Walliser Alpen 2012 – Breithorn (4164 m.)  +  Castor (4223 m.)  +  Liskamm Westgipfel (4479 m.)  +  Schneedomspitze (4272 m.)  +  Vincent-Pyramide (4215 m.)  +  Balmenhorn (4167 m.)  +  Ludwigshöhe (4341 m.)

stefanmitterer.de

„Vom Breithorn zum Monte Rosa“ – Walliser 4000er (by fair means)

11. August  -  15. August 2012

[Bild: Balmenhorn 4167 m.]

Fünf-Tages-Tour in die Walliser Alpen. Aufstieg von Zermatt zur Gandegghütte. Am nächsten Tag Besteigung des Breithorn Westgipfels (by fair means) mit anschließendem Abstieg zum Rifugio Guide della Val D`Ayas. Am darauffolgenden Tag Besteigung und Überschreitung des Castors sowie Besteigung des Liskamm Westgipfels mit anschließendem Abstieg zum Rifugio Quintino Sella. Am nächsten Tag Besteigung und Überschreitung der Schneedomspitze, Querung des Ghiacciaio del Lis orientale und Besteigung der Vincent-Pyramide mit anschließendem Abstieg zur Capanna Gnifetti. Am darauffolgenden Tag Besteigung des Balmenhorns und der Ludwigshöhe mit anschließendem Abstieg über den Grenzgletscher zur Monte-Rosa-Hütte. Von dort über Grenz – und Gornergletscher zur Station Rotenboden des Gornergrates mit anschließender Fahrt nach Zermatt.

Walliser Alpen 2012 - Gesamtübersicht

organisiert von Oliver Fuhrmann und durchgeführt im Rahmen einer „DAV-Sektion Trostberg – Hochtourengruppe-Tour“  (8 Teilnehmer)

[Bild: Abstieg über den spaltenreichen Grenzgletscher zur Neuen Monte-Rosa-Hütte  -  im Hintergrund Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn - von links nach rechts]

5. Tag        Capanna Gnifetti  -  Ghiacciaio di Garstelet  -  Ghiacciaio del Lys orientale  -  Balmenhorn  -  Ludwigshöhe  -  Grenzgletscher  -  Monte-Rosa-Hütte  -  Grenzgletscher  -  Gornergletscher  -  Station Rotenboden (Gornergrat)

Schwierigkeit:   Balmenhorn:  PD-  oder  WS-   /   Ludwigshöhe:  PD-  oder  WS-

Charakter:  Der Zustieg zum Balmenhorn  führt über teils spaltenreiche Gletscher. Besonders oberhalb der Capanna Gnifetti (heikle Spaltenzone!) sowie westlich der Vincent-Pyramide (riesige Querspalten) ist große Vorsicht vonnöten. Bis zum Balmenhorn reiner Firnanstieg über weite Gletscherflächen (maximal 30° Grad) – aber in großer Höhe und daher bei fehlender Akklimatisation entsprechend anstrengend. Am Balmenhorn – einer markanten, aber nur wenig selbständigen Felsinsel – ist der nur wenige Minuten andauernde Gipfelanstieg mit Eisenbügeln und einem dicken Fixseil auf A0 entschärft. Auf dem Gipfel des Balmenhorns befinden sich eine große Christusstatue („Christo delle Vette“) sowie ein Biwak (Bivacco Felice Giordano al Balmenhorn – 6 Schlafplätze) – nichtsdestotrotz ist dies ein „wenig bedeutender Gipfel über 4000 m“ (UIAA), der dafür mit einer grandiosen Aussicht in Richtung Schwarzhorn, Vincent-Pyramide, Poebene, Gran Paradiso, Liskamm und Ghiacciaio del Lys orientale punktet. Die Besteigung der Ludwigshöhe – mit 4341 Metern immerhin die Nr. 17 im Alpenranking und höher als z.B. alle Berge der Berner Alpen – erfolgt über den bis zu 40° Grad steilen Nordwestgrat. Dieser etwas schmale – aber technisch unschwierige bzw. objektiv sichere – Firngrat führt von der Trasse zur Signalkuppe in wenigen Minuten (ca. 50 Höhenmeter) auf den Gipfel. Der Zustieg zur Ludwigshöhe erfolgt über – teils spaltenreiche – weite Gletscher, ist jedoch in der Regel (wie auch fast alle anderen Gipfel im Umkreis) gespurt und technisch vollkommen unschwierig – sauberes Steigeisengehen wird immerhin vorausgesetzt. Die Aussicht von der Ludwigshöhe umfasst neben den Monte-Rosa-Gipfeln (Dufourspitze, Zumsteinspitze, Signalkuppe, Parrotspitze, Schwarzhorn, Balmenhorn, Vincent-Pyramide) auch den Liskamm sowie Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn. Fantastisch sind darüber hinaus auch die Ausblicke in Richtung Poebene und Mont Blanc. Der Abstieg von der Ludwigshöhe über den Grenzgletscher zur Monte-Rosa-Hütte ist  -  von den Anforderungen her  -  ein anderes Kaliber. Der Grenzgletscher ist teilweise extrem spaltenreich und zerklüftet. Daher ist vor allem umfassende alpine Erfahrung sowie große technische Versiertheit entscheidend. Der Abstieg zieht sich ganz schön hin (man befindet sich ca. 2,5-3 Stunden auf dem Gletscher, deutlich über 1000 Höhenmeter müssen abgestiegen werden) und sollte bis ca. 13:00 Uhr beendet sein – zügiges Gehen ist hier Sicherheit. Vor allem in seinem mittleren Teil müssen einige heikle und wild-zerklüftete Gletscherbrüche durchstiegen werden, was – je nach Verhältnissen – von den Schwierigkeiten her stark variieren kann. Selbst bei schönem Wetter und vorhandener Spur ein sehr ernsthafter und hochalpiner Gletscher! Die Impressionen auf dem Grenzgletscher – eingebettet zwischen der eisigen Liskamm Nordwand und dem imposanten Monte-Rosa-Massiv sowie mit Blick zu den Zermatter Parade-4000ern – sind gigantisch! Über Blockwerk, Schutt, Geröll und vom Gletscher glatt geschliffene Platten geht es schließlich zur Monte-Rosa-Hütte. Von dort führt ein teilweise gesicherter Steig steil und schroff bergab auf den Grenzgletscher. Über einen mit Markierungsstangen versehenen „Wanderweg“ (Anseilen nicht nötig, aber Steigeisen durchaus empfehlenswert – nicht von den „Turnschuhtouristen“ täuschen lassen) geht es anschließend über Grenz – und Gornergletscher zum Gornergrat. Mit Hilfe von steilen Leitern geht es vom Gletscher wieder bergauf – anschließend leitet ein ausgeschilderter und markierter Bergpfad noch 150 Höhenmeter in westliche Richtung hinauf zur Station Rotenboden, von wo aus es schließlich mit der elektrisch betriebenen Gornergrat-Zahnradbahn talwärts nach Zermatt geht.

Gefahren:  Heikle Spaltenzone oberhalb der Capanna Gnifetti sowie große Querspalten westlich der Vincent-Pyramide – ansonsten auf Ghiacciaio di Garstelet und Ghiacciaio del Lys orientale die übliche Vorsicht wegen „normaler“ Spalten vonnöten. Die Gletscher - / Firnhänge erreichen maximal eine Steilheit von ca. 30° Grad. Wer sich extrem dämlich anstellt, kann auch beim gesicherten Gipfelanstieg zum Balmenhorn abstürzen – grundsätzlich jedoch ein weitgehend risikofreier und ungefährlicher Gipfel. Beim Weiterweg zur Ludwigshöhe Gletscherflanken (unter Umständen kleinere Spalten) und ein kurzer Firngrat (40° Grad) – jedoch keine objektiven Gefahren. Der Abstieg über den Grenzgletscher ist lang, teilweise heikel bzw. durchaus gefährlich und – zu Recht – berüchtigt! Auf lange Zeit hin große Spaltensturzgefahr – riesige Querspalten, kleine (mit tückisch-dünnem Schnee gefüllte) Spalten – von allem ist etwas vorhanden. Immer wieder muss man kurz anhalten und sich den sichersten Weg suchen – ein gutes Gespür für zerrissene und spaltenreiche Gletscher ist daher zwingend erforderlich. Im mittleren Teil müssen teilweise eindrucksvoll-zerklüftete Gletscherbrüche durchstiegen werden – da hier naturgemäß nicht gesichert wird (Zeitfaktor!) – ist ein Ausrutscher/Absturz in eine der vielen (und teilweise etliche Meter tiefen) Mulden, Löcher, Spalten und Gruben tabu! Bei schlechtem Wetter (Whiteout, Nebel usw.) und nicht vorhandener Spur wird der Grenzgletscher rasch zur lebensgefährlichen Falle – die Orientierung ist dann so gut wie unmöglich – ein optimales Zurechtfinden im Gewirr aus Gletscherbrüchen und Spalten ist ausgeschlossen. Daher den Gletscher nur bei besten Bedingungen begehen! Ebenso sollte man technisch versiert und mit hochalpinem Terrain vertraut sein – oder aber einen erfahrenen Tourenpartner (z.B. einen Bergführer) haben.

Am nächsten Morgen machen wir uns zusammen mit vielen anderen Gruppen früh auf den Weg. Direkt hinter der Capanna Gnifetti heißt es zunächst einmal, die heikle Spaltenzone zu überqueren. Aufgrund des harten Firns – und der damit verbundenen stabilen Spaltenbrücken – gestaltet sich dies aber völlig problemlos. Anschließend geht es – nur mäßig ansteigend – über eine weite Gletscherfläche – in Richtung der Vincent-Pyramide Südwestflanke.

[Bild: Aufstieg über den Ghiacciaio di Garstelet]

[Bild: Blick zurück zur Capanna Gnifetti  -  rechts in der Ferne der Gran Paradiso 4061 m.]

[Bild: Einreihen in die Karawanenstraße]

Nach kurzer Zeit nehmen die Firnflanken deutlich an Steilheit zu (maximal 30° Grad). Immer den deutlichen Spuren folgend, steigen wir über teils spaltenreiche Firnhänge konstant in Richtung Norden bergauf. Zwar ist der Ghiacciaio di Garstelet von einigen größeren Querspalten durchzogen – sie lassen sich aber problemlos und ohne Bedenken überqueren.

[Bild: Blick nach Süden in Richtung Poebene]

[Bild: Der Ghiacciaio di Garstelet ist spaltenreich!]

In einem Bogen – die Gletscherbrüche des Ghiacciaio del Lys orientale zu unserer Linken sowie die Séracs der Vincent-Pyramide zu unserer Rechten – geht es schließlich bergauf in nordöstliche Richtung.

[Bild: Über den südlichen Walliser Alpen schwebt (wie schon die Tage zuvor) eine dichte Wolkendecke  -  rechts in der Ferne der Gran Paradiso 4061 m.]

[Bild: Auf dem Ghiacciaio di Garstelet  -  hinten das Balmenhorn 4167 m.]

An der Stelle, wo Ghiacciaio di Garstelet und Ghiacciaio del Lys orientale in einander übergehen (südwestlich des Balmenhorns), müssen wir – wie schon tags zuvor – ein paar riesige Querspalten überqueren. Kurz darauf wird das Gelände deutlich flacher und schließlich erreichen wir die Gletschermulde nordwestlich der Vincent-Pyramide.

[Bild: Blick zur Vincent-Pyramide 4215 m. und zu den riesigen Querspalten]

Schon jetzt sind die Ausblicke zur sonnenbeschienenen Liskamm Südostwand sowie über die von einer dichten Wolkendecke bedeckte Poebene absolut gigantisch.

[Bild: Blick in Richtung Süden]

[Bild: Schneedomspitze 4272 m. und Liskamm Ostgipfel 4527 m.]

[Bild: Kurze Pause  - rechts Balmenhorn 4167 m. und Schwarzhorn 4322 m.]

Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf Richtung Balmenhorn. Dazu bleiben wir nicht weiter auf der Haupttrasse zur Signalkuppe, sondern folgen einer anderen Spur über mäßig steile Firnhänge (maximal 30° Grad) um den markanten – aber wenig selbständigen – Felskamm des Balmenhorns herum.

[Bild: Grandiose Aussicht in Richtung Süden!]

[Bild: Auf dem Weg zum Sattel zwischen Schwarzhorn und Balmenhorn - links die Ludwigshöhe]

Es gilt, den überfirnten Sattel zwischen Schwarzhorn und Balmenhorn anzupeilen.

[Bild: Balmenhorn 4167 m.]

Über sanft geneigte und praktisch spaltenfreie Firnhänge steigen wir unschwierig hinauf und erreichen schon nach kurzer Zeit den felsigen Gipfelaufbau (unter Umständen bzw. je nach Zustieg kann der Bergschrund Probleme bereiten – Ausaperung!)  -  Dieser ist mit Hilfe von Eisenbügeln und einem dicken Fixseil auf A0 entschärft – ohne technische Schwierigkeiten geht es unmittelbar empor zum Gipfel des Balmenhorns (4167 m.)

[Bild: Gipfelaufbau des Balmenhorns]

Zwar mag es kein offizieller 4000er und schon gar kein eigenständiger Berg sein – ein kecker Felsgipfel ist es aber allemal. Dass die Aussicht fantastisch ist, versteht sich zudem von selbst: Im Süden direkt gegenüber der eisige Firndom der Vincent-Pyramide. Rechts davon die endlosen Weiten der Poebene – in der Ferne zudem Gran Paradiso und Mont Blanc. Weiter Richtung Nordwesten der grandiose Liskamm (als elegantes Horn!). Nordöstlich gegenüber die spitze Felspyramide des Schwarzhorns – im Norden schließlich die imposante Dufourspitze. Das Balmenhorn ist mit einer großen Christusstatue („Christo delle Vette“) und einem Biwak dekoriert – trotzdem ist seine alpinistische Bedeutung eher gering. Es wird hauptsächlich von 4000er-Sammlern – oder aber der Akklimatisation wegen – bestiegen. Wir bleiben einige Minuten auf dem felsigen Gipfel, machen Fotos und freuen uns über unseren sechsten (bzw. fünften) 4000er.

[Bild: Ludwigshöhe 4341 m. und Schwarzhorn 4322 m.]

[Bild: Blick zum eisigen Firndom der Vincent-Pyramide 4215 m.  -  dahinter die endlosen Weiten der Poebene]

[Bild: Auf dem Gipfel des Balmenhorns 4167 m.  -  im Hintergrund die Vincent-Pyramide 4215 m.]

[Bild: Der Christo delle Vette wacht über die Bergsteiger  -  im Hintergrund Schneedomspitze 4272 m. und Liskamm Ostgipfel 4527 m.]

[Bild: Wie aus dem Flugzeug: Blick über das Bivacco Felice Giordano al Balmenhorn in Richtung Süden - rechts in der Ferne der Gran Paradiso]

[Bild: Gruppenfoto - Auf dem Gipfel des Balmenhorns 4167 m.]

Nach kurzer Zeit steigen wir über den steilen – aber versicherten – Gipfelaufbau wieder bergab in den Firnsattel zwischen Balmenhorn und Schwarzhorn.

[Bild: Der mit Eisentritten und einem dicken Fixseil versicherte Gipfelaufbau]

Während sich direkt nach uns eine andere Gruppe bereit macht, den Gipfel zu besteigen, folgen wir der Spur über einen mäßig steilen Firnhang in nordöstliche Richtung.

[Bild: Auf dem Weg zur Ludwigshöhe  -  rechts das kecke Schwarzhorn 4322 m.]

Über einen harmlosen Bergschrund geht es weiter bergauf – schließlich queren wir eine 25-30° Grad steile Firnflanke schräg nach rechts hinauf, bleiben jedoch knapp unterhalb des Zurbriggen Jochs (4279 m.) – der überfirnten Scharte zwischen Ludwigshöhe und Schwarzhorn.

[Bild: Blick zurück zum Balmenhorn 4167 m.]

[Bild: Schneedomspitze 4272 m. und Liskamm Ostgipfel 4527 m.  -  rechts im Hintergrund Dent Blanche, Ober Gabelhorn und Zinalrothorn]

Letzteres ragt direkt gegenüber auf – sein Gipfel wäre über eine kurze (etwa 45-50° Grad steile) Firnflanke schnell zu haben, Oliver will jedoch heute – hinsichtlich des Zeitmanagements – nur technisch vollkommen unschwierige Gipfel besteigen. Mir blutet angesichts dieser ausgelassenen 4000er-Gipfeloption ein wenig das Herz (und ich will nicht so recht verstehen, dass dieser 20-Minuten Abstecher nicht drin gewesen wäre) – diesmal wird es aber leider definitiv nichts mit dem „Corno Nero“ (4322 m.) – Schade!

[Bild: Schwarzhorn 4322 m.]

[Bild: Knapp unterhalb des Zurbriggen Jochs - im Hintergrund die Ludwigshöhe 4341 m.]

Stattdessen machen wir uns auf, den unmittelbar angrenzenden Firnbuckel der Ludwigshöhe zu besteigen. Dazu folgen wir zunächst einer breit ausgetretenen Spur in nordöstliche Richtung. Über einen mäßig steilen Firnhang geht es bergauf zum Nordwestgrat.

[Bild: Über einen Firnhang geht es schräg bergauf zum Nordwestgrat der Ludwigshöhe]

Auf seiner – zunächst noch breiten, weiter oben etwas schmalen und luftigen – Firnschneide steigen wir unschwierig empor zum überfirnten Gipfel der Ludwigshöhe (4341 m.)

[Bild: Ein Firngrat leitet in Richtung Gipfel]

Das Panorama ist weit und gigantisch: Im Nordosten direkt gegenüber die formschöne Parrotspitze – dahinter im Norden (scheinbar zum Greifen nah, jedoch für mich an diesem Tag unerreichbar) Signalkuppe, Zumsteinspitze und Dufourspitze. Im Süden die Vincent-Pyramide, das spitze Schwarzhorn und das Balmenhorn. Im Osten der Liskamm und links dahinter in der Ferne der Mont Blanc. Richtung Nordwesten zeigt sich die ganze Parade der Zermatter 4000-Riesen: Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn. Am eindrucksvollsten ist jedoch der unmittelbare Tiefblick Richtung Osten/Südosten – über die von einem Wolkenmeer bedeckten südöstlichen Walliser Alpen.

[Bild: Dufourspitze 4634 m. - Zumsteinspitze 4563 m. - Signalkuppe 4554 m. und Parrotspitze 4432 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Blick Richtung Nordwesten - Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn  -  von links nach rechts]

[Bild: Blick zum eisigen Liskamm  -  in der Ferne Mont Blanc und Grand Combin]

[Bild: Vincent-Pyramide 4215 m. - Schwarzhorn 4322 m. und Balmenhorn 4167 m.  -  von links nach rechts  -  rechts in der Ferne der Gran Paradiso]

[Bild: Aussichten wie aus dem Flugzeug]

[Bild: Auf dem Gipfel der Ludwigshöhe 4341 m.]

Wir schießen einige Fotos und genießen die fantastische Aussicht – angesichts des eisigen Windes machen wir uns jedoch schon nach wenigen Minuten wieder an den Abstieg. Dazu geht es über den Nordwestgrat zunächst ein Stück zurück – nach kurzer Zeit leitet eine Spur jedoch nach rechts und über einen Firnhang steigen wir schräg nach Norden bergab bis unter das Piodejoch (4283 m.) – dem Sattel zwischen Ludwigshöhe und Parrotspitze.

[Bild: Abstieg von der Ludwigshöhe  -  im Hintergrund die Parrotspitze 4432 m. und links dahinter die Signalkuppe 4554 m. mit der Capanna Regina Margherita]

Direkt gegenüber ragt die formschöne Parrotspitze in den Himmel und ich erkenne die Spur, die in Richtung Gipfel führt – aber auch dieser 4000er ist angesichts des noch zu bewältigenden Abstiegs nicht drin. Über eine sanft abfallende Firnflanke steigen wir bergab in das oberste Becken des Grenzgletschers.

[Bild: Eine Spur leitet ins oberste Becken des Grenzgletschers - rechts die Dufourspitze 4634 m.  -  im Hintergrund Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

[Bild: Blick zurück zur Ludwigshöhe 4341m.]

Wir passieren die Abzweigung zur Signalkuppe (ich blicke ein wenig traurig in Richtung Capanna Regina Margherita) – und beginnen schließlich den Abstieg zur Monte-Rosa-Hütte.

[Bild: Blick zur Signalkuppe 4554 m.]

[Bild: Dufourspitze 4634 m. - Zumsteinspitze 4563 m. und Signalkuppe 4554 m.  -  von links nach rechts]

Da wir eine gute Spur vorfinden, nach wie vor traumhaft-schönes Wetter herrscht und Oliver den Gletscher zudem bereits zweimal begangen hat, mache ich mir keine Sorgen wegen der Orientierung.

[Bild: Zumsteinspitze 4563 m. und Signalkuppe 4554 m.]

[Bild: Liskamm Ostgipfel 4527 m.]

Zwischen eindrucksvollen Gletscherbrüchen (nordöstlich die Séracs des Zumsteinspitze Südwestgrates!) steigen wir zunächst über einen mäßig steilen Firnhang schräg nach rechts bergab bis unter die Ausläufer der Dufourspitze.

[Bild: Abstieg über den obersten Teil des Grenzgletschers  -  links im Hintergrund Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

[Bild: Liskamm Ostgipfel 4527 m. - rechts das Matterhorn 4478 m.]

Der Grenzgletscher ist in diesem Teil weitgehend spaltenfrei, lediglich einige größere Querspalten durchziehen ihn im mittleren Teil. Daher halten wir uns insgesamt rechts (nördlich – an die Séracs der Dufourspitze Südwand) und steigen in einem Bogen weiter abwärts.

[Bild: Am rechten (nördlichen) Rand des Gletschers geht es weiter abwärts]

Nicht zu unterschätzen ist neben der ständig präsenten Spaltensturzgefahr auch die Möglichkeit von Eisschlag! Die landschaftlichen Eindrücke (die eisige Liskamm Nordwand! – Matterhorn, Dent Blanche, Weisshorn usw.) sind unterdessen absolut grandios. Am rechten (nördlichen) Rand des Gletschers geht es über sanft geneigte Firnflanken ein gutes Stück bergab – wobei wir Kurs halten auf die markanten Gletscherbrüche unterhalb des Dufourspitze Südwestgrates.

[Bild: Auf dem Grenzgletscher - im Hintergrund Dent Blanche und Ober Gabelhorn]

Über weite Gletscherhänge geht es – zuletzt rechts neben gewaltigen Gletscherbrüchen – weiter abwärts in eine ebene und praktisch spaltenfreie Mulde – südwestlich unterhalb des Punktes 4026 m. Dort machen wir eine kurze Pause – auch um das fantastische Panorama entsprechend zu würdigen.

[Bild: Blick zurück - deutlich ist die Spur zu erkennen, welche um die Gletscherbrüche in einem Bogen herumführt]

[Bild: Liskamm Nordwand]

Schließlich setzten wir den Abstieg fort. Über eine ebene Gletscherfläche geht es weiter in nordwestliche Richtung. Wir halten Kurs auf einen markanten Felspfeiler (Punkt 3700 m.) und steigen schließlich an ihm vorbei.

[Bild: Am markanten Punkt 3700 m. geht es links vorbei  -  im Hintergrund das Breithorn-Massiv, Matterhorn, Dent Blanche und Ober Gabelhorn]

[Bild: Blick zurück über den oberen Teil des Grenzgletschers]

Über sanft geneigte – aber spaltenreiche – Firnhänge steigen wir weiter abwärts.

[Bild: Abstieg über den spaltenreichen Grenzgletscher  -  im Hintergrund das Breithorn-Massiv, Matterhorn, Dent Blanche, Ober Gabelhorn und Zinalrothorn]

Nach einiger Zeit erreichen wir eine extrem zerklüftete Gletscherbruchzone – nun zeigt der Grenzgletscher seine Zähne! Zwar leitet eine Spur durch bzw. über das Labyrinth aus Spalten, Séracs, Löcher, Mulden und Abbrüchen – ein Sturz ist hier aber unbedingt zu vermeiden, da grundsätzlich nicht gesichert wird (es ist auch nicht nötig bzw. würde zudem viel zu viel Zeit kosten!). Perfekte Trittsicherheit, sicheres Steigeisengehen und eine mit solch alpinem Terrain vertraute Psyche sind eher entscheidend.

[Bild: In der Gletscherbruchzone  -  im Hintergrund Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

[Bild: Menschenfallen]

[Bild: In der Gletscherbruchzone]

Mit Umsicht, Vorsicht und Konzentration steigen wir über Gletscherbrüche und Spaltenbrücken weiter bergab – bis wir schließlich diesen etwas heikleren Teil hinter uns gebracht haben. Anschließend halten wir uns weiter am rechten (nördlichen) Rand des Grenzgletschers.

[Bild: Nach der anspruchsvollen Gletscherbruchzone halten wir uns am rechten (nördlichen) Rand des Grenzgletschers  -  im Hintergrund Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

[Bild: Blick zurück zur Gletscherbruchzone - dahinter der Liskamm Ostgipfel 4527 m.]

[Bild: Abstieg über den Grenzgletscher  -  im Hintergrund Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

[Bild: Dieser imposante Gletscherbruch muss durchquert werden - im Hintergrund der Liskamm Ostgipfel 4527 m.]

Über extrem spaltenreiche Firnhänge steigen wir weiter abwärts – an einer besonders wilden Sérac-Zone (südöstlich der Oberen Plattje) geht es links vorbei.

[Bild: Was für Gletscherbrüche!]

Zwar ist der Grenzgletscher in diesem Bereich wirklich stark zerklüftet (einige wirklich erschreckend tiefe „Menschenfallen“ unmittelbar neben der Spur!) – allerdings sind die meisten Spalten gut erkennbar sowie in der Regel problemlos überquerbar. Nichtsdestotrotz sollte man sich der Gefahr permanent bewusst sein.

[Bild: Blick über den stark zerrissenen Grenzgletscher zum imposanten Liskamm]

So geht es für längere Zeit am rechten Gletscherrand entlang (östlich oberhalb einige unübersichtliche Gletscherbrüche – Übergangsbereiche zwischen Grenz – und Monte Rosa-Gletscher).

[Bild: Abstieg über den Grenzgletscher  -  im Hintergrund Matterhorn, Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

Je mehr wir an Höhe verlieren, desto eher zeigt sich der Gletscher von seiner ausgeaperten Seite. Über weite und äußerst spaltenreiche Gletscherflanken (im Schnitt etwa 20° Grad steil) geht es weiter bergab.

[Bild: Blick zurück zur Gletscherbruchzone]

[Bild: Auf dem extrem spaltenreichen Grenzgletscher]

[Bild: Im Angesicht der eisgepanzerten Liskamm Nordwand  -  links der Ostgipfel 4527 m. - rechts der Westgipfel 4479 m.]

Schließlich wechseln wir vom – zuletzt stark ausgeaperten (Blankeis!) und teilweise mit Schutt bedeckten – Gletscher auf die Untere Plattje.

[Bild: Auf der Unteren Plattje  -  im Hintergrund Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

[Bild: Schwarzfluh 4075 m. - Östlicher Breithornzwilling 4106 m. - Westlicher Breithornzwilling 4139 m. und Breithorn Mittelgipfel 4159 m.  -  von links nach rechts]

[Bild: Castor 4223 m. - Pollux 4093 m. und Zwillingsgletscher]

[Bild: Liskamm Westgipfel 4479 m.]

Da wir nun alle geländetechnischen Schwierigkeiten und objektiven Gefahren hinter uns haben, nehmen wir die Seile ein, montieren die Steigeisen ab und machen uns auf den Weg zur Monte-Rosa-Hütte. Dazu folgen wir einem deutlichen Pfad über Blockwerk, Geröll, Schutt und Felsplatten in nordwestliche Richtung. Nach kurzer Zeit vereinigt sich unser „Weg“ mit der Normalroute zur Dufourspitze.

[Bild: Abstieg über die Untere Plattje zur Monte-Rosa-Hütte  -  in der Tiefe der Gornergletscher - im Hintergrund Dent Blanche, Ober Gabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn]

Über große Felsblöcke geht es teilweise etwas mühsam über die Untere Plattje – vorbei an einem gigantischen Felsblock – bis zur Neuen Monte-Rosa-Hütte (2883 m.)

[Bild: Eine nette Boulder-Möglichkeit?!]

[Bild: Neue Monte-Rosa-Hütte 2883 m. - links der Grenzgletscher - im Hintergrund Matterhorn (in Wolken), Dent Blanche und Ober Gabelhorn - rechts der Gornergrat]

Oliver erkundigt sich sofort, ob wir eventuell noch 8 Schlafplätze bekommen könnten, was aber (wie erwartet) nicht der Fall ist. Daher müssen wir heute noch nach Zermatt – und da die wenigsten Lust auf einen weiteren stundenlangen Abstieg (5-6 Stunden) über 1300 Höhemeter (über den gesamten Gornergletscher) haben, heißt das für uns, dass rechtzeitig zur Station Rotenboden des Gornergrates gelangen müssen. Wir schauen auf die Uhr – kein Problem! – das schaffen wir zeitlich auf jeden Fall. Daher machen wir auch eine etwas längere Pause und genießen die fantastische Aussicht von der Hüttenterrasse.

[Bild: Grenzgletscher - rechts vereinigt er sich mit dem Gornergletscher  -  im Hintergrund Matterhorn (in Wolken), Dent Blanche und Ober Gabelhorn]

[Bild: In der Mitte der Grenzgletscher - dahinter der Zwillingsgletscher  -  im Hintergrund Castor, Zwillingsjoch, Pollux und Schwarzfluh]

[Bild: Der Liskamm ist einer der schönsten Eisgipfel der Alpen! - rechts der Castor]

[Bild: Die Neue Monte-Rosa-Hütte ist Ausgangspunkt für eine Besteigung von Dufourspitze und Nordend  -  zwischen der Hütte und den höchsten Gipfeln der Schweiz liegen aber immer noch etwa 1750 Höhenmeter - was für Dimensionen!]

Allzulange können wir uns dann aber doch nicht entspannen – schließlich stehen uns noch etwa 3 Stunden Gehzeit (zudem 250 Höhenmeter Abstieg und 300 Höhenmeter Aufstieg) bevor. Von der Monte-Rosa-Hütte folgen wir einem angelegten Bergsteig zunächst über begrünte und mit Felsplatten – bzw. Blöcken bedeckte Hänge bergab.

[Bild: Blick zurück zur Monte-Rosa-Hütte  -  im Hintergrund das mächtige Monte-Rosa-Massiv]

[Bild: Abstieg von der Monte-Rosa-Hütte  -  in der Tiefe der Grenzgletscher  -  links im Hintergrund Dent Blanche und Ober Gabelhorn  -  rechts der Gornergrat]

Nach kurzer Zeit wird das Gelände deutlich schroffer und felsiger. Auf einem der Unteren Plattje vorgelagerten Moränenrücken geht es weiter in nordwestliche Richtung.

[Bild: Blick über die wild-zerrissenen Eisströme von Grenz- und Zwillingsgletscher in Richtung Liskamm, Castor und Pollux]

Über Felsblöcke, Schutt und vom Gletscher glattgeschliffene bzw. freigelegte Platten (Vorsicht bei Nässe!) steigen wir weiter abwärts zum Grenzgletscher.

[Bild: Abstieg in Richtung Grenzgletscher  -  links hinten das Ober Gabelhorn  -  im Hintergrund der langgezogene Gornergrat]

Mittlerweile – nach 5 anstrengenden Tagen in Schnee und Eis – spüre ich (bei so einem felsig-schroffen Bergsteig) auch meine – von einer Verletzung lädierten – Knie, ich falle etwas hinter den anderen zurück.

[Bild: Grenzgletscher  -  im Hintergrund Matterhorn (in Wolken), Dent Blanche und Ober Gabelhorn  -  von links nach rechts]

Schließlich geht es mit Hilfe von Holztreppen und einigen Drahtseilsicherungen bergab auf den aperen Gletscher – es ist erstaunlich und traurig zugleich, wie weit das „ewige Eis“ auch hier zurückgegangen ist.

[Bild: Abstieg zum Grenzgletscher]

[Bild: All diese Felsen waren vor einigen Jahren noch vom Grenzgletscher bedeckt]

Auf dem Gletscher angekommen, seilen wir uns nicht erneut an – der Weg über Grenz – und Gornergletscher zum Gornergrat ist mit Markierungsstangen versehen.

[Bild: Wieder auf dem Grenzgletscher  -  links oben die Neue Monte-Rosa-Hütte 2883 m.  -  im Hintergrund der Liskamm]

[Bild: Auf dem Grenzgletscher  -  links das Riffelhorn 2928 m. - dahinter die Dent Blanche 4357 m.]

Zudem sind die Gletscher in diesem Bereich ausgeapert, daher ist ein seilfreier Übergang problem – bzw. bedenkenlos durchführbar. Nichtsdestotrotz haben in meinen Augen die zahlreichen „Turnschuhtouristen“ – die uns da entgegen kommen – auf dem Gletscher nichts verloren. Denn während wir der ausgewiesenen Route über den Gletscher folgen, kommen wir an einigen tiefen Spalten vorbei – deren Wände aufgrund des Blankeises und der Ausaperung hoffnungslos glatt sind. Ein unglückliches Abrutschen auf einem der Eisbrüche ist daher unbedingt zu vermeiden (Steigeisen durchaus empfehlenswert!)

[Bild: Auf dem Grenzgletscher]

Mit zunehmender Zeit entfernen wir uns immer weiter vom Monte-Rosa-Massiv – der Blick zurück zeigt uns, dass anscheinend tatsächlich ein Wetterumschwung bevorsteht. Über Liskamm und Castor haben sich dichtere Wolken gebildet – was wäre wohl aus der möglichen Überschreitung von der Signalkuppe zur Dufourspitze geworden, wenn wir Plätze auf der Capanna Regina Margherita bekommen hätten. So wie es gekommen ist, ist es wohl am besten.

[Bild: Blick zurück über den Grenzgletscher zum Monte Rosa - die Wolken über dem Liskamm kündigen den kommenden Wetterumschwung an]

Schließlich erreichen wir das nördliche – mit Schutt und Geröll bedeckte – Ende des Grenzgletschers. Von dort folgt ein kurzer Gegenanstieg über eine langgezogene Geröllmoräne – bestehend aus großen Felsblöcken – bzw. Platten und Schutt – welche sich zwischen Grenz – und Gornergletscher befindet. Über schroffe Felsblöcke und Geröll geht es ein kurzes Stück bergauf, nach kurzer Zeit leiten die Markierungsstangen aber erneut schräg nach links über einen mit Blockwerk bedeckten Blankeishang abwärts.

[Bild: Übergang vom Grenz- zum Gornergletscher  -  links das Riffelhorn 2928 m.]

Wir befinden uns nun auf dem Gornergletscher. Auf seinem schmutzig-grauen Eis (bedeckt mit Geröll und Schutt) steigen wir noch ein gutes Stück aufwärts – immer in Richtung des langgezogenen Gornergrates. Einige harmlose (ausgeaperte und daher offene) Spalten müssen noch umgangen sowie überquert werden, schließlich erreichen wir aber die untersten Felsen des Gornergrates.

[Bild: Blick zurück über den Gornergletscher zum Grenzgletscher  -  im Hintergrund Liskamm Westgipfel 4479 m. - Castor 4223 m. - Pollux - Schwarzfluh 4075 m. - Östlicher Breithornzwilling 4106 m. und Westlicher Breithornzwilling 4139 m.  -  von links nach rechts]

Bedingt durch den Rückgang bzw. das Abschmelzen des Gletschers, hat sich die vertikale Differenz zwischen dem von der Station Rotenboden nach Osten führenden Steig und dem Gornergletscher massiv erhöht. Der stark felsige Aufstieg über mit Fixseilen versicherte Gletscherschliffe ist steil, schroff und keinesfalls zu unterschätzen.

[Bild: Aufstieg über schroffe und  ziemlich glatte Gletscherschliffe]

Teilweise geht es mit Hilfe von nahezu senkrechten Eisenleitern über sehr steile Felsen bergauf. Einmal hilft sogar eine kleine Brücke.

[Bild: Die Folgen des Gletscherrückgangs sind deutlich zu sehen]

Bei nassen bzw. vereisten Felsen ist hier große Vorsicht geboten! Der Rückgang der Gletscher stellt die Menschen auch hier vor stetig neue Herausforderungen. Nach einiger Zeit erreichen wir auf einem angelegten Bergsteig die (dem Gornergrat vorgelagerte) hügelige Gegend „Gadmen“ – südlich des Hohtälligrates.

[Bild: Blick zurück zum Gornergletscher -  rechts die wilden Nordabstürze des Nordends]

In einigem Auf und Ab folgen wir dem Steig über ein paar begrünte Erhebungen in westliche Richtung.

[Bild: Blick zurück zum Gornergletscher und zum Monte-Rosa-Massiv]

Schließlich erreichen wir eine begrünte und teilweise mit Blockwerk bedeckte Ebene.

[Bild: Auf dem Weg zur Station Rotenboden  -  im Hintergrund das Matterhorn]

Von hier aus haben wir eine großartige Aussicht zum Monte Rosa, zum zerrissenen Eisstrom des Grenzgletschers und zum darüber aufragenden Liskamm. Aber auch Castor, Pollux und Breithorn zeigen von hier ihre schroffsten Seiten. Wir setzen den Aufstieg zur Station Rotenboden fort und folgen einem angelegten Bergsteig an den südlichen Ausläufern des Gornergrates („Usser Gornerli“) entlang in westliche Richtung. An – mit Blockwerk bzw. Geröll bedeckten – steilen Grasflanken leitet der Weg nur mäßig ansteigend aufwärts – das eindrucksvolle Riffelhorn (2928 m.) stets vor Augen. Dieser letzte Wegabschnitt gestaltet sich trotz des mittlerweile etwas schlechteren Wetters als einzige große Panoramaschau – die Aussicht auf die den Gorner – bzw. Grenzgletscher überragenden Gipfel ist schlichtweg atemberaubend. Nur das Matterhorn hüllt sich mehr oder weniger komplett in Wolken.

[Bild: Der Monte Rosa - das mächtigste und zweithöchste Gebirgsmassiv der Alpen]

[Bild: Liskamm und Grenzgletscher]

[Bild: Monte Rosa und Liskamm]

[Bild: Auf dem Weg zur Station Rotenboden - in der Bildmitte das Riffelhorn 2928 m. - dahinter das Matterhorn]

[Bild: Grandioser Ausblick zum Gornergletscher  -  im Hintergrund Monte Rosa, Grenzgletscher und Liskamm]

[Bild: Blick zum langen Eisstrom des Gornergletschers - im Hintergrund Castor, Pollux, Breithorn-Massiv und Klein Matterhorn  -  von links nach rechts]

Schließlich leitet der stets einfache und bequem begehbare Steig an einer grasigen Steilflanke in einem Bogen hinauf in den Sattel „Murischloch“ (alternativ: Moritzloch 2775 m.) – zwischen Riffelhorn und Gornergrat.

[Bild: Das Riffelhorn 2928 m. stets vor Augen, geht es auf einem einfachen Bergweg Richtung Station Rotenboden]

Auf simplen Bergsteigen geht es das letzte Stück bergauf zur Station Rotenboden des Gornergrates (2815 m.)

[Bild: Kurz vor der Station Rotenboden - links im Hintergrund Ober Gabelhorn 4063 m. und Zinalrothorn 4221 m.]

Diese letzte (Zwischen-)Station der Zermatter Gornergratbahn vor dem Endziel – Gornergrat (3135 m.) – ist in zweierlei Hinsicht bedeutend. Als Ausgangspunkt für den Weg zur Monte-Rosa-Hütte (und als Startpunkt für Dufourspitz-Aspiranten) besitzt die Station Rotenboden eine großen Wert für Bergsteiger und Alpinisten. Berühmt und vielbesucht ist dieser Ort aber vor allem aufgrund des nahen Riffelsees (2757 m.) – einem kleinen Bergsee zwischen Station Rotenboden und Riffelhorn – in welchem sich bei schönem Wetter und eisfreien Verhältnissen das Matterhorn auf geradezu ideale Weise spiegelt. Es gilt als „eines der begehrtesten Fotomotive der Schweiz“ – und gerade bei einfachen Touristen gehört ein Besuch des Riffelsees zum absoluten Muss! In unserem Fall wird leider nichts daraus – Wolken hüllen das Matterhorn ein und die Lichtverhältnisse sind mittlerweile auch alles andere als optimal. Nachdem wir schließlich unser Ticket nach Zermatt gelöst haben (für stolze 36 CHF) – bleibt uns noch eine gute halbe Stunde Zeit, die Aussicht auf die uns umgebenden Berge zu genießen. Zwar bilden sich über den Zermatter-Viertausendern zunehmend Wolken – dennoch bieten sich uns zum Abschluss dieser Hochtour noch einmal prächtige Ausblicke in Richtung Monte Rosa, Liskamm, Castor, Pollux, Breithorn-Massiv, Matterhorn, Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn.

[Bild: Monte Rosa, Grenzgletscher, Liskamm, Zwillingsgletscher, Castor und Pollux  -  von links nach rechts]

[Bild: Das Breithorn-Massiv in all seiner Pracht  -  links Castor und Pollux - rechts das Klein Matterhorn]

[Bild: Station Rotenboden 2815 m. des Gornergrates]

[Bild: Bei der Station Rotenboden 2815 m. des Gornergrates  -  im Hintergrund Ober Gabelhorn 4063 m. - Zinalrothorn 4221 m. und Weisshorn 4505 m.  -  von links nach rechts]

Erfüllt mit den großartigen Eindrücken der letzten fünf Tage, geht es schließlich mit der Gornergratbahn bergab nach Zermatt – ein Kreis schließt sich. Im „Aparthotel Monte Rosa“ in Täsch (sehr zu empfehlen, sauber und relativ preisgünstig – großartige Croissants zum Frühstück!) verbringen wir die Nacht – eine sofortige und unmittelbare Rückreise nach Deutschland wäre für uns alle nach dem langen Tag heute nicht mehr zu verantworten gewesen. Unter anderem bei einem tollen Abendessen – können wir so schließlich noch die vergangenen fünf Tage ausklingen bzw. Revue passieren lassen. Während wir uns ausgelassen über Gott und die Welt unterhalten, verschlechtert sich in der Ferne über dem Breithorn zusehends das Wetter – in der Tat, ein eventueller Übergang von der Capanna Regina Margherita über die Dufourspitze zur Monte-Rosa-Hütte am morgigen Tag hätte wohl in einem Fiasko geendet. Die höchsten Monte-Rosa-Gipfel werden ein anderes Mal das Ziel einer Hochtour sein.

[Bild: Blick am Abend zum Breithorn 4164 m. und zum Klein Matterhorn 3883 m.]

Am nächsten Morgen geht es schließlich über Matter – und Rhonetal, Furka – und Oberalppass, Lichtenstein und die Inntalautobahn zurück nach Deutschland.

Alles in allem war es mit Sicherheit die bis zu diesem Zeitpunkt landschaftlich großartigste Berg – bzw. Hochtour meines Lebens. Diese fünf Tage in den Walliser Alpen haben mich schlichtweg überwältigt – weder was die Höhe, noch was die Dimensionen angeht, habe ich bis dahin etwas Vergleichbares erlebt. Meine Erwartungen wurden nicht einfach übertroffen – sie wurden pulverisiert! Die erste Westalpen-Tour   -  die erste Hochtour in die Walliser Alpen  -  der erste 4000er – für mich war das alles neu und aufregend! Andere mögen schon dutzende Hoch – bzw. Klettertouren rund um Zermatt gemacht haben, für mich jedoch war dies der erste Vorstoß in große Höhen. Und ich bin mir sicher – die nächste Walliser-4000er-Tour wird kommen. Eines Tages will ich technisch dazu in der Lage sein, die großen Hörner des Wallis anzugehen – bis dahin aber, werde ich bei Hochtouren wie dieser – Erfahrung sammeln und mich stetig verbessern. Während dieser Hochtour habe ich sieben 4000er bestiegen – wobei das Breithorn (als allererster Viertausender meines Lebens), der Castor sowie der Liskamm Westgipfel hervorzuheben sind. An dieser Stelle ein Fazit zu jedem der bestiegenen Berge bzw. Gipfel abzugeben, würde wohl jeden Rahmen sprengen (und das nach 25 Seiten Tourenbericht) – jeder ist lohnend auf seine Art, jeder ist es wert, bestiegen zu werden. Zu jedem einzelnen 4000er wurde entsprechend auf Charakter, Schwierigkeiten, Gefahren, alpinistische Bedeutung und die jeweilige Aussicht hingewiesen. Ebenso sollen die zahlreichen Bilder – in die ich sehr viel Mühe und Zeit investiert habe – für sich sprechen. Wer die 4000er nicht bloß sammelt bzw. „abgrast“ – sondern jeden Gipfel als einzigartige Chance wahrnimmt, mit Freunden großartige Momente in den Alpen zu erleben, der wird stets aufs Neue die Magie der Berge erfahren. Eins steht fest: die Westalpen haben mich nicht zum letzten Mal gesehen!

[Bild: Liskamm Westgipfel 4479 m. über dem extrem spaltenreichen Grenzgletscher]

 

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