und Hochkönig ragen in einiger Entfernung in den Himmel. Richtung Osten bzw. Nordosten kann ich die Teufelshörner, den Kahlersberg, den Schneibstein und den Hohen Göll ausmachen. Neben all den gigantischen Fernblicken, ist die unmittelbare Umgebung des Gipfels jedoch ebenfalls zu beachten: Während die schroffe Südflanke des Großen Hundstodes weitgehend frei von Schnee ist, zeigen sich seine wilden Nordwestabstürze stark vereist und abweisend. Beim Blick nach Osten erkenne ich die Hundstodgrube – durch welche morgen der Rückweg nach St. Bartholomä über den Trischübelpass erfolgen wird – und darüber Gjaidkopf und Schneiber. Im Nordwesten fallen dagegen die zerklüfteten Palfelhörner und die langgezogene Kühleitenschneid auf. Ich mache es mir auf dem Gipfel (so gut es geht) gemütlich – auch wenn ein starker Wind weht – und genieße die grandiose Aussicht.

[Bild: Watzmann Südspitze 2712 m.  -  links im Hintergrund der Untersberg 1973 m.  -  rechts im Hintergrund der Hohe Göll 2522 m.]

[Bild: Blick in Richtung Wimbachtal  -  links der Hochkalter 2607 m.  -  rechts die Watzmann Südspitze 2712 m.  -  in der Ferne der Untersberg 1973 m.]

[Bild: Blick in Richtung Pinzgau  -  links ein Teil des Zeller Sees  -  rechts die Leoganger Steinberge  -  in der Ferne die Hohen Tauern]

[Bild: Auf dem Gipfel des Großen Hundstod  -  rechts im Hintergrund der Hochkönig 2941 m.]

[Bild: Tiefblick über den vereisten Ostgrat  -  in der Mitte Gjaidkopf 2268 m. und Schneiber 2330 m. mit dem Gjaidgraben dazwischen  -  links die Hirschwiese 2114 m.  -  im Hintergrund Hoher Göll 2522 m.  -  Schneibstein 2276 m.  -  Kahlersberg 2350 m. und Hagengebirge]

[Bild: Steinernes Meer  -  links der Funtenseetauern 2578 m.  -  in der Mitte die Schönfeldspitze 2653 m.  -  im Hintergrund der Hochkönig 2941 m.]

[Bild: Auf dem Gipfel des Großen Hundstodes 2594 m.  -  rechts im Hintergrund die Hocheisgruppe  -  links hinter dem Gipfel die Loferer Steinberge]

[Bild: Tiefblick über den nordwestlichen Teil des Steinernen Meeres  -  im Hintergrund der Pinzgau mit dem Zeller See und in der Ferne die Glocknergruppe]

Nach einiger Zeit erreichen zwei weitere Bergsteiger – in Begleitung eines Hundes – den Gipfel. Sie sind von Weißbach in einem Zug herauf gekommen und wollen heute auch wieder absteigen – eine stramme Tagestour! Nachdem wir von uns gegenseitig Gipfelfotos gemacht haben, mache ich mich schließlich an den Abstieg.

[Bild: Auf dem Gipfel des Großen Hundstodes 2594 m.]

Auch wenn Wetter und Aussicht wirklich einmalig schön sind, so ist es aufgrund des stärker werdenden Windes doch nicht wirklich gemütlich auf dem Gipfel.

Vom Gipfel geht es – den Markierungen folgend – über eine erdige Blockwerk – und Geröllflanke schräg hinab.

[Bild: Abstieg vom Gipfel des Großen Hundstodes über eine geröllige und schuttreiche Flanke]

Über die markante rötlich-braune Geröllschneise steige ich abwärts, bis es schließlich auf dem – teilweise grasigen – Schrofensteig über die Hundstod Südflanke schräg nach rechts bergab geht.

[Bild: Blick über die Weiten des Steinernen Meeres  -  im Vordergrund ein namenloser - aber äußerst markanter - Felsturm]

Immer wieder prägen leichte Kraxelstellen, geröllige – bzw. blockreiche Hänge und felsige Schrofen den Steig, es geht jedoch insgesamt zügig und problemlos bergab.

[Bild: Abstieg über die schroffe  -  teilweise grasbewachsene  -  Südflanke des Großen Hundstodes]

Schließlich leiten die Markierungen über felsige Schrofen, Schutt und Blockwerk abwärts und vom unteren Teil der Südflanke geht es weiter in die Hundstodscharte.

[Bild: Blick zurück zum Großen Hundstod 2594 m.]

Zwar hätte ich hier noch die Möglichkeit, den Kleinen Hundstod zu besteigen, ich lasse ihn jedoch rechts liegen und gehe direkt weiter in Richtung Ingolstädter Haus. Von der Hundstodscharte geht es zunächst über einen begrünten Schutt – und Geröllhang sanft bergab. Anschließend leiten die Markierungen über – teilweise grasbewachsene – Karstformationen und Blockwerk unschwierig weiter in Richtung Ingolstädter Haus.

[Bild: Über Karstformationen und felsige Schrofen geht es bergab zum Ingolstädter Haus]

Drei Stunden nach meinem Aufbruch zum Großen Hundstod erreiche ich schließlich wieder die Hütte, wo meine beiden Freunde bereits auf mich warten.

[Bild: Ingolstädter Haus 2119 m.]

[Bild: Großer Hundstod 2594 m.  -  von Süden]

Sie berichten mir, dass sie – nachdem sie die Hütte schließlich erreicht hatten – zwar überlegt hätten, ebenfalls den Großen Hundstod anzugehen (da auch für sie ein Gipfel etwas Besonderes gewesen wäre) – die Aussicht auf ein paar entspannte Stunden auf der sonnigen Hüttenterrasse habe aber dann letztendlich den Ausschlag gegeben, was ich nur allzu gut verstehen kann. Nachdem wir unsere Sachen im Winterraum verstaut haben, verbringen wir den restlichen Tag damit, zu entspannen, Fotos zu machen und die fantastische Aussicht von der Hütte zu genießen.

[Bild: Blick vom Ingolstädter Haus über die Weiten des Steinernen Meeres  -  links Funtenseetauern 2578 m. und Grießkogel 2543 m.  -  rechts die Schönfeldspitze 2653 m.  -  in der Mitte der lange Brunnsulzengrat]

Da heute niemand anderes mehr bei der Hütte eintrifft, haben wir die gesamte Umgebung für uns alleine.

[Bild: Gemeinsam verbringen wir - in absoluter Einsamkeit - ein paar entspannte Stunden vor der Hütte  -  im Hintergrund die Schindlköpfe]

Da das Ingolstädter Haus als einzige Berghütte des Steinernen Meeres eine ungehinderte Sicht über die Hochfläche gewährt, kann man sich kaum vorstellen, wie grandios die Aussicht ist – man muss sie erlebt haben!

[Bild: Blick vom Ingolstädter Haus über das Steinerne Meer]

Besonders später am Abend, als hinter den Lofer Steinbergen langsam die Sonne untergeht und der Funtenseetauern, das Selbhorn und – vor allem – die Schönfeldspitze in ein warmes, helles – später rotes – Licht getaucht werden, fühlt man sich hier oben, am nordwestlichen Rand des Steinernen Meeres, Stunden von jeglicher Zivilisation entfernt, dem Bergsteigerhimmel ein Stück näher.

[Bild: Sonnenuntergang hinter den Leoganger Steinbergen]

[Bild: Funtenseetauern 2578 m. und Grießkogel 2543 m.]

[Bild: Schönfeldspitze 2653 m.  -  dahinter das Selbhorn 2655 m.  -  rechts der Wurmkopf 2451 m.]

Beim Blick über die scheinbar endlosen Weiten dieser verkarsteten Hochfläche macht es mich fast schon ein bisschen wehmütig, dass ich morgen schon wieder zurück nach St. Bartholomä muss – immerhin stünden beispielsweise mit dem Weiterweg zum Riemannhaus, der optionalen Besteigung des Breithorns und dem Weg über den Brunnsulzengrat zur Wasseralm weitere grandiose Tourenoptionen bereit. Aber – alles zu seiner Zeit. Nachdem wir schließlich noch kurz den morgigen Plan besprochen haben, welcher aber im Grunde schon seit gestern Abend steht, gehen wir schließlich um einiges früher zu Bett, als noch am Tag zuvor (was vielleicht auch an dem mittlerweile fehlenden Wein liegen dürfte)

[Bild: Fantastische Impressionen während des Sonnenuntergangs hinter den Leoganger Steinbergen]

3. Tag        Ingolstädter Haus  -  Hundstodgatterl  -  Hundstodgrube  -  Trischübelpass  -  Sigeretplatte  -  Schrainbachalm  -  St. Bartholomä

Am nächsten Morgen stehen wir – vor allem hinsichtlich der Zeitplanung – relativ früh auf und werden schließlich Zeugen eines großartigen Naturschauspiels.

[Bild: Blick über das Steinerne Meer zur Schönfeldspitze 2653 m.  -  rechts von ihr der unscheinbare Wurmkopf 2451 m.  -  ganz rechts die Schindlköpfe]

Während das Steinerne Meer noch tief im Schatten liegt, erstrahlt der Große Hundstod in einer geradezu mystisch-roten Farbe.

[Bild: Großer Hundstod 2594 m.]

Da man für den Weg vom Ingolstädter Haus nach St. Bartholomä mit etwa 5-6 Stunden Gehzeit rechnen muss, brechen wir diesmal deutlich früher auf, als noch am Tag zuvor. Nachdem wir uns organisiert und alles gepackt haben, machen wir uns schließlich auf nach St. Bartholomä – das erste Etappenziel wird dabei das Hundstodgatterl sein. Schon Horst Höfler beschrieb den Weg über den Trischübelpass und das Hundstodgatterl zum Ingolstädter Haus als den „großzügigste[n] und interessanteste[n]“ Zugang zum Steinernen Meer – und auch ich bin sicher, dass der heutige Tag landschaftlich einnehmend schön werden wird.

Vom Ingolstädter Haus folgen wir den Markierungen in einigem Ab und Ab über – teils schneebedeckte – Karstformationen, Felsblöcke und Geröll in Richtung Nordosten bis unter die südöstlichen Ausläufer des Großen Hundstodes.

[Bild: Vom Ingolstädter Haus geht es über Karstformationen, Felsblöcke und Geröll in Richtung Nordosten]

[Bild: Ingolstädter Haus 2119 m.  -  links die Schindlköpfe]

Unterhalb steiler Felswände folgen wir einem gerölligen Steig in einem Bogen unschwierig bergauf und erreichen nach kurzer Zeit oberhalb steiler Blockwerk – und Geröllflanken den Punkt (2010 m.)

[Bild: Aufstieg zum Punkt 2010 m.  -  rechts im Hintergrund der Schneiber 2330 m.]

Schon jetzt ist das Panorama großartig – der Blick schweift über die Weiten des Steinernen Meeres bis zum Hauptkamm und zur majestätischen Schönfeldspitze (2653 m.)

[Bild: Blick über den nordwestlichen Teil des Steinernen Meeres zum Ingolstädter Haus 2119 m.] 

Vom Punkt (2010 m.) geht es schließlich – den Markierungen folgend – auf einem gerölligen und stark felsigen Weg bergauf in nordwestliche Richtung. Der an einigen Stellen etwas steile und stark felsige Aufstieg zum Hundstodgatterl ist technisch vollkommen unschwierig, nichtsdestotrotz ist Trittsicherheit unbedingt erforderlich.

[Bild: Aufstieg zum Hundstodgatterl]

Den steilen Punkt (2401 m.) vor Augen, geht es über Karstflächen und Felsformationen – nur mäßig ansteigend – aufwärts in die weite Ebene des Hundstodgatterls (2188 m.)

[Bild: Über Karstflächen und Felsformationen geht es empor zum Hundstodgatterl  -  links der Große Hundstod 2594 m. und der Punkt 2401 m.]

Diese bedeutende Scharte trennt den Schneiber (2330 m.) im Osten vom Punkt (2401 m.) des Großen Hundstodes im Westen und ermöglicht beispielsweise den Übergang vom Wimbachtal ins Steinerne Meer.

[Bild: Das Hundstodgatterl wird überragt vom imposanten Punkt 2401 m.]

Die Aussicht vom Hundstodgatterl über das Steinerne Meer ist natürlich grandios – neu ist jedoch vor allem der überraschende Ausblick zur gewaltigen Watzmann Südflanke. Wie so vielen anderen vor mir, erscheint es angesichts der Steilheit der Flanke kaum vorstellbar, dass da ein vielbegangener und markierter Weg durchführt.

[Bild: Blick zur grandiosen Watzmann Südspitze 2712 m.  -  links die Griesspitze 2257 m.  -  rechts der Kleine Watzmann 2307 m.]

Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf den Weg Richtung Trischübelpass. Wir folgen dem markierten Weg über Felsblöcke und Geröll sanft bergab, müssen jedoch angesichts der vereisten Felsen besonders aufmerksam und konzentriert sein.

[Bild: Beim Abstieg vom Hundstodgatterl ist Trittsicherheit grundsätzlich erforderlich]

Über Felsformationen und Geröll leiten die Markierungen schließlich bergab in die Hundstodgrube.

[Bild: Im oberen Teil der Hundstodgrube  -  links die Watzmann Südspitze 2712 m.]

[Bild: Blick zurück zur vereisten Felsflanke unterhalb des Hundstodgatterls]

An ihrem linken (westlichen) Rand geht es zunächst noch eben über Geröll und Schnee weiter in nordöstliche Richtung, nach kurzer Zeit steigen wir jedoch etwas steiler über vereiste Felsen bergab. Bei trockenen Verhältnissen im Hochsommer mag dieser Weg vollkommen unschwierig zu begehen sein, bei teils schneebedeckten und vereisten Felsen wie in unserem Fall sind jedoch besondere Umsicht und Konzentration erforderlich, immerhin können auch in der Hundstodgrube unglückliche Stürze böse Folgen haben.

[Bild: Blick in den unteren Teil der Hundstodgrube  -  im Hintergrund die Watzmann Südspitze 2712 m.  -  oberhalb der Mitte die Hirschwiese 2114 m.]

Im unteren Teil der Hundstodgrube folgen wir schließlich einem Steig an grasigen Flanken entlang bis zu einer Anhöhe. Von dort haben wir einen fantastischen Ausblick zur imposanten Watzmann Südflanke, aber auch der weite Trischübelpass ist nun in seiner ganzen Dimension einsehbar.

[Bild: Watzmann Südspitze 2712 m.  -  links die einsame Griesspitze 2257 m.  -  rechts die Hirschwiese 2114 m.]

[Bild: Tiefblick zum weiten Trischübelpass 1764 m.]

Nach einer kurzen Pause machen wir uns an den finalen Abstieg zum Pass. Auf einem gerölligen Steig steigen wir eine stark felsige – und an einigen Stellen schneebedeckte bzw. leicht vereiste – Flanke vorsichtig bergab. Teilweise ist der Weg etwas abschüssig und steil, jedoch insgesamt problemlos zu begehen.

[Bild: Abstieg von der Hundstodgrube Richtung Trischübelpass]

Schließlich leitet der Weg über einen teilweise grasbewachsenen Hang abwärts in eine schneebedeckte Mulde. Der Weg leitet eben durch sie hindurch und steigt auf der anderen Seite erneut kurz an.

[Bild: Blick zurück zur steilen Felsflanke, welche von der Hundstodgrube nach Nordosten hin abfällt  -  im Hintergrund der Große Hundstod 2594 m.]

Von einer Anhöhe geht es anschließend zwischen Latschenkiefergewächsen und Gräsern auf einem leicht felsigen Steig das letzte Stück bergab und nach etwa drei Stunden Gehzeit erreichen wir schließlich den Trischübelpass (1764 m.)

[Bild: Trischübelpass 1764 m.  -  er wird überragt von der Hirschwiese 2114 m.]

Der Trischübel („Türschwelle“) ist einer der bedeutendsten Pässe der Berchtesgadener Alpen und die Nahtstelle zwischen Watzmann und Steinernem Meer. Zudem ermöglicht er den Übergang vom Königssee ins Wimbachtal. Die Umrundung des Watzmann-Massivs  -  eine der beliebtesten und dabei weniger schwierigen Touren der Berchtesgadener Alpen  -  erreicht hier ihren höchsten Wegpunkt (es sei denn, man besteigt noch die über dem Pass aufragende Hirschwiese 2114 m.)  -  Abgesehen davon, ist der Trischübelpass Dreh – und Angelpunkt für den Aufstieg zum Hundstodgatterl bzw. für den weiteren Weg Richtung Steinernes Meer.

Da wir gut in der Zeit liegen und das Wetter auch nach wie vor ausgezeichnet ist, machen wir im Trischübelpass eine etwas längere Pause. Nach einer guten halben Stunde verlassen wir dieses idyllische Fleckchen Erde und machen uns auf den Weg nach St. Bartholomä. Vom Pass folgen wir dem ausgeschilderten und markierten Weg in östliche Richtung durch ein kleines Hochtal.

[Bild: Abstieg vom Trischübelpass nach St. Bartholomä]

Zwischen Latschenkiefern, Gräsern und einzelnen Nadelbäumen geht es unschwierig ein Stück bergab, bis wir – im Angesicht der gewaltigen Gjaidkopf Nordwand – das obere Ende einer Holztreppe erreichen.

[Bild: Der Abstieg vom Trischübelpass ist teilweise etwas ruppig und schroff]

[Bild: Gjaidkopf Nordwand]

Zwischen Felsenformationen steigen wir zügig bergab in ein raues Hochkar, welches durch die Hachelköpfe und den Gjaidkopf eingerahmt wird. Beim Blick Richtung Osten erkenne ich die beiden Teufelshörner und ich frage mich, ob der Vater und sein Sohn heute tatsächlich eines der beiden schroffen Hörner bestiegen haben. In dem Hochkar folgen wir einem gerölligen Steig in Kehren ein Stück abwärts.

[Bild: In dem Hochkar zwischen Hachelgrat und Gjaidkopf geht es auf einem gerölligen Weg bergab]

An einer Stelle lassen wir die Abzweigung nach rechts Richtung Oberlahneralm unbeachtet und steigen auf dem Steig weiter bergab in einen lichten Bergwald. Auf dem insgesamt einfach begehbaren Weg geht es direkt unterhalb der Hachelköpfe – teils drahtseilversichert, an einigen Stellen felsig und etwas rutschig – weiter sanft bergab.

[Bild: Auf dem Weg zur Sigeretplatte]

Schließlich leiten die Markierungen um eine Ecke herum zur berüchtigten Sigeretplatte. Oberhalb schwindelerregender – zum Schrainbachtal abbrechender – Felswände wurde vor vielen Jahren ein mit Holzleitern und Drahtseilen versicherter Steig in den Fels gesprengt. Zwar sind hier lediglich absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich (technisch ist die Sigeretplatte vollkommen unschwierig)  -  dennoch kommt es immer wieder vor, dass unsichere Wanderer umkehren müssen. Meinen beiden Freunden bereitet diese etwas anspruchsvollere Passage – ganz im Gegensatz zu mir – keine Freude und sie sind froh, als sie die Sigeretplatte hinter sich gebracht haben.

[Bild: Sigeretplatte  -  alles reine Nervensache]

[Bild: Holzleitern und Drahtseile entschärfen die Ausgesetztheit der Sigeretplatte]

Anschließend leiten die Markierungen über Schutt – und Geröllschneisen sanft abwärts, wobei die Umgebung zunehmend von Gräsern und Nadelbäumen geprägt wird.

[Bild: Blick zurück zur schroffen Felswand der Sigeretplatte  -  im Hintergrund der Gjaidkopf 2268 m.]

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Bergwald und in diesem geht es unschwierig bergab, bis wir schließlich wieder auf den Weg Richtung Saugasse stoßen. Nun haben wir keine nennenswerten Schwierigkeiten mehr zu erwarten und können die Tour entspannt ausklingen lassen. Zwischen lichten Nadelbäumen folgen wir dem Weg durch die Hachelklause bis zur Schrainbachalm. Oberhalb steiler – zum Schrainbach abfallender – Flanken geht es anschließend auf einem befestigten Steig eben in östliche Richtung. In einigen weiten Kehren steigen wir über eine bewaldete Flanke bergab zum Schrainbachfall.

[Bild: Abstieg zum Königssee]

[Bild: Blick über das südliche Ende des Königssees nach Salet  -  im Hintergrund die Teufelshörner über der Röth]

Schließlich geht es oberhalb vom Königssee an bewaldeten Steilflanken – und zuletzt an einer Felswand – nur mäßig absteigend zur Eisbachmündung. Der weitere Weg zurück nach St. Bartholomä – und in die Zivilisation – ist nur noch Formsache.

[Bild: St. Bartholomä]

[Bild: Auf dem Gipfel des Großen Hundstodes 2594 m.]

Nein! – ein Geheimtipp sind die hier begangenen und beschriebenen Wege über die Saugasse zum Kärlingerhaus, der Übergang zum Ingolstädter Haus sowie der Rückweg über das Hundstodgatterl, den Trischübelpass und die Sigeretplatte nach St. Bartholomä nicht. Gleiches gilt für den Großen Hundstod (2594 m.) – welcher zwischen Mitte Juli und Mitte Oktober bei schönem Wetter wirklich sehr häufig bestiegen wird. Warum also das Steinerne Meer bzw. den Großen Hundstod nicht einmal dann aufsuchen, wenn die Hütten bereits geschlossen haben (in der Regel ab Mitte Oktober)  -  denn eines ist vollkommen klar: Funtensee, Kärlingerhaus, Ingolstädter Haus und Großer Hundstod (bzw. das Steinerne Meer an sich) werden zu Recht und aus gutem Grund so stark frequentiert – bieten sie doch landschaftlich einmalig schöne Eindrücke, Ausblicke und Erlebnisse – und sie sind demjenigen, welcher die Mühen, Distanzen und Höhenmeter anständig bewältigt, auch absolut zu gönnen. Der Große Hundstod ist – so häufig er auch bestiegen wird – einer der markantesten und schönsten Berge der Berchtesgadener Alpen. Seine Besteigung zählt zu den begehrtesten klassischen Gipfeltouren des Steinernen Meeres. Die Aussicht auf weite Teile der Hohen Tauern, vor allem aber der Ausblick über den größten Teil des Steinernen Meeres sowie in Richtung Watzmann Südflanke – ist wahrlich beeindruckend und jeder, der den Gipfel (und ggf. auch das Ingolstädter Haus) – wie ich – an einem schönen Tag (fast) für sich alleine hat, der wird gestärkt und voller positiver Eindrücke in sein normales, alltägliches Leben zurückkehren. Nein! – ich habe sie nicht gehört – die Hunde vom grausamen König Watzemann. Und nein! – außergewöhnlich, besonders originell bzw. individuell oder gar schwierig ist diese Tour nicht gewesen. Dafür aber kann ich sagen, dass ich selten eine so eindrucksvolle, erlebnisreiche und genussvolle Bergtour in einer so atemberaubend schönen Gebirgswelt erleben durfte. Die Berchtesgadener Alpen – und speziell das Steinerne Meer bzw. der Große Hundstod – sind immer einen Besuch wert, besonders außerhalb der Hochsaison!

[Bild: Am Abend beim Ingolstädter Haus  -  im Hintergrund Steinernes Meer und Schönfeldspitze 2653 m.]

 

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